Basiswissen zum Klassiker Matchbox

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Ratgeber Modellautos: Basiswissen zum Klassiker Matchbox

Das gibt es nicht oft: Ein Markenname wird zum Synonym eines kompletten Produkttyps. Man kennt es vielleicht von „Tempos“ (für Taschentücher) oder „Pampers“ (für Windeln). Für kleine Spielzeugautos hat sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts der Begriff „Matchbox“ eingebürgert. Kinder- und Jugendzimmer kamen dabei kaum ohne eine größere Anzahl von Matchboxautos aus.

Vielleicht kennen Sie das „Matchboxauto“ auch noch aus Ihrer eigenen Kindheit. Oder Sie haben Ihren Kindern früher selbst das eine oder andere Spielzeugauto von Matchbox geschenkt. Zwar wechselte mit der Zeit die Marke das Unternehmen, Matchboxautos werden jedoch auch heute noch hergestellt. Die alten Modelle aus den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren sind dabei mittlerweile zu Sammlerobjekten geworden.

Wenn Sie sich für das Sammeln von Spielzeug interessieren, Autos und Flugzeuge im Speziellen, sind Sie hier richtig. Dieser Ratgeber wird Sie mit einigen Hintergrundinfos zu der Marke „Matchbox“ versorgen. Dabei werden Sie erfahren, wie die Marke entstand, welche Personen mit Ihr verbunden sind und welche Typen und Serien es gab und gibt.

Wann wurde das erste Matchboxauto gebaut?

Die Marke „Matchbox“ ist eigentlich eine Erfindung der britischen Firma Lesney Products & Co. Ltd. Das Unternehmen wurde im Jahr 1947 von Leslie Smith und Rodney Smith gegründet. Spielzeugautos gehörten zunächst nicht zur Produktpalette des Unternehmens. Stattdessen betätigte man sich hauptsächlich als Zulieferer von Zinkgussbauteilen für die Maschinenbauindustrie. Etwa ein Jahr nach der Gründung bekam die kleine Firma einen Untermieter. Jack Odell zog mit seiner eigenen Modellbauwerkstatt in die Räumlichkeiten von Lesney Products ein. Später wurde er zum vollwertigen Partner.

In gewisser Weise wurde ihm dieser Umstand durch die Eigenheiten des britischen Steuerrechts beschert. Dieses sah zu dieser Zeit vor, dass die am 1. Januar bestehenden Lagerbestände einer Firma als Bemessungsgrundlage für die späterhin zu zahlende Unternehmenssteuer herangezogen wurden. Was war die Folge? Die Unternehmen achteten natürlich peinlich genau darauf, an diesem Tag so wenig Lagerbestände wie möglich zu verzeichnen. Das traf wiederum die Zuliefererbetriebe wie Lesney Products. Im letzten Monat des Jahres hatten diese deshalb so gut wie keine Aufträge mehr.

Um das jeweils bevorstehende Weihnachtsgeschäft auszunutzen und die Maschinen auszulasten, verlegte man sich kurzfristig auf die Herstellung von Spielzeug. Das Verfahren zur Herstellung von Spielsachen aus Zinkguss wurde dabei von Jack Odell entwickelt.

Woher der Begriff Matchbox stammt

Am Anfang der Geschichte der Matchboxautos steht dabei ein kleines englisches Mädchen: die Tochter Jack Odells. Dieser wie auch ihren Schulkameraden war es verboten, Spielzeug mit in die Schule zu nehmen, das die Größe einer Streichholzschachtel (Matchbox) überstieg. Deswegen baute er seiner Tochter ein kleines Auto, eine Dampfwalze aus Gusseisen, die man in einer Streichholzschachtel verstecken konnte.

Dies war auch gleichzeitig das Vorbild für die ersten Verpackungen der Spielzeugautos. Bis in die 1980er Jahre hinein, wo begonnen wurde, die Autos in Sichtverpackungen zu vertreiben, nutzte man kleine Pappkartons. Sie waren Streichholzschachteln nachgebildet und gaben der Serie ihren Namen. Den ersten großen Erfolg konnte die Firma am Spielwarenmarkt bei der Thronbesteigung Elisabeth II. 1953 feiern. Dies gelang ihr mit einem Miniaturmodell der Krönungskutsche der Königin, das sich über eine Million Mal verkaufte. Der Gewinn wurde in die weitere Produktion der kleinen Matchboxmodelle gesteckt.

