Interessant, aber unwissenschaftlich & parteilich

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Das Buch beschäftigt sich mit einer sehr interessanten und spannenden Frage:

Was steht wirklich hinter der Umweltbewegung - entspricht sie dem Image, das über "die Ökoszene" in der Öffentlichkeit transportiert wird?

Die Antwort darauf ist zunächst leicht: Natürlich nicht!

Freilich - in der Öffentlichkeit bediente und bedient die Umweltbewegung, meist reduziert auf die Partei "Die Grünen" (später "Bündnis90/Die Grünen"), für viele Menschen oft eher unreflektierte und holzschnitthafte Klischees - und weckt auch sehr diffuse Assoziationen. Irgendwie sei sie "links", irgendwie sei sie "gegen den Kapitalismus", denn dort denke man, "der Kapitalismus" sei "das Problem", irgendwie ginge es um "Emanzipation", irgendwie um "Basisdemokratie" und um "die Schwulenehe", außerdem gehe es "der Umwelt schlecht", vielleicht sei das alles wegen "diesem Schweinesystem". Außerdem heißt es, "der Pazifismus" sei "ganz besonders wichtig" für "die Umweltbewegung".

Oliver Geden stellt in seinem Buch zunächst denn auch richtigerweise fest, daß es mit der Umweltbewegung doch recht kompliziert sei. Konsequenterweise versucht er nun, der Frage nachzugehen, welche Wurzeln die Umweltbewegung denn nun wirklich gehabt hätte. Dazu wählt er einen trockenen, pseudo-wissenschaftlichen Duktus, der viel Lebendigkeit kostet, aber möglicherweise seine fachlichen Mängel kaschieren soll. Denn - um es gleich zu sagen - das Buch "Rechte Ökologie" von Oliver Geden kommt leider ohne saubere Definitionen, die notwendige Objektivität oder wissenschaftliche Standards aus.
Sinnvoll wäre an dieser Stelle nämlich unbedingt eine leidlich seriöse und objektive Herangehensweise mit  überprüfbaren, objektiven oder wenigstens einigermaßen wissenschaftlichen Kriterien gewesen, die etwas Licht ins Dunkel hätten bringen können. Dies wäre vielleicht schon einfach nur in Form einer seriöseren Grundhaltung des Autors machbar gewesen, die das Buch - absehen davon - auch weniger vorhersehbar und spannender zu lesen gemacht hätte. Leider floppt Geden an dieser Stelle vollkommen: Für ihn gibt es - ganz naiv - nur "gute" und "schlechte" Teile der Umweltbewegung, die sich - noch viel naiver, um nicht zu sagen "unerträglich naiv" - schlicht darin unterscheiden würden, wie weit "links" oder "rechts" sie seien. Was genau "links" oder "rechts" seiner Meinung nach denn nun sei, dazu kann Geden nichts Erhellendes sagen - doch dazu weiter unten mehr. Naheliegender Ansatzpunkt für eine analysierende Betrachtung der Positionen wäre jedenfalls z.B. ein Blick auf das Selbstverständnis der Partei "Die Grünen" gewesen, oder schlicht ein seriöses Quellenstudium von Texten der verschiedenen Strömungen. Tatsächlich sammelt Geden zwar einige interessante Quellen, doch anstatt diesen Spuren nach zu gehen, definiert Geden alle Strömungen, die ihm nahestehen, pauschal als "links" (also gute Menschen) und Strömungen, denen er aufgrund seiner persönlichen Prägungen feindlich gegenübersteht, als "rechts" und damit böse. Objektive Gründe für die emotionale Nähe oder Entfernung Gedens finden sich nicht, eine Überprüfbarkeit ist nicht gegeben - vieles liest sich wie eine Ansammlung unpolitischer Klischees. Als Ergebnis entsteht so eine Art von Auflistung von Personen, Organisationen und Strömungen, die Oliver Geden ganz persönlich (und selbstredend ohne wissenschaftliche Kriterien) emotional rechts, böse und schlecht findet - diese Auflistung findet die Leserin/ der Leser im Wesentlichen im Buch dann auch vor. Ein seriöses oder gar wissenschaftliches Herangehen hätte freilich anders ausgesehen. Die Umweltbewegung besteht historisch doch tatsächlich aus sehr vielen unterschiedlichen "Umweltszenen" - leider auch mit sehr vielen widersprüchlichen, wirren und destruktiven Vereinigungen und Personen, die man dort nicht unbedingt vermutet hätte. Von Pädophilen über autoritäre Maoisten, Frauenhasser, Islamisten, Homophobe, DDR-Verherrlicher, Stalinisten, Pol-Pot-Groupies bis hin zu menschenverachtenden Religiösen und Neo-Nazis. Eine Bewertung aus dem Bauch heraus, wie sie Gedens Buch dominiert, wird dieser Situation nicht gerecht - besonders die autoritären Anteile der Umweltbewegung, die Oliver Geden deckt, haben im weiteren Verlauf bei "Bündnis90/Die Grünen" schließlich sehr großen Schaden angerichtet - wie sich beispielsweise in der sehr mangelhaften demokratischen Diskussionskultur der Elite dieser Partei während der Zeit ihrer Regierungsverantwortung gezeigt hat. Oliver Gedens Buch "Rechte Ökologie" versagt somit leider schon im Ansatz - er ist nicht in der Lage, antidemokratische autoritäre Haltungen zu erkennen oder gar den Begriff "rechts" mit seinen Konnotationen zu definieren. Oder zur Begriffsklärung auch einfach nur Vorschläge aus der seriöseren Literatur zu übernehmen - es hätte nicht einmal die ganz große Wissenschaft sein müssen. Schade.

Positiv zu erwähnen ist, daß Oliver Geden sehr viel über das Denken in einer unreflektierten und ihrem Wesen nach unintellektuellen, pseudolinken Szene preisgibt, die keinerlei Probleme mit autoritären Anführern hat - aber vielleicht gerade deshalb mit dem Begriff "rechts" heftig um sich schmeißt - was das Buch wiederum zu einem interessanten Zeitdokument über das ideelle und charakterliche Scheitern der Wortführer dieser Szene macht. Einem Scheitern, das direkt zur realen Politik von Bündnis90/Die Grünen mit allen ihren Widersprüchlichkeiten und Verwicklungen während der Zeit ihrer Regierungsbeteiligung führt.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden