Betriebsfunkgeräte mit TETRA-Digitalfunk- Hinweise zu Funktion und Nutzung

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So finden Sie Betriebsfunkgeräte mit TETRA-Digitalfunk

Der Betriebsfunk wird auch als industrieller Betriebsfunk bezeichnet. Dieser Begriff verdeutlicht bereits die Art der gewerblichen Nutzung. Die typischen Anwender des Betriebsfunks sind Gewerbetreibende wie beispielsweise Handwerksbetriebe oder andere gewerbliche Unternehmer wie Transportfirmen. Genutzt wird der Betriebsfunk aber auch von öffentlichen Einrichtungen und Anstalten des öffentlichen Rechts. Auch die Polizei und Feuerwehr verfügen über ein entsprechendes Nutzungsrecht und verwenden den Betriebsfunk. Einige Sportvereine können diese Funkanwendung ebenfalls benutzen.

Die Bundesnetzagentur regelt die genauen Vorgaben des Betriebsfunks, so beispielsweise auch die Reichweite des Funks. Eine optimale Reichweite garantiert ein gutes Betriebsfunkgerät, mit dem sich die zur Verfügung stehenden Frequenzen optimal nutzen lassen. Ein neuer, besonders leistungsstarker Standard, mit dem sich das Betriebsfunknetz noch besser professionell nutzen lässt, ist der digitale TETRA-Betriebsfunk. Um diese neue Technologie nutzen zu können, benötigen Sie ein entsprechendes Betriebsfunkgerät mit TETRA-Technologie. Wie Sie dieses am besten finden und was Sie für die Nutzung des Betriebsfunks sonst noch beachten müssen, zeigt Ihnen dieser Ratgeber.

Einschränkungen des analogen Betriebsfunks

Der ursprünglich analoge Betriebsfunk wies einige Probleme auf. Nutzern war es untersagt, Ihre Gespräche zu verschlüsseln, um ein Abhören zu verhindern. So war es beispielsweise verboten, Sprachverzerrer zu verwenden. Der analoge Betriebsfunk war zudem nur für Sprachdaten zugelassen.

Diese Regeln waren mit der Einführung des digitalen Betriebsfunks nicht mehr einzuhalten. Der digitale Betriebsfunk ist damit besonders interessant für konkurrierende Unternehmen und Behörden, die Sprachinformationen und Daten sicher via Funk versenden wollen.

Das Betriebsfunknetz in Betrieb nehmen

Ein Betriebsfunknetz besteht aus einer ortsgebundenen Basisstation und verschiedenen Mobilfunkstellen, die mobile und portable Handfunkgeräte oder auch KFZ-Funkgeräte sein können. Alle Funkgeräte eines Netzwerks müssen bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Geregelt wird von der Bundesnetzagentur dann der Standort der stationären Funkanlage, die zulässige Antennenhöhe und deren maximale Sendeleistung.

Zeitgleich muss bei der Bundesnetzagentur auch eine Lizenz beantragt werden. Alternativ können Sie auch eine Verbundnutzung anmelden. Anschließend erhalten Sie von der Bundesnetzagentur einen Kanal zugeteilt, der einen bestimmten Radius hat und so die Größe Ihres Betriebsfunknetzes bestimmt. In den meisten Fällen ist dieser Radius auf einen Empfangsbereich von 10 km abgestimmt. Pro Kanal können bis zu 100 Funkgeräte betrieben werden. Für jedes Gerät wird dabei eine Nutzungsgebühr fällig.

Tipps zur Nutzung des Betriebsfunks

Nutzen Sie die hilfreichen Angebote der Bundesnetzagentur. Die Institution ist nicht nur der Ansprechpartner, wenn es um die gesetzlichen Grundlagen geht, sondern auch bei der Einrichtung eines Funknetzes. Sie stehen Ihnen auch dann hilfreich zur Seite, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen, welches Funknetz das richtige für Sie ist. Die Bundesnetzagentur bietet viele Außenstellen, sodass eine von diesen auch garantiert in Ihrer Nähe zu finden ist.

Dort können Sie auch erfragen, welche voraussichtliche Reichweite für Ihr Netz vergeben wird. Die Reichweite wird in Abhängigkeit zum Gewerbe vergeben. Es lohnt sich, den Ansprechpartner bei der Bundesnetzagentur direkt zu kontaktieren, falls diese Reichweite für Ihren Einsatz nicht passend ist. Oftmals kann in einer Nachverhandlung der Radius vergrößert werden, wenn diese Notwendigkeit schlüssig begründet wird.