Diese ersten Spielzeugmodelle der „MATCHBOX Series“ waren dabei ausschließlich Nutzfahrzeuge und Baumaschinen. Nach den ersten drei Modellen 1953 erschienen jährlich neue Modelle bis 1959. Dann rebellierten die Händler, die keinen Platz mehr fanden, den mittlerweile auf insgesamt 75 Modelle angewachsenen Fuhrpark ausstellen zu können. Die Serie wurde deswegen bei 75 Modellen belassen, kam ein neues Modell hinzu, fiel ein älteres Modell weg. Dies ist die sogenannte 1-75 Serie. Alle Spielzeugwagen dieser Reihe sind gleich groß und nicht maßstabsgetreu. Sie entsprechen jedoch in etwa dem Maßstab 1:64.

Weitere Modelle und Serien – die Regular Wheels-Periode

1956 begann man damit, eine zweite Serie auf den Markt zu bringen. Die ersten Modelle der „Models of Yesteryear“ wurden herausgebracht. Die Autos waren größer als die Modelle der 1-75 Serie. Mit einem Maßstab von 1:43 richtete man sich besonders an Sammler und weniger an Kinder. Die „Models of Yesteryear“-Reihe wurde bis in die 1990er Jahre hinein noch fortgesetzt. Die Miniaturen stammten dabei allesamt aus der Anfangszeit der Motorisierung. Hier fand man beispielsweise Pferdefuhrwerke oder dampfbetriebene Fahrzeuge, später auch PKWs und Nutzfahrzeuge aus dem frühen 20. Jahrhundert.

1968 erlebte die Firma ihre erste schwere Krise. Hierbei trat einer ihrer schärfsten Konkurrenten auf den Plan. Die Firma Matell löste die Matchboxkrise durch die Einführung Ihrer „Hot Wheels“ Spielzeugfahrzeuge aus. Diese zeichneten sich durch einige Vorteile gegenüber ihren Matchbox-Pendants aus. Wesentlich war hier die fast reibungslos laufende Achse. Hierdurch erreichten die Matell-Autos eine weitaus höhere Geschwindigkeit, die auch Loopings auf den bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr einfachen Rennbahnen ermöglichten. Lesneys Reaktion bestand in der Herstellung von Fahrzeugen, die sich ebenfalls durch besonders reibungslose Achsen auszeichnen. Die von Sammlern als Regular-Wheels bezeichnete Periode war damit vorbei.

Die Superfast-Modelle

Die neuen Fahrzeuge wurden sodann mit dem Namen „Superfast“ vertrieben. Diese sind begehrte Sammlerobjekte. Dies trifft besonders auf die Modelle aus den 1970er Jahren zu. Sie haben in Sammlerkreisen zum Teil beachtliche Preise erzielt. Besonders originalverpackte Matchboxautos, die keine Gebrauchsspuren aufweisen, sind hier gefragt und nicht gerade kostengünstig. Sammler sprechen hierbei auch von „mint boxed“ Autos.

Die Produktion der Matchbox-Superfast-Reihe wurde von 1969 bis zum Anfang der 1980er Jahre in England abgewickelt. Nach und nach verlagerte man jedoch die Spielzeugproduktion nach Macao, China und Thailand. In den 1990er Jahren wurde der Name „Superfast“ jedoch eingestellt. Die Serie existierte jedoch unter verschiedenen Namen weiter, darunter beispielsweise „Hero City“ oder „MBX Metal“.

Matchbox wechselt den Besitzer

1982 ging die Firma, mittlerweile in Lesney Toys umbenannt, pleite. Man sah sich daraufhin gezwungen, die Rechte an der Marke „Matchbox“ zu verkaufen. Der neue Rechteeigentümer war das amerikanische Unternehmen Universal Toys. Einige der Firmenmaschinen konnte Jack Odell jedoch behalten. Unter dem Namen Lledo stellte er weiterhin ähnliche Automodelle her.

