Zoll und Steuern bei Bestellungen aus dem Ausland - Übersicht

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Dieser Ratgeber soll eine Übersicht liefern, was nach dem Ersteigern von Artikel aus dem nicht-EU Ausland noch an zusätzlichen Kosten auf einen zukommen könnte (Stand: 27.08.2013, inkl. Änderungen für nichtkommerzielle Sendungen ab 01.07.2013).

Zoll und Zollgebühren

Hier lohnt es sich aufzupassen, denn spätestens hier entscheidet sich, ob sich das vermeintliche Schnäppchen aus dem Ausland gelohnt hat oder letztendlich doch teurer kommt als zunächst gedacht. Wenn einem die oftmals hohen Versandkosten schon keinen Strich durch die Rechnung gemacht haben wird es jetzt ernst, denn je nach Warenwert darf man nun dementsprechend Geld an den Staat bezahlen. Dabei wird zunächst unterschieden, ob die Sendung kommerzieller oder nichtkommerzieller Natur ist.

Wichtige Begriffe in diesem Kapitel:

  • Warenwert = Wert der versendeten Ware (wird auf der Zollinhaltserklärung angegeben)
  • Zollwert = Warenwert + Versandkosten
  • EUSt = Einfuhrumsatzsteuer
  • Zollgebühren = Gebühren, die zusätzlich zur EUSt an den Zoll abgeführt werden müssen

Geschenksendungen (nichtkommerzielle Sendungen)

Geschenksendungen sind Sendungen, die Waren zum persönlichen Gebrauch enthält und ohne irgendeine Bezahlung oder entsprechende Gegenleistung verschickt werden. Somit fallen Artikel, die auf ebay von Privatpersonen ersteigert werden, streng genommen nicht mehr in diese Kategorie. Als nichtkommerzielle Sendung muss sie als Geschenk (engl. 'Gift') gekennzeichnet sein, was übrigens keine Garantie dafür ist, dass das Paket unkontrolliert durch den Zoll fällt. Für diese gilt eine Freigrenze von 45€ Warenwert. Sollte dieser Wert überschritten werden, so ist für den gesamten Warenwert eine Abgabe zu entrichten. Es wird ein pauschaler Abgabensatz von 17,5% erhoben. Für Sendungen aus bestimmten Ländern gilt ein Abgabensatz von 15%. Die Versandkosten bleiben bei der Berechnung der EUSt bei nichtkommerziellen Sendungen unberücksichtigt.

Kurzfassung:

wenn Warenwert > 45€ gilt: zu entrichtender Betrag = Warenwert x 0,175 (oder 0,15)

Für einen Warenwert über 700€ müssen zudem noch Zollgebühren bezahlt werden.

Bei nichtkommerziellen Sendungen gibt es zudem Freigrenzen für Kaffee, Tabakwaren, Alkohol/alkoholhaltige Getränke und Parfum. Unterhalb einer gewissen Menge werden für diese Artikel keine gesonderten Steuern erhoben. Darüber gelten gesonderte Abgabensätze.

Normale Sendungen (kommerzielle Sendungen)

Alle Sendungen, die kein Geschenk sind, fallen unter diese Kategorie. Es spielt keine Rolle, ob es sich um einen privaten oder gewerblichen Verkäufer handelt. Die Bemessungsgrundlage ist der Zollwert, d.h. Warenwert zzgl. Versandkosten. Für diese Art von Sendungen gilt eine Freigrenze von 22€ Zollwert. Sollte dieser Wert überschritten werden, so ist für den gesamten Zollwert die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) zu entrichten. Der Steuersatz liegt bei 19% (ggf. verminderter Steuersatz 7%, z.B. Bücher, Songbooks (auch mit Begleit-CD), Comics).

Kurzfassung (nur EUSt-pflichtig):

wenn Zollwert > 22€ gilt: zu entrichtender Betrag = EUSt-Betrag = Zollwert x EUSt-Satz

In der Regel wird der Zoll erst ab einer einziehbaren EUSt von mehr als 5€ aktiv, d.h. unterliegen die Waren der normalen EUSt von 19%, so gilt eine effektive Freigrenze von 26,31€. Bei einem verminderten EUSt-Satz von 7% (z.B. Bücher, Songbooks (auch mit Begleit-CD), Comics) gilt somit eine effektive Freigrenze von 71,42€.

