analoge Telefonanlagen

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Ratgeber analoge Telefonanlagen für Wohnhaus und Kleinbüro

Version 1.0 (28. 11. 2006)

Dieser Ratgeber versteht sich als Vermittler von Grundwissen betreffend gebrauchter Telefonanlagen für private und kleingewerbliche Verwendung. Er bezieht auch ältere Systeme (ab den 80er Jahren) mit ein, nicht jedoch historische Apparaturen von reinem Sammlerwert.

Anlagengattungen

Analoge Telefonanlagen lassen sich in kleine Wählanlagen (vulgo meist schlicht als Telefonanlagen oder Nebenstellenanlagen bezeichnet), „Familientelefonanlagen", Reihenanlagen und Hybridanlagen unterscheiden. Jede dieser Gattungen hat ihre nachstehend näher erläuterten Besonderheiten.

Wählanlagen

Hauptsächlich aus den 80er Jahren stammend, folgen diese Anlagen in ihrer Ausbaugröße der damals gültigen Baustufenordnung. Anlagen der Baustufe W1/1 bedienen eine Abfrage- und eine Nebenstelle. Meist bieten sie als einzigen Komfort die Möglichkeit, die Nebenstelle per sogenannter Nachtschaltung zeitweise zur Abfragestelle werden zu lassen. Ihre Gehäuse sind kompakt und in der Regel für keinerlei Erweiterungsmodule vorgesehen. Anlagen der Baustufe 1W5 bedienen im Grundausbau eine Wählleitung, eine Abfrage- und zwei Nebenstellen. Durch zusätzliche Module sind sie um eine zweite Wählleitung und / oder drei weitere Nebenstellen erweiterbar. Für Anlagen der Baustufe 1W9 gilt das gleiche mit der Abweichung aus vier Nebenstellenanschlüssen mach´ neun. Beide besitzen Gehäuse zur Wandmontage, in der Regel belegen Stromversorgung und Hauptplatine die gesamte Rückwand, Erweiterungsmodule werden auf die Hauptplatine aufgesteckt. Als weiteren Komfort findet man hier meist die Möglichkeit zur Einspeicherung von 30 zentralen Kurzwahlzielen. Die Programmierung dieser Ziele wie auch der Rufverteilungsmatrix geschieht meist nach Umlegen eines Jumpers über den Apparat am ersten Teilnehmeranschluß (im Auslieferungszustand die Abfragestelle aller angeschalteten Wählleitungen). Auch Dreierkonferenzen intern wie extern und das sogenannte Makeln – also das Sprechen auf zwei Leitungen abwechselnd – sind an Wählanlagen möglich. Für Doppelanschlüsse ohne Sammelrufnummer verfügen solche Anlagen über die Möglichkeit der sogenannten Richtungsausscheidung. Man kann so z. B. durch Amtsholung per Wahl der Ziffer 9 die zweite Wählleitung gezielt belegen und somit die erste für ankommende Rufe freihalten. Auch das Reservieren der nächsten freiwerdenden Wählleitungen ist meistens möglich. An Wählanlagen sind nur (je nach Wunsch Standard-, Komfort- oder Design-) Apparate mit Schnittstelle „a/b" anschließbar, also ähnliche wie für analoge Hauptanschlüsse, nur eben mit Erdtaste zur Amtsholung. Alternativ ist meist auch die Amtsholung per Wahl der Ziffer 0 möglich. Das Wahlverfahren auf den Wählleitungen zum Amt ist stets IWV (= Impulswahlverfahren), weil die Vermittlungsstellen des öffentlichen Netzes damals nur dafür geeignet waren. Lediglich intern ist die Wahl per MFV (Mehrfrequenz-Wahlverfahren) möglich. Hierfür wird ein Erweiterungsmodul WAS (= Wahlaufnahmesatz) benötigt, das für externe Verbindungen das MFV-Signal des Wählapparates aufnimmt und „zum Amt hin" im IWV wieder ausgibt. Dieses Leistungsmerkmal wurde häufig eingerichtet, das Modul ist also meistens bereits eingebaut vorhanden. Bei interner MFV-Wahl wurde bei manchen Modellen davon Gebrauch gemacht, daß im MFV neben den Ziffern vier weitere Tastencodes (A,B,C,D) zur Verfügung stehen. Sie konnten nach entsprechender Programmierung der Anlage zum Beispiel dazu genutzt werden, Wahlwiederholungstasten zu substituieren oder Rufumleitungen ein- und auszuschalten.

