Zubehör für den Reitsport: Tipps zur Auswahl von Gamaschen, Longierbedarf, Putzzeug und Zusatzfutter

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Zubehör für den Reitsport: Tipps zur Auswahl von Gamaschen, Longierbedarf, Putzzeug und Zusatzfutter

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde. So lautet der bekannte Spruch und viele Reiter werden aus ganzem Herzen zustimmen. Wenn Sie das Glück haben, ein Pferd zu besitzen, benötigen Sie neben Ihrer eigenen Ausrüstung für die Pflege Ihres Pferdes Ausrüstungsgegenstände und das passende Zubehör. Putzzeug und Pflegemittel, Bandagen, Gamaschen, Gerten, Halfter und Zusatzfutter sowie Voltigier- und Longierbedarf. Je nachdem, welchem Reitsport Sie nachgehen, werden Sie viele dieser Dinge brauchen.

Wir möchten in diesem Ratgeber näher auf Gamaschen, Longierbedarf, Putzzeug und Zusatzfutter eingehen. Denn mit dieser Grundausstattung wird sich fast jeder Reiter näher beschäftigen müssen. Es gibt zu allen einige Besonderheiten zu beachten. Lesen Sie im Folgenden, welche das sind.

Gamaschen zur Stütze und als Schlag- und Stoßschutz für Pferdebeine

Gamaschen stammen ursprünglich aus der menschlichen Benutzung und wurden beim Militär über den Stiefeln getragen oder auch anstelle von hohen Stiefelschäften. Sie dienten wohl am ehesten zum Schutz der Schuhe und Beinkleidung. Zunächst trugen im 18. Jahrhundert auch Fußtruppen Gamaschen, später hatten nur noch berittene Offiziere dieses Kleidungsstück. Heute werden Gamaschen fast nur noch im Reitsport für Pferde verwendet. Gamaschen sollen vor allem im Springsport und Geländesport das empfindliche Bein des Pferdes (Röhrenbein, Fesselkopf, Sehnenbein) vor Schlägen und Verletzungen schützen. Denn Pferde sind von Natur aus Lauftiere und keine Sprungtiere. Ihre Beine und Knochen sind verhältnismäßig zart gebaut, besonders das Unterbein zwischen Huf und Sprunggelenk ist gefährdet. Deshalb besteht bei Sprüngen immer eine große Verletzungsgefahr für das Pferd, es kann einknicken, was Verletzungen an Sehnen, Knochen und Knorpel zur Folge hat. Auch im Gelände kann es sich durch Stöße oder weichen, matschigen Untergrund verletzen. Da solche Verletzungen, besonders an den Knochen, bei Pferden äußerst ernst zu nehmen sind, setzen viele Reiter auf Gamaschen (statt Bandagen, weil sie einfach anzulegen sind). Sie werden schlicht geklettet oder geknüpft.

Gamaschen für Pferde, die Verletzungen durch Stützung und Schlagschutz verhindern sollen, gibt es mittlerweile in zahlreichen Ausführungen. Hartschalengamaschen gibt es in der einfachsten Variante als halb offene Gamasche mit Plastikschale und einer Unterlage, z. B. Lammfell oder Neopren. Komplettvarianten dagegen bedecken das ganze Unterbein bis zum Fesselkopf. Sie bestehen z. B. aus einer Schale aus Carbon und einer Einlage mit Gel, das Schläge und Stöße absorbieren soll.

Beim Kauf von Gamaschen sollten Sie wohlüberlegt vorgehen. Studien zeigen, dass die Schutzwirkung der Gamaschen, vor allem bei Stößen, oft massiv überschätzt wird und dass Gamaschen oft nicht halten können, was der Hersteller verspricht. In Tests hat sich gezeigt, dass manche Gamaschen Stöße sogar noch verstärkten, statt sie zu dämpfen. Hier hängt also vieles von der Qualität ab und auch von der vernünftigen Annahme, dass auch eine sehr gute Gamasche kein hundertprozentiger Schutz sein kann. Wählen Sie am besten Gamaschen mit guten Testergebnissen und lassen Sie dann im Reitalltag die Vernunft walten. Ein Pferdebein ist empfindlich und sollte durch entsprechende Behandlung nicht übermäßig belastet werden, egal ob sich eine Gamasche daran befindet oder nicht.