Bis auf den Eigentümerwechsel änderte sich jedoch zunächst einmal nicht viel. Die Autos wurden als britisches Produkt angesehen, die Modelle und Serien wurden weiter fortgeführt. Der Markenname wurde in den 1980er Jahren jedoch auch für weitere Spielzeuge benutzt. Zehn Jahre nach dem Bankrott von Lesney Toys musste sich Universal Toys nach einem Käufer umsehen. Dies war das Unternehmen Tyco Toys, das wiederum 1997 von Matell aufgekauft wurde. Jetzt gehörten Matchbox und Hot Wheels – die beiden langjährigen Rivalen – zu ein und derselben Firma.

2004 knüpfte Matell an der alten Serienbezeichnung „Superfast“ an. Zwischen 2004 und 2006 wurden so in jedem Jahr neue Superfast-Modelle als Sammlermodelle vertrieben, das allerdings mit limitierten Stückzahlen. In den USA wurden daher bloß 15.000 Stück produziert. Für alle außerhalb der USA gelegenen Vertriebsländer wurden insgesamt 8.000 Stück hergestellt. In guter alter Tradition umfasste die Serie pro Jahr 75 Modelle (plus einige Sondermodelle).

Rennbahnen und Modellbausätze

Mit der Einführung der Superfast-Modelle brachte Lesney seit 1969 auch dazugehörige Rennbahnen heraus. Bestimmende Farbgebung bei diesen Bahnen waren Gelb (Fahrbahnschienen), Blau (Kurven) und Rot (diverse Zusatzkomponenten). Diese Zusatzkomponenten wurden zunächst auch unter der Bezeichnung SF für „Superfast“ verkauft. Um Missverständnissen vorzubeugen, wurde diese Bezeichnung jedoch 1971 in TA geändert. Die elektrisch betriebene Rennbahn besaß eine Erweiterung, das sogenannte „Scorpions“-System, das es erlaubte, die Autos batteriebetrieben auf der Superfast-Rennbahn fahren zu lassen.

Modellbausätze aus dem Hause Matchbox

Neben Autos stellte Lesney auch diverse Modellbausätze her. So wurden beispielsweise unter dem Namen Matchbox auch Bausätze für Infanterie und Panzer hergestellt, die in den Maßstäben 1:76 und 1:32 vorlagen. Die Figuren wurden dabei aus Weichplastik hergestellt, das eine hohe Detailfülle aufweist. 1973 stellte man auch die ersten Modellbausätze für Flugzeuge vor. Erste Modellflugzeuge im Maßstab 1:72 waren etwa die Hawker Fury, die Boeing P-12E sie Mitsubishi Zero und die Focke Wulf 190A. 1974 ergänzte man die Bausätze mit Flugzeugen im Maßstab 1:76. 1975 kamen Modellbau-Fahrzeuge im Maßstab 1:32 dazu.

Die amerikanische Firma Revell erwarb in den 1990er Jahren die Rechte an den Matchbox-Modellbausätzen und brachte unter diesem Label einige Neuheiten heraus. 1988 hatte Matchbox sein Verpackungsdesign von weiß zu schwarz geändert. Die Bausätze wurden nach der Übernahme von Revell dann einige Zeit in der letzten weißen Verpackung weiterproduziert. Die Fahrzeuge jedoch blieben im alten Design. Revell hatte jedoch eine lange Zeit lang kein Interesse an Bodentruppen-Sparte. Die entsprechenden Modelle wurden jedoch im Zuge des Neueinstieges in die Sparte wieder neu aufgelegt. Nach dem Jahr 2000 viel hier jedoch auch das Matchbox-Design ganz weg. Stattdessen setzte man bei der Verpackung auf Bilder und Illustrationen.

Woran Sie einen Matchboxmodell erkennen können

All diese Entwicklungen machen es schwer, heutzutage noch ein Matchboxmodell zu erkennen. Das einzig verbliebene Merkmal in diesem Bereich ist der Maßstab von 1:76. Für eine längere Zeit waren nur die Fahrzeuge dieser Serie erhältlich. Seit 2001 werden auch die Soldaten im selben Maßstab wieder produziert. Ein weiterer Indikator für einen Matchbox-Bausatz in diesem Bereich sind die der Verpackung hinzugefügten Kleindioramen. Revell lässt die kleinen Plastikmodelle heute nur noch in einer einzigen Farbe gießen.

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