Hauptplatinen selbst tauschen – ein Howto

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Hauptplatinen selbst tauschen – ein Howto

Wenn Sie die Leistung Ihres PCs verbessern und neue Komponenten verbauen möchten, führt an dem Austausch des Mainboards häufig kein Weg vorbei. Das Mainboard bzw. die Hauptplatine koordiniert die Arbeitsleistung aller Computer-Komponenten wie etwa des Hauptprozessors, der Grafikkarte, des Arbeitsspeichers und der Festplatten. Möchten Sie eine schnellere CPU verbauen oder auf andere Weise die Geschwindigkeit Ihres Systems erhöhen, ist damit in den meisten Fällen auch ein Austausch des Mainboards verbunden.

In diesen Situationen muss ein Mainboard ausgetauscht werden

Der Austausch eines Mainboards kann vielfältige Gründe haben. Meistens wird er dann notwendig, wenn der Prozessor auf ein anderes Modell bzw. eine andere Generation gewechselt werden soll. Die Hersteller von Prozessoren wie Intel und AMD müssen mit der Weiterentwicklung ihrer Chips häufig auch den Sockel anpassen, sodass die neuen CPUs nicht mehr auf den alten Sockeln der alten Mainboards verwendet werden können. Da die CPU wesentlich darüber entscheidet, wie schnell ein Computersystem arbeitet, ist ein solcher Austausch der größte Motivator für den Ausbau und den Wechsel des Mainboards.

Notwendig wird der Austausch in jedem Fall auch dann, wenn von einem Chiphersteller zu einem anderen gewechselt werden soll. Die Mainboard-CPU-Kombination kann nur innerhalb gewisser Grenzen frei gewählt werden, CPUs von Intel lassen sich nicht auf Mainbaords von AMD verwenden und umgekehrt. Wer zu einem anderen Prozessor-Hersteller wechseln möchte, der muss sich zwingend auch über den Mainbaord-Tausch Gedanken machen.

Ein weiterer Anlass für die Auswechslung des Mainboards ist schließlich dann gegeben, wenn die Hauptplatine einen Defekt aufweisen sollte. Eine zu hohe Spannung, ein Haarriss auf der Platine sowie andere Abnutzungserscheinungen können dazu führen, dass das Mainboard nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Da sich in einem solchen Fall der PC überhaupt nicht mehr starten lässt, muss ein Austausch umgehend erfolgen.

Der richtige Formfaktor ist entscheidend

ATX-Gehäuse

In den meisten Fällen wird es sich bei Ihrem Gehäuse um ein ATX-Gehäuse handeln. Dieser Formfaktor ist auf dem Markt am weitesten verbreitet und wird bei einer Vielzahl von Computern verwendet. Die hier notwendigen ATX-Mainboards verfügen über besonders viele Slots für Arbeitsspeicher, Erweiterungskarten und Festplatten. Damit handelt es sich jedoch auch um die größten Platinen, die Sie verbauen können und die entsprechend viel Platz wegnehmen. Für Laien lässt sich mit diesen Mainboards jedoch in der Regel gut arbeiten, da das Layout übersichtlich ist, sich die Komponenten leichter unterbringen lassen und dadurch der Austausch des Mainboards erleichtert wird.

ITX-Gehäuse

Der ITX-Formfaktor ist der kleinste Formfaktor für Computer-Gehäuse und wird zum Beispiel bei kleinen Wohnzimmer-PCs verwendet. Entsprechende Mini-ITX-Mainboards weisen ein besonders kompaktes Layout auf und finden sich in Systemen mit platzsparenden Komponenten. Der große Vorteil dieser Systeme ist in der Unterbringung aller relevanten Hardware auf engstem Raum zu sehen, sodass ITX-Gehäuse besonders flach sind. Die hiermit verbundenen Nachteile sollten Sie jedoch nicht aus dem Blick verlieren: ITX-Gehäuse sind kleiner und sperriger, was den Austausch der Hauptplatine erschweren kann. Zudem muss das Augenmerk bei diesem Formfaktor auf das Kabelmanagement gelegt werden, da hier im Gehäuse nur wenig Platz vorhanden ist. Herumfliegende Kabel sind hier besonders störend, Kabelbinder müssen fast zwingend eingesetzt werden. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich zudem beim Abtransport der warmen Luft im Gehäuse. Anders als bei ausgewachsenen Towern können hier keine großzügig dimensionierten Kühler auf dem Prozessor und der Grafikkarte angebracht werden, und Gehäuselüfter sind entweder gar nicht vorhanden oder nur in einer kleinen Ausführung.

