Kameras und / oder Objektive verkaufen

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In den letzten Monaten habe ich besonders die Verkäufe von analogen Spiegelreflexkameras und Objektiven verfolgt. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich potenziellen Verkäufern ans Herz legen möchte: Wie man Käufer vergrault – oder eben interessiert. Und wie man sie fair informiert (selbst wenn man kaum Ahnung hat).

1. Kategorien:

Ich stöbere in der Kategorie "Foto & Camcorder / Spiegelreflexkameras, analog / Minolta" und treffe auf ein Angebot, dessen Titelzeile unmissverständlich mit "Praktica" beginnt.

Das ist zwar eine SLR-Kamera, aber eben nicht von Minolta. Während das den in dieser Kategorie suchenden Minolta-Sammler nicht weiter stört, wird jemand, der eine Praktica haben will, das Angebot nicht finden – es sei denn, er sucht im gesamten "Foto & Camcorder"-Bereich.

Schlecht für den Verkäufer; er mindert durch diesen Fehler beim Einstellen seine Chancen, die gemeinte Zielgruppe auch tatsächlich anzusprechen.

2. Titelzeile und Beschreibung:

Ich treffe in der Kategorie "Foto & Camcorder / Spiegelreflexkameras, analog / Minolta" auf ein Angebot, dessen Titelzeile "Spiegelreflexkamera Minolta" lautet, oder womöglich sogar "speigelrefex kammera".

Na, Prost! Wenn es keine wäre, was hätte sie dann in dieser Kategorie zu suchen? Ich will als Käufer aber wissen, was für eine!

Wenn ich dann als Beschreibungstext finde

Habe diese kammera von mein oppa geerbt, der letzten Monat gestorben ist. er hat imer schöne fottos damit gemacht. opp sies noch tut weis ich nicht.

...dann hat der Verfasser einer derart schlampigen und unorthographischen Angebotsbeschreibung (zumindest bei mir) schon mal Minuspunkte im Bereich "Sorgfalt, Präzision der Beschreibung" gesammelt. Dem traue ich dann auch andere Schlampereien zu...

Es geht auch anders.
In Opas Schublade, wo die Kamera lag, liegen womöglich auch noch Prospekte oder (Treffer!) die Bedienungsanleitung. Wenn Opa ein pingeliger Mensch war, der alles abheftet, hat er vielleicht in seinen Ordnern sogar noch Originalrechnung und Garantieurkunde. Auswerten!
Und selbst wenn man gar keine Ahnung hat, was für ein Gerät das ist (zum Beispiel der berühmte Dachbodenfund), kann man immer noch die Beschriftungen studieren. Da gibt's zum Beispiel meist auf dem Boden der Kamera ein Typenschild mit Hersteller und Seriennummer drauf.
Um bei meinem Lieblingsbeispiel zu bleiben: Selbst wenn die Beschriftung fast ganz abgegriffen sein sollte, kann man immer noch als Hersteller "Minolta" und als Typ (zum Beispiel) "7000i" identifizieren.
Anschließend geht man bei eBay in die entsprechende Kategorie und sucht eine Kamera vom gleichen Typ. Man schaut sich die Fotos an und kann dann meistens schon ziemlich genau beurteilen, ob der "Dachbodenfund" das gleiche Ding ist oder nicht.

Die Beschreibung sollte alles enthalten, was man weiß, und zwar wahrheitsgemäß.
Also z.B.
Minolta 7000i, Seriennummer 123 456 789, Kaufdatum und Erstbesitzer unbekannt, Dachbodenfund, Funktionsfähigkeit nicht bekannt.
(Dann kann man allerdings auch gleich hinzusetzen: "Daher Verkauf als 'defekt'.")
Oder eben:
Minolta 7000i, Seriennummer 123 456 789, gekauft 1989, vom Erstbesitzer (meinem Großvater) regelmäßig im Urlaub benutzt und sorgfältig gepflegt. In den letzten fünf Jahren überwiegend in der Fototasche im Wohnzimmerschrank aufbewahrt. Leichte Gebrauchsspuren (abgegriffen), aber keine Kratzer oder Beulen. Ich habe durch einen Fotofachhändler eine passende Batterie einsetzen und die Funktion überprüfen lassen.
Ergebnis: Die Kamera hat keine Funktionsstörungen, die auf den ersten Blick offensichtlich wären. Allerdings wurde keine Prüfung 'auf Herz und Nieren' vorgenommen und auch kein Testfilm verschossen.
Wenn man die beiden eben zitierten Beschreibungen vergleicht, merkt man wohl, dass man mit ein wenig Mühe sehr viel vertrauensbildende Informationen gewinnen (und veröffentlichen) kann, was sich dann auch in der Bietbereitschaft der Käufer niederschlagen dürfte.

