Wollrasen (Rasenvlies) anstatt Rollrasen

Aufrufe 33 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Achtung: Neues Update/Erfahrungen 03.05.2010 am Ende

Hinweis: nach vielen Anfragen habe ich am 06.07.09 unten noch einmal ein Update angefügt - deshalb bitte auch dort einmal lesen.

 

Hallo,

weil ich in Foren nichts zu 'Rasenvlies' fand, hier mein Bericht:

Im Herbst 2008 wollte ich Rasen neu anlegen und hörte von Freunden allgemein immer: nimm Rollrasen, das ist ganz easy. Ausrollen - fertig.
Nun bin ich ICH und hinterfrage soetwas. Vor Allem interessierten mich Langzeiterfahrungen.
Da gab es in Foren Hinweise wonach Rollrasen sich ab dem 5. Jahr gern wie ein alter Teppich verhält.
So mit Wellen, teilweise abgestorben oder sonstigen Unschönheiten und so.

Ein älterer Gärtner fragte mich: Wollen Sie es schnell grün oder wollen Sie Rasen ?
Er sah das wohl bekannte Problem in der vielen Chemie bei Rollrasen (Unkrautvernichter, Dünger etc.)
Und noch wichtiger: wenn Rasen keimt, bildet er einmalig Jungwurzeln bis in eine Tiefe von 8-9cm. Für Rollrasen werden die aber bei 2-5cm abgeschnitten. Da sich der Verlust aber erst nach einigen Jahren zeigt, sucht man die Ursache eher beim Wetter oder der Pflege.

Er: immer selber aussäen (... lassen). Weil sich aber niemanden (mehr) im Umkreis fand der das noch macht musste ich selbst Hand anlegen.

Bei ebay fand ich dann als interessante Alternative ein Rasenvlies.
Meine Erfahrung damit möchte ich schildern.
Es geht sicherlich auch einfacher, aber ich bin ich (s.o.) und einfach kann jeder.
Und das Ergebnis kann sich schon sehen lassen und wir warten auf das Frühjahr.

Die Ebay-Anzeigen geben die Verlegeanleitung nur sehr verkürzt wider. Meine 450m² Vlies habe ich nach der mitgelieferten ausführlichen Anleitung verarbeitet. Also nicht nur Boden grob 'reinigen' und ebnen, sondern richtig vorbereiten, wie halt für einen guten Rasen sinnvoll.
Also auch gut auflockern oder umgraben. Fräsen ging nicht wegen vieler unerwarteter Baumwurzeln. Zum Entsorgen des alten Rasen stand mir ein kleiner Bagger zur Verfügung - Den hätte ich besser nicht benutzt, denn damit fehlten mir schnell 10cm Boden und die Grassoden ausklopfen ist mühsam und ineffizient. Gleich von Hand geht besser.
Handarbeit gabs aber sowieso noch reichlich. Mit dem Bagger habe ich richtig zugeschlagen und ca. 30-40cm umgegraben - macht Männern echt Spass !! Meine Frau nannte mich gleich 'Digger' (engl. to dig = graben).
Wer glaubt, mit einem Baggerschild kann man glätten, irrt !! also selber quälen. Bei der Gelegenheit habe ich natürlich den Bodenverbesserer, Dünger etc. eingebracht. Zum Schluss noch glatt gewalzt - puh -

Wichtig ist noch: ursrünglich wollte ich zur Sicherheit noch etwas Rasen unter dem Vlies aussäen. Allerdings, wenn der keinmt soll er lt. Anleitung das Vlies abheben - also Finger weg. Wie wir später da noch Krokusse drunter bekommen, wissen wir noch nicht.

Das 2,20 m breite Vlies kam mit DHL und der Fahrer hätte mich erschlagen, wäre ich daheim gewesen. Bei meiner Frau hat er sich nicht getraut +:) Meint: eine 50 Meter-Rolle geknickt und in Folie geht nicht als Päckchen durch! Das Vlies ließ sich dann aber leicht auslegen.
Allerdings muss immer noch genug Boden zum Abdecken bereit liegen.
Die Mengen sollte man nicht unterschätzen. Mein Gelände war schon geebnet, dann musste ich ca. 2,5 cm Boden abharken (1cm reichte nicht). Da bekommt man leicht wieder Unebenheiten. 2,5cm = 25Liter pro m², meine 450m² machen da schlappe 11m³ !!