Es empfiehlt sich, auf leistungsstarke Funkgeräte zu achten. Insbesondere das Festfunkgerät, das örtlich als Basis stationiert wird, sollte eine besonders gute Sendeleistung aufweisen, denn immerhin reguliert es die Anbindung der einzelnen mobilen und portablen Funkgeräte Ihres Netzwerks.

Bei der Auswahl der portablen und mobilen Funkgeräte sollten Sie darauf achten, dass diese untereinander kompatibel sind. Falls Sie sich für verschiedene Modelle entscheiden, dann beachten Sie, dass alle Selektivrufcodes der einzelnen Geräte aufeinander abgestimmt sind.

Der TETRA-Digitalfunk

Entwickelt und veröffentlicht wurde TETRA 1995 von ETSI, einem europäischen Non-Profit-Institut mit Sitz in Frankreich. Das Unternehmen war bereits für die Entwicklung auch anderer Standards wie beispielsweise GSM verantwortlich. Hauptsächlich ist TETRA für die Nutzung innerhalb von Behörden konzipiert. Von der Handhabung ähnelt der TETRA- stark dem GSM-Standard. Der Begriff steht für Terrestrial Trunked Radio.

TETRA stellt eine Weiterentwicklung des bisherigen Betriebsfunks dar. Die oben bereits geschilderten Probleme der störungsfreien und vor allem abhörsicheren Kommunikation sind dank TETRA gelöst: Neben Gruppengesprächen sind auch Einzelgespräche möglich. Der große Vorteil dabei ist, dass der neue Digitalfunk ressourcenfreundlich arbeitet, da er verschiedene Funkkanäle clever bündelt. Ebenfalls vorteilhaft ist, dass sich an den Endgeräten der TETRA-Technologien weitere Schnittstellen für Zusatzgeräte oder den Anschluss an den PC befinden.

Funktionsweise des TETRA-Digitalfunks

Das gesamte TETRA-Netzwerk besteht aus verschiedenen Komponenten, die Basisstationen und die Steuerung des Netzes sind dabei die elementaren Bestandteile. Neu bei dieser Technologie ist, dass alle benachbarten Funkzellen unterschiedliche Frequenzen verwenden. Auf diese Weise werden Überlagerungen und Störungen effektiv verhindert.

Alle Basisstationen des TETRA-Funks sind miteinander verbunden, entweder per Draht oder Richtfunk. Zudem besteht eine Verbindung zur Netzsteuerung. Diese koordiniert das System an sich und übernimmt ebenfalls die Verbindung zu anderen Netzwerksystemen, Leitstellen oder auch den öffentlichen Telefonnetzen. Verschiedene Netzwerksysteme können mittels der Koppelung der einzelnen Netzsteuerungen miteinander kombiniert werden; die Verbindung erfolgt mittels eines Switches.

TETRA wurde zwar für den gewerblichen Bereich entwickelt, ist aber auch im zivilen und im privaten Bereich im Einsatz. Ob als innerbetriebliches Kommunikationsmedium oder aber um die Vorzüge von Telefon und Funkgerät miteinander zu kombinieren – der abhörsichere TETRA-Digitalfunk erweitert die Möglichkeiten des Betriebsfunks. So können neben Sprachnachrichten auch Daten an die Basisstation übertragen werden, die dann mithilfe des über eine entsprechende Schnittstelle angeschlossenen Tablets ausgedruckt, gespeichert oder weiterverarbeitet werden können.

TMO – so werden Gespräche im TETRA-Funk ermöglicht

Gespräche werden im TETRA-Funk mittels TMO geführt. Die Abkürzung steht dabei für den Trunked-Mode-Betrieb. Die Übertragung der Sprachdaten erfolgt immer verschlüsselt. Um am TMO teilnehmen zu können, müssen Sie sich einen Betriebsfunkkanal zuweisen lassen, was automatisch geschieht. Ein großer Vorteil ist, dass gleichzeitig Sprachinformationen aber auch Daten gesendet werden können. In Gebieten, die nicht mit einem Signal für TMO versorgt werden, nutzt die TETRA-Technologie Radioterminals als Gateways, um für eine sichere Funkverbindung zu sorgen.

Eines der interessantesten Features ist die Möglichkeit, auf nur einem Kanal bis zu vier Gespräche zu führen. Möglich ist dies, indem die Sprache digitalisiert und vor dem Senden komprimiert wird. Die Sprechdaten werden dann in verschiedenen Zeitschlitzen auf nur einem Kanal übertragen.

