Ganz einfach: als oder wie...?

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Zu den häufigen Problemen, auch für deutsche Muttersprachler, gehört die richtige Wahl der Konjunktionen " als" oder " wie" bei Vergleichen. Vor allem in manchen Dialekten geht es da drunter und drüber.

Was ist richtig, was ist falsch?

"Bei Euch ist es kälter als bei uns" oder "bei Euch ist es kälter wie bei uns",
"sein Auto verbraucht mehr Sprit als meins" oder "sein Auto verbraucht mehr Sprit wie meins",
"der Hund stank aus dem Maul als ein Monster" oder "der Hund stank aus dem Maul wie ein Monster",
"der Kerl war groß und stark als ein Baum" oder "der Kerl war groß und stark wie ein Baum"?

Unser Sprachgefühl sagt uns meist, wie es richtig geht, aber wie lautet die Regel?


Grammatik

    • wird die erste Steigerungsform (Komparativ) verwendet (besser zu gut, größer zu groß, kälter zu kalt), so nimmt man das Bindungswort "als", Beispiel: "ich bin älter als Du"
    • wird eine Grundform (Positiv) verwendet, heißt es "wie", Beispiel "er ist so alt wie ich" 

Logik

    • steht auf beiden Seiten dasselbe, dann "wie"
    • steht auf beiden Seiten unterschiedliches, dann "als" 

Merksatz

    • genauso wie

    • anders als



Ist doch ganz einfach, oder? 

Einfacher als die neue Rechtschreibung, und so klar wie Kloßbrühe!


Anmerkung:

Im Duden wird jedoch eigens darauf hingewiesen, dass es in der Literatur die berühmten Ausnahmen gibt:

So wenig als, so bald (schnell, gut, viel, weit, lange, usw.) als möglich.
  • Bei Th. Mann findet sich: ... so günstig als möglich;
  • bei Frisch: ... ich füllte unsere Gläser so gerecht als möglich.

Vor hundert Jahren schien man sich auch damit herumzuplagen, wie der folgende Artikel aus einem Wörterbuch zeigt:


Wie

 (As.     Comme.     Come.)

Als (vergleichend)

(Than.     Que; en, en qualite dé)


"Über den Gebrauch der vergleichenden Bindewörter als und wie läßt sich für die Sprache der Gegenwart folgende Regel aufstellen: Nach Komparativen steht als, nach dem Positiv dagegen und überhaupt, wenn die bloße Ähnlichkeit oder Gleichheit bezeichnet werden soll, steht wie. Wie bezeichnet also in der Kürze gesagt die Stufe der Gleichheit, als die Stufe der Verschiedenheit der verglichenen Dinge. So ist als richtig gebraucht in folgenden Wendungen: weißer als Schnee, grüner als Gras, röter als Blut usw., und wie richtig in den Ausdrücken: weiß wie Schnee, grün wie Gras, rot wie Blut, er ist schlank wie eine Tanne usw. Im allgemeinen unterscheiden sich also wie und als im gegenwärtigen Sprachgebrauche wie franz. comme und que oder engl. as und than. Obwohl die genannte Regel in der Geschichte unserer Sprache nicht weit zurückreicht, so ist doch ihre strenge Befolgung dringend anzuraten, weil durch sie dem Mißbrauch gesteuert wird, hinter dem Positiv und Komparativ dieselbe Konjunktion zu gebrauchen; ein feines Sprachgefühl fordert hier eine Unterscheidung, die ja auch andere hochentwickelte Sprachen bestimmt durchführen. (...)"
(Aus: Johann August Eberhard, Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache, 1910)

Eberhard war übrigens studierter Theologie, Philosoph und klassischer Philologe.


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