Basiswissen Musikinstrumente: Was die Viola Quinton auszeichnet

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Basiswissen Musikinstrumente: Was die Viola Quinton auszeichnet

Die Familie der Streichinstrumente setzt sich zusammen aus Kontrabass, Violoncello, Viola und Violine. Sie ähneln sich in ihrer Bauweise und in der Spieltechnik. Mit dem Bogen streicht man über die Saiten und versetzt sie damit in Schwingungen. Über den Steg werden diese auf den Instrumentenkörper übertragen. Auf dem Griffbrett wird mit der linken Hand die Tonhöhe verändert, was große Geschicklichkeit und ein geschultes Gehör erfordert. Streichinstrumente sind für das Spiel in kleinen und großen Ensembles besonders geeignet. Dafür steht auch ein reichhaltiges Zubehör an Transporttaschen, Noten oder Notenständern zur Verfügung.

Die vollen, warmen Töne der Viola da Gamba - der Knie- oder Schoßgeige

Von der Spielhaltung hat diese Instrumentengruppe ihren Namen. Es sind historische Instrumente, die im 15. Jahrhundert vermutlich in Spanien entstanden und im 20. Jahrhundert durch zahlreiche, geschichtsträchtige Aufführungen eine Renaissance erlebten. Ein Kennzeichen sind die fünf bis sieben Saiten, die in Quart-Terz gestimmt sind, und ein Griffbrett mit Bünden. Der Bogen wird vom Musizierenden im Untergriff gehalten. In vielen europäischen Ländern wie England, Frankreich, Italien und Deutschland erfreuten sich Gamben großer Beliebtheit, bis sie durch das Aufkommen von Violoncello und Kontrabass in den Hintergrund rückten.

Die Gambe im Unterschied zur Violine

Die Gambe wurde ursprünglich aus drei Instrumenten entwickelt: aus dem Rebab, der Laute und der Viella. Die beiden ersteren kamen aus dem arabischen Raum nach Spanien, die Viella aus Nordfrankreich oder Flandern. Man stellte drei verschiedene Größen her und zwar Diskant, Alt/Tenor und Bass. Die Besaitung, der Klang, die Spielweise, die Stimmung und die Bautechnik sind bezeichnende Unterschiedsmerkmale. Der Boden bestand aus Fichten-, Birken-, Pflaumenbaum- oder Kirschbaumholz, der Hals mit der Schnecke und die Zargen aus verschiedenen Ahornhölzern. Die Decke wurde früher aus massivem Holz gestochen, heute wird sie meist über Dampf gebogen. Ein Unterschied zur Violine ist, dass die Decke nicht über die Zargen hervorsteht. Das Griffbrett und die Saitenhalter werden bis heute aus Ebenholz hergestellt, für die Wirbel verwendet man Harthölzer. Der Steg wurde geleimt oder auch beweglich aufgebaut. So konnte man ihn austauschen, je nachdem ob man eine Solostimme hatte oder Akkorde spielen wollte. Die Stege wurden nach und nach eher durchbrochen gebaut, damit der Klang optimal war. Die Schalllöcher bekamen eine F- oder C-Form und wurden mit aufwändigen Verzierungen geschmückt. Die Saiten waren gewöhnlich mit Darmsaiten bis zu 4mm Dicke bespannt und der Bogen war rund konstruiert und wesentlich länger als moderne Bögen. Sie wurden häufig aus Schlangenholz hergestellt und mit Rosshaar bespannt. Der Frosch wurde bis ins 18. Jahrhundert aufgesteckt. Ein Nachteil dieses Systems ist, dass man die Spannung nur per Fingerdruck regulieren kann. Vorteilhaft sind dagegen die Haltbarkeit und die Stabilität.

