Worauf Sie beim Kauf von antiquarischen Büchern und Handschriften vor 1700 achten sollten

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Worauf Sie beim Kauf von antiquarischen Büchern und Handschriften vor 1700 achten sollten

Ein Stück bewegter Zeitgeschichte

Es ist schon etwas ganz Besonderes, einen Gegenstand in seinen Händen zu halten, der schon mehrere hundert Jahre alt ist. Wenn es sich dabei noch um eine echte Rarität oder sogar um ein Einzelstück handelt, schlägt das Herz eines historisch interessierten Menschen in der Regel noch sehr viel höher. Dies mag auch einer der Gründe dafür sein, dass sich antiquarische Bücher und Handschriften aus der Zeit vor dem Jahr 1700 heute sehr großen Beliebtheit erfreuen.

Die Jahre davor mit ihren zahlreichen gesellschaftlichen Umbrüchen faszinieren ungemein. Es ist unter anderem die Welt der Ritter und Sagen, die Welt der Barockschlösser und des Prunks, aber auch die Zeit weltverändernder, wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Wenn Sie sich für antiquarische Werke aus dieser Zeit interessieren, haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen den Handschriften, die man in der Fachsprache auch mit dem Begriff „Manuskript“ bezeichnet, und gedruckten alten Büchern aus dem Antiquariatsbereich. Beide Varianten haben ihre Vorzüge, und ein Blick auf die oft wertvollen Stücke lohnt sich. Dieser Ratgeber soll Ihnen dabei helfen, sich in der Welt der historischen Bücher etwas besser zu orientieren. Er bietet ihnen einen guten Überblick über die Geschichte der historischen Literatur und weist auf Dinge hin, die Sie beim Kauf der Werke beachten sollten.

Wissenswertes über Handschriften erfahren, die vor 1700 gefertigt wurden

Wer Antiquitäten kaufen möchte, sollte sich zunächst mit deren Geschichte befassen. Wenn auch Sie diesen Weg gehen, können Sie die Antiquitäten wesentlich besser in den geschichtlichen Kontext einordnen und die Besonderheiten sowie den Wert der Exemplare einschätzen lernen. Unter alten Handschriften oder Manuskripten versteht man alle Bücher, Briefe oder anderen Formen von Publikation, die mit der Hand geschrieben wurden. Abgegrenzt werden muss dieser Begriff, der der Bibliothekswissenschaft oder der Editionsphilologie entstammt, von dem Begriff des Manuskripts, wie er beim Fernsehen oder im Radiogeschäft verwendet wird. Von Letzterem soll hier nicht die Rede sein. Alte Manuskripte wie zum Beispiel mittelalterliche Handschriften zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es sich bei ihnen um Unikate handelt. Auch wenn derselbe Text mitunter vielfach von Hand abgeschrieben wurde, um die Information später zu verbreiten, weist doch jede Handschrift kleine Abweichungen und Besonderheiten auf.

Bis zur Erfindung des Buchdrucks bzw. des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg war das Abschreiben von Publikationen der einzige Weg, Texte zu vervielfältigen. Geschrieben wurde besonders im Mittelalter mit Tinte – als Trägermaterial dienten Papyrus oder Pergament, später auch Papier.

Zu den berühmtesten historischen Handschriften zählen unter anderem das Ambraser Heldenbuch aus dem sechzehnten Jahrhundert, der Codex Nuttall aus dem vierzehnten Jahrhundert und das Rote Buch von Hergest aus dem vierzehnten Jahrhundert.

Spannendes zur Historie antiquarischer Bücher, die vor 1700 entstanden sind

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wird dem Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg zugeschrieben. Dieser erfand in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts ein vollständig maschinenbetriebenes System zum Druck mit beweglichen Lettern aus Metall und revolutionierte auf diese Art und Weise die Möglichkeiten des Buchdrucks. Die Vervielfältigung von Inhalten wurde damit entscheidend verändert, und ab dieser Zeit wurde das Medium Buch mehr und mehr zum Massenartikel, der bald auch für die Bevölkerung erschwinglich werden sollte. Besonders berühmt geworden ist die 42-zeilige Lutherbibel, die unter Experten auch unter dem Kürzel B42 bekannt ist.

Nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte, entstanden auch an anderen Orten in Europa Buchdruckereien, die nach dem System arbeiteten. Bis zum Jahr 1500 gab es 252 Druckorte in Europa. Zu Beginn lagen die Auflagen in der Regel bei 150 bis 250 Stück je Druckobjekt, als Sprache wurde meist Latein verwendet. Die am häufigsten hergestellten Druck-Erzeugnisse dieser Zeit waren Ablassbriefe, Kalender, Donaten – also volkssprachliche Grammatik-Traktate – und Bücher. Auch die ersten Großdruckereien entstanden bald, beispielsweise die Druckerei Anton Koberger in Nürnberg. Hier arbeiteten bis zu einhundert Mitarbeiter an insgesamt vierundzwanzig Druckerpressen an der Herstellung von Büchern und anderer Druck-Erzeugnissen. Die Druckerei wurde 1470 gegründet und wurde später zu einem sehr großen Unternehmen, zu dem sogar Papiermühlen gehörten. Anton Koberger beschäftigte Schriftgießer und Setzer, Illuministen und sogar reisende Buchagenten, die in der ganzen Welt unterwegs waren.

Tipps zur Auswahl antiquarischer Bücher und Handschriften vor 1700

Antiquarische Bücher und Handschriften können Sie sich anhand verschiedenster Kriterien aussuchen. Es werden unter anderem bei eBay so viele Varianten angeboten, dass Sie sich für bestimmte Merkmale entscheiden sollten, die Ihnen besonders wichtig sind. Eine gute Orientierungsmöglichkeit stellt die Auswahl der Werke aufgrund ihrer Entstehungszeit dar. Jedes Jahrhundert und jedes Jahrzehnt hat seine Besonderheiten, die unter anderem von technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen abhängen. Bei den um 1500 entstandene Antiquitäten und Schriften handelt es sich zum Beispiel um Produkte der frühen Neuzeit, die von Humanismus und Reformation geprägt war. Berühmte Persönlichkeiten der Zeit waren beispielsweise Erasmus von Rotterdam und Johannes Reuchlin, aber auch Ulrich von Hutten oder Sebastian Brant. Alle publizierten verschiedene Werke und prägten damit die Diskussionen unter Gelehrten, aber zum Teil auch die Gedanken innerhalb der Bevölkerung.

Die um 1600 entstandenen Werke und Produkte zählen dagegen bereits zur Zeit des Barock. Gegenüber früheren Zeiten wandte man sich nun im Bereich der Literatur eher der deutschen Sprache zu. Die Literatur war vielfältig und reichte von der höfischen Dichtung bis hin zu Romanen, die die Lebenswelt des Volkes widerspiegelten. Berühmt geworden ist beispielsweise das Werk „Simplicissimus“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen oder auch einige spanisch inspirierte Schelmenromane.

Gewünschte Titel, Verfasser und Initiatoren antiquarischer Bücher und Handschriften vor 1700 auswählen

Beschäftigen Sie sich mit der Geschichte des Buches und der Schriften aus der Zeit vor 1700, so werden Sie immer wieder auf bestimmte Verfasser und Initiatoren stoßen, die für die Werke verantwortlich zeichneten. Auch einige Titel sind besonders bekannt geworden. Die genannten Merkmale können gute Anhaltspunkte für Ihre Suche nach dem für Sie passenden Exemplar sein.

Berühmt geworden ist beispielsweise so manche Cosmographia. Mit diesem Namen bedachte unter anderem Sebastian Münster sein Hauptwerk, das sich mit der Kosmografie beschäftigte. Kosmografie bedeutet „Weltbeschreibung“, und ein solches Werk sollte in wissenschaftlicher, aber durchaus allgemein verständlicher Form das Wissen der Welt darstellen. Die Inhalte betrafen sowohl Geschichte und Geografie als auch Astronomie, Naturwissenschaften, Volks- und Landeskunde. Ein Buch zum Thema Kosmografie ist insbesondere deswegen auch heute noch interessant, weil Sie daran den damaligen Wissensstand ablesen können. Ähnliches ist auch mit einer Schedel-Weltchronik möglich. Hartmann Schedel, ein deutscher Arzt, Historiker und Humanist, gab das Werk im Jahr 1493 heraus. Er nannte es „Nürnberger Chronik“, wobei es später unter dem Namen „Schedel´sche Weltchronik“ bekannt wurde. Das Werk ist heute besonders als Zeitzeugnis für die Buchdruckkunst populär, aber auch die Inhalte sind aus historischer Sicht spannend. Die Chronik stellt die Geschichte der Welt von ihrer Erschaffung bis zur damaligen Gegenwart dar, außerdem folgt ein Abschnitt mit einem Ausblick auf Weltuntergang und Jüngstes Gericht.

