Blasinstrumente erklärt: Wissenswertes über Jagdhörner

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Blasinstrumente erklärt: Wissenswertes über Jagdhörner

Die Geschichte des Jagdhorns vom jüdischen Schofar zum heutigen Musikinstrument

Das Jagdhorn blickt, wie alle anderen Naturhörner, auf eine sehr alte Geschichte zurück. Der Brauch, Tierhörner zur Lauterzeugung zu nutzen, ist sehr alt. Bereits im Alten Testament ist zum Beispiel vom jüdischen Schofar die Rede, ein Widderhorn, das damals für Rituale und spirituelle Feste genutzt wurde. Vergleichbare Verwendungen von Naturhörnern gab es auch in Indien oder Zentralasien zu dieser Zeit. Als Naturhörner werden hierbei sämtliche Hörner bezeichnet, die keine Klappen oder Ventile verbaut haben, um eine größere Anzahl verschiedener Töne erzeugen zu können. Das einfache Prinzip der Naturhörner basiert auf der kegelförmigen Form von Tierhörnern, die so als Schallverstärker fungieren. Über die Jahre wurden Tierhörner durch metallische Hörner ersetzt, zum Beispiel aus Messing. Weitere, bekannte Naturhörner neben dem Jagdhorn sind das Alphorn oder das berühmte Posthorn. Sogar die Vuvuzela, die als Tröte bei der letzten Fußballweltmeisterschaft auch jenseits von Südafrika bekannt wurde, ist ein Naturhorn und gehört strenggenommen zu den Blechblasinstrumenten, obwohl sie aus Plastik gefertigt ist. 

Das Jagdhorn selbst wurde, wie der Name schon sagt, bei der Jagd eingesetzt, und das schon seit Hunderten von Jahren. Die Möglichkeit der Verständigung bei Großjagden über weite Areale ohne Sichtkontakt war damals eine wichtige Basis für die gezielte Abstimmung. Mit dem Jagdhorn konnten akustische Signale abgesetzt werden, die zur Koordination dienten und so den Mangel an Sichtkontakt zur visuellen Verständigung ausgleichten. Das moderne Metalljagdhorn gibt es in Mitteleuropa seit dem 16. Jahrhundert. Damals wurde es aus Kupfer gefertigt und hatte, materialbedingt, einen tiefen und dumpfen Ton. Weitere Varianten folgten im Laufe der Zeit und durch diese Erweiterungen entstand das eigentliche Blasinstrument, das mittlerweile fernab der Naturhörner als geschätztes Musikinstrument eingesetzt wird.

Blasinstrumente unter der Lupe: So funktioniert das Jagdhorn und warum es ein Naturhorn ist

Damit man versteht, wie das Jagdhorn funktioniert, muss man generell verstehen, wie Blasinstrumente einen Ton erzeugen. Töne, die wir hören können, sind im Endeffekt Schwingungen, die unser Ohr wahrnehmen kann. Wenn mehrere Schwingungen übereinander liegen und variieren, hören wir verschiedene Töne. Diese Schwingungen müssen zuerst erzeugt werden. Hierfür ist, wie bei allen anderen Musikinstrumenten, ein Schwingungserzeuger nötig. Dies kann eine Saite sein, die bei einer Gitarre angeschlagen wird, oder eben bei Blasinstrumenten die Lippen, bzw. der Atem des Instrumentenspielers. Weiterhin müssen diese Schwingungen verstärkt werden, damit man sie auch gut wahrnehmen kann. Hierfür ist bei akustischen Musikinstrumenten ein Resonanzkörper nötig, bei der Akustik-Gitarre der Korpus oder beim Jagdhorn eben das Horn, das durch seine kegelförmige Bauart die Schwingungen verstärkt. Dass die eigentliche Kegelform gerade bei Jagdhörnern, die sehr stark gebogen sind, nicht gegeben ist, ist hierbei irrelevant. Die Schwingungen folgen jeder Form. Verschiedene Töne können durch unterschiedlichen Druck auf die Lippen entstehen, wobei die Anzahl der möglichen Töne bei Naturhörnern beschränkt ist. Der Grund hierfür ist einfach. Der Ton bei Blasinstrumenten wird auch durch die Mensur des Instrumentes bestimmt. Damit ist die Länge des Resonanzkörpers, also des eigentlichen Horns vom Mundstück hin zum offenen Ende, dem Schallbecherrand, gemeint. Wird diese Länge verändert, kann auch eine größere Vielfalt von Tönen erzeugt werden. Das Jagdhorn als Naturhorn ist aber auf eine bestimmte Mensur festgelegt, je nachdem, wie das Instrument konstruiert ist. Hier gibt es zwar verschiedene Bauformen, die weiter unten vorgestellt werden, aber die Länge ist nie variabel.

