Gut Holz! Tipps zur Auswahl von Tischtennisschläger-Hölzern

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Gut Holz! Tipps zur Auswahl von Tischtennisschläger-Hölzern

Neben der Auswahl des richtigen Belags für den eigenen Tischtennisschläger ist die Wahl des Holzes von entscheidender Bedeutung. Das Schlägerholz kann je nach Bauweise ganz unterschiedliche Eigenschaften annehmen. Deswegen ist auch beim Kauf des Holzes zu sagen: Ein „richtiges" Holz gibt es nicht. Vielmehr sollten Sie im Vorfeld festhalten, wie Sie selbst spielen und dann ein Schlägerholz auswählen, das zu Ihnen bzw. Ihrem Spiel passt. Neben dem Holz selbst spielt natürlich auch der Griff eine wichtige Rolle.

Welche Spieleigenschaften von unterschiedlichen Hölzern ausgehen und was es sonst noch dazu zu wissen gibt, wird Ihnen dieser Ratgeber vermitteln. Was er jedoch nicht leisten kann, ist, dass er Ihnen ein abschließendes Urteil liefern wird. Wie gesagt: Das Holz muss zu Ihnen passen. Sind sie erst kürzlich zum Tischtennisspielen gekommen, sollten Sie sich in jedem Fall mit einem erfahrenen Spieler unterhalten, der Ihnen die besten Tipps geben kann.

Was die eigene Geldbörse anbelangt, so lässt sich sagen: Gute Tischtennisschläger müssen überhaupt nicht teuer sein. Auch dies werden Sie am Ende dieses Ratgebers erfahren haben. Doch bevor wir über die verschiedenen Hölzer und ihre Eigenschaften sprechen, wirft der Ratgeber noch einen kurzen Blick zurück in die Vergangenheit.

Vor hundert Jahren kommen die ersten Schläger zum Einsatz

Vor etwas mehr als hundert Jahren waren Tischtennisschläger aus einfachem Holz gefertigt. Meistenteils benutzte man einen rudimentären Belag wie etwa Pergament, Leder oder sogar Fell. Auch Kork oder Schleifpapier wurden benutzt, um dem Tischtennisball etwas Spin oder mehr Geschwindigkeit zu verleihen. Was die Geburt des modernen Tischtennisschlägers angeht, so hat sich eine Legende gebildet, die hier kurz Erwähnung finden soll. Der Engländer E.C. Goode soll in einer Apotheke sein Münzgeld beim Kauf von Kopfschmerztabletten fallen gelassen haben. Die Münzen vielen auf eine Gummimatte, die am Verkaufstresen lag, und sprangen sogleich wieder hoch. Er kaufte die Matte kurzerhand, schnitt sie zu und klebte das Gummi auf seinen Holzschläger, mit dem er von diesem Zeitpunkt an sehr erfolgreich spielte.

Die historische Realität holt diese Geschichte jedoch ein. Bereits ein Jahr zuvor wurde ein Patent beantragt, das die Verwendung von dünnem Kautschukgummi auf Schlägern vorsah. Das war 1901 und das Patent reichte der Sportartikelhersteller Frank Bryan ein. Ein vergleichbares Patent wurde ein Jahr später durch William Laird beantragt. Dennoch: In dieser Zeit, am Anfang des 20. Jahrhunderts, entstand der moderne Tischtennisschläger. In den 1950er-Jahren wurde dann noch zwischen Belag und Holz eine dünne Schwammschicht hinzugefügt – genauso kennen wir den Tischtennisschläger heute.

Welche Beläge indessen benutzt werden, und welche Hölzer verwendet werden dürfen, regelt alljährlich der Tischtennisweltverband ITTF.

Schlägerhölzer: Material und Eigenschaften

Moderne Tischtennisschlägerhölzer bestehen aus gleich mehreren Holzschichten, die miteinander verklebt sind. Zwar ist es durchaus möglich, das einzelne Schichten auch aus speziellen Kunststoffen bestehen können. Die internationalen Regeln sehen jedoch vor, dass mindestens 85 Prozent des Schlägers aus Holz bestehen müssen. Es lassen sich dabei Holzarten von verschiedener Güte und mit unterschiedlichen Eigenschaften verwenden. So sind etwa Hölzer wie Nussbaum, Mahagoni oder Buche sehr hart. Sie sorgen dafür, dass das Spiel schneller wird, und sind daher besonders für den Angriff geeignet.

