schnurlose Telefone

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Ratgeber schnurlose Telefone

Version 1.1 (20. 06. 2008)

Dieser Ratgeber wendet sich an Käufer und Verkäufer von schnurlosen Telefonen. Er soll Käufern helfen, die technische Aktualität angebotener Artikel einzuordnen und ihnen Hinweise auf Achillesfersen dieser Gerätegattung geben. Verkäufern soll er vor allem Hinweise darauf geben, welche Merkmale für ihre Artikelbeschreibungen von technischer Aussagekraft sind.

Sendeverfahren

Schnurlose Telefone senden nach verschiedenen Verfahren, deren Namen mit den Buchstaben „CT" anzeigen, daß es sich um Standards für „Cordless Telephones" (= schnurlose Telefone) handelt. Dabei sind die Verfahren CT1 und CT1+ rein analog. Geräte nach dem Standard CT1 (ohne „+") dürfen in Deutschland nicht mehr betrieben werden, da sie inzwischen anderweitig vergebene Frequenzen benutzen. Für Geräte der Standards CT1+ und CT2 gilt ab dem Jahreswechsel 2008/09 ebenfalls ein Weiterbetriebsverbot wegen Widerrufs der Frequenzzuteilung (näheres hierzu in meinem ebay-Ratgeber „Galgenfrist für analoge Schnurlostelefone"). Dann werden die Geräte aller Standards „CT..." vor „DECT" reine Museumsstücke sein. Der aktuelle Standard ist „Digital Enhanced Cordless Telephone", kurz: DECT. Dieser Standard ist digital, aber diese Aussage betrifft nur die Funkverbindung zwischen Basisstation und Mobilteil(en). Die Schnittstelle zum Hauptanschluß im öffentlichen Netz bzw. zum Nebenstellenanschluß einer TK-Anlage ist jedoch häufig analog, auch „a/b" genannt und in der Regel an einem TAE-Stecker zu erkennen. Aber ebenso, wie hier „digital" nicht gleichbedeutend mit „ISDN" ist, kann ein Importgerät durchaus trotz analogem Standard einen Western-Stecker haben.

Was dazugehört

Bei „Telefon" denkt man zunächst meist an einen einteiligen Apparat. Bei schnurlosen Telefonen besteht „das Telefon" aber eigentlich aus einem System, das nur zusammen funktioniert. Die eigentliche Bedieneroberfläche in Gestalt eines schnurlosen Hörers mit eingebauter Wähltastatur heißt Mobilteil. Die Intelligenz des Ganzen sitzt in der sogenannten Basisstation, die den Funkverkehr organisiert und den Übergang zum öffentlichen Netz bzw. zur TK-Anlage darstellt. Bei Systemen für nur ein Mobilteil hat die Basisstation häufig die Gestalt einer Ladeablage. Bei Systemen für mehrere Mobilteile (sogenannten Multilink-Systemen) ist häufig auch die Gestalt eines schnurgebundenen Telefons mit einer Antenne anzutreffen. Als Zubehör gibt es zuweilen auch zusätzliche Ladeablagen ohne funktechnisches Innenleben.

Multilink

Mit Einführung des Standards DECT Mitte der 90er Jahre haben sich recht bald auch multilinkfähige Systeme durchgesetzt. Zum Standard DECT gehört nämlich die Neuerung, daß eine Basisstation mehrere Mobilteile gleichzeitig bedienen kann. Umgekehrt können DECT-Mobilteile auch an mehreren Basisstationen gleichzeitig angemeldet sein. Dadurch lassen sich mehrzellige Funknetze einrichten, die ein gesamtes Betriebsgelände abdecken können. Theoretisch können in jeder DECT-Funkzelle bis zu zwölf Mobilteile gleichzeitig in Verbindung sein. Zum öffentlichen Netz bzw. zur TK-Anlage hin gibt es jedoch jeweils nur soviele gleichzeitig mögliche Verbindungen, wie die Basisstation bereitstellt (also zwei bei einer ISDN- Basisstation, aber nur eine bei einer Basisstation für analoge Anschlüsse – auch wenn es sich um eine analoge = „a/b"-Nebenstelle einer ISDN-TK-Anlage handelt !). Innerhalb einer DECT-Funkzelle lassen sich auch „interne" Gespräche zwischen den Basisstationen führen.

Reichweitenerhöhung

Die Erreichbarkeit von Mobilteilen in DECT-Systemen läßt sich mit mehreren teils miteinander kombinierbaren Methoden über den Sendebereich einer Basisstation ausdehnen. Sogenannte Repeater verstärken die Signale, sind jedoch im logischen Ablauf passiv, d. h. sie teilen selbst keine Funkkanäle zu. Sie dienen lediglich der Anpassung der Funkausleuchtung an die örtlichen Gegebenheiten. Die Möglichkeit der Anmeldung der Mobilteile an mehreren Basisstationen ermöglicht ebenfalls eine Ausdehnung des Versorgungsbereiches. Dabei ist grundsätzlich das sogenannte Roaming möglich, also das Betreiben eines Mobilteiles als Gast in einer anderen Funkzelle. Trotz ihrer Eigenständigkeit können die Basisstationen dabei auch miteinander kooperieren, wenn sie an eine Telekommunikationsanlage angeschlossen sind, die als Master ihre Steuerung koordiniert. Dann ist auch die Funktion „Handover" verfügbar, also der Wechsel von einer Funkzelle zur anderen während einer bestehenden Gesprächsverbindung. Im SOHO- und SME-Bereich* verwendete Telekommunikationsanlagen unterstützen diese Funktion jedoch meist nicht, hier ist dann nur die Funktion „Roaming" ohne „Handover" nutzbar. *[SOHO = Small Office / Home Office, SME = Small & Medium Enterprise]

DECT / GAP

Der Zusatz „GAP" (= General Access Profile) bei DECT-Endgeräten bedeutet, daß sie im Funkverkehr zwischen Basisstation und Mobilteil in der Lage sind, sich mit Geräten verschiedener Hersteller zu verständigen. Ein DECT-GAP-Mobilteil läßt sich also auch an Basisstationen anderer Hersteller anmelden – vorausgesetzt, diese arbeiten ebenfalls mit der Variante GAP.

Endgerät oder Anlage

Wegen der Möglichkeit der internen Gespräche werden DECT-Telefonsysteme manchmal auch als Anlagen bezeichnet. Verkäufer stehen daher zuweilen vor der Frage, welche Rubrik** den nun die richtige sei. Wer nicht mehrere Rubriken belegen will, orientiert sich am besten an der Funktionalität des von ihm angebotenen Artikels: Systeme, an die ausschließlich Mobilteile angeschlossen werden können, werden von den meisten Interessenten als Endgeräte empfunden. Sie stehen also je nach Anschluß zum öffentlichen Netz bzw. zur TK-Anlage (a/b oder ISDN) am sinnvollsten bei „Telefone analog schnurlos" bzw. „Telefone ISDN schnurlos". Sind jedoch auch Anschlüsse für schnurgebundene Endgeräte eingebaut, empfiehlt sich eine entsprechende Einordnung als „Telefonanlage analog schnurlos" bzw. „Telefonanlage ISDN schnurlos". Für Kaufinteressierte empfiehlt sich der Blick in alle zutreffenden Rubriken – die Flut der angezeigten Angebote läßt sich ja anhand der Anzeigeoptionen begrenzen. **[Stand der Rubriken-Gliederung Juni 2008]

Strahlung

„Schnurlos" funktioniert nicht ohne Funkwellen. Deren Intensität läßt sich allerdings begrenzen – von Herstellern wie von Anwendern. Prinzipiell sind schnurlose Telefonsysteme darauf ausgelegt, im Freien etwa 200 bis 300 m und in Gebäuden etwa 50 bis 80 m weit senden zu können. Dabei erfordern unterschiedliche Umgebungsbedingungen unterschiedliche Energieaufwände, Stahlbeton ist schwer zu durchdringen. Zwischen hoher Sendeleistung und niedrigem Energieaufwand sucht jeder Hersteller seinen eigenen Mittelweg, auch im Hinblick auf intelligente Regeltechnik. Wie gut ihm das gelingt, sagt wie auch beim GSM-Handy der sogenannte SAR-Wert (SAR = spezifische Adaptionsrate). Dieser Wert besagt, wieviel Aufheizung Körpergewebe im Funkweg bzw. in Antennennähe erfährt und findet sich meistens im hinteren Teil der Bedienungsanleitung bei den technischen Daten, in der Nähe der Zulassungsnummern oder der Leistungsdaten des Akkus. Auch Testberichte in Fachzeitschriften oder Verbrauchermagazinen weisen regelmäßig hierauf hin. Bei aktuell noch neu im Handel befindlichen Geräten geben auch manche Hersteller-Websites unter dem Suchbegriff „SAR" Auskunft über die Werte ihrer Produkte. Aber auch der Anwender kann die Funkstrahlung begrenzen, zum Beispiel durch die günstige Positionierung der Basisstation zu den Bereichen, in denen die Mobilteile am häufigsten betrieben werden und durch simples Ausschalten selten genutzter Mobilteile wie etwa im Hobbykeller.

Akkus

Wie auch bei den GSM-Handies, haben die Akkus für schnurlose Telefone eine technische Evolutionsgeschichte durchlitten. Auch hier hat der älteste Standard NiCd (Nickel-Cadmium) den stärksten sogenannten Memory-Effekt bei Teilaufladung, gefolgt von den zunehmend günstigeren Standards NiMH (Nickel-Metallhydrid) und Li-Ion (Lithium-Ionen). Eine klare Zuordnung zwischen Funkstandard und Akkustandard gibt es leider nicht, auch moderne Geräte können mit technisch veralteten Akkus ausgestattet sein. Die ältesten Geräte haben in der Regel in diesem Hinblick zwei Übel: einerseits Akkus mit relativ starken Memoryeffekten bei Teilaufladung, bei zusätzlich besonders häufig vorkommenden Teilaufladungen dank wenig intelligenter Regeltechnik. Wie stark sich beide Mängel addieren konnten, hängt von den Vorbesitzern ab – genauer: von deren Gewohnheit, das Mobilteil mehr oder weniger häufig auf die Basisstation zu legen. Diese Gewohnheit war anfangs stark ausgeprägt, weil sie kulturell der Gewohnheit des Hörerauflegens aus schnurgebundenen Zeiten entsprach. Mit der Verbreitung der schnurlosen Telefone im Alltag nimmt jedoch auch der Anteil derjenigen Benutzer zu, die ihre Schnurlostelefone nicht mehr wie Großvaters Telephon sondern wie ihr Handy benutzen, sodaß letzterer Hinweis sich bald überlebt haben wird.

Copyright by Thies Joachim Hoffmann

Rückfragen und Verbesserungsvorschläge sind herzlich willkommen. Kontaktaufnahmen mit dem Autor sind jederzeit über die Funktion „mit dem Mitglied Kontakt aufnehmen" (ebay Member „telthies") möglich.

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