Der Morganit – zartrosa Variation aus der Beryll-Familie

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Der Morganit – zartrosa Variation aus der Beryll-Familie

Der mit dem Smaragd und dem Aquamarin verwandte Morganit ist ein transluzenter bis transparenter Beryll. Durch schwache Anteile von Mangan entstehen die typischen magnolien-, rosen- und pfirsichfarbenen Tönungen. Eine Eigentümlichkeit des Morganit ist, dass die zartrosa-farbene Spielart der Beryll-Gruppe gleich mehrmals entdeckt wurde. Die erste Erst-Entdeckung fand gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Russland statt und geht mit der Bezeichnung Vorobieffit (engl.: Vorobyevite) auf den russischen Wissenschaftler Vorobieff (Worobieff) zurück. Vorobyevite wird in unserer Zeit als cäsiumhaltige Varietät von Beryll betrachtet. Andere Bezeichnungen wie rosa Smaragd, Rosterit oder Rosenberyll waren im Laufe der Zeit ebenfalls gebräuchlich.

Ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte ein Mr. Roster rosa Beryll in Afrika. Anfang 1900 fand eine weitere Entdeckung statt, als die ersten rosa Berylle in den Pala-Pegmatiten in Süd-Kalifornien gefunden, die von einem US-Edelsteinkundler nach dem amerikanischen Millionär und Edelsteinsammler John Pierpont Morgan als Morganite benannt wurden. Die nächste Erstentdeckung datiert aus dem Jahr 1908: In Madagaskar wurde ein weiteres Vorkommen deklariert. Die Typlokalität bezeichnet den Ort, an dem ein Mineral erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde. Derzeit wird das Gebiet Pala im San Diego County (USA) von der Wissenschaft als Typlokalität für Morganit und darüber hinaus die Lipovskaya-Grube im Distrikt Rezh (Russland) als Typlokalität für Vorobieffit definiert.

Verwechselungen mit anderen Mineralien nicht ausgeschlossen

Bis sich der endgültig von allen anerkannte Name Morganit durchsetzte, gab es eine ganze Reihe von Verwechslungen mit anderen rosafarbenen Mineralien. So kam es recht oft vor, dass Alexandrit, Kunzit, Rosenquarz oder rosa Turmalin als Morganit oder, im umgekehrten Fall, dass Morganit für eine diese Mineralien gehalten wurden. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch heute noch in mancher historischen Sammlung rosafarbene Mineralien zu finden sind, deren Echtheit bezweifelt werden darf.
Seit 2006 versucht ein US-amerikanisches Handelsunternehmen recht intensiv, den Namen Morganit durch "Pink Emerald" zu ersetzen. Das Ziel dieser Bemühung ist rein kommerziell und verbunden mit der Intention, den Wert der Mineralien durch die edle Bezeichnung "Emerald" zu steigern, um am Ende Preise für Morganit zu erzielen, die denen für Smaragde, einer weiteren Varietät von Beryll, nahekommen. Bis in das alte Ägypten in das 13. Jahrhundert vor Christus lässt sich der Abbau der Beryll-Varietät Smaragd nachweisen. Aber selbst in den alten Kulturen Südamerikas wurde der Edelstein vielfach gehandelt. Besonders in reiner Form erzielt der Smaragd teilweise höhere Preise als ein vergleichbar großer Diamant.

Beryll als Basiselement von Morganit

Das Mineral Beryll ist ein relativ häufig vorkommendes Ringsilikat. Im weitesten Sinne geht die Bezeichnung Beryll auf das lateinische beryllus, berillus zurück. Im Mittelalter wurde der lateinische Name beryllus als Oberbegriff für alle klaren Kristalle gebraucht. Von diesem leitet sich auch das Wort Brille im Sinne von Sehgläser ab, da die ersten Linsen aus Kristall bestanden. Die Wortverschiebung erfolgte von parill zu prill und brill. In späterer Zeit entsteht das feminine «e» aus dem häufigeren Plural die brillen, seit es sich bei den Augengläsern um zwei Gläser handelt.