Mein größtes Problem aber war die Jahreszeit. Am 28. Oktober begonnen mit Angst vor Frost (war überflüssig - den gab es zwar, sogar genau in der Keimphase, hat aber nicht sichtbar geschadet). Schwieriger war das gleichmäßige Abdecken. Herbstfeuchter Boden klumpt und krümelt und 1cm Schicht ist nicht viel. Und Harken ist auch nicht, damit zieht man sozusagen 'Laufmaschen'. Es funktioniert einigermaßen mit der Rückseite der Harke.

Man muss noch vermeiden bereits abgedeckte Stellen zu betreten. Der feuchte Boden bleibt wie Schnee an den Füßen kleben und hinterlässt Trittlöcher, weil er noch nicht gleich am Vlies haftet. Das geht erst nach einigen Tagen - aber nur 'notbetretbar'.
Das alles könnte im Sommer besser gehen.

Aber jetzt mal Vor- und Nachteile, soweit ich die derzeit sehe:
+ schöne gleichmäßige Aussaat (bei mir allerdings noch dünn - vermutlich wegen der Jahreszeit)
+ spült oder weht nicht weg, ist ja eingenäht
+ Das Angießen und Bewässern in der Keimphase ist kein Problem, das Vlies hält die Feuchtigkeit dauerhaft.
+ Maulwürfe sollen da nicht durchdringen ...
- aber auch kein Spaten, solange das Vlies noch nicht verwittert ist (ca. 3 Jahre). Bewässerung, Brunnen etc. habe ich schlauerweise vorher erledigt
- Zu-/Ausschneiden dürfte nachträglich auch schwierig sein, wärend des Verlegens kein Problem.
? unsicher bin ich, was der Rasenmäher im Frühjahr mit einem Ziehfaden anstellen wird. Ich hoffe, er rollt das Vlies nicht auf!
+ Die Saat ist auch an sehr schwierigen Stellen möglich, wir werden im Frühling noch eine senkrechte grüne Wand versuchen.
+ keine Chemie, also kind- und tierfreundlich (hoffentlich) ...
? allerdings enthält das graue Vlies eine Menge bunte Fasern, für die ich meine Hand nicht opfern würde.
+ Man ist nicht unter Zeitdruck wie beim Rollrasen, das Vlies soll min. ein habes Jahr keimfähig bleiben
+ Es zerfällt angeblich im Laufe von 3 Jahren zu Dünger
+- Der Preis ist ok und liegt bei guter Verhandlung nur ca. beim Doppelten von gutem Samen ...
+ ... und vom guten Samen muss man eine Hälfte als Vogelfutter drauflegen.

Mehr fällt mir momentan nicht ein, vielleicht später mehr.
Wer mich anmailt muss ggf. ein bisschen Geduld haben, denn derzeit saniere ich das Haus. Da soll nämlich auch kein Rollrasen rein  :+)))

mfG
buwabu

 

Update vom 06.07.09
Ich danke für die vielen Anfragen und hoffe auch, diese befriedigend beantwortet zu haben. Hier dazu eine kurze Zusammenfassung:

Das Ergebnis ist deutlich beeinflusst von der späten Aussaat, dem gleich frostigen Winter und dem trockenen Frühjahr. Insgesamt entspricht es nicht mehr dem, was ich von einem echten Rollrasen erwarten würde. Inzwischen habe ich einen Teil nachgesät und gründlich gedüngt. Zusammen mit automatischer Bewässerung konnte ich diverse Widrigkeiten ausgleichen.
Fast flächendeckend kann man kleine Pflanzen im "Unterhaar" feststellen, die bei uns so sonst nicht vorkommen. Bei der gleichmäßigen Verteilung könnten die nur dem Dünger oder dem ursprünglichen Teppich entstammen. (Besagte Nachsaat erfolgte nur in Schattenbereichen)
Offensichtlich war die Anwachsphase zu lang (Herbstkälte). Die Wirkung sind fleckige Abspülungen des Deckbodens.
Das Gesamtergebnis ist immer dort besser, wo wir den Boden dicker aufgetragen war (>2-4cm).
Zwar mag die verwendete Rasensorte besonders strapazierfähig sein, wirkt aber eher strohig, sowohl optisch, wie haptisch. - da hatte ich mehr erwartet.
Wie befürchtet hätten wir die Abschlussränder tief vergraben sollen. Teilweise von Wind und Regen freigelegt, wurden sie bei der ersten Maat gequirlt.
Das haben wir natürlich gleich beseitigt.
Falten treibt mit jetzt der oben erwähnte "Unterhaar" auf die Stirn. So einfach, wie gewohnt, den Vertikutierer herausholen und mal eben "durchsaugen" dürfte auf Jahre nicht funktionieren.
Im Glücksfall gleiten die Messer einfach über die Matte oder - ich fürchte es fast - neues Konfetti und "Bandsalat".
Mein Vertikutierer hat zum Glück keine Reißzähne, sondern eher abgerundete Messer, die Hoffnung stirbt zuletzt, im nächsten Frühjahr.

