Hier funkt es mit System: alles über TR-BOS

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Wenn es irgendwo einen Unfall gibt, es brennt oder ein Verbrechen begangen wurde, dann sind die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben unterwegs, um schnell Abhilfe zu schaffen. Sie kommunizieren dabei natürlich auch über Funk, um mit Ihrer Leitstelle zu koordinieren, ihren Status zu übermitteln und wichtige Informationen auszutauschen. Schon ganz zu Beginn der Entdeckung und Nutzung des Funks erkannte man, von welch großer Bedeutung dieser für Einsatzkräfte wie Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr sein würde und wie ungemein nützlich er ist.

Heute wird flächendeckend und mit System gefunkt, denn es gibt Regelungen und Richtlinien für alles, was mit dem BOS-Funk zu tun hat. Das Funkmeldesystem (kurz „FMS“) sorgt für einheitliche Abläufe und die TR-BOS sorgen dafür, dass überall Geräte auf dem gleichen technischen Stand verwendet werden. So können Rettungsdienste und Sicherheitsdienste optimal arbeiten und Menschenleben retten. Wir erklären im Folgenden, was genau es mit den TR-BOS auf sich hat und was sie umfassen.

Was heißt TR-BOS? Rettungsdienste und Gefahrenschutz unterliegen auch technischen Richtlinien

Das Wort TR-BOS setzt sich aus zwei verschiedenen Bestandteilen zusammen: TR und BOS. Das Kürzel BOS steht hierbei für „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ und ist eine offizielle Bezeichnung für alle öffentlichen oder ehrenamtlichen Einrichtungen, die sich mit der inneren Gefahrenabwehr beschäftigen. Dazu gehören zum Beispiel die Polizei, der Grenzschutz, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr, Rettungsdienste, der Katastrophenschutz, die Bundeswehr und der ADAC. Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und ähnliche Hilfsorganisationen gehören zwar offiziell nicht zu den BOS. Sie stellen aber oft Personal und Technik dem Rettungsdienst zur Verfügung und werden in diesen Situationen dann ebenfalls den BOS zugerechnet.

Die BOS benutzen in Deutschland ein speziell für diese Organisationen und Behörden geschaffenes Funknetz: den BOS-Funk. Dieser ist ein nicht öffentlicher, mobiler UKW-Landfunk (kurz auch „nömL“ genannt). Für den Betrieb dieses Funks und den Einsatz entsprechender Funkgeräte gibt es wiederum technische Richtlinien. TR-BOS heißt dementsprechend „Technische Richtlinie für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“. Diese wurde landesweit festgelegt und soll den sicheren und störungsfreien Betrieb des Dienstes sicherstellen.

Die Richtlinie gibt genaue Anweisungen zum Funktionsumfang und den Richtwerten im Bereich BOS-Funk und vor allem auch für die BOS-Funkgeräte vor. BOS-Handfunkgeräte arbeiten daher im 2-m- bis 4-m-Frequenzbereich und unterliegen noch einigen anderen technischen Anforderungen, die überall einheitlich sein müssen.

Anforderungen an BOS-Geräte gemäß der technischen Richtlinie

Die TR-BOS wird vom Polizeitechnischen Institut der Polizei-Führungsakademie herausgebracht und umfasst detaillierte Anforderungen an BOS-Geräte. Neben der Zuweisung bestimmter Frequenzen für die interne Kommunikation können einzelne BOS auch die Erlaubnis erhalten die Frequenzen anderer BOS zu verwenden, um mit diesen in Kontakt zu treten. Auch für bestimmte Aufgaben und Positionen werden Frequenzbereiche zugeteilt, so wird der Leitstellenfunk im 4-m-Band abgewickelt und der Einsatzstellenfunk im 2-m-Band. Geräte einzelner Hersteller müssen bei einer Prüfstelle auf Tauglichkeit für den BOS-Einsatz geprüft werden und erhalten dann je nach Verwendungszweck eine FuG-Nummer.

Nicht jedes beliebige Gerät, das über diese Bänder kommunizieren könnte, ist automatisch auch als BOS-Funkgerät geeignet. Laut Richtlinie muss es noch andere Anforderungen erfüllen, z. B. mit Handschuhen bedienbar sein und eine bestimmte mechanische Ausführung haben sowie über genormte Kontakte verfügen und bestimmte externe Anschlüsse an festgelegten Stellen haben.

Nach TR-BOS geprüfte Handfunkgeräte, Mobilfunkgeräte und Relaisfunkstellengeräte mit BOS-Nummer

Im Handel sind auch BOS-Geräte ganz normal zu erhalten. Alle Geräte, die von der Prüfstelle als BOS-Geräte zugelassen sind, erhalten von der BOS-Prüfstelle in Bonn eine Zulassung mit Zulassungsnummer und werden als FuG (kurz für Funkgerät) bezeichnet. Für die Zulassung sind in der Regel bestimmte Frequenzbereiche, Modulationen, Leistung, Anschlussbelegungen, Kanäle und Ähnliches vorgegeben. Je nach Verwendungszweck und Einstufung bekommen die Geräte einen Typ zugeteilt. Konkret im Einsatz werden dann bestimmte Typen für bestimmte Zwecke verwendet. An der Nummer ist also bereits erkennbar, wofür ein Gerät geeignet ist. Im Folgenden kurz Nummern und Zwecke:

  • FuG7 und FuG 8 werden für den festverbauten Einsatz in der Führungsebene verwendet
  • FuG 13, FuG 13a und FuG 13b werden für den mobilen Einsatz in der Führungsebene verwendet
  • FuG 9 wird für den festverbauten Einsatz des Einsatzstellenfunks verwendet
  • FuG 10, FuG 10a, FuF 10b und FuG 11b werden im mobilen Einsatzstellenfunk als Handfunkgeräte verwendet

BOS-Handsprechfunkgeräte: FuG 10 bis FuG 13b

Handsprechfunkgerät nach TR-BOS gibt es mittlerweile in einigen Generationen, die immer weiter entwickelt wurden. Die ersten Geräte wurden ab 1945 mit der FuG-Nummer 1 herausgebracht. In der Neuzeit ist die Nummerierung inzwischen bis 15 fortgeschritten, im Handel zu finden sind Geräte in den Bereichen der Zahlen 8 bis 13. Die wichtigsten Typen, die bei Geräten im Handel vorzufinden sind, sind momentan aber die Geräte der Reihen FuG 10 bis FuG 13, die wir im Folgenden mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten vorstellen.

BOS-Handfunkgeräte der 10er-Reihe: FuG 10, FuG 10a und FuG 10b

Beim Handfunkgerät FuG 10 handelt es sich um ein Funkgerät im 2-m-Band-Bereich mit 10 Kanälen und 1 Watt Leistung und einer durchschnittlichen Betriebsdauer von etwa 4 Stunden. Zu dem Gerät gibt es entweder eine Stabantenne mit 40 cm Länge oder eine verkürzte 15 cm Antenne, die handlicher ist, aber weniger Leistung hat. Dieses Gerät wird in aller Regel für den Wechselsprechbetrieb eingesetzt, da es dafür optimiert wurde, einige Geräte dieser Art können aber auch für den Gegensprechbetrieb oder den Mischbetrieb eingesetzt werden.

Beim Handfunkgerät FuG 10a handelt es sich um ein Funkgerät im 2-m-Band-Bereich mit 92 Kanälen und 1 Watt Leistung sowie durchschnittlich 4,5 Stunden Betriebsdauer. Das Gerät kann für Wechselsprechbetrieb und Gegensprechbetrieb eingesetzt werden, die Verkehrsart ist umschaltbar. Einige Kanäle sind gesperrt und geben ein Warnsignal ab.

Beim Handfunkgerät FuG 10b handelt es sich ebenfalls um ein Funkgerät im 2-m-Band-Bereich mit 92 Kanälen und 1 Watt Leistung sowie durchschnittlich 4,5 Stunden Betriebsdauer. Es kann zusätzlich jedoch noch mit FMS ausgestattet werden und mit einer höheren Sendeleistung betrieben werden.

BOS-Handfunkgeräte der 11er-Reihe: Das Gerät FuG 11b

Das Handfunkgerät FuG 11b gehört zu einer neueren Generation von Handfunkgeräten im Bereich des 2-m-Bandes und hat eine Sendeleistung von 1 Watt. Auf insgesamt 117 Kanälen, deren Anzahl aber auch willentlich eingeschränkt werden kann, ist der Wechselsprechbetrieb und der Gegensprechbetrieb möglich. Die konkrete Art der Benutzung schwankt von Hersteller zu Hersteller stark, da es keine festgelegten Belegungen gibt. Das FuG 11b kann sowohl im Ober- als auch im Unterband geschaltet werden.