Sollte der Zollwert 150€ übersteigen, so sind zusätzlich zu der EUSt die Zollgebühren zu entrichten. Beträgt der Zollwert z.B. 150,01€, so sind die vollen 150,01€ zu verzollen! Der Zollsatz ist dabei je nach Artikel unterschiedlich. Computer, Notebooks und Handhelds sind z.B. zollfrei, für Textilien sind 12% Zoll fällig. Multimedia-CD/DVDs sind zollfrei, für Audio-CDs und Video-DVDs wird wiederrum eine Zollgebühr von 3,5% verlangt. Für die aktuellen Tarife besuchen Sie bitte die Website des deutschen Zolls. Achtung: auf die entrichteten Zollgebühren wird zusätzlich die EUSt erhoben!

Kurzfassung (EUSt- und zollpflichtig):

wenn Zollwert > 150€ gilt: zu entrichtender Betrag = Zollbetrag + EUSt-Betrag = (Zollwert x Zollsatz) + {[(Zollwert x Zollsatz) + Zollwert] x EUSt-Satz}

Anders als bei nichtkommerziellen Sendungen gibt es hier keine Freigrenzen für Kaffee, Tabakwaren, Alkohol/alkoholhaltige Getränke und Parfum. Es werden unabhängig von der Menge gesonderte Steuern für Artikel dieser Art erhoben.

WICHTIG: da bei nichtkommerziellen Sendungen die Versandkosten in die Berechnung der Abgaben miteinfließen, sollten sie für die Zollabfertigung auch ersichtlich sein. Wenn nicht, nimmt der Zoll automatisch eine Versandkostenpauschale an, die deutlich über den wirklich gezahlten Versandkosten liegt, und berechnet einen Anteil, ca. 70% davon, als Versandkosten. Dies führt dazu, dass man wesentlich mehr EUSt (und ggf. Zollgebühren) bezahlen muss, als eigentlich nötig. Vor allem beim Versand mit UPS scheint dies gerne mal vorkommen, siehe die zahlreichen Foreneinträge zu diesem Thema im Internet (ich hatte dieses Problem übrigens auch schon mal). 

Generelle Hinweise bzgl. der Zollabwicklung

In der Regel passiert die Zollabwicklung relativ schnell. In Zeiten mit hohem Versandaufkommen, besonders in den Wochen vor Weihnachten, sollte man sich jedoch darauf einstellen, dass sich die Zollabwicklung bei EUSt-pflichtigen Sendungen unabhängig von der gewählten Versandart erheblich verzögert. Wurde die Sendung über einen Kurierdienst, z.B. UPS, versandt, so geht die Zollabwicklung in der Regel erheblich schneller vonstatten, da die Zollinhaltserklärung schon übermittelt wird, bevor das Paket das jeweilige Land überhaupt verlassen hat.
Ist den Sendungen eine Zollinhaltserkläung (sowie bei kommerziellen Sendungen eine Rechnung an der Außenseite) beigefügt, wird die Sendung beim nächsten Zollamt abgewickelt und eventuell anfallende Kosten für EUSt (Einfuhrumsatzsteuer) und Zollgebühren ermittelt, die dann an den Postboten bei Übergabe der Sendung an der Haustür entrichtet werden müssen. Sollte die Zollinhaltserklärung (oder eine Rechnung) fehlen, scheinen diese nicht mit dem Inhalt übereinzustimmen oder bestehen Zweifel an der Richtigkeit des angegebenen Warenwerts, so dürfen Sie persönlich (oder über einen bevollmächtigten Vertreter) die Sendung unter Vorlage eines Zahlungsnachweises (Kreditkartenrechnung, PayPal-Ausdruck) und ggf. noch eines Ausdrucks der Artikelseite/des Warenkorbs bei Ihrem zuständigen Zollamt auslösen. In diesem Fall landet eine entsprechende Benachrichtigung im Briefkasten.

Zusammenfassung

Ich hoffe, dass der Ratgeber Ihnen geholfen und Ihre Fragen rund um die Versandmöglichkeiten zum Thema ''Zoll und Steuern bei Bestellungen aus dem Ausland'' beantwortet hat. Ich kaufe selbst mehr oder weniger regelmäßig im Ausland und habe dadurch bereits einige Erfahrungen sammeln können. Für Fragen, Wünsche, Verbesserungsvorschläge und Anregungen bin ich natürlich immer dankbar ;-) Bitte vergessen Sie nicht, diesen Ratgeber als ''hilfreich'' zu bewerten, wenn er Ihnen gefallen hat. Für weitere Informationen oder bei weiteren Fragen bzgl. der Verzollung besuchen Sie bitte die Website des deutschen Zolls.

Disclaimer: alle Warennamen werden ohne Gewährleistung einer freien Verwendbarkeit benutzt und sind evtl. eingetragene Warenzeichen. Alle zusammengetragenen Informationen basieren auf gründlicher Recherche und z.T. auf persönlichen Erfahrungen. Trotzdem kann für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit dieses Ratgebers keinerlei Gewährleistung übernommen werden.

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