Verkauft man eine Kamera, die mit Wechselobjektiven arbeitet, sind Angaben über das mitgelieferte Objektiv unerlässlich.
Das Mindeste, was ein Verkäufer tun kann, auch wenn er von Fotogerät nichts versteht: Alles buchstabengenau abschreiben, was rund um die Frontlinse eingraviert ist. Also zum Beispiel: "Tokina AF 28-80 mm 1:4,5-5,6". Diese Angaben gehören (in Kurzform) mit in die Titelzeile, die beim Durchsuchen der Kategorie angezeigt wird!
Also z.B. "Minolta 7000i mit Tokina 28-80".
Grund: Selbst wenn die Kamera wegen ihres Alters oder Zustandes nichts mehr wert ist, könnten sich Interessenten finden, die auf das Objektiv scharf sind. Wenn es denn etwas wert ist...

Um das zu beurteilen, sind auch Angaben zum Zustand des Objektivs unbedingt nötig. Ein Käufer wird wissen wollen, ob das Objektiv wertmindernde Fehler hat. Findet er dazu keine Angaben (und erfährt auch bei Nachfrage per E-Mail nichts), wird das seine Bietbereitschaft mindern.

Zu den möglichen Fehlern eines Objektivs, die daher bei gut gestalteten Angeboten regelmäßig im Text abgehandelt werden, gehören insbesondere:
Kratzer auf den Linsen (auch feine Mini-Kratzer, die man manchmal vornehm als "Putzspuren" beschrieben findet), eine klemmende oder verölte Blende und Pilzbefall; bei Autofokus-Objektiven auch Fehler in der Elektrik und der Autofokus- Mechanik.

Zum Thema "verölte Blende":
Besonders wenn ein Objektiv mal an einem heißen Tag im Auto gelassen oder aus sonst einem Grund zu warm wird, kann es vorkommen, dass aus der Fokusschnecke (die ab Werk gefettet ist), Fett sich verflüssigt und auf die Blendenlamellen läuft. Dort hat es natürlich nichts zu suchen.
Der Effekt: Das Fett verklebt die Lamellen und macht damit die Blende träge, schwergängig oder legt sie komplett lahm. Folge: Die Blende schließt nicht mehr, die Bilder werden überbelichtet.
Test: Objektiv abblenden und hineinschauen. Sind auf den Blendenlamellen blütenblattartige Streifen zu sehen, oder reagiert die Blende träge / gar nicht, haben wir ein Problem. Ein solches Objektiv ist möglicherweise nicht mehr zu retten. Wenn man dagegen versichern kann: "Blende leichtgängig, nicht verölt", dann ist das ein Pluspunkt.

Zum Thema "Pilzbefall":
Siehe http://www.chem.helsinki.fi/~toomas/photo/fungus/
Ein Objektiv, das so aussieht wie auf der oben angegebenen Seite (Verlinken geht leider innerhalb eines eBay-Ratgebers nicht), wird schwerlich einen Käufer finden. Und wieder gilt: "Kein Pilz" ist ein Verkaufsargument. Damit man das guten Gewissens behaupten kann, muss man aber zuerst einmal bei offener Blende und geeigneten Lichtverhältnissen hineingeguckt haben.

Fehler in der Elektrik und/oder Mechanik eines Objektivs sind etwas schwerer auszumachen; dazu muss man das Objektiv an einer Kamera ausprobieren. Das macht am besten jemand, der sich mit dem Kameratyp wirklich auskennt – aber der wird u.U. schon nach wenigen Sekunden sagen können, ob etwas offensichtlich nicht stimmt.
Also auch hier: Wenn man gar keine Ahnung hat und auch keinen fachkundigen guten Freund – zum Fotofachhändler damit, ein paar Euro für eine neue Batterie investieren und mal eben durchtesten lassen. (Kein Werkstattcheck: Der kostet! Und die frische Batterie ist ein Verkaufsargument!)

3. Fotos:

Ich treffe immer wieder auf Fotos, die allenfalls die Aussage zulassen: "Dieses Gerät sieht aus wie eine Kamera, ein Objektiv ist auch dran, aber mehr kann man nicht erkennen." Wenn dann die Beschreibung diesen Mangel nicht heilt, hat der Verkäufer schlechte Karten. Also: Entweder knackscharfe Fotos, die das Abgebildete in formatfüllender Größe zeigen – oder man kann's auch gleich lassen.
Machen Sie ruhig mehrere Fotos von allen Seiten und achten Sie darauf, dass auch das Objektiv sauber in Großaufnahme abgebildet ist – am besten von vorn (Frontlinse) und von der Seite.
Grund: Von manchen Linsen gibt es mehrere, im Abstand von etlichen Jahren auf den Markt gekommene Versionen, die sich nicht in der Beschreibung (z.B. "Minolta AF 24-85/3,5-4,5") unterscheiden, wohl aber im Aussehen und – im Wert! Und ein engagierter Amateur kennt die Unterschiede im Aussehen...

4. Preisgestaltung:

Es hat absolut keinen Sinn, sich über die erzielbaren Preise Illusionen zu machen.