Das italienische brillare „glänzend, strahlend“ leitet sich ebenso wie das französische briller aus dem lateinischen berillus ab, dessen Partizip brillant die Basis für die deutschen Begriffe Brillant und Brillanz darstellt. In der englischen Sprache wird dem französischen Fremdwort ein zusätzliches „i“ zugefügt. Das englische brilliant ist verantwortlich für häufige Fehler der deutschen Schreibweise, auch in falschverstandener Sinngleichheit zu brillieren, was eher „sich hervortun“ meint.

Die Farbe des Morganit

Morganit ist eine Varietät von Beryll. Das Farbspektrum reicht von einem ins Violette spielenden Rosa über Pfirsich, Aprikose bis Lachs, Gelblich-Orange über Hell- bis Mittelrosa, Orange-Rosa bis – seltener – sogar ins deutliche Braun. Bislang sind die Hintergründe der Farbgebung nicht eindeutig geklärt. Durch Beimengungen oder Verunreinigungen wie beispielsweise Eisen kann die Farbe des Morganit verändert sein. Die Farbe des Morganit kann auch durch Wärme und durch Sonnenlicht abgewandelt werden. In der Wissenschaft sind aprikosenfarbene Morganite aus Brasilien beschrieben, die, nachdem sie eine Woche dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, ihre Farbe ins Rosa veränderten. Andere Forscher behaupten, dass viele der im Handel befindlichen rosa Morganite vorher rötlich-gelbe Edelsteine aus Brasilien waren, die durch Hitze behandelt wurden. Der Wechsel des Farbspiels findet bei etwa 400 Grad Celsius statt. Allerdings kann die wirkliche Farbe des Morganit lediglich unter neutralem Licht wahrgenommen werden. Der Morganit zeigt sich unter dem Licht von Energiesparlampen oder von Neonröhren in einer völlig anderen Farbe.

Fundorte und Abbaugebiete des Morganits

Die spektakulärsten und größten Morganite wurden in Ramona (Little Three Mine), Pala (Tourmaline Queen und Elizabeth R. Mines), Mesa Grande (Esmeralda-, Mesa Grande-, Himalaya-Mines) und Warner Springs (Blue Lady-, Carmelita- und Cryo-Genie Mines) in Kalifornien gefunden. Allerdings sollen die weltweit attraktivsten Morganite von tiefrosenroter Farbe zwischen 1900 und 1927 in Anjanabonoina in Madagaskar gefunden worden sein. Der Markt wird seit Anfang der 2000er-Jahre durch außerordentlich schöne Morganite aus Afghanistan (Paprok und Konar) bereichert. Diese Morganite überzeugen durch ihre Größe, Perfektion und Farbe, aber auch das Zusammenspiel mit schneeweißen Cleavelandit-Kristallen erzeugt besondere Reize.

Verwendungsbereiche von Beryll

Beryll ist das Basismaterial für das Leichtmetall Beryllium. Beryllium wird unter anderem in der Raumfahrt als Komponente von Speziallegierungen eingesetzt wird. Aus den Vereinigten Staaten von Amerika werden mehr als 80 Prozent des Weltjahresbedarfs hergestellt. Wie bereits erklärt, wurden im Mittelalter Berylle zu Linsen verarbeitet, die als Sehhilfe verwendet wurden und dieser mit der Bezeichnung Brille ihren Namen gaben. Wenn sie eine gute Qualität aufweisen, werden Berylle aller farblichen Ausprägung zu Schmucksteinen verarbeitet. Als eine der ersten Varietäten wurde der Smaragd für diese Zwecke verwendet und in größeren Mengen gefördert. Die ältesten Minen sind Tausende von Jahren alt.

