Wissenswertes zu Staudengewächsen und deren erfolgreicher Vermehrung

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Hilfreiches Wissen zur Vermehrung von Stauden mit unterschiedlicher Höhe und Blühzeit

Wer an Stauden denkt, hat meist hoch wachsende und ausladende Gewächse vor Augen. Und tatsächlich gehören Stauden zu den wichtigsten Elementen bei der Gartengestaltung. Angesiedelt zwischen den Gehölzen, die im Allgemeinen für die generelle Raumaufteilung des Gartens verantwortlich zeichnen, und den vielen bunten Blühpflanzen, die Ihrem Garten zu jeder Jahreszeit neue Farbimpulse geben, gehören die krautigen Staudengewächse zu den langlebigen Pflanzen, im gärtnerischen Fachjargon auch perennierende Pflanzen genannt. Stauden treiben jedes Frühjahr aus Überwinterungsknospen neu aus. Je nach Staudenart befinden sich diese Knospen über dem Boden, direkt am Boden oder auch direkt unter der Erdoberfläche. Wasser und Nährstoffe nehmen Staudengewächse über Wurzelstücke, Rhizome, Rüben, Zwiebeln oder Knollen auf. Diese Versorgungselemente dienen gleichzeitig als Speicherorgane, worin Reserven eingelagert werden können. So können Staudengewächse den Winter unbeschadet überstehen. Es gibt Stauden, die ihr Laub im Winter verlieren, und wintergrüne Arten.

Typische langlebige Staudengewächse und ihre effizienten Speicherorgane

Die Lebensdauer der Staudengewächse ist sehr unterschiedlich: Pfingstrosen und Narzissen können bis zu 78 Jahre alt werden. Die gleiche Lebenserwartung gilt auch zum Beispiel für die Kaiserkrone. Blausternchen und Schneeglöckchen erreichen ein Alter von bis zu 60 Jahren, Phlox, Rittersporn und Eisenhut werden bis zu 50 Jahre alt. Und auch Veilchen, Goldrute, Taglilie, Krokus und Staudenaster können sich in Ihrem Garten immerhin noch bis zu 30 Jahre lang wohlfühlen. Bei Lilien fungieren Zwiebeln als Speicherorgane, Krokusse werden über sogenannte Sprossknollen versorgt, wohingegen die Pfingstrose über ein sich immer mehr ausbreitendes Rhizom als Speicherorgan verfügen kann. Die beliebte Funkie verlässt sich bei der Nährstoffversorgung und Speicherung ganz auf ihre fleischigen Wurzeln und Lupinen wachsen und gedeihen mithilfe ihrer tief wurzelnden Pfahlwurzeln.

Das Substrat – Grundlage für eine gelingende Staudenvermehrung

Substrat heißt übersetzt nichts anders als Grundlage. In Bezug auf die Pflanzenvermehrung bedeutet dies, dass an Vermehrungserde besondere Ansprüche gestellt werden. So sollen diese Erden gut die Feuchtigkeit halten, aber weder vernässen noch verdichten, und dabei nährstoffarm sein. Alle diese Kriterien erfüllt am besten der Torf, weshalb er immer noch die Grundlage für Anzuchterden bildet. Wenn Sie Ihr Substrat selbst zusammenstellen wollen, nehmen Sie einen Teil gereinigten Quarzsand – auch Bausand genannt – und einen Teil feinfaserigen Torf. Da Anzuchterde keine schädlichen Organismen oder Unkrautsamen enthalten darf, empfiehlt es sich, das Substrat zu sterilisieren. Hierzu erhitzen Sie fünf Liter selbst gemischtes Substrat bei 160 °C im Backofen oder bei 800 Watt in der Mikrowelle, um alle Keime zuverlässig abzutöten.

Staudenvermehrung durch Anzucht aus Samen – winterkalte Sorten

Viele Staudenarten können Sie selbst aus Samen ziehen. Dies gilt zwar insbesondere für alle Wildformen von Stauden, aber auch einige Kultur- und Hybridformen können Sie aus Samen selbst vermehren. Dabei unterscheidet man zwischen einkeimblättrigen Pflanzen, an deren Keimlingen sich nur ein Keimblatt befindet – hierzu zählen zum Beispiel Gräser und Orchideen –, und zweikeimblättrigen Pflanzen, wozu viele Gartenstauden und Gemüsepflanzen zählen. Auch die Art der Keimung wird unterschieden. So bezeichnet man die Vermehrung aus Samen bei Pflanzen, die unter der Erde keimen, als hypogäische Keimung. Hierzu zählt zum Beispiel die Eiche. Ihr Hypokotyl – das ist der Keimspross der Samenpflanze sowie der Übergang von der Wurzel zum Spross – bleibt dabei unter der Erde. Oberirdisch befindet sich bei den hypogäisch keimenden Pflanzen nur der Keimling, der aus dem Epikotyl, dem blattlosen Sprossabschnitt besteht. Epigäisch keimt zum Beispiel die Buche, bei der sich das Hypokotyl über der Erde befindet, danach folgen Keimblätter, Epikotyl und Laubblätter.