Während beim analogen Betriebsfunk Sprachdaten von Störungen beeinflusst und oftmals unverständlich übertragen werden, bietet der digitale TETRA-Funk eine beständig sehr gute Übertragungsqualität. Um dies zu gewährleisten, werden beispielsweise alle Hintergrundgeräusche effektiv unterdrückt. Die aktuellen Endgeräte verfügen zudem über eine integrierte Fehlerkorrektur, sodass Übertragungsfehler der einzelnen Sprachdaten automatisch korrigiert werden.

Durch die verschlüsselte Übertragung der Sprachdaten können Gespräche nicht abgehört werden bzw. lassen sich die mitgehörten Sprachdaten dann nicht entschlüsseln. Moderne Endgeräte sorgen zudem für eine zusätzliche personenbezogene Verschlüsselung mithilfe einer Encryption-Karte, die in das Empfangsgerät eingelegt wird.

Die Nutzung der TETRA-Funkgeräte

Generell sind die Geräte, die mit TETRA funktionieren, portabel oder mobil. Wahlweise sind die Funkgeräte auch mit zusätzlichem GPS ausrüstbar. Alle portablen und mobilen Endgeräte besitzen dieselben Bedienelemente und eine gleiche Menüführung, sodass das Handling beider Geräte besonders einfach ist. Die Menüs zur Bedienung sind zudem frei konfigurierbar, sodass alle TETRA-Funkgeräte individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasst werden können.

Die Funkgeräte sind so aufgebaut, dass Sie beim Funken zunächst die Basisstation der Funkzelle kontaktieren. Anschließend sendet die Basisstation die ID des Funkgerätes an die Netzsteuerung, wo diese ID geprüft wird. Erst nach einer erfolgreichen Prüfung einer zugelassenen ID sendet die Netzsteuerung die Freigabe zur Berechtigung der Teilnahme am Funk an die Basis-Station, die diese wiederum an das Funkgerät weitergibt und es dann ins Funknetz verbucht.

Die regulären Funkgeräte können freigekauft werden. Sie müssen beim Kauf lediglich darauf achten, dass die Betriebsfunkgeräte für die digitale TETRA-Technologie geeignet sind. Darauf verweist in der Regel ein Hinweis des Herstellers im Angebot.

Bestimmte Geräte sind nur für einzelne Berufsgruppen wie beispielsweise die Polizei zugänglich. Mit diesen Geräten ist es möglich, bevorrechtigte Rufe abzusetzen. Diese Sprachinformationen, die per Funk übertragen werden, können zu Unterbrechungen anderer Gruppen- oder Einzelgespräche im TETRA-Netzwerk führen. Jeder berechtigte Teilnehmer im Netzwerk hört dann den bevorrechtigten Ruf.

Die neuen TETRA-Funkgeräte verfügen zudem über eine weitere Sonderfunktion: Um mit der Leitstelle schnell und unkompliziert kommunizieren zu können, können SDS geschrieben werden. Diese Datenübertragung ist vergleichbar mit SMS, die über das Handynetz geschickt werden. Ebenso einfach können auch Statusmeldungen verschickt werden: Per Tastendruck sind Nachrichten an die Leitstelle zu übermitteln, die dort einen Gesamtüberblick ermöglichen, welcher Nutzer sich gerade im Einsatz, in Bereitschaft oder in einer Pause befindet.

TETRA-Funkgeräte finden

Von TETRA zu unterscheiden ist „Tetrapol". Dieser Standard ist zwar recht ähnlich, unterscheidet sich aber vor allem in dem Punkt, dass es bei Tetrapol nur einen Hersteller für entsprechende Funkgeräte gibt. Bei TETRA hingegen stehen Ihnen verschiedene Funkgeräte, die den Standard unterstützen, von diversen Herstellern zur Verfügung. Neben den bewährten Herstellern wie Motorola, Selkom, EADS oder Rohde & Schwarz gibt es vor allem auch international viele Herstellerfirmen, die für diesen neuartigen Standard Geräte produzieren.

Nutzung der TETRA-Technologie im privaten Bereich

Die TETRA-Technologie wurde speziell für den Betriebsfunk entwickelt. Dies bedeutet aber nicht, dass Sie von Privatpersonen nicht genutzt werden darf. Besonders für den Amateurfunkbereich sind Funkgeräte mit TETRA interessant. Mit ein wenig technischem Know-how lassen sich die Endgeräte so umwandeln und umprogrammieren, dass sie auch im Amateurband betrieben werden können. Über VoIP und SIP können Sie zudem den TETRA-Standard an internetbasierte, digitale Verfahren wie D-Star anbinden. TETRA ist damit auch im privaten Bereich seit einiger Zeit im Einsatz.

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