Darauf müssen Sie beim Einsatz von Betriebsfunk achten

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Darauf müssen Sie beim Einsatz von Betriebsfunk achten

Der industrielle Betriebsfunk

Der Betriebsfunk ist bedeutungsgleich mit dem industriellen Betriebsfunk. Bezeichnet werden damit alle Funkanwendungen zwischen ortsfesten und mobilen Landfunkstellen oder zwischen verschiedenen mobilen Landfunkstellen. In Deutschland ist dafür auch die Bezeichnung „nÖmL”, für nicht öffentlich mobiler Landfunk, gebräuchlich.

Verwendet wird der Betriebsfunk unter anderem von Handwerksbetrieben, Handelsgemeinschaften oder Gewerbetreibenden. Aber auch Anstalten des öffentlichen Rechts, Sportvereine oder andere Dienstleistungsunternehmen wie beispielsweise Speditionen verwenden den Betriebsfunk.

Voraussetzungen zur Nutzung des Betriebsfunks

Es gibt zwei Möglichkeiten, um eine Nutzungslizenz zu erhalten. Funker können für sich und ihr Unternehmen eine Lizenz beantragen. Diese ist fest an eine Person oder ein Unternehmen gekoppelt und kann nicht übertragen werden. In diesem Fall muss der Nutzer selbst eine Feststation errichten, die eine ausreichende Reichweite der Funkwellen garantiert.

Die Alternative dazu besteht erst seit 2009. Beantragt werden kann demnach auch eine Genehmigung zur Verbundnutzung. So kann ein Dienstbetreiber eine Relaisstation an einem guten Standort errichten und die Mitbenutzung an verschiedene weitere Nutzer vermieten.

Analoge Betriebsfunktechnik und ihre Regeln

Für die gewerbliche Nutzung der Betriebsfunktechnik gelten spezielle Regeln. Alle Nutzer sind verpflichtet, sich an diese zu halten. Für die analoge Betriebsfunktechnik gilt, dass es ausschließlich um die Übertragung von Sprachdaten geht. Allerdings ist es dabei verboten, zwischen Feststationen zu kommunizieren, da dies einer Hinterziehung von Telefongebühren gleicht. Ein Unternehmen kann also seine Telefongespräche nicht mithilfe des Betriebsfunks ersetzen. Auch die Errichtung weiterer Relaisstationen zur Reichweitenverbesserung ist streng untersagt.

Eine Charakteristik des Betriebsfunks ist, dass die geführte Kommunikation von allen Nutzern abhörbar ist. Alle Nutzer erklären sich damit einverstanden, dass die Abhörermöglichung zu gewährleisten ist. Es ist demnach streng untersagt die Sprache zu verfremden, etwa mit einem Stimmenverzerrer oder Ähnlichem.

Die neuen Möglichkeiten und Regeln des digitalen Betriebsfunks

Seit 2009 ist neben dem analogen Betriebsfunk auch der digitale zugelassen worden. Alle Regeln, die bislang für den analogen Betriebsfunk galten, sind bei dieser Art nicht mehr verbindlich. Dies bedeutet auch, dass mit Einführung des digitalen Betriebsfunks viele Einschränkungen entfallen.

Der digitale Betriebsfunk ermöglicht die Nutzung der Sprechfunkkanäle für den Daten- und Festfunk. Besonders interessant ist, dass Sprachverbindungen mit einem individuellen Schlüssel gegen ein Abhören gesichert werden können. Dies ist besonders für mitbewerbende Unternehmen wie etwa Taxibetriebe interessant.

Der neue Funkstandard ist entweder der DMR- (Digitale Mobile Radio-) oder aber der dPMR-Standard. Beide Standards werden von unterschiedlichen Lieferanten bedient.

Erteilung eines Kanals für den Betriebsfunk

Das Funknetz eines Betriebsfunks ist aus einer ortsfesten Funkanlage und mehreren mobilen Funkstellen aufgebaut. Dies können sowohl Fahrzeugfunkanlagen als auch Handfunkgeräte sein. Die Bundesnetzagentur genehmigt pro Betriebsfunknetz einen Versorgungsbereich mit einem Radius zwischen 10 und 19 Kilometern. Pro Kanal sind maximal 100 Funkgeräte zugelassen. Der Kanal, also die Frequenz, wird dem Unternehmen von der Bundesnetzagentur zugeteilt. In der Genehmigung werden neben der zugeteilten Betriebsfrequenz auch die Antennenhöhe, die Art der Antenne und die abgestrahlte Sendeleistung verbindlich festgelegt. Zusätzlich wird eine verpflichtende Vorgabe hinsichtlich des Standorts der ortsfesten Funkanlage getroffen.

Die Zuteilung der Frequenzen erfolgt nach dem sogenannten Rautenplan, der für ganz Deutschland gilt. Die gesamte Landkarte Deutschlands wird mit diesem in Kleinrauten gegliedert, die wiederum insgesamt neun Großrauten bilden. Jede dieser Großrauten entspricht einem Frequenzgebiet, auf das alle zur Verfügung stehenden Frequenzen aufgeteilt werden. Sich wiederholende Frequenzen besitzen dank dieser Aufteilung eine größtmögliche geografische Entfernung, sodass eine Überlagerung einzelner Frequenzen nahezu ausgeschlossen ist.

Da im Betriebsfunk nur eine begrenzte Anzahl an Funkfrequenzen zur Verfügung steht, erfolgt oft die Vergabe von Frequenzen, die mit anderen Genehmigungsinhabern gemeinschaftlich genutzt werden müssen. Eingehalten wird dabei die Maximalzahl von 100 Funkgeräten je Kanal und Kleinraute nach dem Rautenplan. Dennoch kann dieses Vergabeverfahren dazu führen, dass fremde Gespräche an den eigenen Geräten eingehen. Um dies zu verhindern, gibt es eine Reihe von Methoden, wie beispielsweise das 5-Ton-Folge-Verfahren. Mithilfe solcher Methoden können Fremde ausgesperrt werden, sodass nur die eigenen Geräte abgehört werden können.

Ausnahme: geografisch festgelegtes Funkgebiet für nicht ortsgebundene Funkanlagen

Bei einem Funkgerät, das keine Feststation besitzt, muss eine Wanderfrequenz beantragt werden. Diese wird dann für ein geografisches Gebiet genehmigt wie zum Beispiel für die gesamte Stadt Frankfurt am Main oder die Region Bayerischer Wald.

Diese Möglichkeit wird hauptsächlich von Bauarbeiten mit Wanderbaustellen genutzt. Teilweise ist der Funk in diesen Frequenzen aber schwierig, da sie aufgrund ihrer zahlenmäßigen Beschränktheit überlaufen sind.

Auch wenn Sie ein Handfunkgerät besitzen, das in den meisten Fällen keine Feststation besitzt, kann eine Frequenz aus dem geografischen Bereich verliehen werden. Diese muss ebenfalls bei der Bundesnetzagentur beantragt werden.

Kosten und Gebühren für den Betriebsfunk

Prinzipiell sind alle Gebühren genau festgelegt, sodass es zu keinen versteckten Kosten bei der Nutzung des Betriebsfunks kommen kann. Selbstverständlich ist der Funkspruch selbst kostenfrei. Dennoch verlangt die Bundesnetzagentur eine Anmeldegebühr. Zusätzlich fallen Anmeldegebühren für jedes zu registrierende Funkgerät an. Diese sind abhängig von der Anzahl der genehmigten Geräte. 

Jene Gebühren sind keine Fixkosten, sondern werden jährlich neu errechnet. Dies ergibt sich aus der Vorgabe des Gesetzgebers, die besagt, dass nur die tatsächlich entstehenden Kosten der Frequenzzuteilung und Überwachung auf die Funkteilnehmer umzulegen sind.

Besonderheit: mobiler Funk

Funkgeräte können auch weiterhin im KFZ betrieben werden. Das Handyverbot gilt ausschließlich für Mobiltelefone und schließt die Nutzung von Funkgeräten nicht ein.

Die zentralen Punkte des Betriebsfunks

Der Betriebsfunk ist nicht für Privatanwender ausgelegt – es handelt sich um das Funken zu gewerblichen Zwecken. Bei der Anschaffung und Einrichtung der Funkgeräte berät die Bundesnetzagentur, bei der auch die Frequenz und die Zulassung zum Sendeverfahren beantragt werden muss. Es muss von den Nutzern keine Prüfung abgelegt werden, um den Betriebsfunk zu nutzen. Die Bundesnetzagentur verfügt über diverse Außenstellen, die als direkte Ansprechpartner für Sie vor Ort fungieren. Es empfiehlt sich in jedem Fall, vor dem Kauf von Funk und Zubehör ein Beratungsgespräch stattfinden zu lassen.

Üblicherweise ist der Frequenzbereich des Betriebsfunks 2-m-Band oder 70. Die Frequenzen liegen bei 146-174 MHz bzw. 450-470 MHz im 70-cm-Bereich. Welche Frequenz und Bandbreite genutzt werden darf, legt die Bundesnetzagentur fest. Es gilt kein Wahlrecht. Vergeben wird sie in Abhängigkeit von der Art des betriebenen Gewerbes und auch vom individuellen Standort.

Die typische Sendeleistung, die genehmigt wird, beträgt 6 Watt. Für Handfunkgeräte gilt meistens eine genehmigte Sendeleistung von 1 Watt.

Die typische Reichweite des Betriebsfunks liegt bei etwa 10 km. Sie ist natürlich abhängig von geografischen Gegebenheiten und auch von Störfaktoren wie Bergen, Häusern oder Telegrafenmasten. Für den Funk zwischen mobilen Geräten sollten Sie mit einer geringeren Reichweite rechnen, da diese noch stärker von Störfaktoren beeinträchtigt werden können als der Funk mit einem Festgerät. Einige Betriebsfunker erreichen jedoch höhere Reichweiten. Falls Sie ebenfalls zu jenen zählen, die eine größere Reichweite benötigen, lohnt es sich, beim jeweiligen Ansprechpartner bei der Bundesnetzagentur noch einmal nachzufragen. Sofern es für das Gewerbe sinnvoll begründbar ist, sind auch Reichweiten von bis zu 20 km möglich – wenn es die Gegebenheiten des Geländes zulassen.

Beim Betriebsfunk ist keine sichere Leitung verfügbar. Jeder Nutzer sollte sich im Klaren darüber sein, dass grundsätzlich alle Gespräche von anderen Menschen mitgehört werden können. Dies ist vor allem darin begründet, dass sich mehrere Nutzer eine Frequenz teilen. Außerdem gibt es sogenannte Spezialempfänger, die ein Abhören der Betriebsfunkfrequenzen auf sehr einfache Weise ermöglichen.

Bei der Anschaffung der Funkgeräte sollte darauf geachtet werden, dass diese die gleichen Frequenzen nutzen. Auch die Selektivrufcodes müssen übereinstimmen, damit die Geräte untereinander kompatibel sind.

Für den Betriebsfunk geeignete Antennen

Je nach Art des Betriebsfunkgerätes werden unterschiedliche Antennen nötig. Generell gilt, dass alle Mobilgeräte und Heimstationen eine externe Antenne benötigen. Für Handfunkgeräte gibt es Antennen zum Aufstecken, die bei Nutzung des Gerätes jedes Mal neu befestigt werden können. Bei Teleskop-Antennen sollte in jedem Fall von der vollen Länge Gebrauch gemacht werden, um einen bestmöglichen Funkverkehr zu gewährleisten.

Bei der Montage der externen Antenne für die Heimstation sollte darauf geachtet werden, dass diese so frei und so hoch wie nur möglich installiert wird.

Wenn Sie ihr Funkgerät im KFZ nutzen möchten, empfiehlt es sich, die Antenne am Dach oder aber am Kotflügel unterzubringen. Spezielle Antennenmodelle gestalten die jeweilige Befestigung recht simpel.

Betriebsfunk versus Handy

Der Betriebsfunk muss angemeldet werden, die Einrichtung ist etwas aufwendig und die Leitung ist nicht abhörsicher. Für viele Unternehmen stellt sich damit die Frage, wo der Vorteil des Betriebsfunks liegt – speziell im direkten Vergleich zum Handy.

Der wichtigste Aspekt des Betriebsfunks ist, dass mehrere Teilnehmer gleichzeitig angesprochen werden können. Demgegenüber ist eine Telefonkonferenz mit mehreren Personen aufwendiger und schwieriger zu starten. Interessant ist der Betriebsfunk vor allem für die Gewerbetreibenden, die ein deutlich höheres Gesprächsaufkommen im Nahbereich haben. Dies können unter anderem Fahrradkurierdienste oder andere Transportunternehmen sein. Im Vergleich zum Mobilfunk lassen sich dann deutlich Kosten reduzieren.

Zu beachten ist allerdings, dass es sich beim Betriebsfunk nicht um ein Kommunikationsmittel handelt, das mit dem Telefon bzw. dem Handy gleichzusetzen ist. Der Sender spricht, der Empfänger hört zu. Es ist nicht möglich, den Sender beim Sprechen zu unterbrechen oder direkt – noch während des gesprochenen Satzes – zu antworten. Beim Funk handelt es sich um ein Wechselsprechen.

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