Kalligraphie - Die Kunst des Schönschreibens

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Was ist Kalligraphie?

Wenn Sie in der Schule sehr gut in Schönschreiben waren, heißt das noch nicht, dass Sie Kalligraph sind. Aber vielleicht ist es eine gute Voraussetzung, um einer zu werden. Kalligraphie, zusammengesetzt aus den Wortstämmen der griechischen Wörter kalos (schön) und grafein (schreiben) steht für eine eigene Kunstform. Vor der Erfindung des Buchdruckes war das Abschreiben mit der Hand die einzige Möglichkeit, Schriftstücke zu kopieren. Mit großem Zeitaufwand wurden so die Bibel und andere wichtige Dokumente vervielfältigt.

Geschichte der Kalligraphie

Doch nicht nur Tausende Arbeitsstunden wurden eingesetzt, sondern auch ein hohes handwerkliches Können. Da in der Zeit des Mittelalters die pragmatische Seite des Schreibens überwog – denn es gab keine Alternative – dachte man dabei wohl noch nicht so sehr an Kunst. Allerdings gab es einen großen Freiraum für dekorative Ausschmückungen und Illustrationen. Dabei waren die Grenzen zwischen Schrift und Bild fließend. Besonders bei Initialen, den riesig vergrößerten Anfangsbuchstaben von Absätzen oder Verszeilen, finden sich ausschweifende Schmuckelemente, die oft nahtlos in eine Illustration übergehen.

Der historische Roman von Umberto Eco „Der Name der Rose“ schildert anschaulich diese Arbeit der mittelalterlichen Mönche.

Im Judentum und im Islam kam der Kalligraphie eine womöglich noch höhere, nahezu heilige Bedeutung zu, denn hier herrschte Bilderverbot. So war die Kalligraphie zeitweise die einzige erlaubte Kunstform.

In China hat das Schreiben mit Pinsel und Tusche eine Jahrtausende alte Tradition. Um die dafür nötige Leichtigkeit und Perfektion zu erreichen, braucht es eine jahrzehntelange Ausbildung.

Für die Zeitlosigkeit und Kraft dieser Kunst spricht die Tatsache, dass sie auch heute nahezu unverändert praktiziert wird. Chinesen sahen die grafische Wirkung ihrer Schriftzeichen schon immer als eigenen Wert, der oft die eigentliche Bedeutung der Zeichen überwiegt. So finden sie zum Beispiel Verwendung als schmückendes Element in Häusern und Gärten. Auch wir sind fasziniert von der Ausdruckskraft chinesischer Schriftzeichen, obwohl wir sie nicht verstehen.

Kalligraphie heute

Nach der Erfindung des Buchdruckes, der den Menschen des 15. Jahrhunderts seelenlos, wenn nicht gar ketzerisch erschienen sein mag, verschwand die Kalligraphie keineswegs. Ihrer nüchternen Aufgabe, dem Kopieren von Büchern enthoben, konnten sich Schön-Schreiber nun ganz der Entwicklung ihrer Kunst widmen. Diese Kunst lebt bis heute, entwickelt ständig neue Formen und erobert neue Einsatzgebiete.

In der Werbung halten sich die dekorative Wirkung und die eigentliche Bedeutung der Schrift die Waage. Jeder kennt das Logo von Coca Cola, das es seit über hundert Jahren gibt. Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts führen Schriftzeichen ein Eigenleben in der Bildenden Kunst. Dadaismus und Pop-Art trugen dazu bei, dass Schrift auch in die Textilgestaltung Einzug hielt. Seit Jahrzehnten gibt es sie auf T-Shirts. Über Graffiti kann man denken, was man will – aber zweifellos gibt es Beispiele von Schrift-Kunst an Häuserwänden. Die Lust, mit Schriftzeichen und ihrer dekorativen Abwandlung zu spielen, ist ungebrochen.

Der Wert von Kalligraphie

Im Zeitalter des Desktop-Publishing hat handgeschriebene Schrift eine besondere Bedeutung und einen besonderen Wert. Wann haben Sie zuletzt einen echten Brief bekommen? Wahrscheinlich können Sie sich daran erinnern, denn es ist etwas Seltenes geworden, Briefe mit der Hand zu schreiben. Noch erstaunlicher ist es, wenn der Schreiber ganz bewusst mit Gestaltung und Schriftbild umgeht. Ein weiteres Einsatzgebiet der Kalligraphie ist das Erstellen von Urkunden. Meist wird hier in einen mehr oder weniger aufwendigen Vordruck ein Name, Datum oder Ähnliches eingesetzt. Seltener werden Urkunden komplett mit der Hand geschrieben. Auch Gästebücher oder Goldene Bücher sind ein Anwendungsfeld.

