Angst vorm Fliegen? Steigen Sie mit dem Flugsimulator ins Cockpit!

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Angst vorm Fliegen? Steigen Sie mit dem Flugsimulator ins Cockpit!

Fliegen – das ist der uralte Menschheitstraum. Fast jeder von uns hat schon einmal geträumt, er könne fliegen. Der Schwerkraft ein Schnippchen schlagen, die Welt von oben sehen – viele tollkühne Flugpioniere ließen dafür sogar ihr Leben. 1903, vor wenig mehr als einem Jahrhundert, gelang den Gebrüdern Wright in Amerika der erste bemannte Motorflug.
Heute ist das Fliegen für jedermann möglich geworden. Doch im Urlaubsflieger ist die Faszination schnell vorbei, wenn Ihr Sitznachbar anfängt zu schnarchen. Wie schön wäre es doch, selbst im Cockpit zu sitzen und Herr über ungeahnte Kräfte zu sein.
Für den ambitionierten Hobbypiloten ist auch das heute möglich – aber lassen Sie es uns zuerst mit einer Simulation versuchen. Ganz und gar nicht verschnarchte Software für spannende Flugabenteuer ist schon für wenig Geld zu haben. Was die Hardware betrifft, gibt es kaum Grenzen. Angefangen von der Flugsimulation am PC, die mit der Tastatur gesteuert wird, bis hin zum komplett ausgestatteten Cockpit ist alles drin.

Flugsimulationen – bitte einsteigen

Der Traum eines jeden Flugsimulationsbegeisterten dürfte wohl der professionelle Simulator der Lufthansa sein, dessen unbarmherzige Herausforderungen alle Verkehrspiloten in regelmäßigen Prüfungen meistern müssen. Das physische Feedback, die Illusion von Beschleunigung und das Rütteln in Turbulenzen – das Aufwendigste an einer perfekten Simulation –, dürfte für den Hobbypiloten wohl ein Traum bleiben. Alles andere jedoch, vom perfekten Sound bis zum Rundumblick über den Wolken, ist möglich. Wie weit Sie dabei gehen, ist eine Frage Ihrer Ambitionen und Ihres Budgets.

Krieg oder Frieden? Kunstflug oder Zivilluftfahrt?

Flugsimulatoren für den heimischen PC entstanden bereits um 1980. Der erste war der Flight Simulator von Sublogic, der ursprünglich für den Apple II entwickelt und 1990 für den PC adaptiert wurde. Man brauchte schon sehr viel Fantasie, um in den frühen Programmen einen echten Flug zu erkennen. Man sah hauptsächlich schematisierte Instrumente, die Außensicht war auf die Horizontlinie beschränkt. Mit zunehmender Rechenleistung von Heim-PCs ging dann eine kontinuierliche Aufrüstung der Grafik einher.
Für den Commodore C64 wurde ein Pilotentrainings-Tool entwickelt, der Light Aircraft Simulator, der sowohl bei Spielern wie auch bei der Ausbildung angehender Piloten weite Verbreitung fand. Luftkämpfe und Militärflugzeuge waren seit jeher ein Thema und eine Herausforderung für die Entwickler. Je mehr Flugzeuge an einem virtuellen Luftkampf teilnehmen, umso höher sind die Anforderungen an die Rechenleistung. Anfangs wurde diese Hürde umgangen, indem fremde Flugzeuge durch Bitmaps, also einfache Bilder, dargestellt wurden.
Mit der Simulation Red Baron von Dynamics wurden erstmals alle Flugzeuge mit Vektorgrafik dargestellt, was exakte Positionierung und korrekte Blickwinkel und Perspektivdarstellung erst möglich machte. Eine weitere Hürde stellte die Simulation realistischen Flugverhaltens dar. In einer Kunstflug-Simulation namens Flight Unlimited wurde erstmals mit einem physikalisch korrekten Modell geflogen, das auch ungewöhnliche Flugsituationen wie Strömungsabriss richtig darstellen konnte.

Simulation realer Schauplätze und Flieger

All diese Features sind seit etwa 2004 selbstverständlich. Auch die Systemvoraussetzungen sind bei den meisten aktuellen PCs gegeben. Es geht heute nicht mehr um Basics, sondern um Add-ons, also um die Implementierung real existierender Flughäfen und Flugzeugtypen. Viele Drittanbieter haben sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht, so zum Beispiel Firmen wie Aerosoft, die ein Sichtflug-Add-on für ganz Deutschland entwickelte, das man zukaufen und in Microsofts Flight Simulator einbinden kann. Moderne Flugzeugtypen wie der A 380 werden atemberaubend detailgetreu von den Software-Firmen Wilco und PMDG geliefert.
Das Team von Flylogic stellt das gesamte Gebiet der Schweiz für den Sichtflug zur Verfügung – und das in einer sehr realistischen Darstellung, die es ohne Weiteres mit echten Luftbildern aufnehmen kann. Durch die Vielzahl der existierenden Add-ons erlangte der FS 2004 und sein Nachfolger FS X eine so weite Verbreitung unter Hobby-Zivil-Piloten, dass die Programme nahezu eine Monopolstellung einnehmen und die Konkurrenz es sehr schwer hat, sich durchzusetzen. Sogar für die Ausbildung amerikanischer Militärpiloten wird Microsofts Simulator verwendet.
Eines der wichtigen Konkurrenz-Programme zum Flight Simulator ist X-Plane von Austin Meyer. Dieses Programm arbeitet mit der physikalisch korrekten Errechnung des Flugzustandes aufgrund von Ausgangsdaten wie Masse, Form und Schub des virtuellen Flugzeuges. Da die Reaktionen auf Steuerbefehle nicht standardisiert sind, können auch Flugzeugtypen geflogen werden, die nie gebaut wurden bzw. die sich noch in der Entwicklung befinden. Das macht deutlich, wie fließend die Grenzen zwischen Spiel und echter Entwickler-Software verlaufen und wie fortgeschritten die Flugsimulation für den heimischen PC mittlerweile ist.
Heute können Sie – mit guten Nerven, einer schnellen Internetverbindung und der entsprechenden Hardware ausgerüstet – unter echten Wetterbedingungen mit einem realen Flugzeugtyp auf dem Flughafen Frankfurt landen. Natürlich auch auf tausenden anderen Flughäfen weltweit. Wenn Sie möchten, wird bei Ihrem Anflug auch der reale Flugverkehr in Echtzeit berücksichtigt. Das Einzige, was noch fehlt, ist der Wind, der Ihnen am Zielflughafen um die Nase weht.

Welche Hardware brauchen Sie?

Die Angaben der Software-Hersteller für die minimalen Systemvoraussetzungen sind meist maßlos untertrieben. Wenn diese Voraussetzungen gerade eben erfüllt sind, können Sie die Software installieren und auch etwas sehen. Von der Illusion eines wirklichen Fluges kann aber dabei nicht die Rede sein. Die Darstellung wird eher an eine Diashow erinnern. Multiplizieren Sie also getrost alle angegebenen Kennzahlen mit dem Faktor 4, um ein befriedigendes Ergebnis zu erreichen.
Ihr PC sollte mindestens eine Taktfrequenz von 2 GHz und einen Arbeitsspeicher von 1 GB vorweisen. Ein wichtiges Kriterium für die Darstellung der hochauflösenden Environments ist selbstverständlich die Grafikkarte inklusive der aktuellen Treiber. Falls Sie einen simulierten Helikopter fliegen möchten, treffen Sie zwar auf die höchsten Anforderungen an Ihr Piloten-Geschick, dafür sind die Anforderungen an die Hardware-Peripherie vergleichsweise bescheiden.
Mit einem Joystick und Pedalen sind Sie gut ausgerüstet. Bei einem Flächenflugzeug ist die Eingabe der Steuerbefehle mit einem Steuerhorn wesentlich realistischer. Zusätzlich empfiehlt sich der Einsatz von Schubhebeln. Diese Geräte können Sie zum Teil vom deutschen Hersteller HSE beziehen. Der Marktführer auf dem Gebiet der Zusatz-Hardware für Flugzeugsimulationen ist die amerikanische Firma CH Products.
Diese Geräte werden über den USB-Port an den Computer angeschlossen und funktionieren reibungslos mit einem USB-Anschluss ab Standard 2.0. Nach oben sind dabei keine Grenzen gesetzt – Schubhebel bietet der Markt in professioneller Ausstattung mit Trimmrad, Landeklappen-Hebel, Schubumkehr sowie Fahrwerksteuerung. Damit ist die gesamte Mittelkonsole abgedeckt. Nun können Sie sich an externe Hardware heranwagen wie Funkgeräte, mit denen der virtuelle Funkverkehr komfortabel übertragen werden kann.