Bei Pflanzen, die sich über Samen vermehren, spricht man von generativer oder geschlechtlicher Vermehrung. Besonders robuste Sorten wie das Adonisröschen brauchen Winterkälte und danach ansteigende Temperaturen, um die sogenannte Keimhemmung zu überwinden. Dasselbe gilt auch für Staudengewächse wie Enzian und Eisenhut, Trollblume und Nieswurz. Sie alle gedeihen am besten, wenn man sie warm vorquellen lässt und anschließend in Anzuchtgefäßen bei winterlichen Temperaturen ins Freie stellt. Eine weitere Möglichkeit ist die Stratifikation. Dabei werden die Samen schichtförmig gelagert, mit angefeuchtetem Quarzsand vermischt und in entsprechende Kästen gefüllt, die dann kühl gelagert werden. Die Lagerung selbst kann dabei im Freien oder auch unter kontrollierten klimatischen Bedingungen im Kühlhaus erfolgen, wobei der optimale Temperaturbereich zwischen 0 und 5 °C liegt – die üblichen Haushaltskühlschränke eignen sich daher nicht für die Stratifikation. Ist der Stratifikationsprozess erfolgreich abgeschlossen, beginnen die Samen nach etwa vier bis 16 Wochen zu keimen und müssen unmittelbar nach der Keimung ausgesät werden. Erfolgt die Aussaat erst nach längerer Wartezeit, besteht die Gefahr, dass der Wurzelhals krumm wächst oder Wurzeln und Triebe brechen.

Nicht winterkalte Staudensamen – die beste Zeit für ihre Aussaat

Die meisten Staudensamen brauchen jedoch keine winterliche Kälte, um auszutreiben. Der Zeitpunkt der Aussaat ist deshalb weniger entscheidend. Dennoch sollten auch diese Samen so ausgesät werden, dass die Staudenpflanze noch im gleichen Jahr zur Blüte kommt. Solche Staudensamen pflanzen Sie am besten etwa Ende März zunächst in Saatschalen, die dann im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorgetrieben werden, denn diese Staudengewächse brauchen höhere Temperaturen, um zu keimen. Sobald die Pflanzen etwa 10 Zentimeter hoch gewachsen sind, dürfen sie pikiert werden.

Pikieren – eine weitverbreitete Art der erfolgreichen Staudenvermehrung

Wenn in der Saatschale vorgezogene Pflanzen wachsen, stehen sie nach relativ kurzer Zeit zu nahe beieinander. Dies ist immer dann der Fall, wenn sich die Keimblätter berühren. Jetzt müssen die Pflanzen „pikiert" werden. Der Ausdruck leitet sich vom französischen Wort „piquer" – stechen – her, weil beim Pikieren mit dem Pikierholz ein Loch in die Pflanzenerde gestochen wird. Gehen Sie beim Pikieren von Staudensämlingen am besten so vor: Der Sämling wird zwischen Daumen und Zeigefinger genommen und mit einem Pikierholz herausgenommen. Dann wird das Pflänzchen wiederum mit Hilfe des Pikierholzes behutsam in einen Topf gepflanzt, wobei Sie darauf achten müssen, dass die Wurzeln nicht abgeknickt werden und genügend Platz haben. Jetzt stechen Sie mit dem Pikierholz an die Seite der Pflanzstelle und drücken das Wurzelloch zu. Schließlich werden Topf und Erde gleichmäßig überbraust. Bis die pikierten Staudensamen richtig angewachsen sind, dauert es einige Tage. Währenddessen müssen die Jungpflanzen vor Kälte und Zugluft geschützt werden. Sobald die Pflanzen kurze, aber kräftige Wurzeln entwickelt haben, können sie ausgepflanzt werden. Am besten eignet sich dafür ein milder Frühjahrstag mit sanftem, stetigem Nieselregen.