Einige typische Merkmale der Diskantviolen, die damals die Lieblinge der Franzosen waren

Die Stimmung der Diskantviola liegt eine Oktave über der Bassviola und sie hat 6 Saiten. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war sie fester Teil der sogenannten Consorts, das waren kleine Ensembles. Ihr Klang war jedoch etwas schwach und so wurde sie immer wieder durch Barockviolinen oder auch durch Altviolen ersetzt. Ihr Spiel war vorwiegend solistischer Art. Später setzte sie sich als Dessus de viole, als Sopranviola, durch, die zwar keinen so brillanten Klang hatte wie die Violine, aber durch ihren modulationsfähigen, sanften Ton gefiel. Es entstand spezielle Literatur für den Dessus als Soloinstrument. Ergänzend dazu kam der Pardessus de viole auf, der noch kleiner war und 5 bis 6 Saiten hatte.

Der Quinton ist die höchste Viola

Der sogenannte Quinton oder auch Pardessus de viole mit 5 Saiten, entstand um 1730. Der französische Name bedeutet: „Die höchste Viola", denn sie ist um eine Quarte über dem Dessus gestimmt. Der Quinton hat in etwa die Größe einer Geige. Die unteren 3 Saiten sind wie bei der Violine gestimmt, deshalb wurden auch Violinsonaten auf der Viola Quinton gespielt. Man entdeckt an den ausgezogenen Ecken und dem gewölbten Boden eine starke Anpassung an die Form der Violine. Oft wird das Instrument auch als Hybrid zwischen der Viola da gamba und der Violine betrachtet. Es wurde vermutlich als Soloinstrument für Damen entwickelt, denn die Frisur blieb dank der Kniehaltung bewahrt. In der Kammermusik hatte man eine Alternative zu Oboe, Violine und der noch relativ neuen Querflöte gewonnen. Alte und moderne Literatur für Flöte und Violine wurden auf dem sehr vielseitigen Instrument gespielt.

Die besondere Spieltechnik der Viola da gamba und warum das Wort eigentlich falsch ist

Die größeren Violen werden zwischen die Oberschenkel geklemmt, also nicht zwischen die Knie. Deshalb müsste das deutsche Wort eigentlich „Beingeige" und nicht „Kniegeige" sein. Das Instrument wird zusätzlich durch die Waden abgestützt. Durch das Vorschieben des linken Fußes erhält der Spieler auf den hohen Saiten mehr Beinfreiheit. Der Hals wird gegen die linke Schulter geneigt, ohne sich anzulehnen. Somit hat die Bogenhand mehr Freiraum.

Mit der linken Hand werden die Töne gegriffen und erst wieder losgelassen, wenn der Finger für den nächsten Ton gebraucht wird. Es wird also in erster Linie mehrstimmig gespielt. Außerdem wirkt es ästhetischer, wenn die Finger mit einer sanften, ruhigen Bewegung aufgesetzt werden. Beim Griffwechsel wandert der linke Daumen. Die Streichertechnik vermeidet bei modernen Instrumenten leere Saiten, zum einen wegen dem farbigeren Klang und zum anderen wegen der Einführung des Vibratos in den 1920er-Jahren, das nur durch Abgreifen angewendet werden kann. Bei der Viola da gamba werden hingegen bevorzugt leere Saiten eingesetzt, selbst an solchen Stellen, die dadurch einen häufigeren Saitenwechsel erfordern. Nur bei Verzierungen wie Trillern oder Vibrato sowie bei Doppelgriffen werden die Töne abgegriffen. Eine Besonderheit bei Dessus, Pardessus und der Oktavlage der Bassgambe ist, dass hier in diatonischen Schritten gegriffen wird. Der kleine Finger befindet sich am siebten Bund und die Griffhand wird von ihm gestützt. Diese Veränderung ist bei den Diskantviolen notwendig, weil die Instrumente kleiner sind, bei der Bassgambe, weil sie die doppelte Größe hat. In beiden Fällen wäre somit eine chromatische Spielweise recht kompliziert.

