HiFi-Stereo oder Surround-Verstärker

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Wer sich abseits der modernen Surround-Systeme für klassische High Fidelity interessiert, hat es heutzutage nicht leicht. Zwar ist High-End in aller Munde, aber im Gegensatz zu HiFi handelt es sich dabei nicht um einen objektivierbaren Qualitätsstandard.
Ehrlicherweise muss jedoch angemerkt werden, daß der traditionelle HiFi-Standard mehr über Messwerte aussagt, als über die reine Klangqualität, die natürlich subjektiv empfunden wird.
Es geht hierbei also recht speziell um das, was von Audiophilen in der klassischen HiFi-Szene als High-End bezeichnet und angesehen wird.
Klar, wer bisher auch mit seiner einfachen, eher preiswerten Stereo-Anlage voll zufrieden gewesen und nicht an HiFi interessiert ist, den wird eine Surround-Anlage sicher vollauf zufrieden stellen.
Natürlich ist es auch so, daß heutzutage die meisten Surround-Verstärker wesentliche Kriterien der HiFi mühelos erfüllen, so sind zum Beispiel der Rauschfaktor, das Frequenzband des Klangfeldes und die Dynamik keine Problemzonen mehr, gerade auch im Zeitalter der Digitalisierung und bezogen auf CD-Qualität.
Das Problem liegt zumeist in der Dichte des Klangbildes, in dessen "Sattheit" bzw. im Klangvolumen. Das liegt vereinfacht gesagt daran, daß bei der digitalen Signalverarbeitung im Verstärker unzählige Mikroprozessoren, Filter und Wandler das Tonsignal unter Verwendung von Mikroströmen quasi "verdünnen", bis es dann zur Verstärkung wieder "aufgeblasen" wird. Speziell bei Surround-Verstärkern wird das normale Stereo-Signal außerdem aufgespalten, da es gleichzeitig als Träger für die zusätzlichen Raumklang-Informationen dient. Es erscheint logisch, daß dann bei der Formel "Aus 2 mach 5.1 oder 7.1" die Klangdichte auf der Strecke bleibt. Leider hilft es auch nichts, wenn der Surround-Verstärker über entsprechende Extra-Eingänge verfügt, denn die Baugruppen zum Aufsplitten des Stereo-Tonsignals sind dennoch eingebaut und werden zwangsläufig angesteuert, selbst wenn man nur den Stereo-Modus benutzt. Das ist an sich nett gemeint, denn es ermöglicht zumeist einen künstlichen Raumklang auch von Quellen, die nicht im Surround-Modus aufgenommen wurden, und zwar in Form der sogenannten Klang-Presets wie "Classic, Rock, Pop, Concert, Hall" etc.
Die industrielle Massenfertigung setzt verständlicher Weise auf Vereinheitlichung der Baugruppen, ansonsten müssten sich eigentlich zwei verschiedene Verstärker ein gemeinsames Gehäuse teilen. Natürlich gibt es sowas, aber leider erst in der Preisklasse von sehr deutlich über 1000 Euro.

Auch reine Stereo-Verstärker unterhalb dieser Preisgrenze kommen klanglich meistens nicht an die Qualität älterer, hochwertiger HiFi-Verstärker heran, da auch in ihnen heutzutage häufig digitale und/oder unaufwändige Baugruppen verarbeitet werden, die einfach billiger produziert werden können.
Um also in den Genuss der Qualität zu kommen, die noch vor 10 oder 20 Jahren verbaut wurde, muss man heute tief in die Tasche greifen oder versuchen, ein gut gepflegtes Gerät aus dieser Ära zu erwerben. Zum Beispiel eine gute vergleichbare Vor- und Endstufen-Kombination für damals ca 2000 DM ist heute kaum unter deutlich mehr als 2000 Euro zu haben und wird häufig auch nicht ähnlich langlebig sein.
Es geht bei der Unterscheidung zwischen dem Klang von HiFi- und Surround-Systemen nicht um "gut oder schlecht", denn letztenendes sind die individuellen Hörgewohnheiten entscheidend. Viele Musikliebhaber erleben jedoch eine gewisse Frustration nach der Umstellung auf Surround-Systeme, weil im direkten Vergleich die Dichte des Klangbildes im Stereo-Betrieb gerade im unteren Frequenzbereich nicht an die gewohnte Qualität heranreicht.
Das bedeutet, daß sich HiFi-HighEnd und Surround-Sound beinahe ausschließen, und tatsächlich werden diese beiden Begriffe fast nie gemeinsam verwendet, wenn man mal von der Preisklasse absieht, in der ansonsten Mittelklasse-Fahrzeuge angeboten werden.
So gesehen ist es für Audiophile mit normalem Budget vielfach sinnvoller, die alte hochwertige HiFi-Stereoanlage zu behalten und bei Bedarf durch einen separaten Surround-Prozessor zu ergänzen, an den lediglich die Zusatz-Lautsprecher (Center + Rear) angeschlossen werden.
Eine andere Variante wäre die Anschaffung eines separaten Surround-Receivers oder -Verstärkers, der lediglich fürs Heimkino unter Verwendung der 5.1/7.1- oder Digitalanschlüsse des DVD-Players benutzt wird. Dabei wäre natürlich auch eine zusätzliche Vernetzung mit dem Stereo-Verstärker über die jeweiligen Tape in/out-Buchsen möglich. Allerdings mutiert das Wohnzimmer dann auch schnell zu einem Boxenpark mit zwischen 7 und 9 anstelle von 5 Lautsprechern...plus Subwoofer. ;o)

Wer also vor der Entscheidung einer Neuanschaffung steht, sollte sich unter Nennung dessen, was er bereits zuhause hat, an einen erfahrenen HiFi-Fachmann wenden, der einem ehrlich sagt, ob oder bis zu welcher Preisklasse im Vergleich auf jeden Fall mit Kompromissen bzw. Klangeinbußen zu rechnen ist.

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