Es gibt viele Werke, die hier als Beispiele Erwähnung finden können, denn es wurde schon zu früheren Zeiten viel geschrieben und spätestens ab Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern auch sehr viel publiziert. Spannend sind unter anderem auch die Drucke alter griechischer Werke wie z. B. der Schriften des Aristoteles und natürlich auch zahlreiche antike Bibeln.

Ergänzt wurden antike Handschriften und Bücher auch oft durch hochwertige und aufwendige Illustrationen und Grafiken wie beispielsweise die Karten von Janssonius, antike Kupferstiche von Hondius oder Ähnliche.

Bedeutsame Arten von antiquarischen Büchern und Handschriften von vor 1700 kennenlernen

Wenn Sie sich für sehr alte Publikation aus der Zeit vor 1700 interessieren, sollten Sie auch auf die Kenntnis einiger Bucharten nicht verzichten. Die Rede ist beispielsweise von Antiphonaren, Inkunabeln und Inkunabelblättern.

Ein Antiphonar, das man auch als Antiphonal oder Antiphonarium bezeichnen kann, ist ein Buch, das schon früh für das Stundengebet der römisch-katholischen Kirche verwendet wurde. Enthalten sind in einem solchen Werk sowohl die Antiphonen – also die Stundengebete selbst – als auch die Respensorien, Psalmen und Hymnen für die Gottesdienste. Die Tradition des Stundengebets wird noch heute in verschiedenen Kirchen gepflegt und hält Gebete für unterschiedliche Tageszeiten bereit.

Unter einer Inkunabel dagegen versteht man ein Druck-Erzeugnis, das zwischen 1454 – dem Jahr der Fertigstellung der Gutenberg-Bibel – und dem Ende des Jahres 1500 entstanden ist. Es kann sich bei einer Inkunabel um ein Buch oder auch um einen Einblattdruck, ein sogenanntes Inkunabelblatt, handeln.

Kennen Sie die Bedeutung dieser und weiterer Fachbegriffe, so können Sie sich gezielt nach solchen Exemplaren umsehen.

Antiquarische Bücher und Handschriften von vor 1700 nach Herstellungsmaterialien wählen

Schließlich ist die Auswahl antiquarischer Bücher und Handschriften aus der Zeit vor 1700 auch immer eine Angelegenheit, bei der Ihr persönlicher Geschmack zählt. Sie haben selbstverständlich auch die Möglichkeit, diesem Aspekt etwas mehr Bedeutung zuzumessen und Ihre Wahl entsprechend der Herstellungsmaterialien und der Verarbeitung zu treffen. Nicht selten steht diese übrigens auch mit dem Wert des historischen Stücks in Verbindung.

Die Materialien entsprechen – wie bei jeder Antiquität – jeweils den Verfügbarkeiten und technischen Möglichkeiten einer Zeit. So werden Sie beispielsweise viele Pergament-Handschriften finden können. Das Pergament ist eine bearbeitete Tierhaut, die man schon im Altertum als Material zum Beschreiben verwendete.

So sind antike Schriften optimal geschützt

Gerade bei Büchern, die möglichst lange vor Widrigkeiten wie Wind und Wetter, Kälte und Feuchtigkeit geschützt werden sollten, sorgte man sich auch sehr um einen hochwertigen Einband. Erhältlich ist so manches alte und in Leder gebundene Buch. Spannend ist in diesem Zusammenhang übrigens die Herkunft der Redewendung „ein Buch aufschlagen“. Der Ursprung soll darin liegen, dass man Bücher in früheren Zeiten mit einer Schnalle verschloss, um die Seiten des Werks möglichst glatt zu halten. Wer ein solches Buch öffnen wollte, musste darauf schlagen, um die Schnalle zu öffnen.

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