Familientelefonanlagen

Für Einfamilienhäuser gab es in der 80er Jahren spezielle Telefonanlagen, Familientelefonanlagen (FTA) genannt. Sie folgen keiner Baustufenordnung. Ihr Aufbau ist in der Regel kompakt, ihre Hauptplatinen bieten im Grund- und einzigen verfügbaren Ausbau Anschlüsse für zwei Wählanschlüsse und meist fünf Anschlüsse für Telekommunikationsendgeräte und sowie einen Anschluß für einen Türöffner (TÖ) nebst Sprechanlage (TFE). Einige wenige Modelle waren auch in einer „abgespeckten" Version für nur einen Wählanschluß lieferbar, konnten jedoch meist für eine zweite „Amtsleitung" nachgerüstet werden. Als Besonderheit gegenüber Wählanlagen verzichten sie auf die Erfordernis von Erdtasten zur Amtsholung, um Apparate aus der gesamten Palette der auch für Hauptanschlüsse verfügbaren Modelle anschließen zu können. Aus dem gleichen Grund werden meist auch selbstlernend beide Wahlverfahren IWV und MFV parallel toleriert. Die Amtsholung geschieht dabei durch Wahl der Ziffer 0. Gelegentlich wird auch die gezielte Leitungsbelegung (z. B. durch Amtsholung per „91" bzw. „92") und ein gemeinsamer Kurzwahlspeicher für bis zu 200 Ziele angeboten. Häufiger als bei Wählanlagen findet man hier das Leistungsmerkmal „Coderuf". Dabei kann man mittels Kennziffern anstelle einzelner Sprechstellen alle Sprechstellen gleichzeitig mit Ruftonfolgen nach Art von Morsezeichen rufen. So lassen sich einzelne Familienmitglieder im Haus suchen oder alle zum essen rufen. Auch interne Konferenzen mit allen Sprechstellen sind möglich. Über die Funktion „Umlegen besonderer Art" kann man ankommende Rufe auch übergeben, ohne das Abheben an der anderen Sprechstelle abwarten zu müssen. So läßt sich ein an einem Apparat angenommenes Gespräch für 45 Sekunden parken und an einem anderen Apparat weiterführen. Es muß also in der Küche nichts anbrennen, nur weil man einen Anruf im Wohnzimmer angenommen hat und alleine im Haus ist.

Als weitere Sonderform für die Anwendung im Einfamilienhaus gab und gibt es Telefonapparate mit Anschaltemöglichkeiten für bis zu drei weitere Sprechstellen. Sie bedienen stets nur eine einzige Wählleitung, bieten in der Regel keinerlei Komfort und ermöglichen über das angekündigte Vermitteln hinaus keine internen Verbindungen. Dank schnurloser Multilink-Telefonsysteme ist diese Sonderform allerdings aussterbend. Ihre Verkabelung ist auch nicht gerade heimwerkerfreundlich, bei der Mehrzahl der Modelle benötigt der Hauptapparat einen 16-adrigen Anschluß.

Wem zwei Telefone an einer Leitung genügten, für den gab es auch Telefonapparate mit sogenannten A2-Schaltungen. Dabei wurden die Sprechadern durch eine spezielle Schaltung im ersten Apparat wieder herausgeführt, sodaß ein zweiter Apparat elektrisch gesehen „dahinter" angeschaltet werden konnte. Meist verfügte der erste Apparat über ein Schauzeichen. Dieses zeigte an, ob der zweite Apparat in Betrieb war, damit man ihm die Leitung nicht unabsichtlich während einer bestehenden Verbindung wegnahm. Bei dieser Schaltung ist wie bei AWADo´ und AMS´ weder eine Internverbindung noch ein angekündigtes Vermitteln möglich. Sie kommt heimwerkerfreundlich mit üblichen 6-adrigen TAE-Anschlüssen aus, ist jedoch mit Einführung der AWADo ab etwa Mitte der 80er Jahre vom Markt verschwunden.

Eine AWADo (Automatische WechselAnschlußDose) bzw. ein AMS (Automatischer MehrfachSchalter) sind ebenfalls keine Telefonanlagen im eigentlichen Sinne. Sie ermöglichen die Weitergabe von Verbindungen nur auf Zuruf, da sie wie die vorgenannten keinen sogenannten Innenverbindungsweg besitzen. Sie eignen sich jedoch hervorragend, um ein Modem nicht der telefonischen Erreichbarkeit wegen dauernd wieder ausstöpseln zu müssen und benötigen keine gesonderte Spannungsversorgung. Der Unterschied zwischen AWADo und AMS besteht darin, daß AMS´ auf die Adern W und E verzichten und somit wie Familientelefonanlagen für rein zweidrähtige Apparate geeignet sind. Beide gibt es für zwei oder vier Endgeräte an einer Leitung in den Versionen „gleichberechtigt" oder „bevorrechtigt". Im ersten Fall wird die Leitung dem zuerst abhebenden Endgerät angeschaltet und bleibt während der Verbindung für die anderen Endgeräte „tot", im zweiten Fall kann man die Verbindung jederzeit am ersten Endgeräteanschluß an sich ziehen. Diese Version ermöglicht also ein Zurückholen einer von einem Anrufbeantworter oder Telefaxgerät an einem der anderen Anschlüsse angenommenen Verbindung. Leider prüft die Elektronik jedoch vorher nicht, ob es sich um eine ankommende oder abgehende Verbindung handelt und signalisiert auch nicht, ob überhaupt eine Verbindung besteht. Wo dies gewünscht würde, wäre am günstigsten die Version „gleichberechtigt" zu wählen und die AWADo bzw. der AMS hinter einem A2-Apparat mit Schauzeichen anzuschalten.

