Kaufberatung (S-)VHS Videorekorder

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Inhalt

Ich führe hier aus, wie man am besten:
  1. Seine alten Aufnahmen digitalisiert
  2. Einen VHS-Videorekorder heute zum Aufnehmen von Digitalfernsehen benutzt


Zum Digitalisieren alter Aufnahmen

Man kennt es, es liegen noch einige alte VHS-Aufnahmen von Urlauben, Hochzeiten oder anderen unwiederbringlichen Ereignissen herum und man würde sie gerne mal in ein digitales Format übersetzen, um sie in der heutigen Welt am Leben zu erhalten, aber man weiß nicht, wo man anfangen soll.

Ich als erfahrener Nutzer von VHS und S-VHS helfe Ihnen bei der Wahl der Geräte, die die besten Ergebnisse aus alten Aufnahmen herausholen. 

Der Rekorder
Das Kernstück der gesamten Operation ist der Rekorder, die Qualität des Rekorders ist direkt proportional zur Qualität des digitalen Endergebnisses. Ich habe in meinem Leben bereits Geräte aller Hersteller benutzt, aus allen Epochen des VHS-Formats von den 80ern bis in die späten 2000er. 
Zum Digitalisieren kann ich allerdings nur eine Hand voll Modelle empfehlen.
Was sind die Merkmale, auf die ich beim Kaufen achten muss?
  1. Der Rekorder sollte unbedingt über einen TBC verfügen. Ein Time-Base-Corrector "zieht das Bild für ein digitales Aufnahmegerät gerade". Dies ist wichtig, wenn man die analoge Aufnahme vom Band auf einem digitalen Gerät anzeigen oder aufnehmen möchte. Wenn man keinen TBC benutzt, kann das Bild und/oder der Ton bei einem abgenutzen Band zeitweise aussetzen, in jedem Falle ist das Bild aber unschärfer als mit einem TBC.
  2. Eine manuelle Bildschärfeeinstellung kann das Ergebnis optimieren, da verschiedene Hersteller von Camcordern beispielsweise in unterschiedlicher Schärfe aufnehmen, diese Varianz kann durch eine solche Vorrichtung ausgeglichen werden.
  3. Ein hochwertiger, aus Metall gefräster Mechanismus hilft, störendes Bildwackeln oder schräge Linien zu vermeiden.
Wenn man alle diese Merkmale berücksichtigen möchte, bleiben nicht mehr viele Modelle über. Die besten Erfahrungen habe ich persönlich mit  Panasonic-Geräten gemacht. Diese schienen immer die besten VHS-Maschinen zu sein. 

Ich selbst benutze einen   NV-FS200 von Anfang der 90er. Dieser Rekorder ist meiner Meinung nach mit das beste Consumer-Gerät, dass es gibt, wenn man nicht mehrere Hundert bis Tausend Euro für ein Profi-Gerät der AG-Serie ausgeben möchte. Wenn man dieses Modell nicht per "Sofort-Kaufen" für einen höheren Preis kaufen will, lohnt es sich, bei einer Auktion von einer Privatperson mitzubieten. Dieses Modell ist ziemlich langzeitstabil und geht nur selten kaputt.

Ein anderes Modell wäre der  NV-HS1000. Dieser ist etwas neuer, ist aber noch aus demselben Holz geschnitzt. 

Das digitale Capture-Gerät
Man sieht sie immer wieder, billige USB-Video-Grabber im Discounter oder auch hier auf eBay. Sie locken mit einem niedrigen Preis und können auch eine relativ gute Performance liefern. Wenn man einen hochwertigen Rekorder hat, sind sie eine echte Alternative. Der einzige Schwachpunkt bei ihnen ist, dass sie den MPEG-Codec nicht so gut beherrschen, wie beispielsweise ein DVD-Rekorder. Die Bildqualität ist gut, allerdings können Ruckler entstehen. Ob einen das stört, liegt im eigenen Ermessen.

Wenn man allerdings das bestmögliche Ergebnis erzielen möchte, sollte man einen DVD-Rekorder benutzen. Da gibt es viele Modelle und im Gegensatz zum VHS-Rekorder ist es nicht wirklich wichtig, welches Modell man benutzt.  Ich persönlich habe einen älteren LG DR4810. Er hat nur vorne den S-Video-Eingang und ist schon ziemlich alt, ist aber hervorragend, wenn es um das digitalisieren geht. 
Wenn man sich einen besseren DVD-Rekorder zulegt, kann es sogar sein, dass dieser einen TBC eingebaut hat. Dann wäre die Wahl des VHS-Rekorders deutlich einfacher und auch billiger.
Keine Sorge - Weiter unten im Text erkläre ich, wie man die DVD dann in eine Datei umwandelt.