So wird das Instrument gespielt

Die rechte Hand bedient den Bogen. Es gibt aus der Renaissance über die Bogentechnik kaum Belege. Man vermutet, dass die Strichrichtung untergeordnete Bedeutung hatte. Der Aufstrich war die Bogenbewegung von der Spitze zum Frosch, also gerade umgekehrt wie heute bei den modernen Streichinstrumenten. Kraftvolle Striche, wie nun erwünscht, entsprachen nicht dem Ideal der Zeit damals. Die gesamte Bogenlänge wurde ausgenutzt und so ein voller, langer Ton erzeugt. Dynamische Unterschiede erreichte man einzig durch Druck auf den Bogen, denn das Vibrato war nur Verzierung. Mit Daumen und Zeigefinger wird der Bogen umfasst, letzterer liegt dabei auf der Stange. Zur Spannung des Bezugs befindet sich der Mittelfinger zwischen den Haaren und der Stange, der Ringfinger stützt ihn dabei. Der Aufstrich wird hauptsächlich vom Schultergelenk und einem angewinkelten Handgelenk bewerkstelligt, das Handgelenk vollendet ihn durch Strecken. Der Abstrich beginnt aus der Schulter heraus und das Handgelenk kehrt in die Ausgangsposition zurück.

Ein kleiner Rückblick in die spannende musikalische Laufbahn der Viola da gamba

In einer Zeit, als in Deutschland und England aufgrund mehrerer Kriege das kulturelle Leben niederlag, erreichte die Viola da gamba in Frankreich ihre Blütezeit. Die Diskantviolen und die Bassgambe wurden eingeführt. Ein Vorbild für die Zeit des Absolutismus in Europa waren die Tanz- und Suitensätze. Antoine Forqueray, ein berühmter französicher Komponist des 18. Jahrhunderts, ersetzte in seinen Stücken die Bassgambe durch Diskantviolen und verwendete neuartige Akkordkombinationen. Er bediente sich des gesamten Tonumfangs. Der französische Musikstil beeinflusste schließlich das übrige Europa. Es war zunächst ein Soloinstrument, das Adeligen vorbehalten war. Doch mit der Zeit wurde es zu einem Ersatzinstrument degradiert. Im 19. Jahrhundert war die Viola da gamba praktisch vergessen. Die einzigen Interpreten dieser Zeit waren Franz Xaver Hammer und Joseph Fiala. Man baute viele Instrumente um und spielte sie als Violoncello oder als Viola da braccia. Die „Armgeige" ist heute als Bratsche bekannt. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Viola da gamba durch den englischen Instrumentenbauer Arnold Dolmetsch wiederbelebt. Er führte mit einigen Mitgliedern seiner Familie ein Consort auf und weckte so das öffentliche Interesse. Inzwischen gibt es einige berühmte Gambisten und Ensembles für Consortmusik und sogar der französische Film „Die siebente Saite" von 1991 befasst sich mit dem Gambenspiel.

Verschiedene beispielhafte Musikstücke für die Viola Quinton und einige ihrer Komponisten

Berühmte Komponisten des Barockzeitalters wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel schrieben zahlreiche Orchesterwerke mit der Viola als Soloinstrument. Auch Georg Philipp Telemann lebte während dieser Zeit in Deutschland und komponierte unter anderem das Konzert in G-Dur für Viola in 4 Sätzen. Die Noten sind inklusive CD erhältlich.

Der Niederländer Paul Folkertsma, der von 1901 bis 1972 lebte, schrieb 1935 die Suite in d-Moll, Op. 40 für Quinton, Viola d'amore, Tenor- und Bassgambe sowie Cembalo.

Es gibt irisch-keltische Musikstücke, die durch die warmen Klänge der Viola besonders harmonisch klingen oder auch moderne Songs von Michael Jackson mit Klavier und Viola. Selbst Melodien zu Filmen wie „Fluch der Karibik" oder „Twilight" wurden mit Viola besetzt.

Abschließende Überlegungen zum Kauf eines historischen Instruments wie der Viola Quinton

Sind Sie ein Liebhaber historischer, klassischer Musik, haben Sie sicher ein großes Interesse an authentischen Instrumenten. Wenn Sie noch zögern, möglicherweise auch des Preises wegen, ziehen Sie auch ein gebrauchtes Instrument in Erwägung. Falls Sie einen Fachmann kennen, der Sie berät, bietet sich auch ein defektes Musikinstrument an, allerdings nur, wenn man den Schaden leicht beheben kann. Lassen Sie den stressreichen Alltag mit wohltuenden Tönen der Viola ausklingen und gönnen Sie sich zur Entspannung ruhige, kreative Stunden.

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