Deutschlands Rekord-Spielesammler: Vier Jahrzehnte Gaming-Geschichte

Aufrufe 5 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Nach der Wende hatte der Leipziger René Meyer Videospiele-Nachholbedarf. Das Stöbern in der Gaming-Vergangenheit weckte seine Sammelleidenschaft. Mit Hilfe von eBay komponierte er eine Kollektion, die jeden Retro-Fan vor Neid erblassen lässt. Zu Besuch in einem Heim voll nostalgischer Kostbarkeiten.
Die Exponate aus René Meyers Spielesammlung sorgen alljährlich für Andrang auf der Gamescom. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Die Exponate aus René Meyers Spielesammlung sorgen alljährlich für Andrang auf der Gamescom. (© Haus der Computerspiele)

Am besten wäre natürlich ein Museumshaus: Im Erdgeschoss könnten Besucher René Meyers Spieleantiquitäten-Sammlung besichtigen, während seine vierköpfige Familie in den oberen Etagen residiert. »Aber aus unerfindlichen Gründen schätzt meine Frau kein Wohnhaus mit Publikumsverkehr«, lacht der 45-jährige Leipziger Journalist. So begnügt er sich mit der Planung eines regulären Eigenheims, das seinen Schätzen mehr Platz einräumen würde. Und den kann René gut gebrauchen, das Guinness Buch der Rekorde attestierte ihm bereits 2007, die größte Sammlung historischer Spielsysteme zu besitzen. Aktuell sind es über 1000 Heimcomputer und Konsolen, 9000 Spiele und 5000 Zeitschriften – Tendenz wachsend.

Stolze 80 Quadratmeter nimmt das Spielearchiv in René Meyers Wohnung in Beschlag. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Stolze 80 Quadratmeter nimmt das Spielearchiv in René Meyers Wohnung in Beschlag. (© Haus der Computerspiele)

An die Umzugsplanung will René lieber noch nicht denken. Schon der letzte Wohnungswechsel vor acht Jahren war aufwendig: »Alleine die PC-Spiele füllten 70 Umzugskartons, da war schon der ganze Transporter voll«. Ganz zu schweigen von der Sammlung an Röhrenfernsehern,  größtenteils eBay-Fundstücke. 

So viele Spiele, so wenig Zeit: René Meyer betreibt auch das Redaktionsbüro Die Schreibfabrik. (© Stefan Kassler)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
So viele Spiele, so wenig Zeit: René Meyer betreibt auch das Redaktionsbüro Die Schreibfabrik. (© Stefan Kassler)

Nintendo-Nachholbedarf

Als Jugendlicher in der DDR hatte René Meyer nur in Hochschulen Zugriff auf Computer, erst nach der Wende konnte er sich einen eigenen Kleincomputer KC 85 leisten. Bei seiner Arbeit als Journalist fiel ihm auf, dass ihm der Hintergrund der westlichen Spielsysteme fehlte: »Eine Schlüsselszene war, als Mitte der 90er Jahre das Nintendo 64 angekündigt wurde. Im Online-Forum von Maniac hatten sich die Leute über ein neues Super Mario, Zelda oder Mario Kart gefreut – aber ich konnte es nicht nachvollziehen, weil ich das alles nicht kannte. Da dachte ich mir: Du musst dir noch ein Super Nintendo anschaffen und das nachholen«.

Zuschlag für 3000 Euro

Mit dem Start von eBay »habe ich dann richtig wild eingekauft. Das war ja die erste tolle Möglichkeit, alle möglichen Dinge weltweit suchen und erwerben zu können«.  

Über die Jahre erwarb René mehr und mehr Spiele und Systeme, richtig ernst wurde es mit seiner Sammlung im Jahr 2007: »Damals wurde viel über eine eBay-Auktion mit über 90 Spielkonsolen geredet – und ich hab‘ sie mir geschnappt. Das waren 24 volle Umzugskartons für 3000 Euro. Da bin ich zu meiner Frau gegangen und meinte nur „Du, ich hab‘ mir was gekauft…“«, erinnert sich René lachend.