Ein Beispiel für die Vitalität und Ausstrahlungskraft der Kalligraphie ist Steve Jobs, der Mitbegründer von Apple und Vater von iMac und iPhone. Wie er selbst erzählte, ging sein Wille zur Perfektion auf einen Kalligraphiekurs zurück, den er als Jugendlicher besuchte. Der Einblick in diese Kunst inspirierte ihn für sein ganzes Leben und schärfte seinen Blick für einfaches und perfektes Design.

Kalligraphische Schreibwerkzeuge

Im Mittelalter wurden zum Schreiben Federkiele von Gänsen (Europa) sowie Bambusfedern (Ägypten) verwendet. Auch mit schräg angeschnittenem Schilfrohr kann geschrieben werden. In China war und ist das wichtigste Schreibwerkzeug der Pinsel. Die Tinte (Wortbedeutung: gefärbtes Wasser) zum Schreiben wurde meist von den Schreibern selbst hergestellt. Tusche ist eine besondere Form von Tinte, meist schwarz. Sie bestand früher aus Ruß, der mit Wasser und einem Bindemittel angerührt wurde. Mit dem Bindemittel Schellackseife kann wasserfeste Tusche hergestellt werden. Ebenfalls als Schreibflüssigkeit verwendbar ist Aquarellfarbe oder Wasserfarbe. Heute gibt es ein breites Angebot an Stahlfedern verschiedenster Formen und Einsatzgebiete. Diese werden auf einen Federhalter aufgesteckt. Auch Füllfederhalter sind heute in der Kalligraphie üblich. Diese haben jedoch den Nachteil, dass sie nur mit Tinte schreiben können, da Tusche verklebt. Somit ist wasserfeste und lichtbeständige Schrift mit einem Füllfederhalter nicht möglich. Folgende Arten von Stahl–Schreibfedern sind gebräuchlich und bei eBay erhältlich:

  • Spitzfeder: spitz zulaufende Stahlfeder für einen gleichmäßig dünnen Strich.
  • Bandzugfeder: Diese Feder setzt nicht mit einer Spitze, sondern mit einer Kante auf dem Papier auf. Es gibt sie in Breiten von ca. 0,5 mm bis ca. 4 mm. Die Kante ist leicht geneigt. Seit einiger Zeit gibt es Bandzugfedern auch für Linkshänder. Der besondere Effekt bei Bandzugfedern ist, dass die Strichdicke schwankt, abhängig davon, ob der Strich jeweils längs oder quer zu ihrer Kante verläuft. Damit ist auf sehr einfache Weise ein attraktives, fast plastisch erscheinendes Schriftbild möglich.
  • Redisfeder: Diese Feder hat an ihrem Ende eine kleine runde Platte. Vom Durchmesser dieser Platte ist die Strichdicke abhängig. Charakteristisch sind die abgerundeten Strichenden. Diese abgerundeten Ecken sind auch für einige typografische Schriftarten charakteristisch, beispielsweise für die Volkswagen–eigene Schriftart „VAG rounded“. Typographie ist im Gegensatz zur Kalligraphie der Schriftsatz mit vorgefertigten Lettern mit Setzmaschinen beziehungsweise am Computer.
  • Sonderformen von Schreibfedern Für besondere Zwecke gibt es besondere Schreibfedern, so zum Beispiel Plakatfedern (besonders breite Bandzugfedern), Federn für Kursivschrift, Doppelstrich-Federn oder Federn für Notenlinien, die fünf Spitzen haben.
  • Sehr viel Übung beim Einsatz als Schreibwerkzeug erfordert der Pinsel. Bei eBay gibt es ein breites Angebot an Kalligraphie-Pinseln. Sie werden auch als China-Pinsel bezeichnet und aus Ziegen- Wiesel- oder Marderhaar hergestellt. Besonders eignen sie sich für Arbeiten auf textilen Untergründen wie beispielsweise auf Seide.

