mit dem Wind nach Westen, DVD, John Hurt, Beau Bridges

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Schwachsinn hoch 10, Propaganda, das beste sind die Auto's !

Tja, wenn Amerikaner versuchen, Deutsche darzustellen (und noch dazu in einem der wichtigsten Kapitel unserer Geschichte, nämlich die der innerdeutschen Teilung und deren spektakulärste Fluchten über die damalige Grenze), kann ja i.d.R. nicht viel gutes heraus kommen.

Das mag bei "Operation Walküre - das Stauffenberg Attentat" eventuell noch geklappt haben, - in diesem Streifen dagegen versagte dieses ohnehin schon seltsame Konzept auf der ganzen Linie.

Hier wurde zuletzt gesagt "dieser Film wäre das beste, was der Rezensent zum Thema gesehen hätte" und bisher gaben alle Kommentare auch 5 Sterne ab. Also, - dann muß dazu die Frage erlaubt sein, ob es sich hier wohl nur um Zuschauer der sogenannten alten Bundesländer handelt !?

Denn jedem (!) ehemaligen DDR - Bürger würden hier sofort etliche Ungereimtheiten auffallen. Der Film ist eine Disney Produktion (und das sagt schon einiges aus ;-) aus dem Jahre 1982. Hier wurde die - 1979 so real stattgefundene - Geschichte der "Ballonflucht" der Familien Strelzyk und Wetzel aufgearbeitet.

Anfangs sehen wird den kleinen, thüringischen Ort Pösneck, in dem die Beteiligten leben. Nach dem erfolglosen Fluchtversuch des Jugendlichen Lukas, der noch kurz zuvor gezwungen worden war, Unterschriften gegen eine andere Flucht zu sammeln, beschließt Peter Strelzyk (bevor auch sein Sohn eines Tages auf diese Idee kommen würde), mit seiner Familie zu flüchten.

Dafür kann er seinen Angestellten, Günter Wetzel gewinnen. Schnell wird der Plan gefasst, mit einem selbst gebauten Heißluftballon "mit dem Wind nach Westen" zu entkommen. Anfangs gestaltet sich das relativ leicht. Der benötigte Stoff dafür ist zügig beschafft und auch nach den ersten Aufstiegsversuchen gelingt alles.

Günter Wetzel steigt allerdings vorher noch aus dem Projekt aus, weil seine Frau Angst davor bekommt, das die gemeinsame Flucht (auch wegen ihrer kleinen Kinder) scheitern könnte. Also versucht es Peter Strelzyk allein mit Frau und Kindern.

Weil aber durch die Luftfeuchtigkeit die Hülle des Ballons zu schwer wird und ihnen unterwegs das zum Auftrieb benötigte Propangas ausgeht, sinkt der Ballon noch vor der Grenze auf ostdeutscher Seite wieder im Sperrgebiet. Nur mit viel Glück gelingt es der Familie, von hier wieder nach hause zu gelangen.

Strelzyk ist verzweifelt und entmutigt, - allerdings machen ihm seine Frau wieder Hoffnung und sein Sohn weißt ihn darauf hin, sie müssen noch einen Fluchtversuch wagen, weil sie ja nun ohnehin früher oder später von der Stasi entdeckt werden.

Und diesmal ist auch Günter Wetzel mit seiner Familie wieder dabei, die sich dazu entschlossen haben, weil sie die Konsequenzen, als Mitwisser bestraft zu werden, fürchten. Der zweite Versuch gestaltet sich schwieriger, quasi "stückchenweise" muß der nun größere und neu benötigte Ballonstoff zusammen gekauft werden (denn alle Textilgeschäfte wurden inzwischen angewießen, bei größeren Bestellungen die Behörden zu informieren). Schließlich gelingt die gemeinsame Flucht am 16.9.1979.

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Soweit zu Handlung ... warum äußere ich mich nun aber als erster Schreiber hier negativ ? Ganz einfach, - weil man den propagandistischen Stellenwert des Film's, also, die "Botschaft", die er damals vermitteln sollte, hier eindeutig zu hoch angesetzt hat. Das beginnt schon bei den Örtlichkeiten. Mann konnte ja schlecht in der echten DDR drehen. Also wurde offenbar versucht, das ganze nachzustellen.

Der Ort Pösneck (hier angeblich Thüringen) sieht daher natürlich auch aus, wie ein amerikanisches Bergstädtchen, was es vermutlich sogar war. Darsteller der beiden Hauptfiguren sind u.a. John Hurt (Brite) und Beau Bridges (Amerikaner).

Lediglich nur in den Nebenrollen verkörperten wirklich deutsche Schauspieler (Klaus Löwitsch als schmieriger Stasispitzel und Günter Meisner als dessen Vorgesetzer) ihren jeweiligen Part.

Quasi nebenher sieht man noch Sky du Mont, der sich in der deutschen Synchronisation auch selbst spricht. Das unpassende daran ist nur, sein deutlicher Akzent kommt dabei eben eindeutig so mit rüber ...

 ... ansonsten haben sich leider auch die üblichen Amerikanismen mit eingeschlichen, öfter's fallen Kommentare wie "okay", - einer der Söhne Peter Strelzyk's wird "Fitcher" genannt.

Die Stasi wird u.a. mehrmals als "SD" bezeichnet (heißt also für die damalige Propaganda, ist mit dem früheren Sicherheitsdienst des NS Staates gleich identisch !?).

Was allerdings positiv überrascht, ist, das teilweise echte Ostfabrikate unter den hier verwendeten Fahrzeugen zu sehen sind, wie Wartburg 311, ein Trabant 601 und sogar der Moskwitch 408 (eine sowjetische Automarke). Dafür kommen aber andere technische Standard's dieser Zeit, in der das ganze spielt, wieder nicht vor.

Am Schluß z.B. fliegt die Staatssicherheit frontal mit einem Helikoper auf den Ballon der Flüchtigen zu. Kaum geht dem aber wieder das Treibgas aus (und er leuchtet somit nicht mehr am Nachthimmel), haben sie ihn für immer verloren !?

Das Radar normalerweise aber den Vorteil hat, auch bei absoluter Dunkelheit zu funktionieren, sollte eigentlich sogar jedem Laien auf dem Gebiet hier zweifellos klar sein.

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Wie auch immer, ich sah diesen Film das erste mal bei seiner Free - TV Premiere noch vor der Wende im ZDF. Und damals hatte die hier gezeigte Handlung natürlich anschließend sehr große Diskussionen ausgelöst.

Von daher stellt er sowas wie einen durchaus nostalgischen Höhepunkt dar (dh. für jeden ehemaligen DDR - Bürger, der ihn ebenfalls vielleicht auch noch so, wie ich selbst kennt). Deshalb auch, trotz seiner vielen Fehler, Ausleihtip, - bzw. Kaufempfehlung.
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