Sortenechte Staudenvermehrung durch Teilung

Werden Pflanzen nicht durch Samung, sondern durch Teilung vermehrt, spricht man von vegetativer oder ungeschlechtlicher Vermehrung. Fast alle Stauden lassen sich durch Teilung vermehren. Dabei entstehen innerhalb sehr kurzer Zeit sogenannte Horste, die blühfähig sind und dann im Folgejahr erneut geteilt werden können. Maiglöckchen zum Beispiel lassen sich mit den Händen teilen. Beim kräftig gelb blühenden Gämswurz dagegen hilft ein scharfes Messer; Phlox – vor allem wenn es sich um ein älteres Exemplar handelt – verlangt dagegen nach einem scharfen Spaten zum Teilen. Worauf Sie beim Teilen von Stauden unbedingt achten sollten: Die Trennstellen sollten sauber und glatt sein – angerissene Pflanzen- oder Wurzelteile könnten faulen. Die Frühjahrsblüher unter Stauden teilt man gleich nach der Blüte und pflanzt sie dann in nährstoffhaltigen Boden ein, Herbstblüher und Staudengräser entsprechend später.

Rhizomteilung – wie aus Stückwerk ganze Stauden werden

Stauden wie die Fackellilie mit ihren hohen Blütenkerzen oder die in sattem Blau blühende Iris sibirica aus der Familie der Schwertlilien lassen sich erfolgreich durch Rhizomteilung vermehren. Ein Rhizom ist ein Erdspross mit einer Speicherfunktion. Für eine Vermehrung durch Rhizomteilung graben Sie im späten August oder Anfang September die Pflanze aus und schneiden Sie in Stücke. Dabei muss jeder Spross, aus dem später wieder eine Pflanze entstehen soll, mindestens eine Knospe aufweisen.

Vermehrung durch Stecklinge

Einige Stauden können Sie auch über Stecklinge selbst ziehen. Bei Stecklingen handelt es sich um Teile, die von der Mutterpflanze abgetrennt werden und sich danach bewurzeln. Ein Steckling wird immer unterhalb einer Blattknospe oder einem Auge geschnitten, weil hier die Nährstoffe am höchsten konzentriert sind. Verwenden Sie zum Schneiden nicht das immer noch häufig empfohlene scharfe Messer, sondern besser eine Schere. Schneiden Sie Stecklinge am besten morgens, weil die Pflanze zu diesem Zeitpunkt am besten mit Wasser versorgt ist. Der Fachmann redet hier vom optimalen Turgordruck, wodurch die Pflanze leichter anwächst. Alternativ schneiden Sie nachmittags, weil zu diesem Zeitpunkt die Konzentration von Kohlenhydraten höher ist, was der Bewurzelung förderlich und dienlich ist. Gesteckt wird entweder in ein Anzuchtsubstrat, dem zum Beispiel Vermiculit beigegeben wird, das die Speicherungsfähigkeit von Wasser erhöht. Außerdem sollten Sie auf ausreichend Bodenwärme und Luftfeuchtigkeit achten. Manche Stecklinge lassen sich aber auch nur in nährstofffreiem, klaren Wasser bewurzeln und sollten, sobald die zarten, glasigen Wurzeln sich gebildet haben, sofort eingetopft und vor dem Auspflanzen abgehärtet werden. Auf diese Art und Weise lassen sich zum Beispiel Schafgarbe und Schleierkraut, aber auch Bartfaden und alle Veilchenarten vermehren.

Vermehrung durch Wurzelschnittlinge

Besonders gut lassen sich Silberdistel und Staudenmohn durch sogenannte Wurzelschnittlinge vermehren. Hierzu gräbt man die Pflanzen im späten Herbst oder Winter aus und trennt bleistiftstarke Wurzeln ab, bevor die Mutterpflanze – wenn es die Wetterverhältnisse erlauben – wieder ausgepflanzt wird. Die Wurzeln werden gereinigt und auf eine Länge von vier bis acht Zentimeter zurecht geschnitten, wobei Sie durch unterschiedliche Schnittführung kennzeichnen sollten, welcher Wurzelteil oben und welcher unten ist, weil die Wurzelstücke auch genau so wieder eingepflanzt werden müssen. So empfiehlt sich, das untere Ende schräg und das obere gerade abzuschneiden. Jetzt werden die Wurzelteile in einen Kasten mit Glasabdeckung gelegt, der mit Anzuchtsubstrat aus Torf und Sand befüllt wird, das nicht austrocknen darf. Sobald der Wurzelschnittling im Frühjahr genügend Wurzeln ausgebildet hat, werden die Pflanzen im Frühjahr abgehärtet und ins Freiland gepflanzt.

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