Zeitreisen mit Al Capone sind gefährlich

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Das Ford Model A erinnert an das wilde Chicago während der Prohibition: einmal wie ein Mafia-Boss vorfahren
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Das Ford Model A erinnert an das wilde Chicago während der Prohibition: einmal wie ein Mafia-Boss vorfahren

Frischer Wind peitscht durch die Häuserschluchten von Chicago. Du hast eine Lieferung im Kofferraum, sie klopft mit verbundenem Mund und gefesselten Händen gegen die Rückbank. Du weißt, die Tour wird heikel.

Eine Zeitreise mit Al Capone ist gefährlich. Und ein Ford Model A bringt Dich genau dorthin: in das wilde Leben der frühen 1930er Jahre. Die Einfachheit der Konstruktion, seine Zuverlässigkeit und die relativ stabile Fahrerkabine machten das zweite Ford Model A als Nachfolger des Model T so beliebt – übrigens nicht nur bei Gangstern. Mit 40 PS aus einem 3,3 Liter großen Vierzylinder konnte der Wagen flott bewegt werden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei gut 100 Stundenkilometern – vor mehr als 80 Jahren eine Wucht.
Überraschend schön erhaltener Innenraum mit gemütlich weichen Sesseln auf Vorder- und Rückbank
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Überraschend schön erhaltener Innenraum mit gemütlich weichen Sesseln auf Vorder- und Rückbank

Kein Klassiker, kein Oldtimer, sondern eine Legende

Es gibt Autos, um die sich Mythen ranken. Sie werden wertvoller, je öfter sie auf Messen und Auktionen stehen. Je beliebter, desto teurer.  Bei diesem Ford Model A scheint alles anders zu sein.


Für den Gegenwert eines modernen Kleinwagens kann diese Zeitmaschine den Besitzer wechseln. 1991 wurde sie aus den USA importiert und aufbereitet. Die blaue Lackierung hat sie nachträglich erhalten. Durch das hohe Alter weist das Fahrzeug sympathische Spuren von Patina auf. Technisch steht das Model A gut da. Der Unterboden wurde komplett versiegelt, Batterien und Betriebsflüssigkeiten komplett getauscht.
Eine zeitlose Farbkombination: Beigefarbene Speichenräder und königsblauer Lack samt schwarzen Kotflügeln verleihen Stil
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Eine zeitlose Farbkombination: Beigefarbene Speichenräder und königsblauer Lack samt schwarzen Kotflügeln verleihen Stil

Originaler Fahrzeugbrief aus den USA

Bisher wurde dieses Ford Model A seit dem Import erst auf einer Oldtimer-Rallye gefahren. Wer das „Gangstermobil“ in Deutschland zulassen möchte, muss allerdings ein Gutachten samt TÜV machen lassen.



In Absprache mit dem Verkäufer stellt das allerdings überhaupt kein Problem dar – das Auto hat eine saubere Historie samt amerikanischer Papiere und erfüllt alle Ansprüche, die das deutsche Gesetz an Fahrzeuge dieses Alters stellen kann. Ein Oldtimer-Kennzeichen mit all seinen Vorteilen – z. B. günstige Versicherung und Steuern sowie grüne Umweltplakette – kann also an die alte Karosse geschraubt werden.
Gut in Schuss mit leichter Patina: einfach gestalteter Motorraum mit 3,3-Liter Vierzylinder, der gut 40 PS leisten kann
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Gut in Schuss mit leichter Patina: einfach gestalteter Motorraum mit 3,3-Liter Vierzylinder, der gut 40 PS leisten kann

Fährt (fast) wie Omas Golf

Das Model A wurde ab 1927 von Ford in den USA und sogar zeitweise in der Sowjetunion (in Lizenz) und in Europa gebaut. Das Besondere: Es war der erste Ford, der in der Bedienung wie fast alle modernen Autos funktioniert: Es gibt Kupplung, Bremse und Gaspedal für die Füße, eine elektrische Zündung sowie ein Lenkrad – einfacher geht es nicht.


Der kräftige und relativ sparsame Motor (ca. 8-10 Liter Benzin pro 100 Kilometer) ist an ein 3-Gang-Schieberadgetriebe gekoppelt. Um geräuschfrei und schonend zu schalten, muss der Fahrer Zwischengas geben, um die Wellen innerhalb des Getriebes auf ähnliche Drehgeschwindigkeiten zu bringen. Das erfordert etwas Übung, geht aber bald schnell von der Hand. Kleiner Wissens-Fakt am Rande: Heutige Getriebe sind normalerweise schräg verzahnt. Die Zahnräder beim Model A waren noch gerade verzahnt. Das ist der Grund, warum Autos aus der damaligen Zeit ein „singendes“ Geräusch beim Fahren von sich geben. Rennwagen setzen übrigens heute noch auf gerade verzahnte Getriebe.

Ein Auto, das Liebe braucht

Das Ford Model A von eBay-Verkäufer „2750manfred“ steht gut da. Es bietet den legendären Charme der frühen Ford-Modelle. Wer mit ihm fährt, fühlt sich direkt in die Zeit zurück versetzt, als Autofahren keine Pionierarbeit war, sondern sich schon etabliert hatte. Weit mehr als vier Millionen Exemplare in Coupé-, Cabrio,- Limousinen- und Lieferwagenform wurden gebaut. Das Model A war ein echtes Weltauto. Deshalb sieht es auch hinsichtlich der Ersatzteilversorgung relativ gut aus. Teure Einzelanfertigungen brauchen Liebhaber nicht zu fürchten. Trotzdem sollten die glücklichen Käufer ihre Zeitmaschine hüten wie einen Schatz und ihm regelmäßig die Liebe zukommen lassen, die das Model A braucht: Wartung und Pflege gehören einfach dazu. Das wusste auch schon Al Capone: Seine Fahrer mussten ihre Autos immer top in Schuss halten.
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