Echte Jade oder nicht - Volksirrtum oder Lüge

skai-asiatika
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Echte Jade oder nicht - Volksirrtum oder Lüge

Jade gehört seit Jahrtausenden zu den ganz besonderen Materialien, sagenumwoben, heilend, schön, edel und selten, gehandelt wie Edelsteine und meist in Form von religiösen und mystischen Figuren und Amuletten.

Die Vielfalt angebotener Gegenstände ist atemberaubend, und angesichts der häufig horrenden Preisen, versteht sich der Wunsch, herauszufinden wie alt und edel ein Objekt tatsächlich ist, was nicht einfach ist, insbesondere dann nicht, wenn man wie bei Internet- oder Katalogkäufen den Gegenstand nicht in der Hand halten kann.

In den meisten Fällen, so finde ich, spielt das keine große Rolle. Viel wesentlicher als die Reinheit des Werkstoffes sind meines Erachtens die Beschaffenheit und Funktion eines Objektes, der Charakter, die Geschichte, also einfach wie gut es gefällt. Aber dazu später. Zunächst – möglichst kurz gehalten - ein bisschen Grundwissen:

Die “echte” Jade, oder Schmuckjade, im Chinesischen 玉 (yü), besteht in der Regel aus dem Silikat Jadeit Na(Al,Fe3+)[Si2O6], überwiegend faserig aggregiert, ist ein sehr hartes transparentes Mineral, meist farblos oder gelbgrün bis grün, häufig dunkelgrün bis fast schwarz, je nach Aluminium- oder Eisenersatz des Natrium, sowie der Kristalinen Struktur und anderer Verunreinigungen, bis hin ins gelbe, weiße, orange, rosafarbene oder braune.

Zwar ist die beliebteste Farbe der Jade Grün, jedoch ist grün keinesfalls ein Indiz für Jade!

Daneben gibt es eine Reihe von Mischkristallen. Bekanntester Vertreter ist das Chloromelanit (zu etwa gleichen Teilen Jadeit, Aegirin, Diopsid) das der Jade zugeordnet wird, während beispielsweise das Nephrit (Mischkristall aus Tremolit und Aktinolith, häufig graugrün bis dunkelgrün und schwarz, manchmal braun) grundsätzlich für Jade gehalten wird obwohl es nicht immer Jade ist. Entscheidend ist hier nämlich, in welcher Form das Mineral vorliegt: liegt es als Aggregat verzahnter Körner oder verfilzter Fasern vor, ist es Jade, ist es zu kristallin, ist es keine Jade.

Und an diesem Punkt beende ich schon den Mineralogischen Exkurs, denn wir kommen bereits zum eigentlichen Problem: Es gibt eine Reihe von Mineralien und Mischkristallen, die der Jade ähnlicher sehen als die Jade selbst, aber keine Jade sind.

Aufzuführen an dieser Stelle bleibt noch das Albit, dass in verschiedenen Varietäten mit Jade die Albitjade bildet, und für milchiges, weißes, geflecktes und plattiges Auftreten sorgt. In extremen Fällen kann solch eine Jade – insbesondere aufgrund eines gewissen ‚Alterungsprozesses‘ und einer Kalzinierung – den Eindruck erwecken, dass es sich um eine sehr schlechte Qualität oder gar um „polierte Kieselsteine“ handelt, was nicht gerade gerechtfertigt ist. Es gibt wunderschöne und originale Objekte aus sogenannter Wolkenjade, die scheinbar kaum noch Ähnlichkeit mit der berühmten grünen transparenten Jade hat.

Interessant wird das ganze mit dem sogenannte Serpentin, auch Neujade oder Chinajade genannt. Im strengsten Sinne ist es keine Jade, aber es wird sei eh her als solche bezeichnet, zumal es in denselben Lagerstätten vorkommt wie die richtige Jade. Der Unterschied liegt in der kristallinen Struktur, zudem ist es weicher und leichter zu verarbeiten. Die meisten als echte Jade verkauften Gegenstände sind inzwischen aus diesem Material, und das schon seit dem es Jade gibt, also seit einigen Jahrtausenden.

Während man also in Europa etwas genauer und wissenschaftlicher mit dem Begriff Jade umgeht, ist die Definition der Jade in China eine etwas andere. Durchaus kann dort zwischen der Jade und der Neujade, also der und der XinYü unterschieden werden, es ergibt sich aber aufgrund der Kulturgeschichte gar nicht Notwendigkeit. Solange es sich bei Gegenständen aus China um Serpentin handelt, obwohl es als Jade angeboten wird, ist es in der Tat kein Betrug, sondern genau das was man in China als Jade erwarten kann.

Wer im Internet oder per Katalog Jade aus China kaufen möchte, kann nur glauben was man ihm sagt, und sollte keine Jade kaufen, wenn er Serpentin nicht akzeptieren möchte. Was schade wäre, denn die schönsten authentischen chinesischen Jadegegenstände haben ihren Reiz und ihre Existenzberechtigung, und sie sind unter Umständen äußerst wertvoll. Wen interessiert es da, ob eine europäische Definition eigehalten wird?

Viel Spaß beim shoppen und viel Glück beim auffinden schöner Jadegegenstände, Gruss, skai

P.S.: übrigens kann man natürlich nachweisen, ob der Werkstoff eines Gegenstandes der europäischen Definition der Jade entspricht, aber das geht nur wenn man ihn hat und wenn man es kann. Nicht jeder hat einen Experten in der Nähe. Aber wie gesagt, das sollte auch gar nicht wichtig sein
 
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