Weichen für den Betrieb von Telefon und Telefax an einem gemeinsamen Anschluß bieten neben der Erkennung des sogenannten CNG-Signals (welches beim Handshake während des Verbindungsaufbaus zwischen Faxgeräten übertragen wird) oft auch die Möglichkeit, mehrere Nebenanschlüsse anzuschalten. Dann bieten sie in der Regel auch einen Innenverbindungsweg für interne Verbindungen und erwarten eine Amtsholung per Kennziffer 0. Wie auch AWADos und AMS´ verhalten sie sich in puncto Wahlverfahren neutral.

Reihenanlagen

Im Gegensatz zu Wählanlagen sind Reihenanlagen nicht für gewöhnliche Telefonapparate geeignet (auch wenn sie meist einen alternativ für Wählapparate nutzbaren Anschluß bieten, um eine Festverbindung vom Geschäfts- zum Wohnhaus anschließen zu können). An einem solchen Anschluß haben auch Anrufbeantworter oder Telefaxgeräte eine Chance. Regulär sind an Reihenanlagen jedoch nur spezielle Systemapparate als Reihensprechstellen anschließbar. Sie sind für bis zu sechs Wählleitungen und bis zu elf Nebenstellen eingerichtet und für private und kleingewerbliche Nutzung in der Regel unpassend, sie werden hier daher nur kurz erwähnt und in einem anderen Ratgeber näher behandelt.

Hybridanlagen

Im Zuge der integrierenden Entwicklungen, die auch das diensteintegrierende digitale Fernmeldenetz (ISDN) hervorgebracht haben, sind ab etwa 1988 die bisher parallelen Systeme Wähl- bzw. Reihenanlagen zu sogenannten Hybridanlagen verschmolzen. Sie empfehlen sich erst oberhalb fünf Nebenstellen und werden daher ebenfalls in einem anderen Ratgeber näher behandelt.

Systemapparate

Zur Ausschöpfung der speziellen Leistungsmerkmale von Reihen- und Hybridanlagen wie z. B. dem direkten Zugriff auf „Amtsleitungen" und Nebenstellen mittels zugeordneter Tasten (meist mit Belegtanzeige per LED oder im Display) wurden und werden auf die jeweiligen Anlagenmodelle abgestimmte spezielle Telefonapparate entwickelt. Sie sind in der Regel modellspezifisch und bei analogen Telefonanlagen vierdrähtig beschaltet. Für den Betrieb an Hauptanschlüssen und Nebenanschlüssen a/b sind sie grundsätzlich nicht vorgesehen und meist auch nicht geeignet.

Aktuelle Modelle

Analoge TK-Anlagen aktueller Bauart für private und kleingewerbliche Anwendung ähneln in ihrem Aufbau meist den früheren kleinen Wählanlagen und im Komfort (Amtsholung ohne Erdtaste, ein oder mehrere Schaltkontakte für Türsprechstellen und dergleichen) den früheren Familientelefonanlagen. Ab etwa acht Endgeräteanschlüssen sind häufig auch Systemapparate verwendbar, die jedoch nach wie vor herstellerspezifisch sind. Allerdings werden sie häufig an sogenannten Kombiports für System- oder Standardendgeräte betrieben. Achtung: der Begriff „Kombiport" findet an ISDN-TK-Anlagen häufig auch dort Verwendung, wo ein Port für kombinierte Telefon/-fax-Geräte eingerichtet wird. Seit etwa fünf Jahren setzt sich durch, daß Programmierungen via USB- oder V.24-Schnittstelle mittels Browser-Oberflächen vorgenommen werden können. Seit etwa drei Jahren nimmt im SOHO-Bereich* auch die Verbreitung von für DSL geeigneten Modellen auch bei analogen TK-Anlagen zu. *[SOHO = Small Office / Home Office]

Copyright by Thies Joachim Hoffmann

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