Weichere Hölzer hingegen sind beispielsweise Weide, Birke oder Pappel. Diese sind aufgrund ihrer dämpfenden Eigenschaften besser für defensive Spieler geeignet. In modernen Tischtennisschlägern kommen daher oft Kombinationen aus harten und weichen Hölzern zum Einsatz. So verwendet man beispielsweise Furnierkerne, die aus dem leichten Holz des Balsabaums stammen, ein oder mehrere andere Sperrfuniere aus härteren Hölzern, wie beispielsweise Nussbaum, und zuletzt wieder ein weicheres äußeres Furnier.

Wichtig: die Verleimung

Damit der Schläger auch lange Zeit Verzugsfreiheit besitzt und gleichmäßige Spieleigenschaften besitzt, werden oftmals sogenannte Finelinefurniere verwendet. Diese Furniere bestehen aus einem Block von vielen sehr dünnen miteinander verleimten Holzschichten. Diese sind in der Regel nur zwischen 0,5 und 1 Millimeter breit. Sie werden anschließend quer zur Leimfuge wieder in Scheiben geschnitten. Durch diesen Aufbau bzw. diese Verleimung ist das Material etwas schwerer als das Ausgangsmaterial. Dadurch wird die Gleichmäßigkeit der jeweiligen Spieleigenschaften gefördert.

Die Art der Verleimung und dessen Qualität spielt bei Hölzern also eine sehr große Rolle. Deshalb werden auch bei der erstmaligen Konstruktion eines Schlägerholzes sehr viele Furniertypen ausprobiert und auch wieder verworfen. Die Entwicklung von Schlägerhölzern verfolgt dabei einige wesentliche Ziele. Auf der einen Seite geht es besonders darum, die Trefferzone – den Sweet-Spot – zu vergrößern. Dies ist der Bereich des Schlägers, der dem Ball eine bestmögliche Beschleunigung bzw. Kontrolle verleihen kann. Diese optimale Trefferzone kann vergrößert werden, indem man beispielsweise Kohlenstofffaser, Kevlar, Glasfaser oder Papier in die Klebefugen einbettet. Gelegentlich werden auch spezielle Metallfolien verwendet.

Wie Holz schwingt

Jedes Schlägerholz weist ein gewisses Schwingungsverhalten aus, das für die Spieleigenschaften jedes Schlägers von besonderer Bedeutung ist. Schwingt das Holz in einem hohen Frequenzbereich, wird der Tischtennisball stärker beschleunigt. In einem niedrigen Frequenzbereich wird der Ball weniger stark beschleunigt. In welcher Weise der Schläger schwingt, ist dabei anhängig vom Furniermaterial, von der Größe des Blattes und der Breite des Blattsteges. Der Blattsteg ist die Stelle des Schlägers, die weder vom Griff, noch vom Belag bedeckt ist. Große Stege bedingen dabei hohe Frequenzen und dadurch höhere Geschwindigkeiten.

Praktische Hinweise zum Kauf von Hölzern

Viele Anfänger fallen oft auf die Vorstellung herein, man könne getrost mit einem Profischläger bzw. einem Profiholz beginnen. Diese Vorgehensweise ist in den allermeisten Fällen verhängnisvoll. Beginnt man so beispielsweise mit einem sehr schnellen und offensiven Schläger zu spielen, wird man keine Freude entwickeln, denn der Lerneffekt ist sehr niedrig – man lernt wesentlich langsamer. Man fängt am besten mit einem Anfängerschläger an.

Was sind defensive und offensive Schläger?

Hinsichtlich der Auswahl des „richtigen" Holzes heißt dies Folgendes: Fängt man mit dem Tischtennis an, absolviert man eine längere Lernphase. Während dieser Phase stellt sich auch heraus, was für eine Art Spieler man ist. Es gibt defensive Spieler, offensive Spieler, aber auch diejenigen, die sich in beiden Welten zu Hause fühlen, sogenannte Allrounder. In diese drei Bereiche sind auch die modernen Tischtennisschlägerhölzer unterteilt:

  • Allrounder (ALL)
  • Defensive Hölzer (DEF)
  • Offensive Hölzer (OFF)

Daneben gibt es noch ein paar wenige Abstufungen, etwa extrem offensive oder defensive Hölzer. Offensive Hölzer sind sehr schnell, der Ball springt schneller vom Schläger ab. Er ist dabei aber auch unkontrollierter. Anfänger haben mit diesen oft wesentliche Probleme, da das Ballgefühl noch nicht weit genug ausgeprägt ist. Das Ergebnis: Man schlägt viele Bälle daneben, der Spaß leidet.

