Worauf Sie beim Kauf antiker Apotheker-Flaschen und -Gefäße achten sollten

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Worauf Sie beim Kauf antiker Apotheker-Flaschen und -Gefäße achten sollten

Die Pharmazie und ihre Schätze

Die Geschichte der Pharmazie und des Apothekertums ist uralt. Bereits im 8. und 9. Jahrhundert gab es fahrende Drogen- und Gewürzhändler sowie heilkundige Mönche, welche als Vorläufer der Apotheker bezeichnet werden können. Man kann also von einer langen Tradition bezüglich Verkauf und Zubereitung von Arzneimitteln sprechen. Nachdem Friedrich II. im Jahre 1241 eine Medizinalverordnung durchsetzte, siedelten sich vermehrt feste Apotheken an.
Das Wort Apotheke stammt aus dem Griechischen und bedeutet wortwörtlich „Aufbewahrungsort“. Von zentraler Bedeutung sind deshalb vor allem die Gefäße zur Aufnahme und Aufbewahrung der Pharmazeutika. Diese bestanden bereits im Altertum aus verschiedenen Materialien und Formen, je nach Verwendungszweck. Dabei unterliegt das Aussehen und die Beschriftung von Apothekengefäßen auch heute noch besonderen Vorschriften. So sind leicht wirksame Substanzen mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zu versehen, stark wirksame Substanzen hingegen mit roter Schrift auf weißem Hintergrund. Wenn ein Glasgefäß für die Lagerung verwendet wird, muss es eine Mindeststärke von 2mm haben. Auch Verschlüsse aus unterschiedlichen Materialien wurden verwendet. Vor allem im Mittelalter variierte das Material des Verschlusses: Man verwendete Papier, Leder, Stoff und Kork.
Erst ab dem 18. Jahrhundert verschloss man die Gefäße mit eingeschliffenen Glaspfropfen, da viele Präparate nicht nur vor Licht, sondern auch vor Luft geschützt sein mussten. Bei den meisten Rezepturen kann die Zufuhr von Kohlendioxid, Sauerstoff, Wasserdampf oder ähnlichem eine chemische Reaktion bzw. Veränderung auslösen. Die Verschlüsse wurden deshalb direkt an die Flasche angepasst und eingeschliffen, damit diese luftdicht verschlossen blieben. Durch die stetige Weiterentwicklung sind wir heute in der Lage, viele Krankheiten und Unannehmlichkeiten zu bekämpfen. Medikamente stellten aber immer schon eine ganz besondere Ware für die Menschen dar, welche zudem auch eine spezielle Aufbewahrung forderte. Das Gewerbe der Apotheker ist höchst interessant und komplex. Durch Sammlungen von diversen pharmazeutischen Gegenständen, hält man die Historie lebendig. Außerdem sind diese antiquarischen Raritäten heute ein ideales und außergewöhnliches Dekorationselement.

Die Gefäße der Apotheker: ihre Formen und Verwendungen

In den vielen Jahren der pharmazeutischen Geschichte haben sich unterschiedlichste Gefäße zur Aufbewahrung von Salben, Tinkturen und Kräutern angesammelt. Verschiedene Länder, Zeiten, Fortschritte, Anwendungen und Substanzen forderten stets neue Materialien und Apothekenbehältnisse. Man beschränkte sich nicht nur auf Gefäße und Flaschen in der Apotheke selbst, sondern füllte auch alle Salben, Kräuter und Tinkturen für die Kunden in Behältnisse ab. Es war also nicht nur für die Aufbewahrung von Substanzen, sondern auch für den Transport essenziell, ein passendes Behältnis zu haben. Dabei mussten immer die Beschaffenheit des Gefäßes und die Eigenschaften des Medikaments beachtet werden. Heikle Substanzen wie z.B. Phosphor wurden besonders gesichert: Man brachte sie verschlossen in luftdichten Behältern und in gemauerten, kühlen Verschlägen unter.

Albarelli (Keramik): Wertvoll und funktional

Die älteste tradierte Form etablierte sich im Italien des 15. Jahrhunderts. Die zylindrische Formung stammt jedoch ursprünglich aus Persien. Die Gefäße haben in der Mitte eine leicht konkave Wandung und einen Halsring. Sie sind aus Tonerde gefertigt, gebrannt und mit einer Glasur überzogen. Die historischen Apothekengefäße tragen den Namen Albarelli (Einzahl: Albarello). Weiterhin finden die Namen Fayence, nach der italienischen Stadt Faenza benannt, und Majolika eine Verwendung. Bis ins 18. Jahrhundert war dieser Formtyp in Europa am meisten verbreitet. Gerade Gefäße aus Spanien und Italien sind hier gefragt und beliebt. Diese Gefäße sind besondere Schmuckstücke, da sie sehr häufig aufwendig und kunstvoll bemalt wurden. Die Motive haben hier nicht immer etwas mit dem Handwerk oder dem Inhalt zu tun; oft zeigen sie Ornamente, Blumen oder Menschen.

