paypal und giropay - von der Innovation die keine ist.

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Da las am 13. Februar in einem Artikel, das Banken und Sparkassen den Online-Handel mit einem neuen Bezahlsystem ankurbeln wollen:
giropay. Folgende Vorteile wurden genannt:

1. "Dabei können Kunden in der gewohnten und vertrauten Umgebung des Online-Bankings ihrer Sparkasse oder Bank bezahlen"
2. "Es ist nicht erforderlich, Software zu installieren oder sich zusätzlich zu registrieren"

So weit, so gut. Etwas weiter im Artikel hieß es:

3. "Nach Eingabe von Kontonummer oder Legitimations-ID sowie der aus dem Online-Banking bekannten PIN übernimmt das System automatisch
alle Details des Kaufs in eine Überweisungsmaske." 4. "Der Kunde muss die Bezahlung letztendlich mit einem gültigen Autorisierungsverfahren wie seiner TAN bestätigen."

Gestern bestellte ich in einem Online-Shop eine Lampe für 160,- Euro. Ich sah, das der Verkäufer zusätzlich auch bei
eBay handelt und dort paypal-Zahlungen akzeptiert. Also fragte ich nach ob ich auch per paypal zahlen könnte, obwohl
keine eBay-Auktion, was er bejahte. Prima. Also loggte ich mich bei paypal ein, gab die Empfängeradresse, Betrag und
Währung ein, und auf der nächsten Seite war die Option "per Lastschrifteinzug zahlen" nicht auswählbar, dafür stand
darunter giropay. Jeglicher Wahlmöglichkeit beraubt, wählte ich giropay.

Was ist nun der große Vorteil von giropay? Nun, ich muss die Bankverbindung und den Verwendungszweck von paypal nicht mehr
manuell in das Überweisungsformular kopieren. Das war´s auch schon. Die Beschreibung aus Punkt 3 klingt natürlich viel auf-
regender.

Mir haben sich dann folgende Fragen gestellt:

1. Wieso hatte ich nicht die Möglichkeit per Lastschrifteinzug zu zahlen? Ist diese Option nur bei eBay-Transaktionen möglich?
Ich habe keine entsprechenden Hinweise gefunden.
2. Woher weiß paypal, das ich ein Online-Konto mit PIN/TAN-Verfahren nutze? Welche Art von Daten werden hier zwischen Bank und paypal
ausgetauscht?
3. Wer, außer paypal oder einem Händler, profitiert wirklich von giropay? Der Kunde garantiert nicht. Denn das Geld ist ja erst mal
weg. Bei einem Lastschrifteinzug zwar auch, den kann ich aber 6 Wochen lang rückbuchen lassen. Die Überweisung ist nicht mehr
rückgängig zu machen, selbst im Falle eines Mißbrauchs der eigenen Daten ist das Geld für´s erste verloren.

Zusammenfassend kann man sagen: Wer ohnehin schon Online-Banking nutzt, ist mit dieser Art zu bezahlen schon vertraut und braucht sie
nicht. Für Personen mit einer Im-Internet-bezahlen-Phobie ist das System gänzlich ungeeignet. Warum paypal den praktischen
Lastschrifteinzug nicht (mehr) anbietet, ist fraglich.

Im Gegenzug sehe ich ein großes Mißbrauchpotenzial: man stelle sich vor, Online-Betrüger setzen professionell gemachte Webshops auf,
in denen Sie beliebte Produkte zu günstigen, aber nicht misstrauisch machenden Preisen verkaufen. Beim bezahlen werden dann die
für giropay notwendige Zugangskennung, PIN sowie eine TAN abgefragt. Werden diese Daten nicht für eine sofortige Transaktion
genutzt, sonderen Minuten später für eine ganz andere Überweisung, hat man wirklich ein Problem. Und warum Banken und Sparkassen
glauben, mit einem solchen, nämlich dem stinknormalen und vor allem alten, System den Internet-Handel anzufeuern, bleibt mir ein
Rätsel.

Mir bleibt nur noch, voller Wehmut an paybox zu erinnern, den ersten Bezahldienst, auch im Internet, der sicherer war als giropay.
Hier hatte man nämlich seine Handy-Nr. hinterlegt, an die bspw. auch Zahlungen gesendet werden konnten. Man konnte ganz einfach
eine normale Überweisung auf ein Girokonto im Internet eingeben, klickte man auf bezahlen, rief das Computersystem die hinterlegte
Handy-Nr. an und man musste seine PIN zur Bestätigung der Transaktion eingeben. Das Geld wurde dann per Lastschrift
vom eigenen Konto abgebucht. Das war sicher und hat auch in Ladengeschäften und Taxis funktioniert. Letztendlich hat die Deutsche Bank es sterben
lassen, weil die Telekom ein eigenes Bezahlsystem eingeführt hat und die DB ein großer Aktionär der Telekom ist.
Hätten die Banken/Sparkassen dieses System reanimiert, wäre das sicherlich eher eingeschlagen, zumal die Handy-Affinität der Nutzer
in den letzten Jahren weiter zugenommen hat.
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