Fast wie im richtigen Cockpit

Der nächste Schritt zum kompletten Cockpit sind Überkopf-Paneele. Diese können komplett gekauft oder modulweise ausgebaut werden. Je weiter Sie sich in diese Richtung bewegen, umso mehr sind allerdings Ihre Bastler-Fähigkeiten gefragt. Die komplette Flugzeugkanzel für den Heim-Piloten gibt es noch nicht fertig zu kaufen. Sie müssen also selbst ans Werk. Dabei kann das Ziel entweder eine typneutrale Ausstattung sein oder aber die möglichst detailgetreue Darstellung der Kanzel eines konkreten Flugzeugtyps.
Das Nonplusultra für eine perfekte Illusion dürfte wohl der virtuelle Rundumblick sein. Die Darstellung der Simulation an mehreren Bildschirmen kann auf verschiedene Weise realisiert werden. Entweder nutzen Sie TripleHead2Go für die Steuerung mehrerer Monitore von einem Rechner aus, oder Sie lassen gar mehrere Computer dafür arbeiten. Das Programm WideView übernimmt dabei die Koordination. Ob Sie Ihre Fantasie beim Ausbau des Cockpits spielen lassen oder am Notebook mit Mindestausstattung abheben – mit der richtigen Hardware können Sie ungetrübte Flugabenteuer erleben. Informieren Sie sich in den einschlägigen Foren und auf eBay über das riesige Angebot.

Welche Software steht zur Auswahl?

Falls Sie erst einmal schnuppern möchten, steht eine Auswahl von Open-Source-Simulationen zur Verfügung, die Sie gratis downloaden können. Auch die Trial-Versionen des Microsoft FS 2004 und FS X geben einen Eindruck davon, was möglich ist. Wenn Sie dann allerdings Blut geleckt haben und der Hobby-Pilot in Ihnen nach mehr verlangt, dann sollten Sie die Ausgabe für eine komplette Simulations-Software nicht scheuen. Dabei können Ihre Vorlieben auf einem bestimmten Flugzeugtyp liegen, auf der Simulation konkreter Luftschlachten, oder Sie haben den Ehrgeiz, einen Helikopter zu fliegen.
Die Simulation des Ka-50-Kampfhubschraubers wurde sogar in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Kamow entwickelt. So können Sie sicher sein, dass Sie sich so dicht an der Realität bewegen, wie dies mit einer Simulation überhaupt nur möglich ist. Das Spielfeld, das wohl am besten mit Software-Add-ons ausgestattet ist, dürfte die zivile Luftfahrt der Gegenwart sein. Abhängig von Ihrem Geldbeutel und Ihrer Entdeckerfreude können Sie mit allen gängigen Flugzeugtypen im deutschsprachigen Raum oder auch international fliegen.
Die Entwicklung der Infrastruktur für Multi-Player-Simulationen ist dabei ein Nebenprodukt der Ausbildung von Militärpiloten. Mehrere nichtkommerzielle Netzwerke haben sich der Verbindung von Flugsimulation mit virtuellen Fluglotsen verschrieben und stellen die Server-Infrastruktur dafür bereit. Wenn Ihre Technik den Multiplayer-Modus unterstützt, dann kann es also durchaus passieren, dass Sie gemeinsam mit anderen virtuellen Fliegern von einem virtuellen Fluglotsen in eine virtuelle Warteschleife über dem virtuellen Heathrow Airport eingewiesen werden. Die Illusion ist perfekt!

Destination: Wolke sieben

Flugsimulatoren werden fast ausschließlich von Männern genutzt. Einige davon sind sicherlich verheiratet. Falls Sie zu diesen gehören und noch eine Weile verheiratet bleiben möchten, dann empfiehlt es sich, im Hardware-Bereich etwas mehr auszugeben. Richten Sie einen Sitz für Ihre Kopilotin ein. Fliegen Sie gemeinsam mit Ihrer Liebsten in den virtuellen Sonnenuntergang!

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