Kruken und Porzellangefäße

Porzellangefäße lösten die Keramikgefäße ab. Sowohl Keramik als auch Porzellan sind sehr unempfindlich gegen aggressive Substanzen. Außerdem schützen die blickdichten Gefäße den Inhalt vor Licht bzw. UV-Einstrahlung. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war gerade Porzellan teuer und deshalb besonders angesehen. Die Gefäße schmückten und repräsentierten deshalb den sichtbaren Teil der Apotheke. Auch heute sind sie noch dekorative Elemente, die sich nicht nur als Ausstaffierung für Apotheken eignen. Durch ihr helles Erscheinungsbild wirken sie freundlich und auflockernd. Kruken wurden vor allem zur Aufbewahrung von festen und halbfesten Stoffen (Cremes, Pasten, Salben) verwendet. Diese Vorratsgefäße haben im Gegensatz zu den Fayencen keine Wölbungen oder Verengungen am Halsring, gleichwohl sind sie aber zylinderförmig. Der Deckel der Gefäße wurde früher meist nur aufgelegt. Heutzutage sind die Behälter aus Kunststoff und mit Schraubverschluss versehen. Die Inhaltsbeschriftung war meist auf Latein in die Kruken eingebrannt. Nur bei Drogisten fand man deutsche Beschriftungen.
Ergattern Sie ein Gefäß mit der Aufschrift „Pinguedo hominis“ oder „Axungia hominis“, können Sie sich als Besitzer/in eines seltenen Gefäßes für Menschenfett glücklich schätzen. Dieses ist bereits seit dem 16. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil von Salben und anderen fetthaltigen Arzneien. Im 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung dann in „Humanol“ geändert. Es gibt viele Gefäßbeschriftungen, die heute veraltet sind oder aus dem Handel genommen wurden.

Apothekergefäße aus Steingut: die günstige Alternative

Behältnisse aus Steingut waren die kostengünstigere Variante der Porzellangefäße. Aus diesem Grund wurden sie vor allem im Lager genutzt, wo die Öffentlichkeit keinen Zutritt hatte. Umso interessanter sind sie für Sammler, da nicht viele dieser Gefäße erhalten sind. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Ton- und Holzzylinder durch runde und eckige Papp- und Kartongefäße ersetzt.

Die Aufbewahrung in Holzgefäßen

Auch Holzgefäße waren vor den Blicken der Öffentlichkeit geschützt. Meistens enthielten die verzierten und bunt bemalten Behälter Heilkräuter. Die meisten wurden aus schwerem Buchsbaumholz angefertigt. Heutzutage werden keine Holzgefäße mehr genutzt, da Holz sehr anfällig ist. Entsprechend wenige dieser Aufbewahrungsgefäße haben sich bis heute erhalten; so sind sie heutzutage nur sehr selten zu erwerben, dennoch lohnt sich immer wieder ein Blick in das Sortiment von eBay, wo sich manchmal so ein Sammlerstück finden lässt.

