Die wichtigsten 10 Punkte beim Kauf einer Servopumpe

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Die wichtigsten 10 Punkte beim Kauf einer Servopumpe

Erste Forschungen und Patente zu einer Lenkerleichterung für Kraftfahrzeuge gab es bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA. Aber erst im Jahr 1951 präsentierte Chrysler ein Modell des Imperial mit einem sogenannten Hydraguide, der ersten Servopumpe in der Kfz-Herstellung. Auch General Motors baute ab 1952 in seine Cadillac-Modelle bereits serienmäßig eine Servolenkung ein.

Heute gibt es kein modernes Kraftfahrzeug mehr, das nicht mit Servolenkung ausgestattet ist. Der Trend, dass Fahrzeuge überwiegend mit Frontantrieb gebaut werden, schwerer geworden und auf breiteren Reifen unterwegs sind, macht die Servolenkung bei den dadurch anfallenden höheren Lenkkräften unverzichtbar. Allerdings gibt es herstellerabhängig unterschiedliche Systeme, von denen die meisten mit, einige aber inzwischen auch ohne Servopumpe arbeiten.

Dieser Ratgeber informiert Sie nicht nur über die Funktionsweise einer Servopumpe, sondern er gibt Ihnen in zehn übersichtlich gestalteten Punkten Tipps und Hinweise zum Kauf einer neuen Servopumpe für Ihr Fahrzeug. Bitte achten Sie darauf, dass Sie nur Ersatzteile verwenden, die zu Ihrem Kfz passen. Dies ist unter anderem abhängig vom Modell und vom Baujahr. Nähere Angaben finden Sie in den detaillierten Produktbeschreibungen und technischen Datenblättern von Servopumpen und anderem Lenkzubehör.

1. Die Aufgaben der Servopumpe sollte man kennen, bevor man sie auswechselt

Um das Lenkrad eines Fahrzeugs zu bewegen, ist Kraftaufwand notwendig. Je schwerer das Fahrzeug ist, umso mehr Druck lastet auf den Rädern. Bei einer Servolenkung wird diese Kraft durch ein Hydrauliksystem erzeugt, der Fahrer entsprechend entlastet. Hydraulische Servolenkungen bestehen im Wesentlichen aus folgenden Komponenten:

  • Hydraulikpumpe
  • Hydrauliksteuerung
  • Hydraulikmotor
  • Druckbegrenzungsventil
  • Ölbehälter
  • Simmeringe

Die Servopumpe – oft auch als Hydraulikpumpe bezeichnet - versorgt die Lenkung mit einem beständigen Volumenstrom. Wird keine Lenkunterstützung benötigt – wie etwa bei Geradeausfahrten oder ganz leichten Kurven – wird das Hydrauliköl ungenutzt wieder in den Ölbehälter zurückgeleitet. Dabei entsteht Druck, der auch als Durchflussdruck bezeichnet wird.

Die Servopumpe läuft ständig, sobald der Motor gezündet wird. Sie verbraucht aber nur einen Bruchteil der Energie, den zum Beispiel eine Klimaanlage, eine Sitzheizung oder eine beheizbare Heckscheibe benötigen.

Wird die Lenkung bewegt, gelangt ein Teil des Volumenstroms in den Lenkraum. Bei vollem Lenkeinschlag entsteht dabei der höchstmögliche Druck, der dazu führt, dass der gesamte vorhandene Volumenstrom den Arbeitsbereich der Lenkung erreicht. Das Öl kann nicht mehr direkt zurückfließen.

2. Stark belastete Teile der Servopumpe sind verschleißgefährdet

Wenn die Servopumpe bei heftigen Lenkbewegungen unter Hochdruck arbeitet, sorgt ein Druckbegrenzungsventil dafür, dass der maximale Druck auf den notwendigen Systemdruck herabgeregelt wird. Gelegentlich ist dabei ein Pfeifgeräusch zu hören, das aber keine besondere Bedeutung hat. Es entsteht immer dann, wenn der gesamte Ölstrom (Volumenstrom) zum Lenken benötigt wird.

Die anfälligsten Schwachstellen der Servopumpe sind die sogenannten Simmeringe. Bei der Suche nach diesen Ersatzteilen können Sie auch den Suchbegriff „Wellendichtringe“ verwenden. Simmeringe werden nach einer gewissen Betriebsdauer undicht und müssen ausgetauscht werden. Sobald Hydrauliköl aus der Servopumpe austreten kann, ist eine Lenkunterstützung unter Hochdruck nicht mehr möglich.

Hinweis: Bei den meisten Fahrzeugen ist ein einfacher Austausch der Simmeringe nicht möglich. Häufig muss das gesamte Lenkgetriebe ausgewechselt werden, um wieder eine einwandfreie Lenkunterstützung durch die Servolenkung zu erhalten.

3. Einige Fachbegriffe und ihre Bedeutung

Neben den bereits genannten Hauptbestandteilen der Servolenkung, zu denen natürlich in erster Linie die Servopumpe gehört, gibt es weitere Teile, die einen wichtigen Einfluss auf das Lenkverhalten und die dafür benötigte Kraft haben. Dazu gehören unter anderem der Hydraulikzylinder mit seinen Druckleitungen und das Servoventil. Dieses Ventil besteht in der Regel aus einer sogenannten Torsionsfeder mit einer vordefinierten Steifigkeit. Bei Drehungen am Lenkrad verschiebt sich die Torsionsfeder und die Ventilöffnungen werden frei. So kann das Hydrauliköl fließen, das die Aufgabe hat, tiefer im System die Lenkbewegungen zu verstärken beziehungsweise zu erleichtern. Durch diesen Vorgang wird der Widerstand am Lager der Torsionsfeder wieder verringert. Bei dieser Arbeitsweise spricht man von einem sich selbst regulierenden System.

Hinweis: Die Einstellung der hydraulischen Servolenkung kann durch die Steifigkeit der Torsionsfeder charakteristisch verändert werden. Es gibt aber auch aufwendigere Systeme, die zum Beispiel abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit arbeiten. Hier verstärkt die Servopumpe die Lenkbewegungen bei geringerer Geschwindigkeit wesentlich stärker als zum Beispiel im hohen Geschwindigkeitsbereich. Servopumpen für diese Systeme zeigen häufig das Kürzel HPS für Hydraulic Power Steering.

4. Je weniger Elektronik, umso geringer die Anfälligkeit für Reparaturen

Im Grunde hat man nicht viel Auswahlmöglichkeiten. Wer auf Originalersatzteile des Herstellers zurückgreift, muss das System der Servopumpe einbauen, das der Hersteller anbietet. Natürlich kann man auch mit Teilen aus dem Zubehör arbeiten.

Da eine Servolenkung sehr komplex ist und die Servopumpe ausgesprochen wichtige Aufgaben zu erledigen hat, sollte man natürlich möglichst Teile verwenden, die eine geringe Reparaturhäufigkeit aufweisen. Im Klartext bedeutet das, je weniger Elektronik im Bereich der Lenkung und der Servopumpe vorhanden ist, umso günstiger werden unter Umständen Reparaturarbeiten und Ersatzteile.

Außerdem sind die mechanische Hydrauliksysteme wesentlich leichter auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu prüfen, sodass Schäden schneller erkannt werden können.

5. Die Arten der elektrischen Hilfslenksysteme

Servopumpen, die mit den Kürzeln EHPS, EPS oder EPAS gekennzeichnet sind, gehören zu elektrischen Systemen der Lenkkraftunterstützung, die ausschließlich dann arbeiten, wenn auch tatsächlich Lenkbewegungen stattfinden.

Diese Systeme werden unter anderem in Fahrzeugen eingesetzt, die über Fahrassistenzsysteme wie EPS II, einen Spurhalte- oder Parkassistenten verfügen. Hier erfolgen ja automatische Lenkeingriffe, die die Servopumpe und die gesamte Servolenkung zulassen und somit von außen beeinflussbar sein müssen.

6. Vorteile von elektrischen Hilfslenksystemen

Einer der wesentlichen Vorteile der elektrischen Hilfslenksysteme ist die Kraftstoffersparnis. Sie kann bis zu einem Viertelliter auf einhundert Kilometer Fahrstrecke betragen. Außerdem ist der Lenkantrieb autark. Das bedeutet, die Servopumpe ist nicht über einen Riemen mit dem Fahrzeugmotor verbunden und kann so für verschiedene Autotypen verwendet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass elektrische Lenkantriebe adaptiv ausgelegt werden können. Assistenzsystem können sie überlagern, und auch eine Lenkradmomentänderung abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit ist möglich. Dadurch werden unter anderem die hohen Zahnstangenkräfte beim Einparken deutlich reduziert.

