Wissenswertes zum Begriff Chronometer Armbanduhr

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Definition:

Ein Armbandchronometer ist eine am Arm zu tragende Armbanduhr die eine Gangprüfung bei einer offiziellen Prüfstelle durchlaufen, diese nach den dort bestehenden Regeln auch bestanden hat. Die Prüfstellen sind ausschließlich staatliche Einrichtungen die mit der Prüfung von Uhren beauftragt sind, meist Stern- oder Seewarten oder deren Büros für Chronometerprüfungen.

Allgemeines zum Chronometer

Nur und nur diese Uhren dürfen den Begriff "Chronometer" verwenden! Es gibt einige Versuche dies zu umgehen und werkseigene Prüfungen als ebenbürtig darzustellen. Eine Uhr die mit Chronometer bezeichnet ist, muß diese staatliche Prüfung bestanden haben. Hierbei gibt es verschiedene Kategorien von Chronometern - Klasse A/B und mit oder ohne Auszeichnung. Der Grund hierfür liegt im Prüfungsmaßstab, da eine Uhr auch strengere Richtwerte unterschreiten konnte und damit ausgezeichnet wurde als Klasse A oder Chronometer "mit besonders guten Gangwerten". Auch gibt es eine Reihe von Uhren, die an Wettbewerben der Sternwarten in der Schweiz teilnahmen und Preise erhielten für ihre Qualität, diese Uhren befinden sich aber zumeist in den Firmenmusen und sind nicht in den Verkauf gelangt.

Eines gilt es hierbei aber bitte zu bedenken: Ob eine Uhr die mit Chronometer bezeichnet ist, auch entsprechende Gangwerte hat, hängt von mehreren Faktoren ab - Zustand, Alter, Behandlung während der Nutzung. Durch die Bezeichnung "Chronometer" wird lediglich festgelegt, dass die Uhr im Auslieferungszustand Chronometerqualität hatte. Was danach mit der Uhr angestellt wurde, entzieht sich meist dem Wissen des Käufers. So ist z.B. eine ausgetauschte, gebrochene Unruhwelle durchaus eine Reparatur die alle Reglagen eines Chronometers zunichte machen kann! Auch dürfen sie von einem einmal "abgesoffenen" Uhrwerk wohl kaum noch Chrometereigenschaften erwarten.

Wissenwert ist auch, dass die Prüfanforderungen der staatlichen Stellen sich mit dem Fortschritt in der Uhrenfertigung erheblich verschärft haben! Es wäre demnach auch Äpfel mit Birnen zu vergleichen, die modernen Prüfwerte an einen Chronometer aus dem Jahre 1930 anzulegen! Hierbei sollte man schon die Prüfrichtlinien der damaligen Zeit anlegen und vergleichende Werte zu bekommen! Auch haben viele Hersteller ihre Uhren gar nicht zur Chronometerprüfung gegeben, hätten allerdings mit ihren gefertigten Uhren auch die Prüfung bestanden. Dies gilt natürlich sehr verstärkt bei den Nobelmarken, aber auch kleine Manufakturen haben durchaus entsprechend gute Uhren gefertigt. Die Chronometerprüfung kostete zuerst einmal Geld und verursachte Aufwand, dazu war auch der Markt für Chronometer nur begrenzt vorhanden. Ich kann aus eigener Werkstatterfahrung sagen das sehr viele Uhren, die sich nicht Chronometer genannt haben, durchaus diese Prüfung bestanden hätten, auch einfachere Markenuhren. Bei Omega z.B. war die Fertigung der Werke bereits in den 70er Jahren so weit perfektioniert, dass mehr als 100.000 Werke mit fortlaufender Seriennummer des Uhrenmodells "Constellatin" die Prüfung ohne einen Versager "mit besonders guten Gangwerten" bestand (1964 - 66). Auffallend ist auch, dass es eine Reihe von Herstellern gegeben hat die wahre Massen von Uhren als Chronometer prüfen ließen (Omega, Rolex), andere lediglich hin und wieder ein paar Uhren einreichten und einige gar keine (obwohl durchaus in der Lage dazu angesichts der Qualität). Es stimmt dann auch etwas fraglich wenn man erfährt, dass die Firma Oris sogar Gangscheine erhielt für Werke mit Stiftankerhemmung - zumindest was die Anforderungen bei den Grenzwerten angeht.

Fälschungen

Chronometer werden ebenso gefälscht wie andere Uhrentypen auch, dies ist sogar relativ einfach. Es wird einfach der Zusatz "Chronometer" nachträglich auf das Zifferblatt gedruckt. Dies fällt um so leichter, wenn das Blatt ganz restauriert werden mußte - hier sei also besondere Vorsicht geboten wenn Uhren mit restaurietem Blatt angeboten werden. Eine weitere gern genommene Variante ist es, das Werk auszutauschen, einfach gegen ein nicht geregeltes. Dies ist deutlich schwieriger zu erkennen aber nicht unmöglich: Ab einer gewissen Zeit mußten alle eingereichten Werke deutlich sichtbar eine Seriennummer aufweisen. Vorher wurden oftmals die Anzahl der Adjustments angegeben, fehlt auch diese ist Mißtrauen berechtigt. Ein Chronometer sollte mindestens 4 Adjustments (bei alten Uhren bis ca. 1940) und 6 Adjustments (ab 1940) aufweisen. Seien sie jedoch versichert das sie es mit einer Basteluhr zu tun haben, wenn das Werk sogar die Aufschrift "unadjusted" trägt und mit Sicherheit kein Chronometer ist! Ein eigentliches Muß ist der Gangschein der staatlichen Prüfstelle, der der Uhr beigefügt sein sollte, hier muß die Werknummer sich auch auf dem Gangschein wiederfinden.

Fazit

Ich persönlich halte Chronometer für eine heikle und viel zu hoch bewertete Angelgenheit. Bei den meisten gebrauchten Uhren ist der Aufwand, der betrieben werden muß, um die Uhr wieder an alte Gangwerte heranzuführen so groß, dass man ebensogut eine "Normaluhr" entsprechend herrichten kann. Dazu kommt, dass der Chronometer an sich eigentlich überhaupt nichts wirklich seltnes ist und die Prüfgrenzwerte meist nicht gerade hohe Hürden darstellten. Statt eines recht teuren Chronometers von Junghans z.B., kaufen sie sich besser eine Golduhr einer schweizer Manufaktur wie Certina oder Omega. Wenn sie einen Chronometer kaufen wollen um eine besondere Uhr zu besitzen, greifen sie nicht zu der Massenware von Omega oder Rolex - wählen sie lieber einen der weniger bekannten Marken (Favre Leuba, Benrus, Gruen) mit geringen Stückzahlen und achten sie darauf das der Gangschein beigefügt ist.

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