BOS-Handfunkgeräte der 13er-Reihe: Die Geräte FuG 13, FuG 13a und FuG 13b

Das Handfunkgerät FuG 13 arbeitet im Bereich des 4-Bands mit einer Sendeleistung von 1 Watt. Der Aufbau dieses Gerätes ist analog zum FuG 10 gemacht worden, es kann jedoch sowohl für den Wechselsprechverkehr als auch den Gegensprechverkehr verwendet werden.

Beim Handfunkgerät FuG 13a handelt es sich um ein 4-m-Handfunkgerät mit einer Sendeleistung von 1 Watt, welches für Gegensprechbetrieb und Wechselsprechbetrieb geeignet ist und sowohl im Ober- als auch Unterband geschaltet werden kann. Es ist ein Vielkanalgerät, welches viel von der Feuerwehr eingesetzt wird. Es ist optisch dem 10a angepasst, wie auch schon sein Vorgängergerät dem FuG 10 angepasst war.

Das Handfunkgerät FuG 13b 4-m-Handfunkgerät ist ein Gerät mit einer Sendeleistung von 1 Watt, welches für Gegensprechbetrieb und Wechselsprechbetrieb geeignet ist und sowohl im Ober- als auch Unterband geschaltet werden kann. Es kann auch mit einer höheren Sendeleistung betrieben werden und verfügt über Sonderfunktionen wie FMS oder einen Alarmgeber.

Verschiedene Hersteller produzieren Geräte, die als FuG eingestuft wurden

Durch die Einstufung und Typisierung der Prüfstelle wird sichergestellt, dass es einheitliche BOS-Funkmeldeempfänger auf dem Markt gibt. Dennoch gibt es auf dem Markt nicht nur jeweils ein Gerät von einem Hersteller, das einem bestimmten FuG-Typ entspricht. Beim Kauf eines BOS-Gerätes besteht also trotzdem die Wahl zwischen mehreren Herstellern und Marken. Diese unterscheiden sich zwar nicht in den Eigenschaften, die von den TR-BOS gefordert werden, aber in anderen zugelassenen Details. Dies können bei manchen FuG-Typen sogar die  Bedienung und die Anordnung der Tasten und andere mechanische Elemente sein. Geräte, die nach BOS-Richtlinien genormt sind, sind auch bei anderen Einsatzzwecken interessant. So zum Beispiel für das Sicherheitspersonal bei Großveranstaltungen.

Bekannte Hersteller von BOS-Geräten, sind zum Beispiel:

  • Yaesu
  • Motorola
  • ICOM
  • LIS
  • Radiodata
  • Bosch

Geräte, die als FuG zugelassen sind, sind an der BOS-Prüfnummer erkennbar, die am Gerät angebracht ist.

Wenn Sie ein Funkgerät in der Hand halten, dass als BOS-Funkgerät mit einer FuG-Typisierung versehen ist, dann wissen Sie, dass es sich um ein stark genormtes Gerät nach TR-BOS handelt. Diese Geräte haben einige Vorteile, die sich aufgrund der technischen Richtlinien ergeben. Nicht zu unterschätzen ist zum Beispiel die sofortige Bediensicherheit beim Austausch von Geräten. Aufgrund der Vorgaben ist auch ein fremdes Gerät für jeden Anwender sofort leicht bedienbar. Nicht nur das Gerät selbst kann also bei Bedarf ausgetauscht werden, sondern auch das nötige Zubehör. In den wichtigsten Bereichen ist zudem die Bedienung so einheitlich gestaltet, dass sie unabhängig vom Hersteller ist und auch Geräte unterschiedlicher Marken problemlos ausgetauscht werden können.

Für BOS-Geräte gelten zudem einige Ausnahmen, so sind die Geräte nicht vom Handyverbot im Kfz betroffen. Allerdings muss für die Verwendung eines BOS-Geräts auch eine spezielle Außenantenne mit E-Prüfzeichen vorhanden sein. Ansonsten kann dies negativen Einfluss auf die Betriebserlaubnis haben.

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