Zur Psychopathologie des Neidgefühls!

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Für Menschen mit wenig ausgeprägter Persönlichkeit oder mit fehlender emotionaler Steuerungs-Kompetenz ergibt sich hier oft ein "gefühltes" Unrecht.


Die Entstehung von Neid

Neid als Reaktion auf wahrgenommene Ungerechtigkeit  

"Neid entsteht dann, wenn eine andere Person etwas besitzt oder erreicht, was der Neider für sich selbst in Anspruch nimmt. Aber nur wenn beide gleiche Vorausetzungen haben, unter denen ein Gut scheinbar ungleich verteilt wurde. Bei Versuchen mit Primaten konnte nachgewiesen werden, dass Neid Teil ihres Sozialverhaltens ist. Beobachten sie einen Artgenossen, der für die gleiche Aufgabe eine größere Belohnung erhält, lehnen sie ihre geringere Belohnung ab oder verweigern sie.
   
Neid ist also eine Reaktion auf wahrgenommene Ungerechtigkeit. Eventuell könnte Neid auch einen evolutionären Zweck erfüllen, denn kooperative Gemeinschaften leben in Hierarchien, um die genetische Zuchtwahl zu garantieren. Neid kann möglicherweise Funktion des Selektionsdrucks sein. Der Psychologe Rolf Haubl erklärt, dass die moderne Evolutionspsychologie, die von Basisemotionen ausgeht, den Neid nicht zu den Basisemotionen zählt. Neid wird als zusammengesetzte Emotion gesehen, die sowohl Ärger als auch Traurigkeit und Trauer beinhaltet.
   
Die verschiedenen Formen von Neid
Neid basiert auf Vergleich und Begehren. Tatsächlich unterscheidet man in der Psychologie zwischen mehreren Formen des Neids. "Es gibt den feindselig schädigenden Neid. Bei dieser Form besteht der Gedanke darin, wenn der andere es hat und ich habe es nicht, dann darf der andere es nicht haben und ich mache es ihm kaputt. Es gibt den depressiv lähmenden Neid, da schaue ich darauf, was der andere hat und glaube, nie das erreichen zu können, bin aber daran gebunden da der andere es hat und kann auf das Gut nicht verzichten,“ beschreibt Rolf Haubl.
   
Diese destruktiven Formen des Neids erzeugen entweder Aggression oder Depression und sind Ausdruck eines Minderwertigkeitsgefühls. Im Vergleich mit den Anderen geht der Selbstwert verloren. Eine andere Form des Neids ist der konstruktive Neid, der den Ehrgeiz soweit stimuliert, dass der Betroffene sich anstrengt, um an ein bestimmtes Gut zu kommen. Bei der letzten Neidform, dem empört-rechtenden Neid, ist der Neid mit der Frage verbunden, ob jemand deswegen mehr hat, weil er mehr leistet und es dementsprechend gerecht ist, dass er mehr hat oder ob er überhaupt nicht ausweisen kann, wodurch es legitimiert ist, mehr zu haben.
   
Im Alter von zwei Jahren entwickelt sich das Ich-Bewusstsein
Entwicklungspsychologen stellten in Versuchen fest, dass sich Neidgefühle bei Kindern erst ab dem zweiten Lebensjahr einstellen. Dann entwickelt sich das Ich-Bewusstsein und damit der Vergleich mit anderen und die Fähigkeit, Ungerechtigkeiten zu erkennen. Sie werden meist noch lautstark eingeklagt. Später beginnen kulturelle Verhaltensregeln, das zur Schau stellen von Neid zu unterbinden. Neid ist ein Gefühl, das verborgen wird. Bisher existieren keine aussagefähigen Untersuchungen darüber, welche auslösenden Faktoren für die spätere Neidfähigkeit in der frühkindlichen Entwicklung eine Rolle spielen.
   
Allerdings lernen wir in der Kindheit mit dem Neid auch gleich Bewältigungsstrategien. Der einfachste Weg besteht darin, das Gut des anderen zu diskreditieren. "Dabei gibt es Formulierungen, die man sich auch selbst vorsagen kann. Der andere hat zwar ein großes Haus und einen wunderschönen Garten, aber er hat Schwierigkeiten, mit seinen Kindern und die habe ich nicht. Das heißt also zu den Bewältigungsstrategien gehören solche internen Rechnungen, wo Güter die ich selbst besitze, gegen die Güter gerechnet werden, die die anderen haben und die ich beneide. Auch bei dem Beneideten kann sich ein negatives Gefühl entwickeln, denn diese fühlen sich durch den Neider bedroht. Da hilft wohl dann nur, was Wilhelm Busch bereits schrieb: "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“." 

© 3sat / scobel 
Quelle: www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/scobel/126132/index.html
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