eBayer bieten auf eigene Artikel zur Gewinnmaximierung

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Eigentlich ist das Bieten auf eigene Artikel - aus welchen Gründen auch immer - ein schwerwiegender Verstoß gegen die eBay-Grundsätze. Dennoch kommt es mehr und mehr vor, dass Verkäufer sich unter einem oder mehreren weiteren Mitgliedsnamen anmelden, um selbst auf ihre Artikel mitbieten zu können. Die Sanktionen (beispielsweise Verwarnung durch eBay, Ausschluß vom Handel bei wiederholten Verstößen) schrecken nicht wirksam ab, zumal Verstöße kaum bekannt werden und erst recht selten mit aller Konsequenz geahndet werden.

Gründe für das Bieten auf eigene Artikel

Wenngleich es für unerfahrene Auktionsteilnehmer zunächst paradox klingt, auf seine eigenen Verkaufsangebote mitzubieten, so hat dies doch verschiedene "gute" oder auch schlechte Gründe:

  1. Viele Verkäufer wählen einen (zu) niedrigen Startpreis (oft 1 EUR), auch wenn der zu erwartende Auktionserlös viel höher liegt. Einerseits lassen sich dadurch die Einstellgebühren wesentlich reduzieren, andererseits interessieren sich bei niedrigen Startpreisen und in der Folge mehreren Gebotsabgaben viel mehr Bieter für einen Schnäppchen-Artikel als für einen vermeintlich überteuerten Ladenhüter. Zum Beispiel ist eine chinesische Blumenvase schon ab 1 EUR doch viel verlockender als eine chinesische Blumenvase mit Startpreis 50 EUR (!), oder?
  2. Aus Grund Nr. 1 folgen unmittelbar die weiteren Gründe für das Mitbieten auf eigene Artikel. Jeder (ehrliche) Verkäufer hat es bestimmt schon erlebt, dass beispielsweise seine wirklich wertvolle chinesische Blumenvase letztendlich für nur 2,50 EUR versteigert wurde. Für so wenig Geld wollte man sie eigentlich nicht hergeben. Hätte man nun allerdings einen zweiten eBay-Account (zweite Mitgliedschaft), könnte man das gute Stück vor Auktionsende einfach selbst kaufen, um es nicht verschleudern zu müssen. Das "Lehrgeld" beschränkt sich dann auf die (geringe) Verkaufsprovision, und man kann den Artikel noch einmal neu einstellen. Im US-amerikanischen eBay gibt es dafür den sogenannten "Reserve Price", das heißt, ein nicht angezeigtes Mindestgebot muss erst erreicht werden, zu dem der Verkäufer den Artikel tatsächlich verkaufen möchte.
  3. Grund Nr. 2 verleitet möglicherweise aber auch in anderen Fällen dazu, auf eigene Artikel zu bieten. Angenommen, einige eBayer steigern unsere chinesische Blumenvase so hoch, dass wir sie für diesen Preis gern abgeben. Vielleicht ist aber noch mehr herauszuholen, denn wer 40 EUR bietet, bietet vielleicht auch 45 EUR oder 50 EUR? Ohne zweiten eBay-Account werden wir das aber leider nie erfahren! Anders mit Zweit-Mitgliedschaft: Jetzt bieten wir mal selbst so hoch (Pushen) und merken, wie weit sich das Höchstgebot noch ausreizen lässt. Der zusätzliche Erlös, der damit zu erzielen ist, relativiert das Risiko, möglicherweise selbst der Höchstbietende zu sein und damit auf dem Artikel sitzen zu bleiben. Ab und zu geht es zwar mal schief, aber mit etwas Erfahrung oft genug gut.

Wie erkennt man Bieten auf eigene Artikel?

Wie bei jeder kleineren oder größeren Schummelei bedarf es auch beim Bieten auf eigene Artikel etwas detektivischen Spürsinns, um dahinter zu kommen. Oftmals geben sich die Verkäufer aber keine allzu große Mühe oder sind einfach zu einfältig, sich dabei nicht auf die Schliche kommen zu lassen. Es gibt aber mehrere Indizien, wie man schwarze Schafe doch ausfindig machen kann:

  1. Sobald einem ein Konkurrenzbieter auffällt, der ein quasi unschlagbares Höchstgebot abgegeben hat, einfach mal in seine Bewertungen schauen. Möglicherweise ist er ein amerikanischer Multimillionär, der chinesische Blumenvasen sammelt, dann hat er bestimmt ganz viele verschiedene Bewertungen von unterschiedlichsten eBay-Mitgliedern. Typische Zweitbieter-Profile haben meist nur ganz wenige Bewertungen, weil sie ja nicht wirklich zum Handeln dienen.
  2. Nicht selten haben die besagten Profile auch verdächtig einfallslose oder absolut blödsinnige Mitgliedsnamen, wie zum Beispiel "mickymausy0815" oder "supernanny321". Sammler chinesischer Blumenvasen nennen sich eher "chinafan" oder heißen "vasescollector".
  3. Meistens helfen uns die Selbstbieter dadurch auf die Sprünge, dass sie in ihrem Bewertungsprofil ganz oft oder sogar ausschließlich Bewertungen von dem fraglichen Verkäufer haben, also sozusagen "Stammkunde" bei demjenigen sind, der seine Gebote manipuliert.
  4. Ein ganz offensichtliches Anzeichen für verborgene Machenschaften sind die sogenannten "Privatauktionen", bei denen die Mitgliedsnamen der Bieter nicht zu erkennen sind. Was als Schutz in besonders sensiblen Kategorien durchaus sinnvoll erscheint (zum Beispiel Sexspielzeug, Pornofilme, ...), ist bei chinesischen Blumenvasen und 99 % aller anderen Kategorien völlig unnötig. Hiermit wird nur schwarzen Schafen Tür und Tor geöffnet, andere zu übervorteilen.

Was tun gegen unfaire Selbstbieter?

Das einfachste und beste Mittel ist, nicht (mehr weiter) auf Artikel zu bieten, bei denen der Verkäufer eindeutig selbst mitbietet. Ebenso sollte bei "Privatauktionen" eher Zurückhaltung geübt werden, wenn es keinen triftigen Grund für die Wahrung der Anonymität gibt.

Man kann aber auch mit eBay Kontakt aufnehmen, um Verstöße zu melden. In diesem Fall erhält man allerdings lediglich eine automatisierte Antwort, dass der Fall überprüft werde. Wird ein Übeltäter tatsächlich verwarnt, wird er das beanstandete Profil aufgeben und ein neues unter anderem Namen eröffnen. Insofern ist der Kampf gegen üble Machenschaften eigentlich aussichtslos und nur eigene Wachsamkeit der beste Schutz.

P.S. Auf diesen Ratgeber bekomme ich leider eher "Nicht hilfreich"-Bewertungen. Raten Sie doch mal, von was für Leuten? :-(

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