Die Prozedur
Wenn man seine Geräte zusammen hat, kann man anfangen, zu digitalisieren. Vorher sollte man allerdings noch ein paar Dinge erledigen.
Vorsicht: Vor Öffnen des Gehäuses unbedingt den Stecker ziehen. Wenn man selbst nicht mit Elektronik vertraut ist, diese Arbeiten bitte einen Profi machen lassen!
  1. Entfernung des automatischen Kopfreinigers. Das erste und wichtigste bei einem Videorekorder ist die Entfernung eines eventuell vorhandenen automatischen Kopfreinigers. Diese Mechanismen wurden in VHS-Geräten implementiert, um bei jedem Auswurf einer Kassette den Kopf zu reinigen. Diese Vorrichtungen bestehen aus einem kleinen Stift, an dem ein Rädchen aus Schaumstoff befestigt ist, dass über den Kopf fährt. Problematisch ist, dass dieser Schaumstoff über die Jahre degradiert und entweder auseinanderfällt oder klebrig wird. 
    Bei Sony-Geräten gibt es einige Vorfälle, wobei dieser Schaumstoffrädchen ganze Videoköpfe aus der Kopftrommel reißt. 
    Um den Kopfreiniger zu entfernen, öffnet man das Gehäuse. Der Kopfreiniger befindet sich idR rechts von der großen, schräg liegenden Kopftrommel.
    Man kann den Stift mit dem Schaumstoff mit einer Rohrzange greifen und idR einfach raus ziehen. Vorsicht dabei, dass man nicht zu fest zieht, um den restlichen Mechanismus nicht zu beschädigen. Wenn der Stift sich nicht von selbst löst, kann man mit einer Kneifzange den Teil mit dem Schaumstoff auch einfach "abschneiden"
  2. Reinigen der Köpfe. Bei gebrauchten Videorekordern ist die Reinigung der Köpfe ein Muss. Wenn man dies nicht tut, könnte das Ergebnis verrauscht oder mit horizontalen Linien übersäht sein. 
    Methode 1: Manuell
    Wenn man das Gehäuse offen hat, gibt es drei Punkte, die man reinigen sollte. 
    Den Löschkopf, den Sync-Kopf und die primäre Kopftrommel.
    Der Lösch- und Sync-Kopf sind lineare Köpfe, die einfach mit einem in Isopropylalkohol getränkten Wattestäbchen abgeschrubbt werden können. Danach sollte man den Alkohol wahlweise mit einem anderen Wattestäbchen oder einem Papier-Handtuch wieder abwischen. 
    Die Kopftrommel ist da etwas anders. Es gilt, diese unter keinen Umständen an den Seiten mit den Händen zu berühren. Die kleinen Köpfe, die seitlich raus gucken sind extrem anfällig. Man kann die Kopftrommel auch nicht einfach mit Wattestäbchen abwischen, da selbst die Härchen auf dem Wattestäbchen den Köpfen gefährlich werden können, da sich die Köpfe in ihnen verheddern können
    Um den Kopf zu reinigen schneidet man von einem festen Papier zwei Streifen ab. Beide ungefähr 1,5cm dick. Einen der Streifen tränkt man mit Isopropylalkohol, aber nicht zu sehr. Das Papier muss den Alkohol noch auf aufsaugen können. Den feuchten Teil des Papiers drückt man dann vorsichtig auf die Seite der Kopftrommel und dreht sie mit einem Finger auf der oberen Seite vorsichtig. 3-4 Umdrehungen dürften genügen. Anschließend trocknet man sie mit dem anderen Streifen Papier wieder ab.
Eine Löschkassette kann eine Alternative sein, wenn man sich nicht zutraut, diese Prozedur selbst durchzuführen. Allerdings muss diese eine auch echtem Magnetband sein, wie beispielsweise der Sony Head-Cleaner in der blauen Packung. Das Ergebnis ist nicht optimal und es täte dem Rekorder definitiv besser, wenn man es manuell machen würde, aber es ist eine Alternative.
Auch eine Alternative sind sehr alte Chromdioxid-Videokassetten von BASF aus den 70ern/80ern mit schwarzem Plastik-Schuber oder grauen Papp-Schuber. Diese sind sehr rau und wurden früher tatsächlich als Reinigungskassetten zweckentfremdet

Niemals! sollte man eine Reinigungskassette mit einem weichen Stoffband benutzen, aus demselben Grund, warum man mit einem Wattestäbchen keine Kopftrommel reinigt. Wenn der Rekorder sauber und bereit ist, kann man noch die Linse im DVD-Rekorder reinigen, wenn es Fehler bei der Aufnahme von DVDs gibt.

