Der Kauf von Bremsscheiben - Tipps und Tricks

3 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Der Kauf von Bremsscheiben - Tipps und Tricks

Die Bremsscheibe stellt den Teil einer Scheibenbremse dar, die am Rad befestigst ist. Auf die Scheibe wirken die Bremsbeläge, durch die entstehende Reibung wird die Drehbewegung des Reifens und damit die Geschwindigkeit des Fahrzeugs verringert. Die Bremsscheibe ist kreisrund, punktsymmetrisch zum Mittelpunkt und besteht aus der Bremsfläche am äußeren Rand und der Achsbefestigung in der Mitte. Hergestellt werden Bremsscheiben meist aus Grauguss oder aus verschiedenen Stahllegierungen. Bremsscheiben gehören zu den Verschleißteilen am Fahrzeug, die Bremsfläche wird durch den Bremsvorgang nach und nach abgeschliffen. Ist die Verschleißgrenze der Bremsscheibe erreicht, muss sie ausgetauscht werden. Denn nur mit ordnungsgemäß funktionierenden Bremsen ist die Verkehrssicherheit eines Fahrzeugs gewährleistet.

Wenn die Verschleißgrenze erreicht ist – Die Lebensdauer einer Bremsscheibe

Jeder Hersteller legt individuell eine Verschleißgrenze für die Bremsscheibe fest. Diese Grenze bezeichnet die Mindestdicke der Scheibe, mit der ein sicheres und zufriedenstellendes Bremsen noch möglich ist. Im Laufe des Betriebs wird die Bremsscheibendicke durch die Reibung der Bremsklötze mehr und mehr verringert, das Material wird abgeschliffen. Einige Hersteller bemessen die Verschleißgrenze so, dass mit ihrem Erreichen noch ein Satz Bremsbeläge verbaut und abgefahren werden kann. Ob dies möglich ist, entscheidet der Fachbetrieb beim Einbau der Bremsen. Spätestens nach dem Abfahren der Beläge sollten Bremsscheibe und Bremsbeläge sowie die Bremsbacken zusammen erneuert werden. Wann die Verschleißgrenze erreicht ist, richtet sich unter anderem nach dem Brems- und Fahrverhalten des Fahrers. Als ungefähre Faustregel lässt sich festlegen, dass mit einer Bremsscheibe zwei Sätze Bremsbeläge abgefahren werden können. Dies ist darin begründet, dass das Material der Bremsscheibe härter als das der Bremsbeläge ist.

Optimierte Bremsscheiben für Mittelklasse-Pkws – Innenbelüftung und radiale Kühlöffnungen

Um die Bremsleistung zu verbessern, sind heute optimierte Bremssysteme auf dem Markt. Die Bremswirkung der Bremsscheiben kann durch verschiedene Maßnahmen und Konstruktionen erhöht werden.

Bremsscheiben mit Innenbelüftung für die schnelle Ableitung der Reibungshitze

Moderne Mittelklasse Pkws verfügen heute zum größten Teil über optimierte Bremsscheiben mit Innenbelüftung. Zwischen zwei Scheiben sind radiale Kühlöffnungen angebracht, die dafür sorgen, dass die Wärme, die beim Bremsen entsteht, besser abgeleitet wird. Zwar bringen diese Bremsscheiben eine größere Baubreite und ein höheres Gewicht mit sich, die Vorteile wiegen diese Aspekte jedoch auf.

Löcher, Rillen, Schlitze – Verbesserung von Kühlung und schnellere Wasserableitung

Ebenfalls zur Optimierung dient eine axiale Lochung der Bremsscheiben oder die Einarbeitung von Schlitzen und Rillen. Diese Maßnahmen verbessern ebenfalls die Kühlung und sorgen für eine gute Bremswirkung auch bei Regen. Durch die Rillen wird das Wasser schneller verdrängt. So wird verhindert, dass sich auf der Bremsscheibe eine Feuchtigkeitsschicht bildet. Als nachteilig ist hier der etwas höhere Verschleiß der Bremsbeläge zu bewerten. Dieser entsteht dadurch, dass die Beläge in die Aussparungen gepresst und an deren Kante abgetragen werden. Sind die Kanten abgerundet, wird dieser Effekt minimiert. Bei hochwertigen Bremsscheiben werden die Aussparungen und Lochungen nicht nachträglich gebohrt, sondern bereits im Guss integriert. Dadurch wird die Gefahr von Spannungsrissen in der Scheibe reduziert.

Schneller bremsen mit wärmebehandelten Bremsscheiben - für Hochleistungs- und Sportfahrzeuge

Wärmebehandelte Bremsscheiben weisen ebenfalls eine bessere Bremswirkung auf. Nach dem Abdrehen wird die Bremsscheibe unter kontrollierten Bedingungen noch einmal erwärmt und wieder abgekühlt. Vorteil dieser Behandlung: Das Materialgefüge wird homogener und kann dadurch Wärme schneller und ohne sich zu verziehen ableiten. Möchten Sie diese Art der Bremsscheiben verwenden, dann müssen Sie mit höheren Kosten rechnen. Serienmäßig werden die thermisch behandelten Bauteile nur in Sportwagen und Fahrzeugen mit hoher Leistung eingebaut. Zu finden sind die Hochleistungsbremsscheiben im Motorsport-Zubehör.

Zweiteilige Bremsscheiben – geringere Wärmeableitung und Einsparung an Gewicht

Schließlich wird für die Optimierung noch eine weitere Methode eingesetzt. Bei zweiteiligen Bremsscheiben besteht der Trägertopf aus dem leichten Aluminium. Die Wärmeleitfähigkeit dieses Metalls ist viermal höher als die von Stahl. Die Wärmeableitung an Nabe und Felge wird verringert.

Bremsscheiben fürs Auto kaufen - Originalersatzteile oder Aftermarket

Bei der Anfrage nach Originalersatzteilen beim Autohaus oder in der Vertragswerkstatt werden oft hohe Preise für Material wie Einbau genannt. Hochwertige Bremsscheiben haben ihren Preis, sind aber andererseits auch unerlässlicher Garant für den sicheren Betrieb eines Fahrzeuges. Deshalb stellt sich vor dem Kauf von neuen Bremsscheiben für viele Autofahrer die Frage, ob die Bremsscheibe als Originalbauteil vom Fahrzeughersteller oder in der günstigeren Variante als Ersatzteil eingekauft wird. Auf jeden Fall sollten Sie die Preise vorab vergleichen, denn nicht immer ist das Aftermarket-Ersatzteil günstiger als das Originalteil. Verwirrung beim Kauf im Internet stiften unklare Bezeichnungen in Zusammenhang mit den Bauteilen wie „Herstellerqualität“ oder „originalidentisch“. Schon der Händler selbst sollte seriös wirken und vertrauen erwecken. Für diese Einschätzung hilfreich sind positive Bewertungen im Netz, aber auch ein guter Beratungsservice, zum Beispiel in Verbindung mit einer gut erreichbaren und kostenfreien Hotline.

Entscheiden Sie sich für ein günstigeres Aftermarket-Produkt, müssen Sie dennoch immer auf eine Zulassung der Bremsscheiben achten. Ist diese nicht vorhanden, dann gefährden Sie die eigene Sicherheit und die der Mitfahrer und genießen im Falle eines Unfalls keinen Versicherungsschutz. Auf Nummer sicher gehen sie mit Bremsscheiben mit dem Prüfsymbol „E1“ in einem Kreis. Das große „E“ besagt, dass der Hersteller zum ECE-Rechtskreis gehört, die „1“ steht für Deutschland. Bremsscheiben mit anderen E-Nummern wie E12 (Österreich), E20 (Polen) oder E43 (Japan) sind in deutschen Fahrzeugen nicht zugelassen. Laut TÜV sind weiterhin Bremsscheiben in Deutschland mit der Markierung kleines „e“ in einem Rechteck zugelassen. Dieser Buchstabe besagt, dass das Bauteil von einem EG-Mitgliedstaat geprüft und anerkannt ist.

Neue Bremsscheiben kaufen – darauf sollten Sie auf jeden Fall achten

Generell sollten neu gekaufte Bremsscheiben vor dem Einbau auf Herz und Nieren geprüft werden. Folgende Punkte sollten Sie besonders gründlich kontrollieren:

  •  Suchen Sie nach einer Markierung auf der Bremsscheibe, die Auskunft über den Hersteller und die Mindeststärke (MIN TH) gibt. Einige Hersteller ergänzen diese Angaben mit Artikel- und KBA-Nummer. Mit dieser Nummer wird ein Fahrzeugtyp beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert. Stimmen KBA-Nummer auf der Bremsscheibe und im Fahrzeugschein überein, dann können Sie sicher sein, dass Sie die richtige Scheibe in Ihrem Fahrzeug verbauen.
  • Bremsscheiben ohne Markierung sollten keinesfalls eingebaut werden, da im Falle eines Unfalls keine Herstellerhaftung besteht.
  • Bei der optischen Prüfung der Bremsscheibe vor dem Einbau darf die Oberfläche keine Risse aufweisen. Das gilt für die Bremsfläche ebenso wie für die Übergangsbereiche. Schon kleinste Risse können beim Bremsen durch die hohe Wärmeentwicklung – es können Temperaturen bis 650 Grad entstehen - zum Bruch der Bremsscheibe führen.
  • Blasen auf der Bremsfläche sind ebenfalls nicht zu tolerieren. Auch diese Materialfehler können zum Bruch führen und machen das Bremsen ruckelig und wenig komfortabel. Als unbedenklich können dagegen einzelne oberflächliche Rostflecke gewertet werden.
  • Insgesamt darf die Oberfläche der Bremsscheibe nicht zu rau sein. Dies erhöht den Verschleiß der Bremsbeläge und erschwert den Einlauf der Bremse.
  • Gründlich prüfen sollten Sie auch die Zentrierbohrung. Ist diese nicht fehlerfrei ausgeführt, wird der Einbau erschwert und es kann zu Vibrationen kommen.
  • Vibrationen und im schlimmsten Fall Schäden am Radlager oder der Radnabe verursachen unrund laufende Bremsscheiben.
  • Liegt eine Bremsscheibe auf einer ebenen Fläche nicht vollständig auf, dann kommt es ebenfalls zu Vibrationen im Betrieb. Durch interne Materialspannungen verzieht sich die Bremsscheibe. Dies lässt sich leider erst im Betrieb feststellen und ist im Auslieferungszustand noch nicht zu bemerken.

Sind die Bremsscheiben aus minderwertigem Material gefertigt, dann kann es schon bei den ersten Kilometern zu Rissen und Materialbruch kommen.

Immer gemeinsam wechseln - Neue Bremsscheiben bedeuten neue Bremsbeläge

Nicht immer unterschreiten Bremsscheiben und Bremsbeläge gleichzeitig ihren Mindestquerschnitt. Vor allem dann, wenn die Bremsscheibe relativ kurz nach dem Wechseln der Bremsbeläge ausgetauscht werden muss, liegt es scheinbar nahe, die Beläge noch weiterzuverwenden. Von dieser Vorgehensweise ist jedoch in den allermeisten Fällen abzuraten. Neue Bremsscheiben sollten generell mit neuen Bremsklötzen eingefahren werden. Grund dafür ist, dass bereits abgenutzte Beläge sich an die alte Bremsscheibe angepasst haben und somit keine ebene Oberfläche mehr aufweisen. Die neue Scheibe wird deshalb bereits ungleichmäßig abgenutzt. Dies erschwert zum einen das Einfahren der Bremsscheibe und verringert zum anderen ihre Lebensdauer.

Verschlissene Bremsscheiben – an diesen Warnzeichen sind sie zu erkennen

Oft bemerkt man kaum, dass das Bremssystem verschlissen ist, da dieser Prozess schleichend vor sich geht und man seine Fahrweise an das sich fast unmerklich verschlechternde Bremsverhalten anpasst. Aufmerksamkeit ist geboten, wenn folgende Effekte beim Fahren und Bremsen auftreten. Sie weisen darauf hin, dass eventuell die Bremsscheiben erneuert werden müssen:

  • Schleifende Geräusche am Rad bei geringen Geschwindigkeiten
  • Lautes Quietschen beim Bremsen
  • Die Warnleuchte des ABS-Systems leuchtet auf

Auch optisch können Sie abgefahrene Bremsscheiben erkennen. Blickt man von außen hinter die Räder, ist die Scheibenoberfläche gut zu erkennen. An den Vorderrädern haben Sie besonders gute Sicht auf die Bremsscheiben, wenn die Räder eingeschlagen sind. Bemerken Sie dort Rillen und Furchen auf der Oberfläche, weist das auf abgefahrene Bremsbeläge hin. Dadurch ist auch die Bremsscheibe in Mitleidenschaft gezogen und sollte zügig samt den Belägen ausgetauscht werden. Keine Sorgen brauchen Sie sich dagegen machen, wenn auf der Oberfläche Feuchtigkeit oder Flugrost zu sehen ist. Diese Verunreinigungen werden mit den nächsten Bremsungen verschwinden. Sollten Sie an den Hinterrädern keine Bremsscheiben entdecken können, ist Ihr Fahrzeug wahrscheinlich mit Trommelbremsen ausgestattet. Diese sind für Kleinwagen nach wie vor gebräuchlich, eine Kontrolle des Verschleißes ist nur in der Werkstatt möglich, allerdings auch erst nach langer Nutzungsdauer nötig.

Tritt eines dieser Symptome bei Ihrem Fahrzeug auf oder bemerken Sie, dass sich das Bremsverhalten zunehmend verschlechtert, dann sollten so schnell wie möglich die Bremsscheiben und Bremsbeläge überprüft werden. Haben die Scheiben ihre Verschleißgrenze erreicht, ist ein Austausch nötig, um die Fahrsicherheit weiterhin zu gewährleisten. Im Zuge des Wechsels sollte die gesamte Bremsanlage kontrolliert werden, dazu gehört auch der Füllstand der Bremsflüssigkeit sowie Bremsschläuche und –leitungen.

Weitere Ratgeber erkunden