Die wichtigsten Punkte beim Kauf von Handys mit Simlock

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Die wichtigsten Punkte beim Kauf von Handys mit Simlock

Der Kauf eines Handys mit Simlock erscheint auf den ersten Blick verlockend. Ein Telefon mit Simlock fällt sofort als günstige Alternative zur Anschaffung des gleichen Telefons zum Normalpreis auf. Dafür müssen Käufer allerdings den Nachteil einer eingeschränkten Nutzung in Kauf nehmen oder aber Gebühren für eine Freischaltung einkalkulieren. Eine weitere Möglichkeit, das Telefon selbst zu entsperren, führt dagegen regelmäßig in eine juristische Grauzone am Rande der Strafbarkeit.

Was sich hinter einem Simlock verbirgt

Mit dem Begriff Simlock ist die Vorkonfiguration eines Mobiltelefons für die ausschließliche Nutzung einer besonderen Simkarte oder einer Reihe von Simkarten mit gewissen Kriterien gemeint. Die Simkarte ist sozusagen die Eintrittskarte für jedes Handy, um sich mit dem Mobilfunknetz des kartenausgebenden Anbieters zu verbinden. Ein Telefon mit Simlock kann nur mit einer speziellen Simkarte betrieben werden und sich in das entsprechende Netz des jeweiligen Anbieters einbuchen. Die Simkarten anderer Provider funktionieren in einem Telefon mit Simlock nicht. Durch die Sperre erscheint nach dem Einlegen von Karten fremder Provider eine Fehlermeldung auf dem Display und das Telefon bleibt offline.

Verschiedene Simlock-Arten

Die Sperre für ein bestimmtes Mobilfunknetz, der Netlock, ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Form des Simlock. Dienstanbieter ohne eigenes Netz, wie die vielen Handy-Discounter, bieten ihre Geräte mit dem eigentlichen Simlock an, der ausschließlich die Nutzung ihrer Dienste erlaubt und nicht nur auf das betreffende Netz limitiert ist. Noch stärker engt der Full Simcard Lock ein. Dieser komplette Simlock, bei dem ein Telefon tatsächlich nur mit einer einzigen Karte genutzt werden kann, wird in Deutschland nicht mehr verkauft. In den Anfangsjahren der mobilen Telefonie wurde diese Sperre allerdings noch von Vodafone und dem Vorgängerunternehmen D2 Mannesmann flächendeckend eingesetzt. Eine weitere Sperr-Variante ist der Länder-Simlock, bei dem nur Simkarten aus einem bestimmten Land in dem derart gesperrten Handy betrieben werden können.

Simlocks im Handyalltag

Bei den Handynutzern sind Simlocks natürlich denkbar unbeliebt, denn Sie bedeuten meist für volle zwei Jahre ab Neukauf des Telefons erhebliche Einschränkungen bei den Nutzungsmöglichkeiten. Teilweise versuchten Mobilfunkprovider sogar, über diese Zeitspanne hinaus Telefone für eine exklusive Nutzung in ihrem Netz zu sperren. Diese Praxis wurde aber durch spätere Gerichtsurteile wieder unterbunden.

Simlocks kommen in Deutschland vor allem bei Prepaid-Handys zum Einsatz. Schon lange enthalten die Pakete aus vertragsfreiem Mobiltelefon und Handykarte nicht mehr nur ältere Modelle oder funktionsarme Einsteigerhandys. Auch viele neue Telefone sind schon kurz nach dem Verkaufsstart in einem Prepaid-Bundle erhältlich. Mit der Entscheidung für ein Prepaid-Telefon inklusive Simlock geht allerdings auch ein wesentlicher Vorteil dieser Telefonie-Variante, die Unabhängigkeit, verloren. Es entsteht eine vertragsähnliche Bindung an den entsprechenden Provider, auch wenn keine monatlichen Grundgebühren oder andere Fixkosten aus einem Vertrag anfallen. Bieten andere Provider bessere Netzqualität oder günstigere Konditionen, ist ein Wechsel mit dem gesperrten Telefon nicht so einfach möglich. Während Handys ohne Simlock im Urlaub mit Karten aus dem Reiseland betrieben werden können, um teure Roaming-Gebühren zu vermeiden, sind gesperrte Telefone ausschließlich an die Preisgestaltung des heimischen Providers gebunden. Gespräche, Nachrichten und auch die Online-Nutzung verursachen damit deutlich höhere Kosten in den Ferien.

Aus Sicht der Mobilfunkanbieter sind Simlocks oft die einzige Möglichkeit, den Kunden Telefone zu Vorzugskonditionen anbieten zu können. Sie subventionieren den Kaufpreis eines Telefons und kalkulieren für diesen Rabatt die Rückflüsse aus der exklusiven Nutzung ihres Netzes ein. Bei den meisten Vertragshandys spielen Simlocks heute fast keine Rolle mehr. Eine große Ausnahme bildet das populäre Apple iPhone. Schon mit der Markteinführung 2007 und einer exklusiven Vertriebspartnerschaft zwischen Apple und der Telekom wurden die Handysperren auch im Vertragsbereich wiederbelebt. Spätere iPhone-Modelle waren auch über andere Anbieter erhältlich und die Simlock-Bindung fand weitere Verbreitung. Die großen Provider Telekom oder T-Mobile und Vodafone setzten immer wieder Sperren über längere Zeiträume ein, während in anderen Zeiten die Geräte zu höheren Preisen wiederum ohne Simlock verkauft wurden. Unter den vielen Offerten für ein gebrauchtes iPhone 3G und dessen Nachfolger iPhone 4 oder iPhone 5 finden sich deswegen auch zahlreiche Angebote mit einem Simlock.