Posaunen, Blockflöten und Trompeten

Bei anderen Blasinstrumenten, wie bei Posaunen, wird durch einen sogenannten Stimmzug die Länge für einen Ton variabel vergrößert, indem der Zug vor- oder zurückgezogen wird. Somit erreicht man eine Verlängerung oder Verkürzung der Mensur und damit ein breites Klangbild. Eine weitere Möglichkeit, die eigentliche Mensurlänge zu beeinflussen, sind Tonlöcher, wie zum Beispiel bei der Blockflöte, oder Ventile, wie bei der Trompete. Aufgrund der angesprochenen Geschichte des Jagdhorns als reines Verständigungsmittel während der Jagd war eine hohe Tonvielfalt und somit eine flexible Veränderung der Mensur nie notwendig. Daher ist der Klang dafür aber umso mehr abhängig von den Fähigkeiten des Hornspielers, einen Ton zu treffen und auch zu halten. Eine große Kunst, die das Spielen von Jagd- und anderen Naturhörnern sehr fordernd macht.

Die verschiedenen Jagdhornvariationen und die Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte im Überblick

Das ursprüngliche Jagdhorn war sehr simpel aufgebaut. Um einen ausreichend großen Resonanzkörper zu erreichen, wurde das Horn stark gebogen – man spricht hier von Windungen. So war es ausreichend laut, aber dennoch handlicher als zum Beispiel eine gerade, aber dafür lange Fanfare. Durch die wichtige Bedeutung dieser Hörner bei der Jagd und durch das Interesse der gehobenen Adligen im 16. Jahrhundert an diesem Zeitvertreib, gewann auch das Jagdhorn selbst immer mehr Ansehen. Dem schlichten Aufbau folgten ab dem 17. Jahrhundert kunstvolle, verzierte und hochwertig verarbeitete Jagdhörner, die entsprechend den gehobenen Anforderungen weiterentwickelt und verfeinert wurden.

Das Parforcehorn: Kommunikationsmittel bei der Jagd und Musikbegleitung bei Fanfarenzügen

Das Parforcehorn ist ein Beispiel für die Weiterentwicklung des einfachen Jagdhorns. Es wurde für die Parforcejagd entwickelt, eine Hetzjagd in Gruppen auf größere Waldtiere wie Hirsche oder Wildsäue. Diese Parforcejagd war gerade bei dem europäischen Adel des 17. Und 18. Jahrhunderts beliebt. Die erforderliche hohe Lautstärke erreicht das aus Messing bestehende Parforcehorn durch die Größe. Das Horn wurde von Jägern geschultert, indem sie den Kopf und einen Arm hindurchsteckten. So konnte das Horn geblasen und gleichzeitig dabei geritten werden. Das Mundstück war ursprünglich trichterförmig und schmal, um einen durchdringenden, schnatternden Ton erzeugen zu können, der bei der Jagd über weite Strecken zu vernehmen war. Bei den heutigen Parforcehörnern als Musikinstrumente ist das Mundstück auf einen sauberen Klang ausgerichtet und bietet je einen Doppelkessel für hohe und tiefe Lagen. Moderne Parforcehörner sind anders als die ursprünglichen Parforce-Jagdhörner mehrwindig und bieten durch ein Umschaltventil die Möglichkeit, zwischen den beiden möglichen Grundstimmungen Es oder B zu wechseln. So sind über 28 verschiedene Naturtöne spielbar. Diese Klangvielfalt wird in der Musik natürlich genutzt. So werden Parforcehörner heute noch in Bläsercorps oder bei Fanfarenzügen, ja sogar als Begleitinstrument bei einzelnen Opern der Jagdmusik eingesetzt.

