an die Grenze, Max Riemelt, Corinna Harfouch, Urs Egger

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an die Grenze (DVD), - man nehme 2/3 wahre Begebenheit(en), dazu 1/3 Propaganda ...

... mixe das ganze noch etwas mit einer zwar rührenden und durchaus nur logischen - nachvollziehbaren, dennoch aber nur manchmal etwa zu sinnfreien, schlicht erfundenen Story. Und, heraus kommt ein erneuter Film über die ehemalige DDR Grenze bzw. die Nationale Volksarmee dieses Staates, der sich zwar besonders redlich um Autentizität bemüht, ansonsten aber lieber doch noch etwas mit gewissen Vorbehalten zu "genießen" sein sollte.

Okay, man kann aber wenigstens bzw. allerdings dem Regisseur dieses Streifen's, Urs Egger (u.a. auch Regie bei der Neuverfilmung von "die Halbstarken" aus dem Jahre 1996 mit Till Schweiger und Sandra Speichert in den Hauptrollen) absolut nur Anerkennung dafür zollen, das sein Film sich durchaus mal weniger auf reine Unterhaltung kümmert. Sondern das er viel mehr um eine echte Aufarbeitung mit der inzwischen fast schon wieder vergessenen Geschichte (beim ansehen) abzielt.

Vollkommen im Gegensatz zu, höflich gesagt, diesen, anderen Standardfilmen über solch ein Thema wie z.B. "Sonnenallee" und "NVA" eines Gespann's wie Produzent Leander Haußmann und seines beinahe schon obligatorischen gewordenen - Hauptdarsteller Detlev Buck.

Trotzdem sollten bei einigen der hier gezeigten Sachen und vor allem bei Unsicherheiten, Fragen bzw. Zweifeln, vorwiegend unter den etwas jüngeren Zuschauern) doch immer und besser auch nochmal die Fakten, auf denen manches hier beruhen soll, ganz kritisch nachgelesen, überprüft und nachträglich recherchiert, - also z.B. durch das befragen von Kenner'n der Materie und Zeitzeugen) werden.

Zur Handlung: es ist der Mai 1974, das berühmte Fußball - Länderspiel zwischen den ideologisch verfeindeten Lagern BRD und ehemaliger DDR steht kurz bevor. Hier beginnt die Erzählung am Beispiel des neunzehnjährigen Alexander Karow. Der sich freiwillig bei der Nationalen Volksarmee meldet. Auch, um sich dadurch seinem allzu behütendem Vater, einem renommierten Professor für Chemie, zu entziehen. Nach kurzem zögern und natürlich auch durch verlockende Angebote der Werber während seiner Musterung entschließt er sich, seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen zu absolvieren.

Die Konfrontation mit der Realität an der innerdeutschen Staatsgrenze mit ihren zu der Zeit gerade nochmals neu installierten Minen / Selbstschussanlagen und anderen, verstärkten Maßnahmen zur Sicherung ist jedoch ernüchternd und macht ihm vor allem aus mehreren Gründen schwer zu schaffen. Als "Bonzenkind" ist er nicht besonders beliebt und ganz schnell ein besonderes Opfer für die Schikanen mancher, seiner älteren Stubenkameraden. Hier vor allem dem Gefreiten Kerner (Max Riemelt, - "Napola - Elite für den Führer") bereitet es fast schon ein sadistisches Vergnügen, die Neulinge - wie ihn - unter den Rekruten zu quälen.

Sein, sich schnell, neu gebildeter Freundeskreis allerdings hält fast geschlossen zusammen, und einer der älteren Gefreiten, stellt ihn sogar etwas unter seinen Schutz. Die tägliche Wache am Todesstreifen wird für Alexander trotzdem zu einer immer größeren Belastung. Und wird sogar noch schlimmer, für ihn ganz besonders, als er das Mädchen Christine kennenlernt, die in Grenznähe mit ihrer Familie lebt und mit der Alexander nach einigen Versuchen dann eine Liebesbeziehung beginnt.

Widerstand dagegen regt sich z.B. nicht nur bei Soldat Kerner. Der, zunächst mißtrauisch, später dann aber eifersüchtig jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um ihm zu schaden. Sondern auch, erst recht bei Christine's Bruder, der beinahe schon so etwas wie ein erklärter Gegner des Systems ist. Alexander, der eigentlich vor hatte, über die Armee Photographie zu studieren, und dies nun beinahe schon aufgegeben hat, bekommt von Christine dann ganz überraschend eine alte Wehrmachtskamera ihres Großvaters geschenkt.

Er nutzt diese einerseits für erotische Schnappschüsse, macht dann aber auch und unvorsichtig, - leichtsinnigerweise Aufnahmen von den Grenzanlagen. Als Christines Bruder eines dieser Photos entwendet und auch noch vollkommen naiv über das örtliche Postamt an den Westen schickt, gerät die ganze Lage total außer Kontrolle. Zur Sicherheit planen Christine und Alexander die Flucht (dh. zunächst nur) ihres Bruder's in den Westen. Als sie dann aber am ausgemachten Tag selber mit an der Grenze auftaucht und ihm hier erst gesteht, sie will nun ebenfalls fliehen, ist Alexander hin und her gerissen.

Fazit: Was bleibt, ist die gute Frage, was passiert, und vor allem, wie verhält man sich als "Mauerschütze", wenn der ideologische Gegner bzw. ein sogenannter Grenzverletzer dann irgendwann einmal doch im Visier der Kalaschnikow auftaucht. Und noch viel schlimmer, was ist, wenn es sich dabei auch noch um jemanden handelt, der kein völlig Fremder für einen selbst ist. Kauf, - Ausleihtip.

Nachtrag: ganz besonders zwei, buchstäblich "unter die Haut" gehende Szenen, die hier gezeigt werden, haben sich wirklich so ereignet. Und bestimmt noch viele andere, die halt nur weniger hinterher der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sind.

Zunächst die eine mit dem 2 getöteten Grenzsoldaten, so passiert im Jahre 1975 bei einer Kaserne im Landkreis Hildburghausen. Und ebenfalls dann jene mit dem Selbstmord durch Kopfschuss mit der Dienstpistole, aber natürlich in einer etwas andereren Form, - dabei handelte es nämlich sich um einen jungen und von seiner Frau sitzen gelassenen Rekruten, der dann ebenfalls aus Verzweiflung sein eigenes Maschinengewehr gegen sich selbst richtete.
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