Im Zelt oder Campingbus übernachten: Kaufratgeber für Mumien-, Expeditions- und Kinderschlafsäcke

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Sich mal eben so einen Schlafsack zu kaufen, ist heute nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt die „Penntüten" heute nicht nur in allen Farben und Größen. Man sollte sich auch Gedanken über die Form, die Art des verwendeten Materials, die Packgröße, die maximale und minimale Temperatur usw. machen. Sie merken schon, der Erwerb eines neuen Schlafsacks ist mit vielen Fragen verbunden und kann schnell zur Wissenschaft werden. Dieser Ratgeber möchte sie an die wichtigsten Schlafsackthemen heranführen.

In diesem Sinne soll es zunächst um die grundsätzliche Frage gehen, wie ein Schlafsack aufgebaut ist. Weiterhin wird der Ratgeber der Frage nachgehen, welche Typen von Schlafsäcken heute erhältlich sind. Anschließend wird es sowohl um das Material als auch um die Temperaturanwendungsbereiche gehen. Am Ende versorgt Sie der Ratgeber noch mit ein paar praktischen Tipps zum Umgang und zur Pflege von Schlafsäcken. Neben den Tipps, die Sie in diesem Ratgeber vorfinden werden, den ersten und wichtigsten gleich vorweg: Das Probeliegen und persönliche Testen des Schlafsacks ist unabdingbar!

Was ist ein Schlafsack?

Jeder weiß, was ein Schlafsack ist. Aber vielleicht werden Sie im Laufe dieses Ratgebers noch Dinge entdecken, die Sie über die populäre Schlafhülle noch nicht wussten. Zum Beispiel, dass es auch Schlafsäcke mit „Beinen" und „Armen" gibt. Schlafsäcke können die verschiedensten Formen aufweisen. Das hat immer mit ihrem jeweiligen Verwendungszweck zu tun. Es gibt sie in rechteckiger Form, als Mumien-Schlafsack, mit Kapuzen – die Grenzen zu Overall sind fließend. Der Schlafsack besitzt dabei verschiedene Öffnungen. So kann man ihn etwa per Reißverschluss an der Seite öffnen. Es gibt auch Modelle ohne Reißverschluss, in die man einfach hineinschlüpfen muss.

Das Material, das beim Schlafsack verwendet wird, kann ebenfalls unterschiedlich sein. Schlafsäcke gibt es aus Leinen, Baumwolle, Vlies oder Seide. Fütterungsmaterialien, die zur Wärmedämmung dienen, sind entweder Kunstfasern oder Daunen. Schlafsäcke ersetzen somit die gewohnte Schlafgarnitur, bestehend aus Bettdecke, Kopfkissen und Unterbett. Vom Camping- und Outdoor-Bereich einmal abgesehen ist es beispielsweise sehr sinnvoll, Babys ausschließlich in Babyschlafsäcken schlafen zu lassen, ohne Zudecke und Kopfkissen. Meistenteils werden Schlafsäcke jedoch als „improvisierte" Schlafstätte benutzt.

Das meint die Übernachtung im Freien ebenso wie im Zelt und auf Reisen. Daneben kommt der Schlafsack auch bei Rucksacktourismus und selbstverständlich auch auf Expeditionen zum Einsatz. Selbst im Weltraum – auf der Internationalen Raumstation ISS etwa – sind Schlafsäcke im Einsatz, freilich unter ganz anderen Bedingungen und Voraussetzungen. Schlafsäcke werden häufig zusammen mit Isomatten oder Luftmatratzen verwendet, die als Schlafunterlage dienen. Benutzt man den Schlafsack für den Außenbereich, sind Fragen nach Packmaß, Gewicht und dem Temperaturbereich, in dem er warmhält, entscheidend.

Verschiedene Typen von Schlafsäcken

Wie bereits angedeutet gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Schlafsacktypen, die hier kurz beschrieben werden sollen. Den Anfang soll dabei der Kinderschlafsack machen. Obwohl weitestgehend nicht für Outdoor- oder Zelten gedacht, ist der Babyschlafsack hierbei zu erwähnen. Dieser muss einige Voraussetzungen erfüllen. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass der Babyschlafsack nicht zu groß ist. So kann das Baby nicht hineinrutschen und unter Umständen in Überdeckungssituationen geraten.

Sie ermitteln die richtige Größe mit folgender Faustformel: Körperlänge – Kopflänge 10 Zentimeter. Als Öffnungsmechanismus bietet sich ein seitlicher Reißverschluss an. So lässt sich auch der ganze Fußteil öffnen, was das Wickeln komfortabler macht. Auch ist es nicht verkehrt, wenn Sie einen zweilagigen Schlafsack erwerben. So lässt sich der Babyschlafsack optimal an jede Raumtemperatur anpassen.

Kinderschlafsäcke zum Mitwachsen

Ist das Kind größer geworden, ergeben sich immer mehr Gelegenheiten für die Nutzung eines Kinderschlafsacks. Generell gilt: Bänder und anderes loses Material, das sich um Gliedmaßen und den Hals drehen könnte, ist gefährlich und nicht angebracht. Zwar existieren bei den Herstellern Prüfungen auf Kindersicherheit, doch gerade bei importierten Modellen sollte etwas genauer hingesehen werden.

Da sich Kinder im Wachstum befinden, ist es oft verführerisch, einen etwas größeren Schlafsack zu kaufen, in den das Kind dann hineinwachsen kann. Diese Rechnung geht jedoch nicht auf. Denn: Durch die eigene Körperwärme entsteht innerhalb des Schlafsacks ein Luftpolster, das den Schlafenden warmhält. Bei einem zu großen Schlafsack kann sich dieses Luftpolster nicht richtig aufbauen. Die Folge: Ihr Kind friert. Im Gegensatz dazu ist ein zu kleiner Schlafsack ebenfalls schlecht, da zu viel Wärme entsteht. Idealerweise sollte der Schlafsack 10 bis 15 Zentimeter länger sein als die Körpergröße (Hals und Kopf nicht mit einberechnet).

Ideal für Kinder sind daher die sogenannten mitwachsenden Schlafsäcke. Diese können über einen langen Zeitraum hinweg genutzt werden, da sie in der Größe verstellbar sind. So kann das Kind lange denselben Schlafsack benutzen. Das hat eindeutige Vorteile. Der wichtigste Vorteil: Ein mitwachsender Schlafsack schont langfristig den eigenen Geldbeutel.

Die besondere Schnittform: Mumienschlafsäcke

Der Name des Mumienschlafsacks scheint zugegebenermaßen etwas morbide zu sein. Dennoch kommt dieser nicht von ungefähr. Wie bei der Mumie ist die Schnittform des gleichnamigen Schlafsacks sehr körpernah. Darüber hinaus fasst der Schlafsack auch den Kopf mit ein. Mumienschlafsäcke werden heute bevorzugt, wenn es um die Übernachtung im Freien, in einem Zelt usw. geht. Der Grund liegt auch hier wieder in der besonderen körpernahen Schnittform. Diese hat zur Folge, dass es im Schlafsack wenig unausgefüllten Raum gibt. Damit ist die Wärme, die der Körper im Schlafsack abgibt, optimal gespeichert. Eine Nutzung im Freien und bei kalten Temperaturen ist daher ohne Weiteres möglich.

Eine Sonderform des Mumienschlafsacks ist der eiförmige Schlafsack. Eiförmige Schlafsäcke sind besonders im Brustbereich, aber auch im Hüftbereich wesentlich breiter geschnitten als herkömmliche Mumienschlafsäcke. Sie stellen somit einen Kompromiss zwischen Schlafkomfort/Bewegungsfreiheit und optimaler Wärmespeicherung dar. Drehen Sie sich beim Schlafen häufig um und bewegen sich, ist ein Ei-Schlafsack die richtige Wahl für Sie.

Für die professionelle Nutzung: Expeditionsschlafsäcke

Expeditionsschlafsäcke sind für extreme Bedürfnisse ausgelegt. Sie werden bei Expeditionen und beim Höhenbergsteigen verwendet. Dabei kommt es vor, dass der Expeditionsschlafsack seinen Benutzer vor einer Außentemperatur von bis zu – 40 Grad Celsius schützen muss. Eine extrem gute Dämmung ist bei Expeditionsschlafsäcken also unabdingbar. In vielen Fällen werden diese Schlafsäcke auch noch mit weiteren Innenschlafsäcken kombiniert.

Dieser dünne Schlafsack sorgt dafür, dass der Temperaturbereich noch weiter gesteigert wird und dass die Feuchtigkeit während des Schlafs vom Körper wegegeleitet wird. Weiterhin lassen sich Expeditionsschlafsäcke auch mit Biwacksäcken kombinieren, die als äußere Hülle zusätzlich wärmen, sowie Niederschlag und Wind abhalten.

Welche Materialien sind die richtigen – Kunstfaser oder Daune?

Die Füllung des Schlafsacks macht dessen Isolier- und Dämmungseigenschaften aus. Dabei stellt sich die Frage, welches das geeignetste Füllmaterial darstellt: Kunstfaser oder Daunen? Kunstfaserschlafsäcke sind vor allen Dingen im unteren und mittleren Preissegment vertreten. Sie sind Allrounder für fast alle Anwendungsbereiche. Kunstfaserschlafsäcke sind sehr gut, um Feuchtigkeit zu handhaben. Sie sind jedoch meistens etwas schwerer als Daunenschlafsäcke. Selbst wenn der Schlafsack nass sein sollte, ist die Isolierfähigkeit noch sehr gut. Auch die Trocknungszeiten sind bei diesen Schlafsäcken in der Regel kürzer. Greifen Sie zu einem Kunstfaser-Schlafsack, wenn für Sie das Gewicht keine große Rolle spielt, und Sie mit dem Schlafsack in einer gemäßigten Klimazone übernachten wollen.

Daunenschlafsäcke wiederum sind sehr gut in ihren Isolierfähigkeiten bei extrem niedrigen Temperaturen. Sieht man sich das Verhältnis von Gewicht und Isolation (sowie der Komprimierbarkeit) an, erkennt man, dass die natürliche Daune der Kunstfaser überlegen ist. Bei sehr tiefen Temperaturen wäre ein Kunstfaserschlafsack zwischen 500 Gramm und einem Kilogramm schwerer. Beim alpinen Bergsteigen und beim Trekking, sowie bei allen anderen Aktivitäten, wo das Gewicht zählt, sind Daunenschlafsäcke zu bevorzugen. Die Schlafsäcke sollten allerdings unkomprimiert und vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden.

Der richtige Temperaturbereich

Die Angaben über Temperaturanwendungsbereiche von Schlafsäcken sind oft nur Richtwerte. Hier spielen zu viele verschiedene Faktoren eine Rolle, als dass man exakte Aussagen treffen könnte. So spielt die Konstitution des Nutzers eine entscheidende Rolle. Auch die Unterlage ist hierbei wichtig, sowie die Höhe der Luftfeuchtigkeit. Dennoch lassen sich insgesamt drei Bereiche ausmachen:

  • Im Comfortbereich lässt sich vortrefflich ohne Schwitzen oder Frieren schlafen.
  • Im Comfort-Limit-Bereich ist bei manchen empfindlich reagierenden Menschen bereits die angesprochene Grenze erreicht. Diese können einen eventuell entstehenden Wärmeverlust mit zusätzlicher Kleidung kompensieren.
  • Der Extrembereich benötigt regulär zusätzliche Kleidung beim Schlafen, um sich vor Unterkühlung zu schützen. Hier bieten sich etwa Thermowäsche, Fleece- und Wollkleidung an.

Praktische Tipps und Hinweise

  1. Schützen Sie Ihren Schlafsack immer vor Nässe. Eine Regenhülle reicht bei lang anhaltenden Regenfällen nicht aus. Eine normale Plastiktüte oder Plastikfolie sollte hier zum Einsatz kommen. Bei Extremsituation sollten Sie auf eine wasserdichte Packmöglichkeit nicht verzichten.
  2. Nehmen Sie den Schlafsack, sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt, immer aus dem Packsack heraus, schüttel Sie ihn aus und legen Sie ihn breit aus. So kann er sich am besten aufplustern.
  3. Ihr Körper gibt in der Nacht eine sehr große Menge an Flüssigkeit über den Atem und die Haut ab. Um zu verhindern, dass diese in die Schlafsackfüllung dringt, sollten Sie lange Unterwäsche und Socken tragen.
  4. Lüften Sie den Schlafsack nach Gebrauch ordentlich aus. Legen Sie ihn beispielsweise über das Zelt bzw. auf andere trockene Flächen. Lassen Sie Ihn dort, wenn möglich, eine halbe bis ganze Stunde trocknen.
  5. Wenn das Wetter schlecht ist, und sie keine Gelegenheit haben, den Schlafsack zu lüften, packen Sie ihn griffbereit weg. In Situationen, in denen die Witterung es zulässt, können Sie ihn so schnell herausnehmen und zum Lüften aufhängen.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden