Zum Stand der Videotechnik

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Bei Videotechnik und elektronischer Bildverarbeitung gibt es nichts zu verharmlosen. Die technische Entwicklung auf diesem Gebiet schreitet voran und bietet zahlreiche Ansätze, deren Zielsetzung die Überwachung des menschlichen Verhaltens ist. Offen ausgesprochen wird dies ungern. So wurde in der Öffentlichkeit verbreitet, die neuen Kraftfahrzeug-Kennzeichen mit ihren merkwürdig geformten Zeichen dienten der Fälschungssicherheit. Tatsächlich jedoch erleichtern solche Formen die automatische Schrifterkennung mit dem Computer. „Automatisch“ heißt hier im Zusammenspiel mit einer umfassenden Datenbank, so daß wesentlich mehr möglich ist als lediglich unberechtigte Dauerparker zu identifizieren.

Heutige Beobachtungstechnik macht sich beim Wachpersonal erst bemerkbar, wenn in der aufgenommenen Szene eine Bewegung stattfindet. Es wird also keine Aufmerksamkeit des Beobachtungspersonals verschwendet. An der University of Leeds wird derzeit an einem System gearbeitet, das selbständig erkennen soll, wenn sich in einer aufgenommenen Szene verdächtige, also nicht dem Normalbild entsprechende Handlungen abspielen. Praxistauglich sind bereits Systeme, die Bewegungen nur melden, wenn sie in bestimmten Bildbereichen (also beispielsweise sicherheitsrelevanten Zonen) stattfinden. Realisiert sind auch Personenzählsysteme, die die Zahl von Demonstranten auf einem öffentlichen Platz feststellen können.

Automatische Gesichtererkennung ist z.B. für Zugangssysteme bereits praktikabel. Schwierigkeiten bereitet jedoch nach wie vor die Realisierung einer automatisierten Identifizierung einzelner Gesichter in Menschenansammlungen. Insbesondere Echtzeitsysteme, die Identifikationen aus laufenden Videobildern ermöglichen, sind derzeit Utopie. Allerdings können Ausschnitte von Einzelbildern einer Auswertung zugeführt werden, so daß laut Aussagen der britischen Polizei eine Erfolgsquote von 80 Prozent erreicht wird.

Auch wenn die automatisierte Erkennung von bestimmten Merkmalen, Verhaltensmustern usw. heute noch am Anfang der Entwicklung steht und die Technik zunächst Großinstitutionen, wie z.B. der Polizei, vorbehalten ist, so ist doch zu erwarten, daß früher oder später auch der durchschnittliche PC-Nutzer in den Genuß fortgeschrittener Überwachungstechnik kommen wird. Gleichzeitig kann man einer installierten Kamera nicht mehr die Größe einer Kaffeekanne unterstellen. Heute haben sie eher das Format eines Radiergummis. Ist eine Kamera doch noch etwas größer, so handelt es sich um ein Hochleistungsgerät, das noch aus hundert Metern die Aufschrift einer Zigarettenschachtel lesbar machen kann. Schon Kameras für den Amateur können heute einen größeren Bereich des elektromagnetischen Spektrums aufnehmen als das menschliche Auge, d.h Wärmestrahlung wird sichtbar. Gleichzeitig sind diese Geräte enorm lichtempfindlich, so daß sie als Nachtsichtkamera genutzt werden können.

Bilder im Computer

Prinzipiell läßt sich jede elektronische Kamera mit einem Computer koppeln. Dazu gibt es im Handel eine Menge Zubehör, z.B. spezielle Steckkarten, die in den Rechner nur eingesetzt werden müssen. Das kann ein Schüler in fünf Minuten bewerkstelligen. Ob herkömmliche oder speziell auf den Computereinsatz zugeschnittene Kameras eingesetzt werden: in jedem Fall fließen die Bilder in eine Datei. Wird ein digitaler Fotoapparat eingesetzt, werden die aufgenommenen Bilder auf sog. SmartMedia-Cards gespeichert. Pro Karte können derzeit je nach Bildauflösung 12 bis 50 Aufnahmen gespeichert werden. Ist der Fotograf wieder zu Hause angekommen, kann er die Bilddateien über die serielle Schnittstelle, also per Kabel, in seinen Personal Computer übertragen. Dort lassen sich die Bilder unmittelbar betrachten und mit herkömmlichen Grafikprogrammen nach Wunsch verändern. Genauso unmittelbar lassen sich die Bilder in Dokumente einfügen, die dann ins World Wide Web gestellt werden können.

Automatisch arbeiten hingegen die sog. „Webcams“, die es in unterschiedlichen Ausstattungen gibt. Allen gemeinsam ist, daß sie in regelmäßigen Abständen selbständig Bilder aufnehmen, die unmittelbar an einen Web-Server weitergegeben werden, so daß sie praktisch im Moment ihres Entstehens weltweit verfügbar sind. Wer sich über den Füllstand der Kaffeemaschine informieren will, ohne den lästigen Weg über den Gang zu machen, stellt dort einfach eine Kamera auf. Die aktuellen Bilder vom frischen Kaffee erscheinen in einem Fenster auf dem Computermonitor. Wenn der dafür genutzte Rechner ohnehin am weltweiten Netz „hängt“, dann würde es - pointiert gesagt - technisch zusätzlichen Aufwand bedeuten, die Bilder der Menschheit vorzuenthalten. Während aktuelle Bilder einer Bushaltestelle in Beverly Hills noch vor nicht langer Zeit angeblich eine Million Internet-Nutzer angelockt haben - ein Freak hatte dort einfach seine Kamera aufgestellt -, gehören derartige Aufnahmen inzwischen zum Alltag selbst der deutschen Provinz.

Eine billige Digitalkamera (Großhandelspreis in den USA bereits unter zehn Dollar) muß unmittelbar an einen Personal Computer angeschlossen werden, um arbeiten zu können. Selbstverständlich gibt es inzwischen Geräte, die autonom arbeiten können. Sie brauchen lediglich den Strom aus der normalen Telefonsteckdose, um selbständig Bilder an einen entfernten Web-Server weiterzugeben oder Bilddateien an vorgegebene E-Mail-Adressen zu senden. Dies kann in regelmäßigen Zeitintervallen geschehen oder „wenn jemand vor der Wohnungstür auf einen Auslöser unter der Fußmatte tritt“. Die nächste Größenordnung umfaßt Kameras, die dreh- und schwenkbar angebracht werden und über einen eigenen Web-Server (also eine eigene IP-Nummer) verfügen und Videobilder selbständig in HTML-Dokumente (also Web-Seiten) integrieren können. Von einem solchen Gerät können auch weitere Kameras gesteuert werden. Sie liefern Bilder vom kontinuierlichen „Video-Stream“ über Intervalle von 100 Millisekunden bis zu einer Stunde.

Auch die Technik der Bildübertragung über das Internet entwickelt sich fort. Bisher mußte eine Datei, die eine Video-Sequenz beinhaltete, zunächst komplett über das Netz transportiert sein, bevor der Empfänger sie anschauen konnte. Nunmehr kann die Wiedergabe des Videos bereits nach wenigen Sekunden beginnen, wobei die letztliche Länge des Films unerheblich ist. Auch die Live-Übertragung ist möglich. Probleme bereiten derzeit die häufig noch geringen Leitungskapazitäten und noch mehr oder weniger proprietäre Formate. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch im World Wide Web die mehr oder weniger holprigen Folgen von Einzelbildern durch Liveübertragungen von jedem beliebigen Punkt der Erde ersetzt werden.

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