Im Zeitalter der digitalen SLR-Kameras verkaufen viele Fotoamateure ihre analoge Ausrüstung. Dadurch kommen gute Kameras weit unter ihrem damaligen Listenpreis auf den Markt. Es geht so weit, dass gejammert wird, analoge Kameras seien mittlerweile zum Kilopreis zu haben.

Über den Daumen gepeilt kann man sagen: Der Preis einer 10-15 Jahre alten analogen Spiegelreflex liegt bei etwa 10-20 Prozent des Neupreises. Eine gute semiprofessionelle Kamera, die damals um die 1.000 DM gekostet hat, geht heute u.U. für 80-100 Euro weg. Professionelle Kameras in gutem Zustand leiden unter diesem prozentualen Wertverlust im Allgemeinen weniger als Einfach-Modelle.

Andererseits gehen oft gerade Profis mit ihrem Gerät etwas robust um, so dass ein Profi-Modell nach jahrelangem täglichem Einsatz eben nicht mehr in "gutem Zustand", sondern schon reichlich abgeschrubbt sein kann. Clevere Käufer wissen das - Lügen hat keinen Zweck.

Noch ein Wort zum Preis von Objektiven: Es gibt 20 Jahre alte Objektive (guter Zustand vorausgesetzt), die wesentlich heißer begehrt sind als die neueren Nachfolger von der selben Herstellerfirma. Solidere Fertigung, bessere Konstruktion (inklusive der sogenannten "optischen Rechnung"), bessere Materialien (z.B. Metall statt Plastik) - all das kann dazu führen, dass solche "Oldies" geradezu in Mode geraten. Wenn sie auch noch an aktuellen Kameras (z.B. digitalen Spiegelreflexkameras) weiterhin verwendbar sind, treibt auch das den Preis nach oben. Umgekehrt: Plastik mit inzwischen inkompatiblen Anschlüssen ist vergleichsweise wenig wert.

Weiterhin: Sogenannte "Festbrennweiten" sind u.U. begehrter als Zoomobjektive. Zooms mit extrem großem Brennweitenbereich (z.B. 28 - 200 mm) gelten unter engagierten Amateuren auch als "Suppenzoom" (abschätzig verballhornt aus "Superzoom") oder "Suppenhuhn" - sie entsprechen bei keiner Brennweite wirklich hohen Ansprüchen und werden deshalb gerade von den Leuten gemieden, die ansonsten bereit sind, für ihr Hobby viel Geld auszugeben.

Wenn Sie Pech haben, stammt ihr Objektiv von einer Firma, die unter Amateuren für die Störungsanfälligkeit ihrer Produkte berüchtigt ist. Selbst wenn das von Ihnen angebotene Objektiv in Ordnung ist - mit dem Ruf des Produkts müssen Sie als Verkäufer leben.

Um einen Anhaltspunkt zu haben, welchen Preis Sie für Ihr Schätzchen erzielen können, suchen Sie bei eBay nach der Kamera, die Sie verkaufen wollen, und schalten dabei in den Suchoptionen "Beendete Angebote" ein.

Und jetzt lesen Sie das mal sorgfältig durch: Welcher "Sofort-Kaufen"-Preis blieb ohne Gebot? (Dann war der wohl überhöht.) Liegen die letzten 10 oder 15 Verkäufe "Ihrer" Kamera preislich dicht beieinander? (Dann ist das offenbar der erzielbare Durchschnittspreis.) Liegen Sie weit auseinander? (Dann hat das bei den niedrigen Geboten meist mit Macken zu tun – Beschreibungen nachlesen! – oder in der Verkäuferbewertung gibt es Details, die die Bieter vorsichtig gemacht haben.)

Wenn Sie ein Übriges tun wollen, können Sie in der sogenannten foMAG-Liste nachsehen, welcher Gebrauchtpreis für Ihren Artikel von den Leuten des 'fotoMAGAZIN' ermittelt worden ist. Der ist allerdings eher ein grober Anhaltspunkt und liefert Ihnen allenfalls die Größenordnung: Eher 20 Euro oder eher 200?

Ein bei foMAG mit 30 Euro bewerteter Artikel kann bei eBay ebenso gut für 16,25 Euro wie für 49,78 Euro verkauft werden – oder gar nicht.

Manche Kamera- oder Objektivmarken haben im Internet Userforen, die auch ohne Anmeldung besucht werden können. Googlen Sie mal danach. In der Rubrik "Suche/Biete" können Sie nachlesen, welche Preise unter den Kennern und Liebhabern der betreffenden Marke gezahlt werden.

Jetzt sollten Sie ungefähr wissen, was Sie erzielen können. Und dann müssen Sie abwägen (auch angesichts der eBay-Gebühren!), ob Sie eine Auktion mit Mindestpreis starten, eine Sofort-Kaufen-Option anbieten wollen oder was auch immer.

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