7. Nachteile von elektrischen Hilfslenksystemen

Aber auch die Nachteile der elektrischen Hilfslenkung muss man im Auge behalten. Mechanische Schäden sind wesentlich leichter zu ermitteln als elektronische Fehler. Handelt es sich um digitalisierte Systeme, die programmgesteuert sind, können Fehler in der Software zu erheblichen Sicherheitsrisiken führen.

8. Es geht auch anders – elektrohydraulische Systeme

Inzwischen gibt es Servolenkungen mit passenden Servopumpen, die trotz elektronischer Steuerung das hydraulische Prinzip weitgehend beibehalten. Auch hier wird die Servopumpe nicht durch einen mit dem Kfz-Motor verbundenen Riemen angetrieben, sondern verfügt über einen eigenen Elektromotor. Die Beförderung von Öl in das Lenkgetriebe erfolgt mit diesen Servopumpen programmgesteuert. Der Vorteil liegt darin, dass sich die Servopumpe frei im Motorraum positionieren lässt und nicht mehr unmittelbar in Motornähe eingebaut werden muss.

Hinweis: Ob ein solches elektrohydraulisches System in Ihr Fahrzeug eingebaut werden kann, sollten Sie vor dem Kauf der Servopumpe auf jeden Fall sorgfältig prüfen. Genauere Informationen dazu finden Sie auf der Hersteller-Webseite. Unter Umständen müssen Sie hierzu eine besondere Onlineanfrage starten.

9. Lenkunterstützung auch ohne Servopumpe

Beim elektromechanischen Prinzip der Lenkkraftunterstützung sind sowohl die Servopumpe als auch die Schläuche zum Lenkgetriebe und das Hydrauliköl komplett überflüssig. Das hat den Vorteil, dass bei einem Unfall auch kein Hydrauliköl austreten kann. Die gesamte Servoeinheit besteht hier aus einem Elektromotor und einem passenden Steuergerät. Je nach Konstruktion des Reduktionsgetriebes stehen unterschiedliche Systeme zur Verfügung, die auch an verschiedenen Stellen des Lenksystems eingebaut werden.

Einige Fahrzeughersteller bauen inzwischen diese Art der Servolenkung ein. Im neuen VW Tiguan, im BMW Z4 oder im A-Klasse Mercedes zum Beispiel werden Sie eine Servopumpe vergeblich suchen.

10. Noch ein Hinweis für Ihre Sicherheit

Unabhängig davon, ob Ihre Servolenkung mit oder ohne Servopumpe arbeitet, es besteht immer eine mechanische Verbindung zwischen dem Lenkgestänge und dem Lenkrad. Selbst wenn die Servopumpe während der Fahrt kaputtgeht oder der Elektromotor streikt, können Sie das Fahrzeug mechanisch lenken. Allerdings ist dazu ein deutlich höherer Kraftaufwand notwendig. Bei Nutzfahrzeugen wie großen Lkw werden deshalb von vornherein zwei unabhängig voneinander arbeitende Servopumpen eingebaut. Eine dieser Servopumpen arbeitet auch dann, wenn der Motor nicht läuft. Das erleichtert zum Beispiel Abschleppvorgänge bei schwer lenkbaren Fahrzeugen.

Fazit

Die zehn Tipps dieses Ratgebers zeigen die wichtigsten Funktionsweisen und die Bestandteile einer Servolenkung. Wenn die Servopumpe ihren Dienst versagt und ausgewechselt werden muss, sollte zunächst geprüft werden, welche Lenkkraftunterstützung im eigenen Fahrzeug vorhanden ist.

Wer hier auf die Originalersatzteile des jeweiligen Herstellers zurückgreift, kann sicher sein, dass die neue Servopumpe passt und problemlos eingebaut werden kann. Bei Teilen aus dem Zubehör sollten die Produktbeschreibungen und technischen Details genau beachtet werden. Hier ist in der Regel eine Auflistung zu finden, für welche Fahrzeugtypen, Modelle und Baujahre die jeweilige Servopumpe geeignet ist.

Wichtig: Reparaturarbeiten an der Lenkung stellen ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Nur wer sich mit der Technik von Servolenkungen versiert auskennt, sollte den Wechsel in Eigenregie vornehmen. Ansonsten gehören solche Arbeiten in die Hände eines qualifizierten Kfz-Mechatronikers.

Bitte beachten Sie, dass es für altes Hydrauliköl Entsorgungsvorschriften gibt. Fangen Sie das Altöl in einem passenden Behälter auf und entsorgen Sie es umweltgerecht.

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