Filtriererfutter (für Muscheln...) - selbst hergestellt

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Spirulina suchen  Süßwassermuscheln im Warmwasser - Gesellschaftsaquarium zu halten, scheint oft recht problematisch zu sein. Auf alle Fälle finden diese Tiere, wenn man nicht sinnvoll zufüttert, als reine Filtrierer zu wenig (geeignete) Nahrung. Auch wenn eine merkliche Wasserströmung durch entsprechende Filterung gegeben sein sollte - diese führt ja immer wieder Futterpartikel vorbei - scheinen diese den Tieren infolge ihrer Größe kaum zur Verfügung zu stehen. Glücklicher sind hier die Posthorn-, Blasen-, Perlhuhn- und anderen Schnecken zu nennen, welche zwar zum Teil (zusätzlich) auch filtrieren, jedoch mit einem "gröberen" Nahrungsangebot keine Schwierigkeiten haben. Ich pflege verschiedene Schneckenarten in einem eigenen Becken, was keine Probleme aufwarf, bis ich fünf japanische Körbchenmuscheln einsetzte. Was ist nun,  in welcher Menge und wie oft zu füttern? Auf flüssiges Aufzuchtfutter für Artemien (Liquizell) und die pulverförmige Variante(Mikrozell) reagierten die Muscheln durch Ausfahren ihrer "Absauganlage" deutlich. Wenn man aber über die notwendige Nahrungszusammensetzung anscheinend noch wenig weiß, empfiehlt sich ein "Schuss ins Dunkle", das heißt, ein Futter zur Verfügung zu stellen, welches " möglichst viel von allem" enthält, also pflanzliche und tierische Stoffe, Vitamine, Mineralien... und dies alles in staubförmigster Aufbereitung. Als Grundbausteine wählte ich:

Spirulinapulver 100%-ig, Artemiaeier (entkapselt), Wasserflöhe (getrocknet), Pflanzenfuttertabletten, Rote Mückenlarven (getrocknet), Artemiawürfel, Tubifexwürfel und CALCICARE  40+(von witte molen) als Vitamin-/Mineralienmix.                                                                                                         

Annähernd gleiche Volumenanteile (z.B. je 1 Teelöffel), außer bei den Tubifexwürfeln wegen des relativ hohen Fettgehalts die Hälfte, vom CALCICARE  40+ nur eine winzige Messerspitze (!), gab ich in meine ausgediente Schlagwerk-Kaffeemühle. Diese lieferte einen derart feinen Staub, dass das Öffnen des Deckels zunächst nicht ratsam war! (CALCICARE 40+ enthält über 40 verschiedene Mineralien, Aminosäuren und Vitamine. Es wird im Fachhandel als Ergänzungsfutter für Vögel angeboten. Alternativ lassen sich auch "Langzeitvitamine A-Z" (z.B. von MULTINORM) und ähnliche, wie sie in Lebensmittelgroßmärkten angeboten werden, verwenden. Man mag einwenden, dass durch den Kalkanteil eine möglicherweise unerwünschte Wasseraufhärtung erfolgen kann. Dem ist entgegenzuhalten, dass Muscheln und Schnecken zum Gehäuseaufbau dem Wasser ständig Kalk entziehen. Eine regelmäßige Messung der Gesamt- und Karbonathärte ist natürlich anzuraten. Sollte der Mineralienmix Spuren von Kupfer enthalten, dann ist dieser geringe Anteil bestimmt nicht schädlich, zumal er als Pflanzendünger fungieren kann.)

In eine 10ml Spritze füllte ich ungefähr 1 ml des Pulvers, steckte den Kolben ein und zog aus dem Aquarium Wasser auf, bis die Spritze gefüllt war. Nach kräftigem Schütteln war schnell eine gebrauchsfertige Lösung entstanden. Ein Spritzer ins Weichtierbecken und eine finstere Wolke senkte sich zu Boden. Es fiel auf, dass bereits nach wenigen Minuten die Schnecken eifrig zu suchen begannen, drei Muscheln fuhren bald deutlich die sichtbaren Teile ihrer Filtrieranlage aus - möge ihnen meine Creation munden!

Eine mikroskopische Betrachtung meines Eigenbaufutters zeigte, dass es extrem feine Partikel enthält und handelsüblichem Staubfutter hier keinesfalls nachsteht. (Die Schlagwerkmühle hatte ganze Arbeit geleistet!) Es ist auf alle Fälle abwechslungsreicher (man könnte noch getrocknetes Gemüse...Blüten...) zugeben und preiswerter.   Füttert  man zusätzlich noch etwas Flüssignahrung (Liquizell, Plancto...) zu, dann ist man bestimmt auf der sicheren Seite, sofern man nicht über Aktivkohle filtert, welche, ihrer Feinporigkeit wegen, alle Bemühungen relativiert. Die feinsten Futterpartikel dürfen von der Filterung bewegt, aber nicht vollständig verschluckt werden. Muscheln lieben das allzu "saubere", "gebirgsbachklare" Wasser nicht, auf das wir Aquarianer ansonsten so stolz sind!

Die Fütterungsmenge und -häufigkeit sind recht umstritten. Empfehlungen reichen von "gar-nicht-zufüttern" über "einmal -pro-Woche" bis "täglich-mehrmals".  Meiner Meinung nach ist die erste  Empfehlung (für die kleinen Turmdeckelschnecken wohl zutreffend!) für Filtrierer aber grundfalsch. Ich bin ein Anhänger der "mindestens-täglich-einmal"- Theorie, weil hier öfter wenig, aber dafür gleichmäßig Nahrung zur Verfügung gestellt wird. Nur sollte man nicht versucht sein, es mit der Menge zu gut zu meinen , um das Wasser - wie mit anderem Futter auch - nicht zu sehr zu belasten.  Einfach ausprobieren...die Reaktion der Tiere beobachten und regelmäßige Wasserkontrollen (Nitrit...) durchführen!

zu Bild 3:    Dieser "corbicula javanicus" scheint´s zu schmecken. Der zu- und abführende Sipho sind (in Bildmitte) im durchscheinenden Lichte zu erkennen. Eine Blasenschnecke leistet ihr Gesellschaft.

Nachtrag: Problematisch bleibt die richtige (tägliche) Futtermenge. Das Futter erwies sich inzwischen als dermaßen nährstoffreich, dass der Innenfilter die Nitritwerte infolge seiner kleinen bakterienbesiedelten Oberfläche nicht mehr beherrschen konnte. Ich stieg - eigentlich ein "Luxus" bei einem 12-Liter-Nanobecken - auf einen kleinen Topfaußenfilter um (Typ Eheim 2211), der mit 1000ml Granulat befüllt werden kann. Durch den Einsatz eines "geimpften", also gebrauchten Materials, erholten sich die Nitritwerte von 1mg/l (!) ohne Teilwasserwechsel bereits nach wenigen Stunden  (0,6mg/l), über Nacht war dann kein Nitrit mehr nachweisbar (unter 0,1mg/l).

zu Bild 2:   Die mit im Becken vergesellschafteten Posthornschnecken neigen seit Einsatz des Filtriererfutters zu intensivsten (erfolgreichen)Fortpflanzungsbemühungen. Überall haften Eipakete!

zu Bild 1:   Natürlich fallen auch "Brotsamen vom Tische der Reichen" ab (Futtertablette links unten)...

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