Idyllische Heimatromane entdecken

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Idyllische Heimatromane entdecken

Das Verlangen nach einer heilen Welt - der Heimatroman

Literatur in der Form des heutigen Heimatromans gibt es seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, einer Zeit vieler gesellschaftlicher Veränderungen. Durch die Industrialisierung sowie durch politische Ereignisse, wie beispielsweise die Bauernbefreiung, erlangte das Bürgertum gesellschaftlichen und politischen Einfluss. Die Heimatliteratur ist ein kultureller Ausdruck der bürgerlichen Mittelschicht des 19. Jahrhunderts und steht den damals vorherrschenden literarischen Darstellungen des Städtischen und Technisierten aus der Gattung des Naturalismus entgegen. In diesem Sinne spiegelt der Heimatroman nicht den allgegenwärtigen Prozess der Modernisierung wieder, sondern beruft sich auf die unversehrte Welt des Dörflichen und Natürlichen. Darin eingeschlossen ist das Bild des traditionellen und tugendhaften Erdenbürgers, der nach damaliger Meinung nur noch in einer ländlichen Umgebung zu finden war. Heimat im Sinne des Heimatromans steht somit für eine positiv konnotierte ländliche Gegend mit tugendsamen und traditionsbewussten Bewohnern.

Vorläufer und Entstehungsgeschichte des traditionellen Heimatromans

Dorfgeschichten und Bauernromane im Biedermeier

Schon zur Zeit des Biedermeier gab es mit dem Heimatroman vergleichbare Literatur: Damals (1815-1848) wurde sie zunächst kritisierend und eher abfällig betrachtet, da man sich eher mit dem Realismus identifizierte. Erst mit dem Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert erweckten die literarischen Darstellungen von der sogenannten guten alten Zeit positivere Bilder, die eher von Häuslichkeit, Zusammensein in kleinen, familiären Gruppen und von Zurückgezogenheit ins Persönliche erzählten als von politischen Entwicklungen. Beispiele dieser frühen literarischen Werke fallen unter die Kategorien der Dorfgeschichten und Bauernromane. Als zwei der ersten Schriftsteller dieser Formen können Jeremias Gotthelf und Karl Immermann genannt werden. Ihre frühesten Werke sind „Der Bauernspiegel“ bzw. „Uli der Knecht“ (Gotthelf) sowie „Der Oberhof“ (Immermann). Werke beider Autoren sind bei eBay erhältlich.

Heimatromane im bürgerlichen Realismus

Weitere Schriftwerke, die als ausschlaggebend für die Schöpfung der Heimatromane gesehen werden können, stammen von Autoren aus der Zeit des bürgerlichen oder auch poetischen Realismus (1848-1898): Hier sind als bekannte Vertreter vor allem Theodor Storm, Theodor Fontane oder auch Klaus Groth zu nennen. Ihre Romane, von denen Sie viele bei eBay finden können, haben den Begriff Heimat für die Gattung der Heimatliteratur auf lange Sicht beeinflusst. Ebenfalls zu dieser Zeit ist auch Berthold Auerbach mit Werken wie den „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ und den „Barfüßele“-Erzählungen zu erwähnen, der durch seinen Erfolg weitere Schriftsteller zu Heimaterzählungen inspirierte. In diesem Rahmen sind auch Ludwig Ganghofer mit seinen Heimat- und Bergromanen sowie Peter Rosegger, der die Familienzeitschrift „Heimgarten“ gründete, aufzuzählen.

Heimatliteratur in der Heimatkunstbewegung

Wieder etwas später, etwa 1890 bis 1910, kristallisierte sich im deutschsprachigen Raum die literarische Strömung der Heimatkunst heraus: Hier wurden Heimat, Bauerntum und dörfliches Leben glorifiziert und als Alternative zur modernen Kultur dargelegt. Die Bewegung verstand sich als Antwort auf die literarischen Entwicklungen im Deutschen Reich, wie beispielsweise den großstädtischen Literaturbetrieb sowie die Formen des Symbolismus und der Dekadenzdichtung. Federführend waren in dieser neuen Bewegung der Autor und Literaturhistoriker Adolf Bartels und der Schriftsteller Friedrich Lienhard, die gemeinsam auch den Begriff Heimatkunst prägten und deren Schriftstücke Sie auch bei eBay erwerben können. Zusätzlich zur Abneigung gegen das Großstädtische kam eine Wendung gegen den Naturalismus und ebenso gegen die modernen Naturwissenschaften und den technischen Fortschritt. Die Bewegung konnte somit auch als bäuerliche Restaurationsbewegung gesehen werden.

Der Heimatroman zur Zeit des Nationalsozialismus

Einige Jahrzehnte später, zur Zeit des Nationalsozialismus, veränderten sich die Inhalte des Heimatromans: Durch die geänderte Weltsicht des nationalsozialistischen Regimes wurden Elemente der sogenannten Blut-und-Boden-Literatur oder auch Blut-und-Boden-Dichtung integriert. Diese besondere Strömung der völkischen Literatur brachte viele Elemente der Natur und des natürlichen Lebens sowie germanisch-heidnische Mythen mit sich und verband sie zu einem politischen Mythos: Als Hauptfiguren wurden zumeist Bauer und Bäuerin als Symbole des Arischen in der Mitte der Dorfgemeinschaft als nationalsozialistischem Lebensraum gewählt. Auch wenn ein großer Teil der Motive durch die vorhergehende Heimatliteratur geprägt wurde, ist hier vor allem der ideologische Missbrauch als Medium der NS-Propaganda auffällig. Die Autoren dieser Richtung wurden aus diesem Grund zumeist beachtlich durch den Staat, beispielsweise über die Reichsschrifttumskammer, unterstützt.

Weiterentwicklung des Heimatromans nach dem Zweiten Weltkrieg

Trotz des Missbrauchs der Gattung durch den Nationalsozialismus konnten Heimatromane auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter existieren: in literarischer Form vor allem als Heftromane (auch Groschenromane genannt), in anderen Medien als Heimattheater, Heimatfilm oder auch Heimatserien. Unter den Verlegern der Heftromane ist Bastei schon seit den 1950er Jahren mit dabei: Die Geschichten aus der Serie „Der Bergdoktor“ haben es auch ins Fernsehen geschafft. Sie können DVDs und Bücher der Serie bei eBay finden. Anders als bei der ursprünglichen Form der Heimatromane ist die heile Welt nicht mehr das Hauptthema, vielmehr zeichnen sich die Inhalte durch Idylle, Unschuld und Schlichtheit aus. Hiermit werden eher die Geschichten und Schicksale der „ganz normalen Leute“ beleuchtet. Geblieben ist hingegen das Umfeld von ländlichem Leben, das sich auch gerne in den Bergen abspielt. Als Grund für die andauernde Beliebtheit der Thematik nennen die Verleger das Verlangen von Menschen, sich in steigernder Unübersichtlichkeit und Hektik der Welt wieder auf gut strukturierte und eher althergebrachte Verhältnisse zu besinnen. Zusätzlich zu der Weiterentwicklung der Heimatromane in ihrer traditionellen Form, schufen Autoren wie Reinhard. P. Gruber mit Titeln wie „Aus dem Leben Hödlmosers“ eine Art Anti-Heimatroman mit satirischer Überzeichnung der typischen Elemente des herkömmlichen Heimatromans.

Die Heimatliteratur als Textgattung

Unter Heimatliteratur versteht man für gewöhnlich alle literarischen Werke, die sich thematisch mit dem Begriff Heimat beschäftigen. Als Teil der Heimatliteratur zählt der Heimatroman zum Genre der Trivialliteratur, auch Massenliteratur oder populäre Literatur genannt. Hierunter versteht man allgemein leicht zugängliche und allgemein verständliche Texte. Dies spiegelt sich auch inhaltlich durch klare Trennungen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht wider sowie durch emotional allgemein nachvollziehbare Themen wie Liebe, Tod, Verbrechen, Abenteuer und Krieg. Die äußere Form kann sich frei zwischen Lyrik, Drama und Epik bewegen. Zusätzlich ist der Heimatroman der Volksliteratur zugeordnet, die sich den schon erwähnten populären Lesestoffen in Form von Heftromanen widmet, aber auch als Erbauungsschriften und traditionelle Erzählungen wie Märchen vorkommt. Viele Exemplare der Heftromane stehen bei eBay zum Erwerb zu Verfügung. Besonders bekannt sind die Unterkategorien Dorfroman, Bauernroman und Bergroman. Allgemeiner wäre Provinzliteratur, lyrisch wird es mit Mundartdichtung.

