Airbrush oder Pinsel? Zwei Techniken für den Modellbau im Vergleich

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Airbrush oder Pinsel? Zwei Techniken für die Modellbau-Farbgebung im Vergleich

Mit dem Zusammenfügen, Kleben, Schleifen und Spachteln ist es im Modellbau noch nicht getan. Damit ein Modell seine volle Authentizität erhält, muss es zuletzt mit der richtigen Farbe bedeckt und lackiert werden. Dem Modellbauer stehen dabei im Wesentlichen zwei Verfahren zur Verfügung, das Einfärben per Pinsel und das Färben mit einem Airbrush-System.

In den folgenden Abschnitten soll vordergründig die Frage behandelt werden, worin sich beide Methoden entscheiden. Dabei wird erörtert, für welche Anwendungsbereiche welche Methode besser geeignet ist. Den Einstieg macht eine Erläuterung der wichtigsten funktionalen Aspekte von Airbrush-Systemen.

Diese Besonderheiten gibt es beim Airbrush-Verfahren

Beim Airbrush handelt es sich um eine spezielle Färbe- und Maltechnik. Man verwendet dabei eine kleine Spritzpistole. Von der Größe her ähnelt sie einem Kugelschreiber. Airbrush findet in verschiedenen Domänen Anwendung. Man nutzt die Methode nicht nur im Modellbau. Auch bei Bodypainting, Make-up und Nageldesign ist sie verbreitet. Aufgrund des speziellen Farbverteilungsmechanismus kann man mit dem Airbrush-System sehr feine Farbverläufe darstellen. Er zählt aus diesem Grund zu einer der wichtigsten Voraussetzungen fotorealistischer Malerei.

So funktioniert eine Airbrush-Pistole

Die beim Airbrush zur Anwendung kommende Pistole ist technisch gesehen ein Zweistoffzerstäuber. Zur Verbreitung und Aussendung der Farbe dient Druckluft. Dieselbe Art Treibmittel kommt auch bei einer Strahlpumpe zum Einsatz. Mit einer Airbrush-Pistole kann man Acrylfarben-, Textil-, Ölfarben auf viele verschiedene Arten von Untergründen auftragen. Die Feinheit der aufgetragenen Farbpigmente hängt dabei von der Größe der Düse ab. Für ein möglichst hochwertiges optisches Ergebnis empfiehlt man einen Druck von 1,5 -2 bar. Die Auswahl des Drucks hängt vom Verdünnungsgrad der Farbe ab. Ist sie sehr stark verdünnt, arbeitet man mit weniger Druck. Hat sie eine zähflüssige Konsistenz, arbeitet man mit Druckeinstellungen von etwa zwei bar. Hohe Werte von 3 bis 4 bar nutzt man bei Textilfasern. Dies ist notwendig, da die Fasern Farbe aufsaugen.

Unter Umständen kann es notwendig sein, dass man einen zweiten Farbauftrag anbringt. Dies kann dann notwendig sein, wenn der Erstauftrag nicht deckend genug ist. Achten Sie bei der Einfärbung Ihrer Modelle darauf, dass ein zu nahes Aufsprühen dazu führt, dass die Farbe verläuft und tropft. Halten Sie sie immer etwas entfernt.

Diese unterschiedlichen Ausführungen von Airbrush-Pistolen gibt es

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick darüber, mit welchen Funktionen verschiedene Arten von Airbrush-Funktionen ausgestattet sind und worin sie sich grundlegend unterscheiden.

Single Action

Die erste Variante bezeichnet man als Single-Action. Die Drucklufteinstellungen werden bei Modellen dieses Typs über einen Hebel variiert. Die Farbmenge bestimmt ein anderer Regler. Die Luft und die Farbe treffen nach dem Austreten aus dem Lauf der Pistole zusammen. Dabei werden sie gemischt.

Double Action

Bei diesem Gerät werden Luft- und Farbeingang getrennt voneinander geregelt. Drückt man den Hebel herunter, wird die Menge der Luft angepasst. Zieht man den Hebel dabei, wird die Farbmenge reguliert. Eine Sonderform ist die Kontrollierte Double Action. Hierbei muss lediglich der Hebel zurückgezogen werden. Geräte dieses Typs sind zwar leichter kontrollierbar, arbeiten aber weniger genau.