Würde ich mich wieder dafür entscheiden ? - Schwierige Frage.
Für steiles oder unebenes Gelände wohl ja. Auch wenn keine weiteren Baumaßnahmen geplant sind und alle Bauten und Bäume bereits bestehen.
Letztendlich entscheidet auch Preis und Gesamtfläche.
Bei Eigenarbeit würde ich in Foren erst nötige Vorarbeit prüfen und vergleichen.
Rollrasen wären immerhin 450 Rollen, also Menge und Gewicht für einen vollen LKW ! - und das an einem Tag.
- ich weiß es nicht wirklich -
Wäre der Preis kein Kriterium, würde ich heute den echten Rollrasen bevorzugen.

mfG
buwabu

 

 

Update vom 03.03.2010
Das Interesse ist weiterhin größer als gedacht, deshalb noch einmal einen Erfahrungsbericht nach 1 1/2 Jahren und 2 Wintern. Besonders der letzte war hier oben im Norden (Nähe Hamburg) recht hart und hat den Rasenflächen der Nachbarn scheinbar mehr zugesetzt als unserem. Ob das der automatischen Regenwasser-Bewässerung  oder dem Rasen geschuldet ist, weiß ich natürlich nicht. An der Pflege kann es nicht liegen, wir bauen immer noch, so wurde im vergangenen Jahr nach einer leichten Frühjahrsdüngung nur noch gemäht.
Zum Ende letzten Jahres war auch plötzlich das Unkraut weitgehend verschwunden und neues ist noch nicht da - aber der Frühling kommt ja auch  erst. Auf das Vertikutieren haben wir auch diesmal verzichtet, es scheint nicht erforderlich. Der Rasen ist dicht und grün, wenn auch relativ tritthart. Irgendwie fehlt die dichte Unterschicht. Ich meine, nicht so tief und fest-flauschig wie man sich einen Rasen wünscht, sondern zwar dicht und geschlossen, aber in der Teife nicht voll. Der Regen am Wochenende hat ihn vor der ersten Maat verschont, mir ist auch nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Wir hatten nämlich tatsächlich im Herbst einen eifrigen Gärtnerfreund vom Maulwurf. Zwar kam der wirklich nicht durch das Vlies, was aber nicht, er hat keinen Schaden hinterlassen. Zum einen heben die Gänge nämlich das Vlies an, dann trocknet es schneller als "richtiger" Boden und sofort trocknet der Rasen ab und stirbt, zum anderen heben sich die Gänge teilweise auf Messerhöhe. Ich denke zwar nicht, dass ich den noch vollständig vorhandenen Teppich aufribbeln werde, die Grasnabe samt dünner Bodenschicht könnte aber glatt abgehobelt werden. Und Fakt ist, die Stellen (oben beschrieben) wo die Bodendeckschicht am Anfang nicht ganz geschlossen oder beschädigt war, konnten wir nur teilweise reparieren. Nachträglich aufgetragener Boden spült meist schneller weg, als er verwurzelt.

Bleibt noch ein Resumè zu ziehen und natürlich die Frage nach dem "ja - wieder ?":
Ein guter Vergleich ist der ziemlich zeitgleich vom Gärtner gebaute Rollrasen eines Freundes (seither gärtnergepflegt). So mit "betreten verboten", keine Kinder, kein durchgeknallter Hund wie bei uns.
Das alles bei investierten ca. 55 € pro m² "all inclusive"
Wir haben Kinder, Hund, und selber große Füße, lieben Grillen und Feiern im Rudel. Klar ist seiner schöner, aber auf einer Skala von 1 bis 10 bekommt er von mir auch nur eine 9. Meinen würde ich zwischen 6-8 einordnen. Das ist bei maximal inestierten 10 € pro m² (ohne Arbeitslohn) ein gutes Ergebnis.

Doch, ich glaube es hat sich gelohnt und ich würde ihn wieder nehmen.
Vielleicht noch einmal mit anderen Anbietern vergleichen.
Eines hat sich nämlich auch gezeigt: unser Hund hat schnell seine Buddelversuche aufgegeben und Löcher vom Fußballspielen kennt der Rasen nicht und Ketchup und Cola töten ihn nicht, sondern färben nur das Vlies, wo es druchscheint. :)

mfG
buwabu

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden