Was Sie beim Bezug Ihrer Sitzbank beachten sollten

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Was Sie beim Bezug Ihrer Sitzbank beachten sollten

Die Sitzbank nimmt erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten am Motorrad. Sie trägt zu einer ergonomischen Haltung bei und legt die Sitzposition des Fahrers fest. Je nach Höhe und Länge dieser Bank nimmt der Fahrer einen bestimmten Kniewinkel ein. Diese Haltung wirkt sich gleichzeitig auf die Neigung des Rückens und die Krümmung der Arme ein. Außerdem entscheidet die Höhe der Sitzbank, wie gut der Fahrer mit den Füßen zum Boden reicht. Besonders weniger große Motorradfahrer haben hier die Wahl, ihre Sitzbank abzupolstern. Die Breite der Sitzbank und ihre Härte bestimmen damit das komfortable Fahren. Je härter die Polsterung ausfällt, desto schneller schmerzt das Gesäß nach längeren Touren. Abhilfe schaffen spezielle Gelkissen, mit denen Sie die Sitzbank weicher gestalten. Regelmäßige Motorradfahrten beanspruchen die Sitzbank am meisten. Die Motorradhose oder Kombi reibt auf dem Material und lässt es mit der Zeit spröde aussehen. Sobald Risse oder sichtbare Defekte am Material der Sitzbank auftreten, ist sie zu erneuern oder auszutauschen. In diesem Ratgeber erhalten Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Neubezug der Sitzbank. Außerdem erfahren Sie, wie eine Sitzbank abgepolstert oder aufgerüstet werden kann.

Allgemeines zur Sitzbank und zu ihrem Bezug

Die Form und Breite der Sitzbank richtet sich grundsätzlich nach Motorrad und Hersteller. Damit sind sie modellspezifische Komponenten und passen auf keine andere Maschine. Bei neueren Motorrädern lassen sich die Sitzbänke sogar in der Höhe verstellen. Dazu gehört beispielsweise die Honda Pan-European oder Triumph Tiger. Die Einstellung nehmen Sie an der Unterseite zwischen der Aufnahme und dem Träger vor. Die Höhe variiert somit zwischen zwei und vier Zentimeter.

Die Sitzbank erzählt die Geschichte des Motorrads

Beim Kauf von gebrauchten Motorrädern ist die Sitzbank ein interessanter Indikator. Anhand des Abriebs lässt sich erkennen, wie oft die Maschine im Einsatz war. Andernfalls wurde die Sitzbank möglicherweise erneuert. Hat der Bezug sichtbare Löcher, untersuchen Sie die Maschine weiter hinsichtlich Feuchtigkeit. Im schlimmsten Fall steht das Wasser in der Sitzbank oder darunter. Nach vielen Jahren kann die Sitzbank auch durchgesessen sein. Damit verändert sich der Komfort während der Fahrt und führt mögliche Schmerzen herbei. Achten Sie bei einem Motorrad auch darauf, ob sich die Sitzbank einrasten lässt oder ob sie nur sehr schwer zu lösen geht. In diesem Fall ist der Heckrahmen verzogen. Betrachten Sie das Motorrad von hinten und untersuchen Sie den Rahmen hinsichtlich der Spaltmaße. Es könnte sich um ein Unfallmotorrad handeln.

Individuelle Sitzbezüge

Sind auf der Sitzbank nur Gebrauchsspuren zu erkennen und keine ernsthaften Schäden, sind diese mit einem neuen Bezug zu beheben. Der Vorteil hierbei: Sie können einen personifizierten oder speziell bedruckten Bezug wählen und ihrer Maschine einen individuellen Look verleihen. Die meisten Modelle bestehen aus Kunstleder und lassen sich mit Logos, farblich abgesetzten Nähten oder hochwertigen Stickereien verzieren. Dabei spielt die Qualität eine wichtige Rolle. Nur ein hochwertiger Sitzbezug hält mehreren Jahren und vielen Touren stand. Besonders langlebig sind Bezüge aus echtem Leder. Hier bestimmt die Art des Leders, ob rau oder glatt, die jeweilige Optik der Maschine.

Daran erkennen Sie, dass Ihrer Sitzbank erneuert werden muss

Ein schmerzender Hintern ist oft das erste Anzeichen für eine durchgesessene und defekte Sitzbank. Während Sie vor einigen Jahren problemlos längere Touren meisterten, treten die Beschwerden in Rücken und Po schon nach kürzerer Zeit auf. Infolge dessen sieht man den meisten Sitzbänken deutliche Gebrauchsspuren an. Das Material leidet unter den vielen Ausfahrten, wird brüchig oder weist sogar Löcher auf. Im schlimmsten Fall dringt Nässe in die Sitzbank ein und weicht das Material gänzlich auf. Eine Erneuerung ist der nächste Schritt. Im Handel finden Sie zahlreiches Zubehör, wie beispielsweise Sitzkerne zum Austauschen und neue Bezüge. Der Standard-Sitzkern eines Motorrads besteht aus Verbundschaumstoff. Sehr empfindliche Motorradfahrer können sich bei diesem Wechsel gleich ein Gelkissen einbauen. Wichtig ist dabei die richtige Positionierung des Kissens.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Sitzbank selbst erneuern und beziehen

Die Erneuerung der Sitzbank dauert mit den richtigen Werkzeugen und Materialien etwas mehr als eine Stunde. Entscheiden Sie sich für einen Universalbezug und einen Universalsitzkern, sind beide Komponenten auf ihre Sitzbank zuzuschneiden. Dafür rechnen Sie einige Zentimeter als Sicherheitszugabe mit ein. Wer kein scharfes Messer zur Hand hat, kann sich auch auf ein elektrisches Küchenmesser verlassen. Allerdings erfordert das Zuschneiden etwas Geduld, Geschicklichkeit und natürlich Zeit. Deutlich schneller geht die Arbeit mit einem bereits zugeschnittenen Bezug voran.

Nach folgender Anleitung erneuern und beziehen Sie ihre Sitzbank selbst:

1. Entfernen Sie den alten Bezug. Er ist mit Klammern an der Unterseite befestigt. Eine spitze Zange oder ein Schraubendreher ist beim Aushebeln der alten Klammern behilflich. Ziehen Sie danach den Sitzkern aus Schaumstoff ab. Die meisten Kerne sind nicht mit dem Rahmen darunter verbunden. Handelt es sich um einen aufgeklebten Sitzkern, lassen sich die Reste leicht mit einer Drahtbürste entfernen.

2. Legen Sie nun den Sitzkern zum Nachrüsten auf und richten Sie ihn gemeinsam mit dem neuen Bezug aus. Hier kann ein spezielles Gelkissen zum Einsatz kommen. Es verhindert ein schmerzendes Gesäß und passt sich optimal den Konturen an. Danach schlagen Sie den Bezug gleichmäßig über den Kern. Farbige Nähte oder individuelle Motive helfen hier beim Ausrichten.

3. Fixieren Sie den gerade ausgerichteten Bezug zunächst mit nur wenigen Klammern an der Front. Dafür genügt ein handelsüblicher Tacker. Wichtig ist die Stärke der Klemmen, die zwischen sechs bis acht Millimeter liegen sollte. Probieren Sie am besten beide Klammer-Sorten aus. Ein Sitzbank-Bezug hat unterschiedlich dicke Stellen. Vor allem derbes Leder lässt sich nur mit dickeren und stabileren Klammern befestigen. Allerdings könnten die dickeren Klammern durch die Sitzbankschale schießen und den Bezug von außen wieder beschädigen.

4. Ist der Bezug an der Front befestigt, folgt eine großflächige Erwärmung des Materials mit einem Fön. Ziehen Sie es dann kräftig nach hinten und fixieren Sie den Bezug erneut mit wenigen Klammern. Die liegende Sitzkante ist der tiefste und nächste Befestigungspunkt. Nach erneutem Erwärmen ziehen Sie den Bezug über diese Stelle. Auf der rechten und linken Seite sollte er gleichmäßig überstehen. Das sorgt für die nötige Symmetrie.

Wichtig: In kaltem Zustand reicht der Bezug nicht an allen Stellen soweit über die Sitzfläche, dass er richtig befestigt werden könnte. Durch das Erwärmen dehnt sich das Material aus und zieht sich beim Erkalten wieder zusammen. So bekommt der Bezug die nötige Spannung und drückt den Sitzkern automatisch fest an die Unterlage. Er muss somit nicht extra verklebt werden. Ebenso verhindern Sie unschöne Falten. Doch Vorsicht – erwärmen Sie das Material niemals nur punktuell. Mit dem Fön arbeiten Sie immer großflächig, da sonst an einer Stelle zu viel Hitze entstehen könnte.

5. Sobald der erwärmte Bezug über die kritischen und engen Stellen gezogen ist, tackern Sie ihn sofort fest. Gehen Sie dabei nicht im Kreis um die Sitzbank herum. Befestigen Sie das Material erst großzügig und dann mit immer kleineren Abständen. So haben Sie später ein gleichmäßiges Ergebnis.

6. Das überschüssige Material lässt sich an den Seiten problemlos mit einer Schere oder einem geschärften Messer abschneiden. Prüfen Sie dabei gleich alle Bereiche der Sitzbank auf ihre Passgenauigkeit. Dann kann die nächste längere und vor allem bequeme Tour starten.

Kauftipp: Die Gelkissen gibt es auch mit einfachem Gummizug. Sie lassen sich schnell über die Sitzbank spannen, ohne dass diese neu bezogen werden muss.

Sitzbank abpolstern?

Kleine Fahrer sind auf eine niedrige Sitzbank angewiesen. Nur so reichen Sie mit den Füßen bis zum Boden und erhalten den gewünschten Sitzkomfort. Für diesen Fall lässt sich die Sitzbank abpolstern. Dies kann im Rahmen eines neuen Beziehens erfolgen. Hintergrund dieser Arbeit ist, den Schaumstoff am Fahrersitz auf eine geringere Sitzhöhe zu bringen. Dabei geht jedoch ein entscheidender Sitzkomfort verloren und die Federeigenschaften des Polsters lassen deutlich nach. Harte Fahrbahnstöße wirken unangenehm und werden nicht mehr von der Sitzbank absorbiert. Unterschiedlich harte Schaumstofflagen können dieses Problem verhindern. Vor dem kompletten Tieferlegen der Sitzbank sei in diesem Fall gewarnt. Durch die spezielle Wölbung der Sitzbank finden viele elektrische Bauteile und Steckverbindungen unter ihr Platz. Versetzen Sie die Verschraubungen und legen die Sitzbank tiefer, kann es zu Schäden und Quetschungen an diesen Bauteilen kommen. Manche Bauteile werden durch das Gewicht des Fahrers irreparabel zerstört. Eine abgepolsterte Sitzbank mag auf den ersten Metern noch bequem wirken, doch nicht jeder Fahrer hält noch eine längere Strecke auf ihr aus. Auf Dauer fühlt man sich unbeweglich und scheint in einer Kuhle zu sitzen.

Neben der Sitzhöhe ist die Sitzbreite für kleinere Fahrer enorm wichtig. Achten Sie beim Kauf eines Motorrades darauf, dass die Sitzbank im vorderen Bereich möglichst schmal ausfällt. Zusätzlich müssen Rahmen und die Breite der Fußrasten deutlich schlanker sein. So verringert sich die Sitzhöhe automatisch, da der Fahrer die Oberschenkel nicht zu weit spreizen muss. Bei einem zu großen Schrittbogen steht der Fahrer nur noch auf den Zehenspitzen. Ist der Bogen angepasst, bekommen die Beine einen sicheren Stand. Dies ist beim Rangieren der Maschine und beim nächsten Stop an der Ampel sehr wichtig. Laien sollten sich nicht selbst an das Abpolstern heranwagen. Ein Fachmann besitzt die dafür nötigen Werkzeuge und kann die Sitzbank direkt an die persönliche Haltung anpassen. Der Preis richtet sich auch danach, ob Sie danach einen neuen Sitzbankbezug benötigen oder der alte wieder verwendet werden kann.