Micro-ATX-Mainboards

Eine Zwischenlösung zwischen dem großen ATX-Formfaktor und den kleinen ITX-Mainboards stellen die Micro-ATX-Mainboards dar. Diese Mainboards können ebenfalls in allen ATX-Gehäusen verbaut werden und zusätzlich in Midi- und Mini-ATX-Gehäusen, die weniger Platz bieten als ausgewachsene Tower. Beim Kauf eines neuen Mainboards haben Sie in vielen Fällen die Wahl, ob Sie sich für ein ATX- oder ein Micro-ATX-Modell entscheiden. Häufig fallen die kleineren Varianten preislich etwa günstiger aus als die großen ATX-Mainboards, bieten dafür jedoch weniger Steckplätze. Wenn Sie besonders viele RAM-Bausteine installieren oder viele Erweiterungskarten wie WLAN-Karten, Decoder oder Soundkarten verbauen möchten, sollten Sie sich für ein ATX-Modell entscheiden.

Auf den richtigen Sockel kommt es an

Sockel 1155 oder doch Sockel A? Nachdem der Formfaktor für das Mainboard festgelegt wurde, müssen Sie sich Gedanken über den Sockel machen, auf dem der Hauptprozessor später seinen Platz finden soll. Auf dem Markt werden eine Vielzahl von unterschiedlichen Sockelvarianten angeboten, jeder Hersteller hat hier seine eigenen Spezifikationen. Wird eine CPU neuer Generation gekauft, muss zumeist auch der Sockel gewechselt werden.

Beim Kauf sollten Sie grundsätzlich so vorgehen:

1. Sie legen sich auf ein bestimmtes Prozessormodell fest,

2. danach wählen Sie ein Mainboard mit dem passenden Formfaktor ATX, Mikro-ATX usw. aus, und

3. schließlich wählen Sie einen zur CPU passenden Sockel.

Wenn Sie diese Reihenfolge einhalten, finden Sie in jedem Fall ein Mainboard für Ihren Computer, das tatsächlich in Ihr Gehäuse und zu Ihrer Hardware passt.

Sobald Sie ein passendes Mainboard gefunden haben und es an den Einbau geht, gilt es einige Dinge zu beachten. So sollten Sie vor dem Ausbau des Mainboards sämtliche Kabel und insbesondere auch das Netzkabel abziehen. Das Netzteil ist über den größten Stecker auf dem Mainboard verbunden und sollte bei Arbeiten an der Hardware auf keinen Fall angeschlossen bleiben. Bevor Sie das neue Mainbaord einbauen, sollten Sie darauf achten, dass Sie sowohl die neue CPU als auch deren Kühler und den Arbeitsspeicher bereits verbaut haben. Das erleichtert die Arbeit enorm, da es bei eingebautem Mainbaord sehr schwierig werden kann, die Komponenten einzufügen. Das gilt vor allem für den Kühlkörper, der sich in vielen Fällen sogar nur bei ausgebautem Mainboard überhaupt installieren lässt.

Anschluss an das Netzteil: Welche PINs müssen verwendet werden?

Einer der wichtigsten Schritte beim Einbau eines neuen Mainboards ist das Anschließen des Netzteils. Das Netzteil versorgt sämtliche internen Komponenten des Computers und teilweise auch die USB-Peripheriegeräte mit Strom. Einen Fehler sollten Sie beim Anschließen dieses Computerteils daher unbedingt vermeiden.

Die meisten Micro-ATX- und anderen Netzteile verfügen über einen 24-Pin-Konnektor oder einen ähnlichen Anschluss, der auf dem Mainboard eingesteckt werden muss. In einigen Fällen wird jedoch so viel Strom benötigt, dass zusätzliche 4- und 8-PIN-Konnektoren angeschlossen werden müssen. Diese Stromanschlüsse sind optional und nicht zwingend erforderlich, damit das System gestartet werden kann. Sollte die Hardware nicht mit genügend Strom versorgt werden, kann es jedoch zu Systemabstürzen und zu einer Instabilität des Systems kommen. In diesen Fällen sollten Sie nachträglich die optionalen PIN-Konnektoren ebenfalls einstecken.

