Der MTS-50 geht doch nicht kaputt – wozu braucht man da Ersatzteile?

Der Rat für Wirtschaftliche Zusammenarbeit in den ehemaligen Ostblock-Staaten wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Vordergründig ging es darum, den sozialistischen Ländern nach dem Krieg durch gegenseitige Unterstützung den Wiederaufbau zu erleichtern. Tatsächlich war es jedoch ein Vehikel, auf dem die Vorstellungen der Sowjetunion bezüglich einer Planwirtschaft auf internationaler Ebene in die Länder des Warschauer Paktes hineingetragen wurden.

Indirekt sicherte sich die Sowjetunion auf diese Weise Absatzmärkte im Ausland und konnte Konkurrenz zu den eigenen Produkten unterbinden. Prominentestes Beispiel ist die Diesellokomotive der Deutschen Reichsbahn, Baureihe V 180, aus den Werken der Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg. Diese in Leichtbauweise gefertigte vielseitige Lokomotive mit modernen Dieselmotoren musste auf Druck der Sowjetunion eingestellt werden, um keine Konkurrenz für die schweren Dieselloks der Lokomotivfabrik Woroschilowgrad – heute Luhansk, Ukraine – auf Basis der Baureihe M 62 darzustellen.

Diese Politik brachte mit sich, dass verschiedene Produkte auf einzelne Produktionsbetriebe konzentriert wurden, was zu Unternehmen mit enormen Ausstoß-Zahlen führte. Ein eigentlich unspektakulärer Ackerschlepper namens МТЗ-50 aus Minsk im heutigen Weißrussland wurde so mit über einer Million gebauter Exemplare ein Dauerbrenner, und die Minsker Traktorenwerke Minski Traktorny Sawod zu einem der größten Traktorenhersteller der Welt.

Was zeichnet den MT3-50 aus?

Der hierzulande als Belarus MTZ-50 oder auch MTS-50 bekannte Schlepper ist mit seinem 4,7-Liter-Diesel kräftig motorisiert. Wie viele Produkte aus dem Ostblock wurde auch der MTZ-50 mit großen Toleranzen gefertigt. Damit ist er zwar kein Vorbild an Ressourcenschonung – die Longpipe spuckt beim Gasgeben starke, schwarze Rußwolken aus –, gilt aber als beinahe unzerstörbar. Wer mit einem unsynchronisierten Getriebe und einer Lenkung ohne Servounterstützung klarkommt, wird mit dem MTZ-50 keine Probleme haben.

Gab es auch eine Allradvariante des MTZ-50?

Schon zwei Jahre nach dem Produktionsstart des MTZ-50 ging eine Allradvariante in Serie. Mit seinem hubraumstarken Dieselmotor war der Traktor zu großer Zugleistung fähig. Ein Allradantrieb lag also nahe. Ein Kuriosum, gleichwohl typisch für Produkte aus Osteuropa, war die Kraftverteilung auf die vier Räder. Der technische Aufwand, Kraft auch auf die Vorderachse zu bringen, ist beträchtlich – aus irgendeinem Grund hat der Hersteller allerdings darauf verzichtet, die Antriebsachsen mit Differentialsperren auszustatten. So verliert auch das Allradmodell auf verschieden beschaffenen Böden oder in Schräglage seine Zugkraft.

Wo bekomme ich Ersatzteile für den MTZ-50 her?

Da dieser Traktor über 24 Jahre hergestellt, dabei aber nur wenig verändert wurde, ist die Versorgung mit Ersatzteilen ausgezeichnet. Obwohl die Traktoren als allgemein robust gelten, sind Verschleißteile auch hier immer wieder auszutauschen. Selbst online ist ein reichhaltiges Sortiment an MTS-50-Teilen erhältlich.