Hufglocken, Streichkappen und Bandagen

Neben Gamaschen, die für die Vorderbeine verwendet werden, gibt es noch Hufglocken, Streichkappen und Bandagen, die ebenfalls eine Schutzfunktion haben sollen. Hufglocken werden auch als Springglocken bezeichnet und sollen den Ballen des Pferdes schützen. Konkret bedeutet das, dass das Pferd sich bei Sprüngen nicht selbst mit den Hinterbeinen in die vorderen Ballen treten kann. Auch für Rennpferde und im Gelände können Hufglocken auf diese Art sinnvoll sein, da Pferde sich recht häufig selbst streifen oder treten. Im Polosport werden Hufglocken regelmäßig eingesetzt, weil die Pferde sich dort auch gegenseitig bei engem Kontakt verletzen können. Hufglocken gibt es in verschiedenen Ausführungen und sie sind aus unterschiedlichen Materialien erhältlich. Je nach Stärke haben sie auch ein unterschiedliches Gewicht und können dann unter Umständen auch das Laufverhalten des Pferdes beeinflussen. Hufglocken sind aus Gummi oder Latex erhältlich oder aus Schaumstoff mit Neopren. Die Schaumstoffglocken werden gewickelt und geklettet, die Gummiglocken umgedreht, übergestülpt und dann umgeklappt.

Streichkappen für die Gelenke an den Hinterbeinen werden ebenfalls eingesetzt. Im Springsport sind sie nur bedingt nützlich gegen das Stangenreißen, da sie eher klein sind. Sie schützen vielmehr vor dem Anschlagen durch die eigenen Vorderhufe. Auch im Gelände können Pferde sich mit den eigenen Beinen streifen, daher sind auch dort Streichkappen sinnvoll.

Die Verwendung und der Sinn von Bandagen werden kontrovers diskutiert, ebenso wie bei Gamaschen. Bandagen sollen als Schutz des unteren Beins dienen, haben jedoch keine Stützfunktion. Das Anlegen von Bandagen ist schwierig und es kann viel falsch gemacht werden. Wird zu eng gewickelt, kann das die Blutzufuhr behindern, wird zu locker gewickelt, löst sich die Bandage und wird zur Stolperfalle. Gewickelt wird im Uhrzeigersinn, angefangen am Karpal- oder Tarsalgelenk, bis der Fesselkopf umschlossen ist. Dann wickelt man wieder nach oben. Wenn Sie Bandagen verwenden möchten, schauen Sie sich am besten einmal bei einem Profi an, wie das Wickeln richtig gemacht wird. Wichtig: Werden die Bandagen nass, ziehen sie sich zusammen und können zu einem Blutstau führen.

Generell werden unter Bandagen noch Unterlagen gelegt. Man unterscheidet grob zwischen Fleece-Bandagen, Elastik-Bandagen und Nest-Bandagen. Letztere sind Bandage und Unterlage in einem. Von Elastik-Bandagen ist vor allem für Anfänger dringend abzuraten, da sie abschnüren können. Fleece-Bandagen sind dagegen wenig dehnbar und besser geeignet.

Longierbedarf für Anfänger, untrainierte Pferde und für das Voltigieren

Im Reitsport gibt es viele Gründe zu einer Longe zu greifen. Pferde, die länger gestanden haben, können so wieder in einen trainierten Zustand gebracht werden, ohne durch Sattel und Reiter belastet zu sein. Reitanfänger lernen an der Longe den richtigen Sitz, ohne sich auch noch auf die Anleitung des Pferdes konzentrieren zu müssen. Und zu guter Letzt ist die Longe auch ein wichtiger Bestandteil des Voltigierens. Für jeden Zweck dienen eine andere Longe und ein anderes Longenzubehör. Im Allgemeinen gehören zum Longierbedarf aber folgende Ausrüstungsgegenstände:

  • Longe: Die Longe kann eine normale Longe oder auch eine Doppellonge sein. Normale Longen sind etwa 8 Meter lang, Doppellongen 16 m oder mehr. Erfahrene Longenführer können damit mehr Einfluss auf die Bewegungen des Pferdes ausüben.
  • Longiergurt: Ist kein Sattel vorhanden, dann wird ein Longiergurt verwendet, um hinter dem Widerrist die Hilfszügel verschnallen zu können. Es handelt sich um einen Gurt, der um den Rumpf des Pferdes gelegt wird und mit Metallringen für die Hilfszügel ausgestattet ist.
  • Hilfszügel: Da eine Longe allein nur wenig Einfluss auf die Bewegungen des Pferdes zulässt, werden Hilfszügel eingesetzt. Beim Voltigieren helfen Hilfszügel dem Pferd beim Ausbalancieren. Soll ein Pferd trainiert werden, schränkt der Hilfszügel z. B. die Kopfbewegung nach oben ein, sodass das Pferd die Rückenmuskulatur stärker beansprucht und trainiert. Es gibt verschiedenen Arten von Hilfszügeln zu unterschiedlichen Trainingszwecken. Die Gogue dient etwas dem osteopatischen Longieren, daneben gibt es noch Dreieckszügel, Ausbindezügel, Chambon und Lauffer-Zügel.
  • Longierpeitsche: Longierpeitschen müssen ausreichend lang sein, um das Pferd auch erreichen zu können. Sie bestehen aus einem Stab und einem langen Schlag daran, mit dem das Pferd leicht touchiert werden kann.
  • Zaumzeug: Man kann eine Trense mit Reithalfter verwenden und die Zügel abtrennen, besser geeignet ist aber ein spezieller Kappzaum ohne Gebiss.

Putzzeug für die tägliche Pflege des Pferdes

Jedes Pferd benötigt auch die entsprechende Körperpflege. Pferde sollten täglich abgebürstet werden, um das Fell von Schmutz und Dreck zu befreien, aber auch um sie zu massieren. Auch die Hufe sollten in regelmäßigen Abständen gepflegt werden. Für die Körperpflege stehen folgende Utensilien zur Verfügung:

  • Kardätsche
  • Fellkratzer
  • Massagestriegel
  • Wurzelbürste
  • Gummistriegel
  • Putzhandschuhe
  • Mähnenkamm
  • Hufkratzer
  • Schweißmesser
  • Schwamm

Nicht alle Pferde mögen es, massiert zu werden, andere lieben es abgöttisch. Empfindliche Pferde sollte man lieber mit einem weichen Gummistriegel putzen, andere Pferde vertragen problemlos einen Metallstriegel. Hier müssen Sie einfach testen, worauf Ihr Pferd am besten reagiert.

Zusatzfutter: Mineralien und Kraftfutter für Pferde

Normalerweise würde ein Pferd kein Zusatzfutter benötigen. Von Natur aus benötigt es nicht mehr als Gras, Kräuter und Blätter, die auf einer Weide zur Verfügung stehen. In menschlicher Haltung kommt noch Raufutter in Form von Heu hinzu. Allerdings kann es leicht vorkommen, dass das Pferd auf einer Mangelwiese steht, wo nicht genügend Jod, Selen oder ein anderes Mineral vorkommt. Wer sich nicht sicher ist, kann Bodenproben nehmen lassen, das regionale Landwirtschaftsamt übernimmt solche Aufgaben. Haben Sie eine Mangelweide, muss natürlich zugefüttert werden. Ist die Wiese in Ordnung, benötigt das Pferd bei normaler Belastung kein Zusatzfutter.

Bei altem Heu hat übrigens die Menge an Nährstoffen so nachgelassen, dass man zusätzlich Vitamin-A-haltiges Zusatzfutter oder Karotten füttern sollte. Bei Heu, das mehr als ein Jahr alt ist, sollte man täglich zudem 50 –100 ml Öl für genügend Vitamin E geben. Pferde, die nicht genügend Auslauf haben, benötigen zusätzlich Vitamin D (da dies nur im Sonnenlicht vom Körper gebildet wird).

Pferde, die hart arbeiten (2 Stunden oder mehr täglich), verbrauchen mehr und profitieren von einem Mineralfutter neben ihrem Salzleckstein. Um sicherzugehen, dass Ihr Pferd mit allem versorgt ist, geben Sie 20 bis 60 Gramm Mineralfutter täglich (40 für Kleinpferd, 60 für Großpferd). Sie müssen dabei keine Überdosierung befürchten. Im Zweifelsfall sollten Sie, was die Fütterung betrifft, aber immer Ihren Tierarzt konsultieren.

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