Die Fließbecherpistole

Über der Spritzdüse befindet sich ein Farbtank. Die zu verspritzende Farbe fließt herunter in die Düse. Das Herunterfließen wird durch die Druckluft unterstützt, die eine Sogwirkung ausübt.

Die Saugbecherpistole

Anders als bei der Fließbecherpistole findet sich der Farbtank hier nicht über, sondern unter der Düse. Er ragt in ein Steigrohr hinein. Die zerstäubte Luft, die an der Düse vorbeiströmt, erzeugt einen Unterdruck. Da der Umgebungsdruck außerhalb größer ist, wird die Farbe herausgesaugt.

Welche Farben verwendet man beim Modellbau mit Airbrush?

In erster Linie nutzt man ungiftige Stoffe, die sich aus Acryl und Wasser zusammensetzen. Das Besondere bei der Herstellung der Farben ist die genaue Einhaltung einer Pigmentgröße. Wenn die Pigmentierung besonders fein ist, muss auch die Düse dementsprechend sein. Der Vorteil dieser kleinen Düsen besteht darin, dass wesentlich genauere Zeichnungen hergestellt werden können. Mit normalen Lacken und Farben kann das Airbrush-System in der Regel nicht verwendet werden. Die Größe der Farbpigmente ist im Normalfall zu groß.

Was ist bei der Verwendung eines Airbrush-Systems zu beachten?

Nach dem Trocknen der Farbe ist zu beachten, dass sie zwar wasserfest, aber nicht kratzfest ist. Stellen Sie Ihr Modell deshalb an einer Stelle auf, an der es vor entsprechenden mechanischen Beanspruchungen geschützt ist. Um eine nachträgliche Kratzfestigkeit herzustellen, ist die Verwendung eines Schutzlacks notwendig.

Im Modellbau mit Kartonage sind Farben auf der Grundlage von Eiweißlasur verbreitet. Sie sind zwar nicht pigmentiert, lassen sich aber dennoch sehr fein auftragen. Ein Problem ist der Umstand, dass sie nach dem Trocknungsvorgang nicht wasserfest sind. Auf anderen als saugenden Untergründen kann sie nicht angewendet werden. Beachten Sie weiterhin, ob die Farben Lösungsmittel enthalten. Es entstehen dabei giftige Dämpfe, die nicht eingeatmet werden dürfen. Es empfiehlt sich die Anwendung im Freien. Wollen Sie das Airbrush-System für den Modellbau anwenden, achten Sie auf seine Nutzbarkeit mit Kunststoffen. Die meisten im normalen Handel vertriebenen Modelle basieren auf dem Material Polystyrol. Wichtige Hersteller sind:

Was ist für den Modellbau besser geeignet: Airbrush oder Pinsel?

Grundlegend stehen dem Modellbauer beide Möglichkeiten zur Verfügung. Da sie aber über sehr verschiedene Eigenschaften verfügen, ist unter manchen Umständen eine Methode besser als die andere. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, welche Aspekte Sie bei der Entscheidung für oder wider eine Variante berücksichtigen sollten.

Eine erste Frage bei der Entscheidung ist der Preis. Airbrush ist grundsätzlich teurer als die Variante mit dem Pinsel. Es gibt keine billigen Ausführungen für den sporadischen Gebrauch. Wer ein Airbrush-System erwerben will, tätigt damit in jedem Fall eine kostenintensive Investition. Bis zu 200 Euro kann eine Komplettausrüstung ohne Weiteres kosten. Höhere Preise sind keine Seltenheit. Die Pinselmethode ist diesbezüglich vorteilhafter. Sie benötigen lediglich einen Satz Pinsel mit verschiedenen Stärken und die entsprechenden Farben. Wenn es Ihnen besonders auf den Preis ankommt, wählen Sie diese Methode. Pinsel haben darüber hinaus den Vorteil, dass Sie mit geringerem Aufwand und weniger Übung gut genutzt werden können. Airbrush-Systeme erfordern einen gewissen Einarbeitungsaufwand.

Ein weiteres Kriterium: die Qualität des Farbauftrags

Bedenken Sie hierbei vor einem genauen Vergleich, dass die Optik des Ergebnisses zu einem erheblichen Teil von Können und Erfahrung des Malers abhängt. Wer nicht die nötige Fingerfertigkeit aufweist, wird auch mit dem besten Airbrush-Set keine guten Ergebnisse erzielen. Umgekehrt ist ein geübter Modellbauer ohne Weiteres in der Lage, eine Qualität zu erzeugen, die höchst authentisch wirkt. Grundlegend ist festzuhalten, dass die Qualität des Airbrush bei gleichem Können immer höher sein wird als die des Pinselns.