Anschließen kann man die Geräte wie folgt:
Der Videorekorder hat entweder einen SCART-Ausgang hinten, einen Composite/CVBS-Ausgang oder einen S-Video-Ausgang. Den analogen Coax-Antennenanschluss sollte man aufgrund der schlechten Bildqualität vermeiden. Wenn das Gerät einen BNC-Ausgang hat, handelt es sich dabei um einen Coposite/CVBS-Ausgang, den man einfach mit einem Adapter (BNC zu RCA) auf einen gängigen Typen umwandeln kann.
Der Ausgang des Videorekorders gehört in einen der Eingänge am DVD-Rekorder oder des Capture-Geräts. Man wählt sich da eine Kombination, die kompatibel ist. 
Man sollte unbedingt den Videorekorder via S-Video verbinden, wenn das Modell das unterstützt. Das Capture-Gerät könnte mit dem normalen Composite Detail verlieren und komische Farbeffekte in detailreichen Teilen des Bilds verursachen.

Schließlich kann man seine alte VHS-Kassette einlegen, eine leere DVD einlegen, die Aufnahme auf dem DVD-Rekorder und die Wiedergabe auf dem VHS-Rekorder starten.

Um die Aufnahme vom DVD-Rekorder dann in eine Datei zu bekommen, kann man die DVD einfach in den Schacht eines Computers einlegen und den Videoinhalt dann einfach mit einem kostenlosen DVD-Ripper (beispielsweise "Handbrake") in eine MP4 digitalisieren.

Zur heutigen Benutzung mit Digitalfernsehen

Natürlich kann man so gut wie jeden Videorekorder via SCART, Composite oder S-Video an einen Receiver anschließen. Wie das allerdings am besten und elegantesten funktioniert, erkläre ich hier.

Warum? Ganz einfach. Einige Kabelanbieter wollen ein Vermögen für einen gemieteten Festplattenrekorder haben und eigene anbieterunabhängige Modelle sind einfach teuer. 

Wahl des Rekorders
Es gibt unzählige Modelle von VHS-Rekordern.
Für am besten geeignet, halte ich allerdings die 2002er Modelle von Panasonic. 
Dafür spricht einiges: 
  • Langlebige, simple Metall-Mechanismen ohne Riemen oder Idler, daher so gut wie unverwüstlich.
  • So gut wie alle unterstützen SQPB, eine Technologie, die das Abspielen von Super VHS auf einem normalen VHS-Rekorder erlaubt
  • Die meisten unterstützten EP/SLP, was in PAL-Regionen wie in Deutschland sehr unüblich ist, weil die Bänder sowieso so lang waren. Man kann auf eine E-240 somit 12 Stunden Material, wenn auch in niedriger Qualität aufnehmen.
  • EXT Link. Eine geniale Technologie, die das Stellen des Timers für Aufnahmen kinderleicht macht - selbst mit einem digitalen Reciever. Meines Wissens hat nie ein anderer Hersteller als Panasonic das jemals implementiert (mehr dazu weiter unten.
Ich selbst habe folgende Modelle, die alle die oben genannten Punkte erfüllen: 
NV-FJ630, NV-HV55, NV-HS820
Diese Modelle kann man ziemlich günstig ergattern, wenn man auf eine Auktion bietet. Wenn man einen anderen modernen Panasonic Videorekorder irgendwo sieht, kann man die Funktionen auch einfach identifizieren, indem man sieht, was vorne drauf steht. Wenn das Bild in der Auktion dafür nicht gut genug ist, kann man auf Google Bilder einfach nach hochauflösenden Bildern von dem Modell suchen.

Das Setzen eines Timers mit EXT Link
Der Grund, warum ich überhaupt noch mit einem VHS-Rekorder aufnehme, ist diese Funktion. Die meisten neueren Panasonic-Videorekorder haben sie und sie ist simpel wie genial. 
Was der Rekorder im EXT Link-Timer-Modus macht ist einfach auf ein Videosignal zu warten. Man kann also seinen Receiver an den AV2-Eingang hinten (per SCART) anschließen und nur auf dem Receiver selbst einen Timer einstellen.
Man legt dann anschließend eine Kassette in den Rekorder ein, die Lösschutzlasche muss selbstverständlich intakt sein, dann drückt man vorne am Gehäuse auf den EXT Link-Knopf und der Rekorder schaltet sich aus. Wichtig: Der Receiver muss zu diesem Zeitpunkt auch aus sein, sonst fängt der Rekorder sofort an, mit aufzunehmen. Wenn die Zeit für den Timer erreicht ist und sich der Receiver einschaltet, merkt der Rekorder, dass ein Videosignal präsent ist und fängt an aufzunehmen, schaltet sich selbst wieder aus, wenn der Receiver wieder aus geht. 

Um EXT Link zu konfigurieren, muss man in das Menü vom Videorekorder gehen und da bei AV2 EXT Link einstellen: "EXT LINK 2". Die Einstellung "EXT Link 1" funktioniert nur mit ein paar obsoleten DVB-S-Receivern und wartet auf ein spezielles Signal. Die 2-er Variante funktioniert mit jedem Receiver.

Weitere Optimierungen des Rekorders können der Anleitung zum Digitalisieren entnommen werden, ab Beginn des Abschnitts "Die Prozedur".

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Aufnehmen oder digitalisieren,
Mit freundlichen Grüßen,
sendustferritehead
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