Schreibuntergründe

Bevor Papier industriell hergestellt werden konnte, waren Schreibuntergründe rar und wertvoll. Verwendet wurden Tierhäute, Baumrinde, Reispapier, Pergament, handgeschöpftes Büttenpapier sowie Textilien. All diese Materialien können Sie auch heute kaufen, wenn Sie mit Ihrer kalligraphischen Arbeit besondere Effekte anstreben. Durchgesetzt hat sich spezielles Kalligraphie-Papier, welches es in allen Farben, Stärken, Qualitäten sowie mit besonderen Mustern wie Marmorierung gibt. Ein wichtiges Qualitätskriterium bei Papier ist die Stärke beziehungsweise das Gewicht. Es wird in Gramm pro Quadratmetern angegeben.

Tinten und Tuschen

Von der üblichen Tinte für den Patronenfüller über China-Tusche, die Sie je nach Bedarf selbst anrühren, finden Sie alles auf eBay, was Ihr Herz begehrt. Hier gibt es Tinte für besondere Untergründe wie Glas oder Stoff ebenso wie Leucht- oder Gel-Tinten, mit denen Sie besondere Effekte erzielen können.

Kalligraphie-Zubehör

Zur Reinigung Ihrer Schreibfedern können Sie spezielle Lösungsmittel für Tusche kaufen. Kalligraphie-Pinsel werden nach dem Auswaschen vorsichtig mit einem weichen Lappen ausgedrückt und in Form gebracht. Zur Aufbewahrung gibt es Schatullen für Schreibfedern sowie spezielle Halterungen, in denen China-Pinsel mit der Spitze nach unten aufgehängt werden können. Eng mit der Kalligraphie verwandt sind Siegel. Sie bilden oft den letzen Schliff bei einem kalligraphischen Werk. Ursprünglich dienten sie ausschließlich der Authentifizierung des Schreibers beziehungsweise der Sicherung gegen unbefugtes Lesen.

Ein Siegel wird erstellt, indem auf das fertige Schriftstück erhitztes Siegelwachs getropft wird. Anschließend drückt der Schreiber mittels Siegelring oder einer speziellen Negativform sein Zeichen in das Wachs. Heute steht bei einem Siegel meist die schmückende und aufwertende Funktion im Vordergrund.

Einem ähnlichen Zweck dienen Stempel. Heute werden sie hauptsächlich verwendet, um amtliche Dokumente, Rechnungen oder Ähnliches zu autorisieren. Meist bestehen sie aus Gummi, es gibt jedoch auch Stempel aus anderen Materialien wie Holz oder Metall. Auch in der Kalligraphie spielen Stempel eine große Rolle, besonders in China. Ein kalligraphisches Werk ist erst komplett, wenn der Künstler seine Urheberschaft mit einem eigenen Stempel dokumentiert.

Schriftarten in der Kalligraphie

Zum Einstieg ist besonders die Schriftart Antiqua geeignet, die schnörkellos daherkommt und die wir auch als gebräuchliche Schriftart vom Computer her kennen. Wenn Sie die Grundlagen beherrschen, können sich auf kompliziertere Schriftarten stürzen wie zum Beispiel Fraktur (gebrochene Schrift). Das Ziel, mit der Hand völlig gleichmäßig zu schreiben, scheint heute in den Hintergrund zu treten, da dies der Computer besser und schneller kann. Kleine Unterschiede in den einzelnen Charakteren machen die Schrift jedoch erst lebendig. Das höchste, was Sie als Kalligraph erreichen können, ist die Entwicklung einer eigenen Schrift. Die Freiheit dabei scheint unendlich zu sein. Sie sollte aber keineswegs mit Beliebigkeit verwechselt werden. Gerade die Entwicklung von eigenen Schriftarten erfordert eine große Erfahrung und Kenntnis bestehender Schriften. Schließlich sollen die verwendeten stilistischen Mittel einen organischen Eindruck vermitteln und durchgängig für alle Buchstaben des Alphabets angewendet werden. Auch eine freie Schreibschrift sollte dabei gut lesbar sein.

Was brauchen Sie als angehender Kalligraph?

Für den Einstieg empfiehlt sich ein Kalligraphie-Set. Hier sind die gebräuchlichsten Schreibfedern, Tinten und Pinsel vertreten, und Sie können sich zu einem günstigen Preis für Ihre bevorzugte Technik entscheiden. Mittelstarkes Kalligraphie-Papier von ca. 150 Gramm pro Quadratmeter sollte für den Anfang ausreichen.

Aber auch Besonderes, von Spezialfedern und -pinseln bis hin zu handgeschöpftem Papier finden Sie bei eBay. Stöbern Sie und finden Sie das Richtige für die Ausübung dieser meditativen Kunst.

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