Die Geschichte der Betriebssysteme: Von MacOS Classic zu MacOS X – Eine Zeitreise

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Die Geschichte der Betriebssysteme: Von MacOS Classic zu MacOS X – Eine Zeitreise

Das Betriebssystem ist eine Art Hausverwalter innerhalb des Rechners und dafür zuständig, dass Hardware-Elementen wie zum Beispiel Arbeitsspeicher, Festplatte, Grafikkarten sowie verschiedenen Ausgabegeräten die notwendigen Anwendungsprogramme und Systemressourcen möglichst optimal zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung von Hardware-Komponenten und die Anforderungen an moderne Betriebssysteme laufen dabei in ihrer Entwicklung parallel, um die stets komplexer werdenden Aufgaben zuverlässig erfüllen zu können.

Das im Jahr 1976 in Palo Alto im Silicon Valley gegründete Unternehmen Apple konnte im Laufe seiner Geschichte immer wieder Meilensteine in Bezug auf die Entwicklung von innovativen Betriebssystemen setzen. Vor allem die beiden Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak waren es, die zu Beginn mit feinem Gespür zukünftige Trends rechtzeitig erkannten und die Entwicklung ihrer legendären Rechner gezielt vorantrieben. Der dritte Gründer - Ronald Wayne - soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, allerdings stieg dieser bereits elf Tage nach der Gründung wieder aus und kehrte zurück zu Atari, ein Unternehmen, das sich im Bereich der Unterhaltungselektronik einen Namen gemacht hatte: Pong als simuliertes Tischtennisspiel ist das erste Videogame überhaupt.

Die nachfolgende Zeitreise bezieht sich im Wesentlichen auf die Entwicklungsstufen der Apple-Systeme, allerdings immer im Kontext zur Historie in dem gesamten Marktsegment, was natürlich Sinn macht.

Die ersten Schritte in die Zukunft

Der Apple I war der erste Rechner, der unter dem Label des angebissenen Apfels im Jahr 1976 produziert wurde, von einem Betriebssystem nach dem heutigen Verständnis konnte noch keine Rede sein. Ein Jahr später kam bereits der Apple II auf den Markt mitsamt dem ersten Betriebssystem der Company, das unter der Bezeichnung Apple DOS lief, die Steuerung erfolgte noch über sogenannte Kommando- oder Befehlszeilen. Diese erste Version wurde noch mehrfach weiterentwickelt unter den Bezeichnungen SOS und ProDOS und musste ebenfalls über Befehlszeilen gesteuert werden. Der immense Erfolg des Apple II basierte allerdings weniger auf den genannten Betriebssystemen selbst, diese waren für die damalige Zeit recht üblich, sondern auf der Bauweise. Er zählte zu den ersten 8-Bit-Rechnern und wurde als "offenes System" auf dem Markt positioniert - Firmware und Bauteile wurden sorgfältig dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Lisa OS - die grafische Benutzeroberfläche im Visier

Wie bereits erwähnt, ist es notwendig, einen Blick über den Tellerrand von Apple zu werfen, um die Entwicklungsgeschichte der Betriebssysteme besser nachvollziehen zu können. Auf jeden Fall war Lisa OS das erste Betriebssystem mit einer grafischen Benutzeroberfläche, das von Apple entwickelt wurde; zum Einsatz kam es in dem gleichnamigen Personal Computer Apple Lisa. Der Verkauf des Modells wurde zwar erfolgreich gestartet, ging im Anschluss auf Grund des hohen Preises von damals etwa 10.000 Dollar nur sehr schleppend weiter und so wurde die Produktion des in Vergessenheit geratenen Rechners bereits ein Jahr nach der Markteinführung wieder eingestellt. Ein ähnliches Schicksal erlitt auch der Apple III, vor allem allerdings wegen technischer Konstruktionsmängel, die stark am Image der Firma kratzten.