Wie groß ist die Fläche die besprüht werden soll?

Darüber hinaus muss bedacht werden, wie groß die Fläche sein soll, die Sie besprühen wollen. Bei großflächigem Auftrag empfiehlt sich in jedem Fall das Airbrush-System. Neben dem Geschwindigkeitsvorteil hat es einen weiteren positiven Aspekt. Der Auftrag erfolgt erheblich gleichmäßiger. Bei der Färbung mit dem Pinsel entstehen häufig wechselnde Bereiche mit helleren und dunkleren Kontrasten. Die Deckkraft ist nicht an allen Stellen gleich. Damit Sie von den Vorteilen eines Airbrush-Systems profitieren können, sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, ein billiges Gerät zu wählen. Wichtig ist ein guter Kompressor. Er ist dafür verantwortlich, dass die Farbe gleichmäßig deckend auf der Oberfläche des Modells aufgetragen wird. Es empfehlen sich Modelle mit guter Handhabung. Hierzu zählt eine leichte Austauschbarkeit der Farbköpfe.

Welche zusätzlichen Elemente sind zur Verwendung eines Airbrush-Systems notwendig?

Bedenken Sie bei der Entscheidung zwischen einem Airbrush-System und einem Pinsel, dass Sie beim Airbrush noch zahlreiche weitere Zubehörteile benötigen. Zur Reinigung ist ein Verdünner notwendig. Sie müssen ihn nach jedem Arbeitsvorgang verwenden, damit die Düse nicht verstopft. Ein zusätzlicher Behälter zur Druckreinigung ist ebenfalls notwendig. Damit wird verhindert, dass Farbe bei der Reinigung im Raum umherspritzt. Um die hintersten Winkel der Pistole zu reinigen, eignen sich Ohrenstäbchen und Haushaltsrollen.

Weitere Dinge, die Sie benötigen, sind ein Ständer, Farbbehälter zum Anschrauben, Maskierfolie zum Abkleben von Flächen und stabile Luftschläuche. Düsen zum Wechseln und Nadeln für sehr feine Arbeiten sollten ebenfalls vorhanden sein. Arbeiten Sie im Inneren Ihres Zuhauses, empfiehlt sich eine Art Abdeckkarton, den Sie um sich und das Modell stellen können. Damit wird verhindert, dass Farbe auf die Tapete gesprüht wird.

Mit welchen Mitteln können Sie Ihre Modelle zusätzlich aufwerten?

Eine beliebte Methode, um sein Modell wirklichkeitsgetreuer zu machen, ist die künstliche Alterung. Dabei erweckt man mit verschiedenen Herangehensweisen den Eindruck von Verschleiß, Materialunebenheiten und Rost. Ehe Sie die folgenden Möglichkeiten ausprobieren, beachten Sie, dass sie eine gewisse Übung erfordern. Ehe Sie am Modell arbeiten, sollten Sie sie an einem Übungsobjekt ausprobieren.

Zur Anpassung von Abnutzungserscheinungen und Variation der Farbintensität wendet man ein Verfahren namens Pre-/Postshading an. Mit der Betonung von Hell-/Dunkelkontrasten betont man dabei Vertiefungen auf der Oberfläche des Materials.

Eine weitere Möglichkeit, sein Modell künstlich altern zu lassen, ist das Trockenmalen. Bei dieser Methode hebt man Erhebungen in der Oberfläche besonders hervor. Man erweckt damit den Eindruck von Ausbeulungen. Beim Trockenmalen taucht man den Pinsel leicht in die Farbe und streicht anschließend einen Großteil der Farbe wieder ab. Mit den leicht getränkten Pinselborsten streicht man anschließend über die Erhebung.

Bei der dritten Alterungsmöglichkeit verwendet man Salz. Dadurch entsteht die Illusion einer aufgeplatzten Lackschicht auf dem Modell. Mit Haarspray befestigt man hierbei Salzkristalle auf der Grundierung der Oberfläche. Wenn alles eingetrocknet ist, entfernt man das Salz. Die Lackschicht darunter kommt zum Vorschein.

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