Glasflaschen: Aufbewahrung mit Tradition

Glas gehört zu einem der ältesten Werkstoffe der Menschheit und hat deshalb auch in der Apotheke eine lange Tradition. Aus diesem Grund gibt es im Materialbereich Glas viele verschiedene Gefäße. Allerdings sind aufgrund der Zerbrechlichkeit auch hier nicht mehr viele Behältnisse vorhanden. Bedeutsam waren in der Vergangenheit vor allem die farblosen (Abgabe)Gläser, die nur an Adelige und Reiche abgetreten wurde. Dieses Glas war aber trotzdem sehr oft von minderer Qualität, wies zum Beispiel viele Verschmutzungen und Lufteinschlüsse auf. Die schöneren Gefäße und Flaschen blieben in der Apotheke selbst. Man versah sie in der Regel mit den Insignien der Apotheke bzw. des Besitzers.
Glasbehältnisse hatten entweder Papieretiketten aufgeklebt, angebunden oder verfügten über Emailleschilder. Am Stil der Etiketten und Schilder kann man den Zeitraum der Nutzung bzw. das Jahrhundert erkennen, in dem sie verwendet wurden. So lässt sich ein Glasstandgefäß der Biedermeierzeit von 1830 durch sein typisches Wappenschild, gut von einem Glasstandgefäß von 1750 mit Rokoko-Schmelzfarbenetikett unterscheiden. In einigen Fällen lassen sich auch nur die Emailleschilder erwerben. Die haben ebenso dekorativen Charakter. Bei eBay finden sich vorwiegend Weißglas- oder Braunglasflaschen. Braune Glasbehältnisse mindern den Einfall von Sonneneinstrahlung. Diese gehören eher den neueren Gefäßen an. Idealerweise sollten Gefäße auch noch den passenden Verschluss besitzen. Oft sind im Verschluss und im Boden der Flasche die gleichen Zahlen eingeritzt. Dies geschah, damit man die passend eingeschliffenen Stopfen nicht verwechselte.
Außerdem ist nicht selten das Gewicht der Flasche eingekerbt. Vorwiegend kann man zylinderförmige Gefäße erhalten, weshalb man sich besonders über den Fund eines selteneren birnenförmigen Nönnchens freuen kann. Diese wurden vorwiegend zur Aufbewahrung von ätherischen Ölen verwendet.

Gefäße aus Blech: eine Seltenheit

Neben den großen Standgefäßen aus Pappe, ersetzten auch Blechgefäße im 19. Jahrhundert die Ton- und Holzbehältnisse. Um die Blechbehälter der Mehrheit der Holz- und Pappgefäße anzupassen, wurden diese oft mit brauner Farbe bemalt. Diese waren vorwiegend aus Aluminium, Zink oder Stahlblech. Sie sind heute eher selten zu erwerben. Zu den häufigeren Exemplaren gehören Aluminiumdosen, welche zum Mischen von Pulver verwendet wurden. Darin waren obligatorisch drei Metallkugeln enthalten, die beim Schütteln der Dose das Pulver vermengen sollten.

Mörser und Stößel

Auch Mörser und Stößel (Pistill) gehören zu den Gefäßen der Apotheker. Diese wurden jedoch eher zur Zubereitung und Verarbeitung genutzt. Mit Hilfe des sogenannten Pistills hat man in der Reibschale Arzneidrogen mit ätherischen Ölen zerstoßen und freigesetzt. Die meisten antiken Apotheken-Mörser sind aus Messing, Bronze oder Holz. Auch antike, gusseiserne Schmelztiegel oder Messbecher können ihre Wirkung in pharmazeutischen oder privaten Sammlungen zeigen.

Fälschungen und wie man sie vermeidet

Leider kommt es auch vor, dass Fälschungen angeboten werden. Oft ist es nicht einfach Fälschung und Original auseinander zu halten oder zu identifizieren. Gerade für Einsteiger kann dies zum Problem werden. Meist erkennt man erst nach Jahren gesammelter Erfahrung, dass man einem Betrug zum Opfer gefallen ist. Vor allem im Bereich des Emailleglases sind sehr gute Plagiate im Umlauf. Man sollte sich die Gefäße immer genau betrachten und wenn möglich Vergleichsobjekte zu Rate ziehen. Es sind nur Kleinigkeiten, welche den großen Unterschied ausmachen. Ist das Etikett bzw. die Beschriftung korrekt? Sind Form, Farbe und Größe adäquat? Ist das Glas mundgeblasen oder nicht? Wurde es tatsächlich geschliffen?
Ein eindeutiges Merkmal bei einer Fälschung ist, wenn sich keinerlei Gebrauchsspuren (wie Kratzer etc.) am Gefäß finden lassen. Aber Vorsicht ist auch bei vermeintlichen „Gebrauchsspuren“ geboten. Diese können auch durch schlechte Verarbeitung entstehen oder nachträglich zugefügt werden. Ziehen Sie bei Unsicherheiten einen vertrauenswürdigen Antiquitätenhändler zu Rate. Zusätzliche Informationen und Hintergrundwissen können Sie sich über interessante Fachliteratur anlesen. Recherchen zu den Gefäßaufdrucken und Namensbedeutungen sind besonders einnehmend. Zu empfehlen sind des Weiteren Besuche in Ausstellungen und Museen. Hier kann man sich weitere Erläuterungen, aber auch Inspiration für neue Anschaffungen holen. Wie wäre es zum Beispiel nicht nur mit den dekorativen Apothekerfläschchen und –gefäßen, sondern auch mit einem hübschen Apothekerschränkchen? Hier lassen sich im reichhalten Angebot von eBay kostbare, antike aber auch günstige, moderne Möbel finden.

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