Die rechtliche Situation der Simlocks

Gerade durch die häufigen Sperrungen der gefragten iPhones drängte sich eine rechtliche Betrachtung der Thematik Simlocks und deren Aufhebung verstärkt ins Blickfeld. Eine abschließende Würdigung durch gesetzliche Regelungen oder einen richterlichen Entscheid fehlte auch in der Jahresmitte 2013 noch für Deutschland, obwohl sich bereits zahlreiche Gerichte in den unteren Instanzen mit entsprechenden Fällen beschäftigen mussten.

Unstrittig ist das Recht der Mobilfunkprovider, ihre Telefone mit entsprechenden Sperren zu verkaufen. Das Entsperren der Geräte durch Dritte trägt Providern erhebliche Verluste ein, weswegen alle Unternehmen bei Bekanntwerden rechtliche Schritte einleiten. Die Abschaltung der Sperren erfordert keine profunden IT-Kenntnisse, bedeutet aber immer einen eindeutigen Verstoß gegen das Markengesetz und zudem die Begehung einer Urheberrechtsverletzung. Verschiedene Richter sehen in dem Eingriff zudem eine strafrechtlich relevante Datenveränderung. Auch der Verlust der Garantieleistungen geht mit dem unerlaubten Entfernen eines Simlocks einher. Die Folgen eines eigenmächtigen Eingriffs in die Handysoftware können also gravierend und teuer werden.

In anderen Ländern ist die Entsperrung eines Simlocks dagegen eindeutig gesetzlich geregelt. Während der Vertragslaufzeit sind Manipulationen zumeist nicht erlaubt, in den USA oder Ungarn ziehen sie sogar grundsätzlich eine Geld- oder Haftstrafe nach sich. In Österreich werden alle Vertragshandys mit einem Lock ausgeliefert, der Gesetzgeber gestattet den späteren Eingriff dagegen, da das Telefon mit dem Kauf in Besitz und Verfügungsgewalt des Käufers übergeht. Die Finnen beschreiten sogar einen komplett anderen Weg und haben die Einrichtung von Simlocks untersagt.

Wie ein Simlock legal entfernt werden kann

Ansprechpartner für die legale Entfernung eines Simlocks ist immer der jeweilige Provider. Nach Ablauf der meist zweijährigen Sperrzeit genügt ein Anruf in der Kundenbetreuung des Mobilfunkanbieters, um dort den entsprechenden Code ohne weitere Kosten zu erhalten. Aber auch schon während der Sperrfrist sind die Provider bereits behilflich, berechnen für die Entsperrung eines Telefons und die Auslieferung des Codes allerdings eine Gebühr. Hier werden von den Unternehmen unterschiedliche Beträge aufgerufen. Informationen zum jeweiligen Tarif sind auf den Internetseiten der Provider verfügbar oder können beim Kundenservice erfragt werden.

Für jede Entsperrung wird zudem die individuelle Gerätenummer des Mobiltelefons benötigt. Auch der Mobilfunkbetreiber muss diese sogenannte IMEI-Nummer kennen, um den Entsperrcode für das jeweilige Gerät zu generieren. Die IMEI-Nummer ist auf jedem Gerät aufgedruckt und findet sich meist auf dem Typenschild unter dem Akku. Auch die Verpackung trägt oft einen entsprechenden Aufkleber mit allen wichtigen Gerätenummern. Findet sich an beiden Stellen keine Nummer oder sind die Schilder unleserlich geworden, können sich Handynutzer auch mit einer Tastatur-Eingabe helfen. Über die Tastenkombination *#06# wird die 15-stellige IMEI-Nummer sofort auf dem Display angezeigt. Die Eingabe muss nicht wie andere Systemcodes mit dem grünen Telefonhörer bestätigt werden.

Provider unbekannt

Nur noch selten geben Handys mit einem aufgedruckten Logo, dem Branding, Auskunft über den Mobilfunkanbieter, der sie einmal verkauft hat. Vor dem Kauf eines Handys mit Simlock sollten Interessenten also immer darauf achten, dass im Angebot für das Telefon auch der Provider genannt wird, der den Simlock gesetzt hat. Fehlt diese Angabe und kann auch nicht nachgeliefert werden, ist die Neuerwerbung aber nicht gleich wertlos. Im Internet bieten verschiedene Dienstleister an, mittels der IMEI-Nummer den Provider auszuforschen, bei dem das Telefon ursprünglich registriert worden ist.

Rechenbeispiel

Bevor die Entscheidung für die Anschaffung eines Handys mit Simlock fällt, sollte sich jeder Käufer versichern, wie er das Gerät später nutzen will. Soll beim vordefinierten Anbieter weiterhin telefoniert werden, lohnt sich ein Tarifvergleich mit dem bisherigen Provider, um eventuelle Mehrkosten frühzeitig zu erkennen. Wenn eine Entsperrung gegen Gebühr beabsichtigt wird, steigen die Anschaffungskosten für das neue Telefon neben dem eigentlichen Kaufpreis weiter an. Falls es nicht unbedingt ein bestimmtes Mobiltelefon sein muss, lohnt sich dann manches Mal auch der Griff zu einem anderen Neugerät ohne Vertrag oder einem vertragsfreien günstigen Gebrauchthandy. eBay zeigt hier auch viele generalüberholte Telefone, die in einwandfreiem technischen und optischen Zustand geliefert werden.

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