Ziemlich viel mehr als eine Mini-Gitarre: Wissenswertes über die Ukulele

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Ziemlich viel mehr als eine Mini-Gitarre: Wissenswertes über die Ukulele

Die Ukulele blickt auf eine 130-jährige Geschichte zurück. Über die Jahre entstanden viele Legenden über den Ursprung dieses bekannten Musikinstrumentes.

Der sagenumworbene Ursprung der Ukulele in Portugal und die Verbreitung auf der ganzen Welt

Nach einer dieser Legenden soll 1879 der portugiesische Seefahrer und Entdecker João Fernandes nach langer Fahrt den Strand von Hawaii erreicht haben. Aus Freude, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben, feierten er und sein Team die Ankunft auf der Inselgruppe im Pazifischen Ozean, was sogleich die Neugierde der Einheimischen auf sich zog. Besonders auffällig war dabei eines der Musikinstrumente, die João Fernandes selber beim Fest spielte. Die Braguinha, eine kleine viersaitige Gitarre. Sie ist auch unter dem Namen "Machête" bekannt und gehört zu den traditionellen, portugiesischen Zupfinstrumenten. Die Fingerfertigkeit des Seefahrers beim Spielen der Braguinha sorgte für anerkennendes Staunen bei den Hawaiianern. Für sie erinnerte das schnelle Fingerspiel beim Anschlagen und Greifen der Saiten an einen Floh, der über die Saiten hüpft. Die Inselbewohner nannten sie daher Ukulele, was übersetzt "hüpfender Floh" heißt.

Die Ukulele wurde schnell zu einem begehrten Musikinstrument auf der Insel. Durch den Umstand, dass sich auch drei Handwerker mit auf dem Schiff von João Fernandes befanden, die sich schnell auf den Nachbau der Braguinha spezialisierten und diese als Ukulelen auf der Insel verkauften, erlernten viele Hawaiianer, unter anderem der damalige König, die Kunst des Ukulelenspiels. Durch die Teilnahme Hawaiis an einer Weltausstellung 1915 in San Francisco wurde die Ukulele erstmals in Amerika präsentiert. Dies und die Ernennung Hawaiis zum 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten 1959 verstärkte die Verbreitung der Ukulele auf der ganzen Welt, besonders in Nordamerika und Europa. Bekannte Gitarrenbauer wie Gibson oder Martin erkannten das große Potenzial und produzierten Ukulelen nach dem hawaiianischen Vorbild. Durch den Erfolg des Rock'n'Rolls trat die Ukulele jedoch in den späten 1960er-Jahren in den Hintergrund. In Deutschland wurde die Ukulele durch den bekannten Fernsehmoderator, Entertainer und Songwriter Stefan Raab wieder populär, der auf ihr mehrere Lieder präsentierte. Viele – auch seriöse – Musiker folgten diesem Beispiel und sorgten dafür, dass auch bei uns in Deutschland die Ukulele zu einem beliebten Musikinstrument zählt.

Aufbau und Variationen von Ukulelen von der Zigarettenschachtel über Darmsaiten zur Ananas

Basierend auf der Braguinha ähnelt die Ukulele natürlich dem Aufbau der Minigitarre aus Portugal. Sie besitzt einen hölzernen Korpus in der weitverbreiteten Form einer Acht. Über den Steg sind traditionell vier Saiten entlang des Halses gespannt, die per Stimmwirbel am Kopf der Ukulele gestimmt werden können. Modelle mit fünf oder sechs Saiten sind jedoch auch erhältlich. Hierbei hat sich eine klassische Sopran-Stimmlage mit D-Stimmung durchgesetzt. Je nach Stimmung ergibt sich eine spezifische Mensurlänge von 34 cm bis 48 cm. Mit Mensur ist die Länge der frei schwingenden Saiten zwischen dem Sattel am oberen Ende des Halses und Steg am unteren Ende des Halses gemeint, wo die Saiten jeweils fixiert sind. Auch die Bundstäbe sind wie bei einer Gitarre angelegt, es gib jedoch nur zwölf Bünde. Es gibt noch weitere Unterschiede zum Original. Während bei den Braguinhas Stahlsaiten verbaut wurden, nutzten die ersten Ukulelenbauer Darmsaiten, später Nylonsaiten. Die Form des Klangkörpers variiert natürlich von Modell zu Modell. So gibt es neben der achtförmigen Ukulele auch Modelle mit ovalem Korpus, genannt „pineapple", also Ananas. Vereinzelt wurden sogar Zigarrenkisten als Korpus benutzt. Die Verwendung einer bestimmten Holzart für den Klangkörper bestimmt die Qualität und den Preis der Ukulele. So bestehen günstige Modelle aus laminiertem Billigholz mit massivem Fichtenholz als Decke, während teure Modelle komplett aus exotischem Holz wie Mahagoni oder dem hawaiischen Holz Koa gefertigt sind. Dies prägt den Klang enorm.

Die traditionelle Sopran-Ukulele und die Sopranino-Ukulele als Scherzinstrument 

Der Sopran ist die höchste menschliche Stimmlage und generell nur Frauen und Knaben, die noch nicht in den Stimmbruch gekommen sind, vorbehalten. Die Sopran-Ukulele gilt als die traditionellste Ukulele. Sie ist durchschnittlich 55 cm lang mit einer Mensur von 34 cm und wird auf D gestimmt. Mittlerweile hat sich die C-Stimmung aber -ähnlich wie bei den Tenor- oder Konzert-Ukulelen - genauso durchgesetzt. Die Wahl der passenden Stimmung und damit verbunden die Wahl der passenden Saiten ist abhängig vom eigenen Geschmack und viele Notenbücher und Akkordtabellen für Ukulelen bieten Noten und Tabulaturen für beide Stimmungen an. Durch die im Vergleich zur Gitarre kleinere Bauform und den kürzeren Hals besitzt die Sopran-Ukulele nur zwölf Bünde. Vereinzelte Modelle besitzen auch 15 oder mehr Bünde, diese werden zum Korpus hin jedoch durch die festgelegte Länge der Mensur immer nah liegender und somit schwerer zu greifen. Gerade für Anfänger ist das Standardmodell mit zwölf Bünden also eher zu empfehlen. Eine noch kleinere Version der schon kleinsten Ukulelen-Variationen stellt die Sopranino-Ukulele dar, die jedoch mehr als Scherzinstrument anzusehen ist, da aufgrund der Größe maximal einige Akkorde vernünftig gegriffen werden können und durch das kurze Griffbrett und den kleinen Korpus kaum ein vernünftiger Klang zu erreichen ist. 

Aller Anfang ist schwer - nicht mit den Konzert-Ukulelen, die den Konzertgitarren in nichts nachstehen

Die Konzert-Ukulele besitzt, vergleichbar mit der Konzertgitarre, einen breiteren Hals und eine Mensur von 38 cm. Durch die größere Länge im Vergleich zur Sopran-Ukulele bietet dieses Modell oft 18 Bünde und auch der Klang ist hochwertiger. Dies liegt an dem größeren Korpus und dem längeren Hals. Damit treten weniger Intonationsprobleme auf, da auch das Stimmen der Saiten dadurch einfacher ist. Prägend für Konzert-Saiteninstrumente sind die auch hier verwendeten Nylonsaiten anstatt Stahlsaiten. Diese sind gerade am Anfang wesentlich angenehmer anzuschlagen, da sie weicher sind. 

Tenor-Ukulelen sind vor allem bei den Profis geschätzt und überzeugen durch einen druckvollen Klang

Der Tenor ist die höchste männliche Stimmlage für erwachsene Sänger nach dem Stimmbruch. Bei der Tenor-Ukulele ist somit auch ein tieferer Klang als bei der Konzert- oder Sopran-Ukulele zu erwarten. Üblich ist es dabei, die mit einer Mensur von 42 cm Länge gebaute Tenor-Ukulele auf C zu stimmen. Durch die Größe des Korpus klingt die Tenor-Ukulele wesentlich voluminöser als die kleineren Modelle und gilt gerade bei fortgeschrittenen Ukulelenspielern als erste Wahl, darunter auch Varianten mit sechs oder acht Saiten. 

Der tief klingende Riese unter den Ukulelen: die große Bariton Ukulele

Zwischen dem hohen Tenor und dem tiefen Bass ist der Bariton angesiedelt. Die Bariton-Ukulele ist mit 48 cm Mensur die größte Variante von Ukulelen und kommt mit dieser Größe schon an die Größe normaler Gitarren heran. Durch die G-Stimmung, die bei der Gitarre den unteren vier Saiten entspricht, klingt diese Ukulele auch wie das bekannte Saiteninstrument. Durch die Größe ist sie jedoch schwerer zu halten als die vorangegangenen Modelle und damit als Einstiegsukulele nicht zu empfehlen. Auch der typische Klang der Ukulelen geht durch die Stimmung etwas verloren. Sinnvoll ist dies jedoch in einer Ukulelen-Band, um dem typischen Klangbild kleinerer Ukulelen eine tiefere Note zu geben.

Wenn schon basslastig, dann richtig: Die Bass-Ukulele sorgt für den richtigen Groove

Anstatt der Bariton-Ukulele kann natürlich direkt zur Bass-Ukulele gegriffen werden, zum Beispiel vom Hersteller Kala. Diese moderne Ukulelen-Art hat die gleiche Größe wie das Bariton-Modell, besitzt jedoch spezielle, dicke Basssaiten. Dadurch wird ein dem Kontrabass ähnlicher Ton erzeugt, der jedoch durch die, im Vergleich zum Kontrabass, winzige Größe der Bass-Ukulele sehr leise ist. Auch das Greifen der dicken Saiten ist nicht einfach und erfordert einiges an Übung und Fingerfertigkeit. Dieser Exot unter den Ukulelen ist zudem preislich deutlich teurer als normale Modelle. Die Bass-Ukulele richtet sich somit an weit fortgeschrittene Spieler, die gezielt in einer Musikgruppe den typischen Bass-Sound beisteuern wollen.

Kleiner Klangkörper und großer Klang: kein Problem mit der E-Ukulele und dem passenden Lautsprecher

Dass die kleine Ukulele auch nur einen kleinen Klangkörper besitzen kann, ist logisch. Dennoch muss nicht auf einen druckvollen Klang verzichtet werden. Wie bei den E-Gitarren gibt es auch E-Ukulelen, also Ukulelen, deren Klang elektrisch verstärkt wird. Dies wird durch Tonabnehmer, sogenannte Pickups erreicht. Bei Stahlsaiten basiert die Funktionsweise dieser Tonabnehmer durch Magnete, die die Schwingungen der Saiten in elektrische Signale umwandeln, die an einen, an die Ukulele angeschlossenen, Verstärker gesendet und dort über Lautsprecherboxen verstärkt ausgegeben werden. Da jedoch viele Ukulelen keine Stahlsaiten, sondern Saiten aus Nylon oder Darm besitzen, wird hier ein piezoelektrischer Tonabnehmer verwendet, der auf den erzeugten Druck am Klangkörper reagiert und diesen in elektrische Spannung umwandelt, die dann an den Verstärker übertragen wird. Tonabnehmer können dabei aktiv und passiv sein. Passive Tonabnehmer wandeln die Signale nur 1:1 um, während aktive Tonabnehmer bereits einen Vorverstärker verbaut haben, der das Signal verstärkt und durch Klang- und Lautstärkenregler direkt am Instrument verändern kann. Aktive Tonabnehmer, wie die meisten piezoelektrischer Tonabnehmer, brauchen hierfür jedoch eine Energiespeisung in Form von Batterien. Mit entsprechenden Lautsprecherboxen kann somit auch die kleinste E-Ukulele große Flächen beschallen. E-Ukulelen gibt es in allen vorgestellten Größen und Formen. Akustische Ukulelen können mit den einzeln erhältlichen Pickups auch mit etwas handwerklichem Geschick selbst in E-Ukulelen umgebaut werden. 

Weiteres wichtiges Zubehör für Ukulelen: von Taschen über Saiten zu Stimmgeräten

Neben der eigentlichen Ukulele sollte auch das Zubehör wohlüberlegt ausgewählt werden. An erster Stelle stehen hier die Saiten, die sich durch Materialqualität und -dicke klanglich sehr unterscheiden. Sie sollten dem eigenen Spiel angepasst werden, so bieten dickere Tenor-Saiten einen volleren Klang, selbst auf Sopran-Ukulelen gespannt. Wenn Sie, anstatt mit den Fingern zu zupfen, mit einem Plektrum spielen, sollten Sie zudem darauf achten, nicht zu dünne Saiten zu nehmen, die beim Anschlagen schnell reißen können. Plektren, oder auch kurz „Pleks", gibt es in verschiedenen Stärken. Hier hilft es, verschiedene Stärken beim Anspielen direkt zu vergleichen. Als Stimmgerät sollten Sie ein chromatisches Modell nutzen, da diese wesentlich mehr Töne und Halbtöne erkennen, gerade in höheren Oktaven, was für Ukulelen zum genauen Stimmen enorm wichtig ist. Für den Transport eignen sich Instrumententaschen für Ukulelen, die nicht nur gut gepolstert, sondern auch weitestgehend wasserdicht sein sollten, um das empfindliche Holz teurerer Ukulelen schützen zu können. Zum Erlernen der Ukulele bieten sich Notenbücher und Lernbücher an. Wenn Sie jedoch schon Erfahrungen mit einer Gitarre gesammelt haben, werden Sie bei der Ukulele keine großen Probleme haben.

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