Vom Adel für den Adel: das Fürst-Pless-Horn als Jagd- und Musikinstrument in handlicher Form

Das Fürst-Pless-Horn ist ein Jagdhorn, das im 19. Jahrhundert auf den Markt kam. Benannt wurde es nach Hans Heinrich XI., der Graf von Hochberg, Fürst von Pless und Freiherr von Fürstenstein war. Hans Heinrich XI. war zudem Oberstjägermeister unter Kaiser Wilhelm I. Durch den hohen Adel und die Affinität zur Jagd etablierte er dieses Horn zugleich als militärisches und Jagdsignal. Anders als das Parforcehorn kann das Fürst-Pless-Horn aufgrund der geringeren Größe bequem mit einer Hand gehalten und geblasen werden. Es besteht auch aus Messing und ist ursprünglich mit Leder umwickelt, um Auskühlungen der Hand des Jägers zu verhindern. Auch das Mundstück wird teilweise aus Kunststoff hergestellt, damit keine unangenehme Kälte an den Lippen entstehen kann. Verzierungen, wie der Neusilberkranz am Schallbecherrand, oder das ansprechende schwarze Leder symbolisierten den hohen adligen Wert dieses kleinen Jagdhorns. Dem Naturhorn folgten auch Modelle mit bis zu drei Ventilen für den Gebrauch als Musikinstrument. Zudem wurde bei späteren Fürst-Pless-Hörnern ein kleiner Stimmzug direkt am Mundstück eingebaut, womit man das Horn minimal stimmen kann. Das Mundstück selbst wird in Trichterform sowie in Kesselform angeboten, was wiederum zeigt, wie stark sich das Fürst-Pless-Horn sowohl als Jagdinstrument als auch als Musikinstrument sieht. Die ventillose Variante, die über sieben Naturtöne verfügt, wurde teilweise so klein gefertigt, dass sie bequem in damalige Manteltaschen passte. Diese Miniaturjagdhörner wurden Taschenjagdhörner genannt. Auch heute noch kommt das Fürst-Pless-Horn bei Gesellschaftsjagden oder in Bläsercorps zum Einsatz und ist gerade durch die handliche Form, vor allem bei den Taschenjagdhörnern sehr stark verbreitet.

Die französische Trompe de Chasse gilt als Exot unter den Jagdhörnern

Die Trompe de Chasse ist ein französisches Jagdhorn für die Parforcejagd, auf Französisch „chasse à courre" genannt, was zugleich Namensgeber für dieses Naturhorn ist. Es liegt von der Größe her zwischen dem Parforcehorn und dem Fürst-Pless-Horn und muss mit beiden Händen vor dem Körper gehalten und so geblasen werden. Beim Reiten wurde es jedoch ähnlich umgehängt wie die Parforcehörner. Durch die D-Grundstimmung, anders als bei den B-gestimmten vorangegangenen Jagdhörnern, wirkt der Klang fremd und exotisch. Die Trompe de Chasse ist zudem von der Mensur her sehr eng gebaut, was einen starken metallischen Klang erzeugt. Dies in Verbindung mit den sehr eigenen Jagdsignalen der damaligen französischen Jäger führt zu einem sehr ungewohnten Gesamtbild des Klangs und verdeutlicht die eigene Kultur der Jagd im mittelalterlichen Frankreich. Die Nutzung der ebenfalls aus Messing gefertigten Trompe de Chasse in der modernen Musik ist somit sehr schwierig und außerhalb von Frankreich nicht gebräuchlich. Jagdhörner dieser Art sind selten und gelten als seltene Sammlerstücke.

Die beliebtesten Einsatzmöglichkeiten von Jagdhörnern in und fernab der Musik

Wie schon erwähnt, wird das Jagdhorn schon seit langer Zeit nicht nur zur Jagd eingesetzt. Während auch Schäfer oder Falkner mithilfe von Jagdhörnern kommunizieren oder Alarm schlagen, findet sich vor allem in der Musik Verwendung für die unterschiedlichen Jagdhornvariationen. So zum Beispiel in der Kammermusik, wo das Jagdhorn in Verbindung mit anderen Blech- und Holzblasinstrumenten genutzt wird oder nur mit anderen Hörnern, wie zum Beispiel dem Waldhorn. Auch im Sinfonieorchester hat das Jagdhorn seine Bedeutung. Es symbolisiert den Klang der Natur, wobei es stimmlich den Holzblasinstrumenten zugeordnet wird, anstatt den schweren Blechblasinstrumenten wie der Trompete oder der Posaune. Der Faszination der Jagdmusik kann in Form von Notenbüchern und Musik-CDs nachgegangen werden. 

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