Stilelemente des Heimatromans

Stilistisch gibt es sowohl beim traditionellen Heimatroman vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als auch beim späteren massentauglichen, trivialen Heimatroman übereinstimmende Elemente: Immer vorhanden ist eine isolierte Umgebung, zumeist ein Dorf in den Bergen oder ein anderer ländlicher Schauplatz. Hier herrschen noch Recht und Ordnung: eine hierarchisch strukturierte, quasi gottgewollte und somit unveränderliche Dorfgemeinschaft. Alle führen ein in den ewigen Kreislauf des Jahres und der Jahreszeiten eingespanntes fest gefügtes Leben. Dies wird unterstützt durch ein traditionelles Frauenrollenbild und eine klare Schwarz/Weiß-Färbung der Figuren. Unruhe gelangt in diese Sehnsuchtslandschaft zumeist durch die Ankunft eines Fremden, der die vormals herrschende Ruhe und Ordnung stört. Am Ende gibt es aber wieder ein Happy-End: Der Fremde wird entweder in die Gemeinschaft aufgenommen oder ausgestoßen, oder er scheitert in seinem Vorhaben, wodurch die natürliche Ordnung wiederhergestellt wird.Zusammenfassend werden im Heimatroman dramatische Schicksale in ländlicher Umgebung bzw. in der idyllischen Bergwelt geschildert, die reich an Gefühlen wie Zärtlichkeit, Trauer, Mitleid, Eifersucht und Liebe sind.

Der neue Heimatroman in der Gegenwartsliteratur

Was unter dem Begriff Heimatroman zu verstehen ist, hat sich im Laufe seiner langen Entwicklungszeit immer wieder ein bisschen geändert. Die beiden Extreme, die sich in den letzten Jahrzehnten besonders herauskristallisierten, waren „die Idylle“ und „der negative Heimatroman“. In den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende scheint es aber neue Bestrebungen zu geben, dem Heimatroman ein anderes Gesicht zu verleihen: Angestrebt wird ein unvoreingenommener Blick auf die Provinz – mit Verstehen statt Idealisieren und Annähern statt Missbilligen. Um dem Ruf der Trivialliteratur zu entkommen, ließen vielen Schriftsteller über die Jahre einige Portionen an Empörung, Spott und Sarkasmus erkennen. Noch scheint es bei manchen Autoren Trotz auszudrücken, wenn sie sich als Heimatdichter bezeichnen. Das hindert die Öffentlichkeit aber keineswegs daran, in der Provinz spielenden Romanen Anerkennung und Literatur-Preise zu verleihen. Diese Romane handeln – im Gegensatz zu ihren traditionellen Verwandten – nicht von dem heilen Leben in der Provinz, sondern von Protagonisten, die einst ihre provinzielle Heimat verlassen haben und sich nun auf dem Weg zurück dorthin befinden: Schlichtheit wird durchaus thematisiert, vielmehr geht es aber um größere persönliche Probleme der Hauptfiguren. Auch wird oft der Grund des Weggehens beschrieben und damit auch das Enge und Bedrückende der Provinz dargestellt – aus der Perspektive derer, die es dort nicht mehr ausgehalten haben und nun aus anderen Beweggründen zurückkehren. Ziel der Autoren ist aber dennoch, weder ein rein positives oder negatives Bild der Provinz zu zeichnen: Vielmehr geht es um die Erweiterung des Horizontes eines jeden einzelnen und um gegenseitiges Verständnis und die Erkenntnis, dass man viel zu oft vorschnell urteilt, ohne den Standpunkt des anderen zu kennen. In diesem Sinne ist das versöhnliche Annähern und sich selbst über die eigene Person bewusst zu werden wichtiger als der Ort des Geschehens. Bei dieser Form des neuen Heimat- bzw. Provinz-Romans ist somit der Schauplatz viel weniger wichtig als die Personen – es ist vielmehr ein Menschen- und Gesellschaftsbild, das in einen regionalen Kontext eingebunden ist.

Der Regionalkrimi als Abwandlung des Heimatromans

Als eine Mischform aus Heimatroman und Kriminalroman hat sich in den letzten Jahren der Regionalkrimi, auch Regiokrimi genannt, entwickelt. Inhaltlich handelt es sich bei einem Regionalkrimi um einen Krimi, der in einer bestimmten Region – oft einer Stadt – spielt. Somit wird hier das Interesse des Lesers für Kriminalromane mit dem Interesse für eine ausgewählte Region bzw. Stadt verknüpft. Dies soll vor allem Bewohner des jeweiligen Handlungsortes ansprechen, die ihren Ort in der Handlung wiederfinden möchten und außerdem so durch eine ganz andere Perspektive ihre Region oder Stadt mit ihren guten und schlechten Seiten neu kennenlernen können. Sie können auch Regionalkrimis bei eBay erwerben.

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