In der Regel erhalten klare Schmucksteine einen Facetten-Schliff. Allerdings weisen einige Beryll-Varietäten nach dem Schleifen einen deutlichen Pleochroismus auf. Mit Pleochroismus wird das Farbspiel von Mineralen bei der Betrachtung aus unterschiedlichen Blickrichtungen bezeichnet. In aller Regel erhalten undurchsichtige oder durchscheinende Edelsteine einen Cabochon-Schliff. Mineralaggregate größeren Ausmaßes werden von Fall zu Fall auch zu kunstgewerblichen Objekten verarbeitet. Beryll-Kristalle können außergewöhnliche Ausmaße erreichen. Im Bundesstaat Maine in den Vereinigten Staaten von Amerika wurden bereits sechs Meter lange und eineinhalb Tonnen schwere Kristalle gefunden. Auch in Namivo, Alto Ligonha in Mosambik wurden Aggregate bis zu 177 Tonnen gefunden. In der russischen Stadt St. Petersburg befinden sich in einem Museum ein geschliffener Stein mit einem Gewicht von 598,7 Karat und darüber hinaus ein unbearbeiteter Kristall, der in Madagaskar gefunden wurde und ein Gewicht von 5 Kilogramm aufweist.

Morganit als Heilstein

Der Morganit wird in der Heilkunde in erster Linie als positiver Stein für das Herz und das Nervensystem gesehen. Er sei entkrampfend und entspannend und besitze daher eine lindernde Wirkung bei verschiedenen Schmerzen, deren Auslöser Verkrampfungen seien. Bei körperlichen Leiden kann der Morganit seine Wirkung lediglich durch Körperkontakt entfalten. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, sollte der Morganit auf die schmerzende Stelle gelegt werden. Wenn die Wirkung erhöht werden soll, kann der Stein mit sanften kreisenden Bewegungen ohne viel Druck über die betroffenen Körperregionen bewegt werden.

Tipps für Käufer von Morganit

Morganit wird gerade in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr für hochwertigen Schmuck verwendet. Dabei spielt eine herausragende Farbqualität – reines Rosa, ohne braune oder orangefarbene Bestandteile –, die nur relativ selten angeboten wird, eine entscheidende Rolle. Morganit sollte wie alle Edelberylle ausschließlich in hoher Reinheitsqualität erworben werden, da mit bloßem Auge erkennbare Einschlüsse den Wert dieses attraktiven Kristalls empfindlich schmälern. Ausschließlich in allerbester Farbqualität werden für den Morganit ähnlich hohe Preise erzielt wie für seinen hellblauen "Beryll-Bruder", den Aquamarin.

Der Morganit sollte von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Auf den Edelstein, wenn er direkt auf der Haut getragen wird, setzen sich unweigerlich Schmutzpartikel, Hautfett, Reste von Körperpflegemitteln und ähnliches ab. Daher ist eine Reinigung mit handwarmem Wasser allerdings ohne Zusätze wie Seife oder andere Reinigungsstoffe angeraten. Es empfiehlt sich die Verwendung von destilliertem Wasser oder sehr reinem Regenwasser, um Kalkablagerungen zu verhindern. Rote oder rosa Berylle, also auch der Morganit, reagieren besonders empfindlich auf Hitzeeinwirkung. Starke Erwärmungen können dazu führen, dass sich Risse bilden. Anschließendes Abschrecken mit kaltem Wasser kann regelrecht zum Zerspringen des Kristalls führen. Die verschiedensten Chemikalien können den Morganit trübe werden lassen. Daher sollten Ringe mit diesem Edelstein vor dem Umgang mit chemischen Mitteln grundsätzlich abgelegt werden. Intensive Sonneneinstrahlung kann ebenfalls zum Verlust der Farbe führen.

Der Morganit ist wegen seiner rosa leuchtenden Farbe ein sehr begehrter Edelstein, der seit vielen Tausend Jahren sehr geschätzt wird.

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