Taschenspieler der 80er Jahre: Nintendos »Game and Watch«-LCD-Spiele sind begehrte Sammlerobjekte. (© Sebastian Bach)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Taschenspieler der 80er Jahre: Nintendos »Game and Watch«-LCD-Spiele sind begehrte Sammlerobjekte. (© Sebastian Bach)

Von Leipzig ins Guinness-Buch

Die Ehe hielt und die Meyers-Sammlung umfasste nunmehr rund 150 Geräte, »da dachte ich mir: Vielleicht könnte man die auf der Games Convention ausstellen«. 
Als er grünes Licht für seine Retro-Ausstellung erhielt, beflügelte ihn dies zu weiteren Anschaffungen, um Lücken in seiner Sammlung zu schließen. Mit Hilfe von Kollegen und Freunden stellte er dann rund 300 Geräte aus, woraufhin das Guinness-Buch der Rekorde ihm attestierte, »die größte Sammlung spielbarer Gaming-Systeme« zu besitzen. 
Noch bleibt das eigene Museum vorerst ein Traum. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Noch bleibt das eigene Museum vorerst ein Traum. (© Haus der Computerspiele)

Der Traum vom eigenen Museum

Gespräche über eine Dauerausstellung gab es über die Jahre immer wieder, aktuell ruhen die Hoffnungen auf einem Raum im neuen Bildungszentrum der Stadtbibliothek Leipzig. Ein eigenes Museum scheiterte bislang an Kosten und Vorbehalten: »Es wird so leicht niemand kommen, der sagt: „Herr Meyer, hier ist ein Gebäude“. Das muss man auch dauerhaft finanzieren; Miete, Personal, Versicherung, Strom, das kostet ja alles irrsinnig viel«, meint René, »zudem gibt es immer noch große Vorbehalte gegenüber Computerspiele in Deutschland«. Mit dem Finanzbedarf bestehender Museen haben die Kommunen schon genug zu kämpfen und »viele Leute verstehen gar nicht, dass Computerspiele ein Museum brauchen«.

Sammel-Trends in der Retro-Szene

Renés wichtigster Tipp für angehende Videospiele-Sammler: »Man sollte das sammeln, was man sammeln möchte«, egal, ob das nun eine Spezialisierung auf ein bestimmtes System oder eine Spielserie ist. Modewellen können die Preise bestimmter Retro-Gebiete nach oben treiben: »Derzeit ist das Super Nintendo die In-Konsole überhaupt und die Preise sind explodiert«, meint René, »Ich habe auch den Eindruck, dass die erste Playstation als Retro-Konsole im Kommen ist«. Jubiläen und die damit verbundene Medienaufmerksamkeit spielen eine Rolle: Die Sony-Konsole feierte kürzlich ihr 20-jähriges, beim Commodore 64 hatte vor ein paar Jahren der 30. Geburtstag den Sammlermarkt aufgeheizt.


Bei diesem Regal wird es jedem warm ums Herz, der eine Atari-2600-Kindheit hatte. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Bei diesem Regal wird es jedem warm ums Herz, der eine Atari-2600-Kindheit hatte. (© Haus der Computerspiele)

Seine eigene Sammlung hat René über die Jahre immer mehr ausgeweitet: »Die Zeitschriften nehmen inzwischen fast genauso viel Volumen ein wie die Spielsysteme, dazu kommen Bücher, Mauspads und Schlüsselbänder. Ich sammle auch Filme und Soundtracks, die etwas mit Spielen zu tun haben«.

Spieler gucken in die Röhre: Zum Retrospiel-Erlebnis gehört auch ein altmodisches Gerät. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Spieler gucken in die Röhre: Zum Retrospiel-Erlebnis gehört auch ein altmodisches Gerät. (© Haus der Computerspiele)

Nicht alle Haushaltsmitglieder von Familie Meyer wissen die Schätze ausreichend zu würdigen: Die Kinder, 13 und 7 Jahre alt, spielen lieber an der modernen Wii U, »das sieht halt bunter und verlockender aus«, meint Papa René verständnisvoll, nur manchmal wird eine Geschichtsstunde angeordnet: »Dann setze ich sie vor eine der alten Kisten, dann wird mal ein Jump-and-run auf dem Neo Geo gespielt“«.

Konsequent retro: Zum Apple Macintosh Baujahr 1984 passt das altersgerechte Telefon. (© Haus der Computerspiele)
Link zu einer eBay-Seite Entfernen
Laden Sie bis zu 3 weitere Fotos hinzu.
Link zu einer eBay-Seite
Konsequent retro: Zum Apple Macintosh Baujahr 1984 passt das altersgerechte Telefon. (© Haus der Computerspiele)
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden