versicherter Versand - ein großer Irrtum?

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RECHT:  Transportversicherung - Haftungsbeschränkung - Versicherungsvertrag - Transportvertrag - Schadenersatz durch Transportdienstleister - Schadensleistung durch den Versicherer

Die Aussage vieler Versanddienstleister (Post, Hermes u.a.)

"Wir haften bis 500,00 Euro pro Versandstück/Paket"  oder "Haftung bis 500,00 €"

beinhaltet keine Versicherung des Versandstückes !! 

Es ist eine Haftungsbeschränkung !!

Gemessen an den Haftungsvorgaben des BGB also faktisch eine Schlechterstellung des Absenders im Schadenfall

...  und Viele glauben aus Unkenntnis irrtümlich, daß ihre Sendung bis  zu dem genannten Betrag versichert sei !!

##  Aber wer kennt sich schon aus mit dem Unterschied zwischen einer Haftungsbeschränkung und einer Versicherung!?  Anscheinend nicht viele Mitbürger! Sonst würde es hierbei nicht immer wieder zu Missverständnissen kommen. Viele halten  nämlich, so eine Haftungsbeschränkung für eine Versicherung und das ist schlichtweg falsch!


So stellt es sich nach meiner Ansicht dar:

Täglich gehen zigtausende von Versendern für den Versand ihrer Waren mit  Versanddienstleistern, also Paketdiensten wie DHL, Hermes, DPD und Anderen, aber auch mit Spediteueren, Frachtführer und sonstigen natürlichen oder juristischen Person, einen Vertrag zum Transport ein. Besonders seit der Handel über Internet-Auktions-Plattformen immer beliebter und verbreiteter geworden ist. Wie das Risiko beim Versand (Verlust, Untergang, Verschlechterung usw.) zwischen Verkäufer und Käufer gesetzlich geregelt ist, kann u.a. auch unter meinem Beitrag " Gefahrenübergang bei Internetkauf " nachgelesen werden.

Die vom Transporteur für den Transport zu erbringenden Leistungen sind in aller Regel durch die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Transporteurs geregelt, auf die sich der Auftraggeber/Versender/Absender  mit der Beauftragung zum Versand einläßt. Und die haben es in sich. Wie schlecht der Auftraggeber des Versandes in seinen Rechten durch die AGB gestellt wird, das zeigt sich dann meist erst im Schadensfall.
Aber auch dies AGB der Versanddienstleister sind nicht einheitlich, wie es vielfach geglaubt wird. Jeder Versanddienstleister hat seine eigenen und macht sie zur Grundlage seines Transportvertrages. Dabei fällt auf, daß viele mit Haftungsbeschränkungen versehen sind. Eine Haftungsbeschränhung von z.B. 500€ ist aber keine Versicherung, wie es vielfach geglaubt wird, sondern der Versand-Dienstleister begrenzt seine gesetzliche Haftung (Verpflichtung zur Leistung von Schadenersatz), die ihn im Schadenfall unbegrenzt, in voller Höhe treffen könnte, auf einen geringen Betrag von z.B 500€. Aber bis zu diesem Betrag haftet er, d.h. er kann für einen Schaden den er zu vertreten hat, bis zu dieser Höhe in Anspruch genommen werden.

Aber so eine Haftungsbeschränkung ist keine Versicherung! Sondern es ist eine durch die Allgemeinen Geschäftsbedinhgungen (AGB) bedingte, vertragliche Einschräkung der vom Gesetzgeber vorgegebenen Haftungs- Regelungen.
Damit wird im Schadenfall der vom Transport-Dienstleister zu leistenden Schadenersatz ganz erheblich eingeschränkt!


Eine Versicherung hingegen ist ein eigenständiger Dienstleistungsvertrag (Versicherungsvertrag) mit einem Versicherer (Versicherungsgesellschaft) in dem wiederum durch Geschäftsbedingungen, die hier Versicherungsbedingungen heissen, die gegenseitigen Verpflichtungen geregelt sind. Und die sind wiederum von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich und können außerdem durch Zusatzbedingungen erweitert oder eingeschränkt sein.

Eine Versicherung ist ein eigenständiger, und in der Regel ein zusätzlicher  Versicherungsvertrag mit einem Versicherer (Versicherungsunternehmen) zu einer vertraglichen Leistung im Schadenfall, also keine Schadenersatzleistung sondern eine zusätzliche Vertragsleistung aufgrund eines Versicherungsvertrages.

(Und eine derartige Zusatzleistung ist in der Regel in keinem Grundtarif eingerechnet, sondern kostet immer EXTRA !)


Was bedeutet dieser Unterschied?

Bei der Haftungsbeschränkung haftet der Transporteur zwar für Schäden am transportierten Gut im gesetzlichen Umfang, soweit er den Schaden zu vertreten hat, aber eben nicht unbegrenzt, sondern eingeschränkt durch die Haftungsbegrenzung, bis zu einem geringeren Betrag, z.B. bis 500€. Bei der Versicherung erbringt ein Transport-Versicherer im Schadensfall im Rahmen seiner Versicherungsbedingungen eine vertragliche Leistung (Versicherungsleistung) für das versicherte,  transportierte Gut.

Es sind also zwei Paar verschiedene Schuhe, die vielfach miteinander verwechselt werden.

Leider kennen auch viele Mitarbeiter von Versanddienstleistern und ihre angeschlossenen Shops den Unterschied nicht und geben falsche Auskünfte, wie "bei uns sind Ihre Sendungen bis 500,00€ versichert", und verwechseln dabei die Haftungseinschränkung mit einer Versicherung. Die Aussage "bei uns sind Ihre Sendungen nicht versichert" ist zwar sachlich richtig, verschweigt aber die Tatsache der gesetzlichen Haftung, wonach im berechtigten Schadenfall zumindest bis zur Höhe der Haftungsbeschränkung im gesetzlichen Umfang Schadenersatz vom Versandunternehmen geleistet werden muß!

Der Unterschied:

Haftungsbeschränkung:
Im Schadenfall muß der Versand-/Transportdienstleiter Schadenersatz im gesetzlichen Umfang leisten. Der Leistungsumfang wird aber durch seine AGB stark eingeschränkt!

Versicherung:
Im Schadenfall erbringt ein Versicherer (Versicherungsunternehmen) eine ( vom gesetzlichen Schadenersatzanspruch unabhängige) vertragliche Leistung, für die der Absender in der Regel auch eine Extrazahlung für die Versicherungsprämie erbracht hat. In der Praxiss kann es sogar vorkommen, dass der Versicherer vertragsmäßig in seinen AVB (Allgemeine Versicherungsbedingungen) vorgesehen hat, dass der Transporteur mit 'Schadenersatz' in Vorleistung zu gehen hat, und das bedeutet dann, dass eine vom Transporteur zu erbringende 'Schadenersatzleistung'  bei der Schadenabwicklung des Versicherers an dessen 'Versicherungsleistung' gekürzt wird!

Da ist die Frage angebracht, ob sich bei Gütern von geringem Wert eine Versicherung überhaupt lohnt, vor allem, wenn man den Aufwand und die "Scherereien" bedenkt, und was damit im Schadenfall möglicherweise verbunden ist (Papierkrieg ohne Ende, Wertnachweis, Eigentumsnachweis etc. etc.). Denn bei einer Haftungsbeschränkung, z.B von 500€, besteht doch sowieso, von Sonderfällen abgesehen, der Anspruch auf Schadenersatz gegen den Transporteur, wenn eben auch halt nur eingeschränkt auf die Haftungsbeschränkungen, also z.B. auf  500 €  beschränkt.

Eine zusätzliche Versicherung muß da wohl nicht immer unbedingt sein, vor allem, wenn man auch hier nicht weiß welche Leistung im Schadenfall erbracht wird. Wer eine Versicherung abschließt, weil er glaubt dass ein Schaden über eine extra Versicherung leichter abzuwickeln sein wird oder mehr bringt, als eine Schadenersatzforderung über den Transporteur oder dessen Versicherung, wird dann wohl spätestens im Schadenall eines Besseren belehrt werden.

Und warum soll ein nicht gewerblicher Käufer noch extra für eine Versicherung bezahlen, wenn der gewerbliche Verkäufer ohnehin aufgrund des Gefahrenübergangs das ganze Risiko des Transports bis zur Übergabe der Ware an den privaten Käufer zu tragen hat? Anders als bei Verkäufen von privat an privat, wo der Verkäufer das Risiko nur bis zur Übergabe an den  Transporteur trägt. Hierzu siehe auch den verlinkten Beitrag " Gefahrenübergang bei Internetkauf".

Meine Meinung dazu:
Die Zusatzausgabe für eine Versicherung sollte vom Verbraucher gut überlegt sein. Bei einem Kauf von einem gewerblichen Händler, der  nach dem Gesetz sowieso  das Risiko bis zur Übergabe der Ware an den privaten Käufer trägt, und der die prämiengünstige Möglichkeit zu speziellen Sammel- oder Pauschal-Versicherungsverträgen mit einem Versicherer hat, sehe ich dafür keine Notwendigkeit.

Und das alles sollte eben auch betrachtet werden vor dem Hintergund des Aufwandes und möglicher  "Scherereien", die damit im Schadenfall damit verbunden sein können wie:  Beschaffung von Belegen (Wertnachweis, Eigentumsnachweis etc. etc.) die man vielleicht gar nicht mehr hat und ein Papierkrieg ohne Ende.

Hinzu kommt noch, dass die Versicherungsvertrags-Bedingungen auch vorsehen können, dass eine Schadenersatzleistung aus gesetzlichem Haftungsanspruch einer von der Versicherung zu erbringenden Versicherungsleistung voranzugehen hat. Dann müsste der Betroffene sich ohnehin erst mit dem Transporteur auseinandersetzen, bevor die Versicherung den überschiessenden Teil übernehmen würde. (Also müsste man erst einmal das Geld bis zur Haftungsbeschränkung (z.B. bis 500€ vom Transporteur forden, bis die Versicherung dann den darüber hinausgehenden Teil übernehmen würde (ähnlich einer Selbstbeteiligung bei einer Autoversicherung)).

Bei Sachen von geringem Wert sollte man sich also fragen, welchen Aufwand man im Schadenfall bereit ist zu betreiben, im Verhältnis zum Wert der Sache und ob man hier besser die Mehrkosten spart und einen unversicherten Versand als Eigenrisiko trägt. Denn 10 mal einen Zuschlag von beispielsweise 3,50€ gespart heißt 35,00€  gespart und einen Schaden von 35,00€ kann ich mir dann schon aus dem Eingesparten selber zahlen. Anders sieht es natürlich bei hochwertigen Sachen aus. Aber da sollte man sich vorher schlau machen, ob die zu versichernden, wertvollen Sachen von der pauschalen Versicherung überhaupt gedeckt sind (Stichwort: Valoren), und ob der Transporteur bei Wissen um einen hohen Wert der Sache, diese überhaupt zum Transport angenommen hätte (Ausschlußgrund für eine Haftung im Schadenfall), denn das ist auch nicht immer der Fall, weil bestimmte hochwertige Güter einfach per AGB grundsätzlich ausgeschlossen sind (Valoren). Aber das erfährt man meist erst zu spät, nämlich dann, wenn Schadensfall eingetreten ist.

Ich weiss nicht, ob es mir gelungen ist, den Unterschied zwischen Haftungsbeschränkung und Versicherung zu verdeutlichen, denn das ist alles ganz schön kompliziert. Aber so ist das nun mal.

Darum noch einmal ganz deutlich, eine Aussage wie

Wir haften bis 500,00 Euro pro Versandstück/Paket ist KEINE Versicherung, sondern eine Haftungsbeschränkung, die häufig noch mit weiteren Beschränkungen und Einschränkungen verbunden ist !

Und im übrigen ist eine Versicherung in der Regel auch nie im Grundpreis für den Versand eingepreist, sondern kostet natürlich immer einen Extra-Zuschlag, wenn sie überhaupt angeboten wird. Bei DHL beträgt der Zuschlag z.B. 3,50 € pauschal (national, bei einer Versicherungssumme bis zu 2.500€). Hermes bietet meines Wissens keine Zusatzversicherung für Privat an. Hingegen können Gewerbliche über Sondervertrag so etwas bekommen.

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