Apple und das Xerox Palo Alto Research Center

Blickt man in diesem Zusammenhang über den Tellerrand hinweg, ist als Erstes die Xerox Corporation zu nennen: Das von der Firma im Jahr 1970 ins Leben gerufene Xerox PARC war maßgeblich an vielen innovativen Entwicklungen beteiligt. Dazu zählen etwa Laserdrucker, die Ethernet Technologie, verschiedene objektorientierte Programmiersprachen und selbst das Fundament für heutige Notebooks und Netbooks wurde im PARC durch die aufwendigen Forschungsarbeiten gelegt. Am wichtigsten jedoch war der Xerox Alto als tatsächlich erster Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI), der vor allem im Bereich der Forschung und Entwicklung eingesetzt wurde, sich mit einem Preis von etwa 30.000 Dollar allerdings kaum als Personal Computer eignete.

Bei Apple wusste man, um die Geschichte zu komplettieren, von den Errungenschaften der Mitarbeiter im PARC und so kam es zu einem Deal: Im Jahr 1979 erhielt unter anderem Steve Jobs die Möglichkeit, die Forschungsstätte zu besuchen, im Gegenzug wurde Xerox eingeräumt, ein Aktienpaket von Apple in Millionenhöhe zu erwerben. Steve Jobs erkannte im Betriebssystem des Xerox Alto klar und deutlich die Zukunft des Personal Computers und so begann man mit der Entwicklung des Apple Lisa mitsamt dem dazu gehörigen Betriebssystem Lisa OS.

Der Apple Macintosh und Mac OS

Es klingt fast wie ein Treppenwitz der Computergeschichte, wenn man durchleuchtet, wie es zur Entwicklung des ersten Macintosh kam: Steve Jobs etwa war längst nicht so unumstritten wie nach seiner Rückkehr im Jahr 1997 und dem Zwischenspiel mit dem Next Cube – vielmehr wurde er aus dem Lisa-Projekt heraus gedrängt und war vorübergehend Unternehmenssprecher. Es liegt auf der Hand, dass Jobs sich in dieser Position eher unterfordert fühlte, und so kam es zu einem internen Projekt-Wettbewerb: Steve Jobs übernahm die Leitung des von Jeff Raskin ins Leben gerufenen Macintosh-Projekts. Das erklärte und nicht gerade bescheidene Ziel: Mit dem neuen "Mac" die Welt verändern.

Im Januar 1984 war es soweit und der erste echte Macintosh wurde mit viel medialem Getöse der Öffentlichkeit präsentiert - ein echter Coup und Meilenstein. Es wurde das für Personal Computer neuartige Konzept der grafischen Oberfläche realisiert, dessen Basis, wie bereits erwähnt, im PARC von Xerox entwickelt und durch Apple modifiziert wurde. Ausgeliefert wurde der Rechner mit dem ersten Mac OS Classic Betriebssystem und damit eine Entwicklung eingeläutet, die bis 2001 anhielt. Zu den Vätern zählen Entwickler und Programmierer wie Bill Atkinson, Bud Tribble oder Andy Hertzfeld, die dem Macintosh-Team der ersten Stunde angehörten und wesentlich an der Programmierung der Mac OS Version beteiligt waren.

Mac OS Classic: Ein Betriebssystem in neun Entwicklungsstufen

Wie es so üblich ist bei Produkt-Neueinführungen, gab es auch beim Mac OS Classic so einige Kinderkrankheiten, die nach und nach beseitigt werden mussten: Im Wesentlichen zählten dazu Probleme beim Erweitern des Betriebssystems sowie beim Schutz des Arbeitsspeichers. Nach dem anfänglichen Mega-Erfolg traten noch weitere Probleme zutage: Dazu zählten etwa eine fehlende Festplatte sowie Software, die noch nicht ausgereift genug war und den ersten Macintosh insgesamt zu langsam machte. Aufgrund der zu geringen Verkaufszahlen, die nicht mehr durch das Erfolgsmodell Apple II kompensiert werden konnten, geriet die Firma in eine echte Schieflage, die das Aus hätte bedeuten können. Es folgten Querelen in der Führungsetage, die im April 1985 im Ausstieg Steve Jobs bei Apple mündeten - John Sculley übernahm.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Macintosh Serie begann letztlich mit dem Macintosh II im Jahr 1987 unter der Federführung von John Sculley. Neben der stetigen Verbesserung der Hardware sowie der Leistungsfähigkeit wurde das Betriebssystem ebenfalls weiterentwickelt. Hier alle Änderungen einzelnen aufzuführen, wäre zu umfangreich, daher einige beispielhafte Eckdaten in chronologischer Reihenfolge:

  • 1986 wurde das Dateisystem HFS als hierarchisches Filesystem integriert, das längere Dateinamen sowie das Anlegen von Metadaten ermöglichte und für eine Verbesserung der Ablageorganisation auf dem Datenträger sorgte.
  • 1987 kam Apple Share hinzu, um Clients die Verbindung zu einem Server zu ermöglichen, über die Dateien ausgetauscht und Dienste genutzt werden konnten.
  • Mit Mac OS 7 (System 7) wurde 1991 die Drag and Drop Möglichkeit integriert: Grafische Elemente konnten ab dieser Version etwa mit der Maus von einem Ort an ein neues Ziel auf dem Monitor verschoben werden.
  • Ab 1994 unterstützte Mac OS 7.5 die sogenannte PowerPC CPU Architektur (Central Process Unit).
  • 1997 hielt das Kontextmenü Einzug: Durch Klicken mit der rechten Maustaste auf Texte oder Grafiken wird seither ein Kontextmenü mit passenden Aktionsmöglichkeiten geöffnet. Einen weiteren entscheidenden Schub erhielt die Betriebssystem-Politik von Apple durch den Kauf von NeXT und der damit verbunden Rückkehr von Steve Jobs.
  • Im Jahr 1999 wirft die geplante Umstellung auf Mac OS X ihre ersten Schatten voraus: Als Schnittstellensammlung für Programmierer wurde die CarbonLib integriert, um Programme mit möglichst wenig Aufwand auf das neue Betriebssystem portieren zu können. Es reifte die Erkenntnis, dass das bisherige Betriebssystem in die Jahre gekommen war und nicht mehr den Ansprüchen moderner Hardware genügte. Insgesamt gab es 9 Entwicklungsstufen für die Mac OS Classic Umgebung.

Mac OS X - der nächste Meilenstein

Mac OS X ist ein völlig neues Betriebssystem, dass 2000 von Steve Jobs persönlich in San Francisco vorgestellt wurde. Bei Mac OS X handelt es sich um eine Unix-Variante, basierend auf Darwin, der hauseigenen Entwicklung von Apple verbunden mit weiter entwickelten Elementen des Betriebssystems NeXTStep, das Steve Jobs bei seiner Rückkehr mitgebracht hatte. Der technologische Quantensprung erfolgte letztlich im März 2001 mit der endgültigen Einführung - nach 17 Jahren erfolgte mit der Ablösung von Mac OS auch ein optischer Paradigmenwechsel:

Nicht nur die Technik wurde komplett überarbeitet, sondern auch die grafische Oberfläche, die den Namen Aqua trägt. Sie besticht mit einem völlig neuen Design - farbenfroh und mit elegant verspielten Buttons, an die sich eingefleischte Mac-Fans erst gewöhnen mussten. Da ein neues Betriebssystem auch immer abhängig ist von vorhandenen Gerätetreibern und Software, wurden eigens Schnittstellen geschaffen: Mit der bereits erwähnten Carbon-Schnittstelle konnte Software aus der Classic OS Umgebung kompatibel auf Mac OS X Versionen laufen, für Neuentwicklungen steht das Cocoa Framewerk zur Verfügung.

Gerade in der Anfangszeit kam es zu Major-Updates in kurzen Abständen, um Fehler zu beheben. Aufgrund des großen Erfolgs wurde Software aus der Classic Epoche ab 2006 nicht mehr berücksichtigt und die Classic Elemente 2007 komplett aus der Mac OS X Reihe entfernt - das endgültige Ende einer mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Ära. Alle Versionen wurden mit den Namen eleganter Raubkatzen versehen wie etwa zuletzt Lion, Leopard oder Snow Leopard. Das für Herbst 2013 anstehende größere Update wird diese Tradition durchbrechen und den Namen eines kalifornischen Küstenortes tragen: Mavericks.

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