Beim Anschließen des Netzteils sollten Sie darauf achten, dass der Stecker fest einrastet, was nur dann der Fall sein kann, wenn Sie die richtige Orientierung des Steckers gewählt haben. Auf keinen Fall sollte hier Gewalt angewendet werden, die Ausfertigung der Stecker verhindert aber in der Regel zuverlässig, dass das Netzteil falsch angeschlossen wird.

So wird die Festplatte richtig angeschlossen

Der letzte Schritt beim Austausch des Mainboards besteht zumeist im Anschließen der Festplatten. Dieser Schritt sollte nicht vor den anderen erfolgen, da hier die längsten Datenkabel im Tower bzw. Gehäuse verlegt werden müssen und diese beim Umbau des Computers stören. Zu unterscheiden sind hier die Anschlussarten SATA und IDE sowie der Spezialfall RAID.

SATA

In den meisten Fällen wird es sich bei der Festplatte um ein SATA-Modell handeln. SATA-Kabel zeichnen sich durch ihre relativ schmalen Kabel aus und einen kleinen Anschlussstecker. Sie werden sowohl im Zusammenhang mit mechanischen HDDs als auch mit modernen SSD-Festplatten verwendet. Sollten Sie bei der Aufrüstung Ihres Mainboards auch auf eine schnellere Festplatte wechseln, denken Sie daran, dass auch ein Austausch des Datenkabels notwendig sein kann. SATA wird mit Geschwindigkeiten wie 1,5, 3 und 6 GB/s angeboten, ältere Kabel liefern jedoch für die schnelleren Standards nicht genügend Bandbreite.

IDE

Ältere Festplatten und viele CD- oder DVD-Laufwerke werden noch immer per IDE angeschlossen. Hierbei handelt es sich um ein sehr breites Anschlusskabel mit einem großen Stecker, das viel Platz im Gehäuse wegnimmt. Nach Möglichkeiten sollten Sie beim Austausch Ihres Mainboards zugleich diese alten Kabel gegen SATA-Varianten austauschen, falls die Festplatten und anderen Laufwerke entsprechende Anschlussmöglichkeiten bieten. Auch diese IDE-Kabel sollten zumindest in einfacher Ausführung jedem Mainboard beiliegen.

RAID

Schwieriger gestaltet sich der Anschluss der Festplatten, wenn es sich um einen RAID-Verbund handelt. In diesem Fall verfügt das Mainboard über einen RAID-Controller, an den die miteinander verbundenen Festplatten in einer bestimmten Anordnung angeschlossen werden müssen. Hier müssen Sie das Handbuch des Mainboards konsultieren, da jeder RAID-Controller eine andere Anordnung der Festplatten vorsieht.

Falls für den Anschluss einer Festplatte nach dem Austausch des Mainboards das passende Kabel fehlen sollte, sollten Sie das entsprechende Zubehör dazu kaufen. Viele Mainboard-Produkte beinhalten bereits jedoch verschiedene Datenkabel, mit denen sich die meisten gängigen Festplatten problemlos anschließen lassen.

Macht die Arbeit einfacher: Mainboard im Bundle kaufen

Da es im Einzelfall schwierig sein kann, zueinanderpassende Komponenten für den Mainboard-Tausch zu kaufen, bieten die Hersteller praktische Bundles als Abhilfe an. Hierbei kaufen Sie nicht nur die Hauptplatine selbst, sondern auch die passende CPU und den richtigen Arbeitsspeicher. Solche Mainboard-Bundles haben den großen Vorteil, dass es keine Inkompatibilitäten zwischen den einzelnen Komponenten geben kann. Gerade für Laien ist das von unschätzbarem Wert, da sich so ein Fehlkauf in der Regel vermeiden lässt. Ein Nachteil ist darin zu sehen, dass Sie eine deutliche geringere Auswahl an möglichen Kombinationen der Komponenten haben, da die Zusammensetzung des Bundles vom jeweiligen Hersteller vorgegeben wird. Damit eignet sich der Kauf von Bundles vor allem für unerfahrene Anwender und alle diejenigen, die beim Kauf Zeit sparen möchten.

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