Defensive Schläger besitzen die entgegengesetzten Eigenschaften. Sie sind sehr langsam und manchmal werden Sie auch mit einem größeren Schlägerblatt angeboten. Für Anfänger sind sie ebenso wenig geeignet. Allroundhölzer wiederum besitzen den richtigen Mittelwert zwischen Offensiv- und Defensivhölzern. Anfänger sollten in jedem Fall auf diese Hölzer zurückgreifen, da sich mit ihnen am besten die Schlagtechniken einstudieren lassen.

Sind Vorder- und Rückhandseite gleich?

Vorder- und Rückhand können manchmal unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Normalerweise sind beide Seiten in gleicher Weise furniert, mit dem gleichen Material, der gleichen Maserungen und der gleichen Verleimung. Die Vorhandseite des Holzes ist immer diejenige, auf der das Herstellerlogo am Griff zu sehen ist. Viele Spieler erachten nämlich das Vorhandensein des Emblems an der Handinnenfläche als unangenehm. Die Fingerspitzen liegen daher immer auf dem Logo. Daher: Die Farbe des Belags (rot oder schwarz) hat nichts mit der Vorhandseite des Holzes zu tun, wie viele glauben.

Wie schwer soll der Schläger sein?

Der Griff ist auch noch mal ein Stückchen „High-Tech" am Tischtennisschläger. Oftmals sind in ihm am äußeren Ende Ausgleichsgewichte integriert, um den Schläger von der Gewichtsverteilung her in der Balance zu halten. Einige Spieler spielen jedoch gerne auch mit kopflastigen Schlägern, deren höheres Gewicht auf der Schlägerblattseite zu finden ist. Kaufen Sie ein Holz einzeln im Laden, ist es jedoch sehr schwer zu sagen, ob ein Holz ausgeglichen oder kopflastig ist. Denn schließlich müssen Sie ja noch die Beläge darauf kleben, die ebenfalls ihr eigenes spezifisches Gewicht mitbringen.

Beläge sind ebenfalls unterschiedlich schwer. Besitzt ein Schläger zwei schwere Beläge, kann er dadurch extrem kopflastig werden. Eine Eigenschaft von kopflastigen Schlägern ist es, dass sie durch ihr Gewicht auf der Schlägerblattseite mehr Druck entwickeln. Ausgeglichene Schläger wiederum sorgen für mehr Flexibilität und entlasten das Handgelenk. Der Schläger ist weniger träge. Anfänger müssen sich mit dieser Frage aber zunächst erst mal nicht belasten.

Entwicklungen bei Schlägergriffen

Während die Entwicklung im Blattbereich eher stagniert, haben sich die Hersteller in den letzten Jahren einiges zum Thema Griff einfallen lassen. Die bereits angesprochene Integration von Ausgleichgewichten ist dabei nur eine Entwicklung von vielen (die im Übrigen von den Spielern nur sehr zögerlich angenommen wurde). Weitere Methoden, um den Griff zu optimieren, sind beispielsweise das Ausschäumen der Griffe, das Verbauen von Versteifungen aus Carbonstäben und Schwingungsdämpfungen.

Mit welchem Holz soll ich beginnen?

Wenn Sie noch überhaupt keine Vorstellung haben, welches Holz richtig für Sie sein könnte, dann versuchen Sie zunächst, einfach ein Allround-Holz zu nutzen. Dieses gibt es von allen bekannten Markenherstellern, beispielsweise Stiga, Donic, Joola oder Banda. Von diesen gibt es auch spezielle Hölzer für Kinder. Die Modelle sind entsprechend gekennzeichnet. Beginnen Sie mit einem Allroundholz zu spielen, und schauen Sie in der folgenden Zeit, zu was für einem Spielstil Sie sich hinentwickeln. Weitere Markenhersteller sind beispielsweise Andro, Tibhar, Butterfly oder Yasaka.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber