Wissenswertes über osteuropäische Musik auf Vinyl

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Wissenswertes über osteuropäische Musik auf Vinyl

Musik ist eine Sprache, in der Text oft nebensächlich ist und fremde Sprachen oft nicht unverständlich wirken. Nicht selten diente im Laufe der Geschichte die Musik sogar zur Verständigung der Völker untereinander. Bis ins späte 19. Jahrhundert konnte Musik nur hörbar gemacht werden, indem Menschen sie live spielten. Musik zu konservieren und abzuspielen war erst ab 1877 mit der Entwicklung des Phonographen möglich. Von diesem Zeitpunkt an wurden die verschiedensten musikalischen Kulturen endlich in die Welt hinausgetragen und konnten ihre Einflüsse nun sogar in fernen Ländern ausüben. Dieser Ratgeber wird sich vor allem mit dem Tonträger Vinyl befassen und Ihnen die osteuropäische Musik auf diesem Medium näher bringen. 

Die Schallplatte ist der Tonträger, der osteuropäische Musik international bekannt machte

Die Schallplatte aus Vinyl ist ein spezieller Tonträger, der vor der Entwicklung der CD das bedeutendste Medium überhaupt war. Die Schallplatte konnte über ein Jahrhundert lang den Markt der Musik als Tonträger dominieren und war in allen Belangen das absolute Nonplusultra im Bereich der Musikwiedergabe aller Kulturen. Entwickelt wurde sie schon lange bevor die osteuropäische Musik im deutschsprachigen Raum eine breitere Anerkennung fand. Im Jahr 1887 erfand der Deutsche Emil Berliner nicht nur die Schallplatte, sondern gleichzeitig das entsprechende Gerät, um die Platte abspielen zu können. Dabei lehnte er sich an den zehn Jahre zuvor erfundenen Phonographen des Amerikaners Thomas Alva Edison an, der mit eben diesem Gerät die erste Möglichkeit schuf, Klänge wie die Musik oder die Sprache aufzuzeichnen und direkt wieder abzuspielen. Das Grammophon und die Schallplatte waren jedoch nicht für Aufzeichnungen gedacht. Bei ihnen handelte es sich um reine Medien zur Wiedergabe der auf den Platten aufgezeichneten akustischen Informationen. Dennoch wurde mit diesen Entwicklungen die Möglichkeit geboren, den Bürgern im deutschsprachigen Raum und allen anderen Ländern der Welt Musik aus Kulturen näher zu bringen, mit denen sie vorher noch nie etwas zu tun hatten. Die osteuropäische Musik aus Ländern wie Russland oder Rumänien war beispielsweise im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts gänzlich unbekannt. Dort kannte man hauptsächlich die eigene deutsche Musikkultur.

Osteuropäische Märsche und Soldatenlieder wurden zuerst im Westen auf Schallplatte populär

Bis in die 1930er-Jahre waren es die Schellackplatten, auf denen die Musik der verschiedensten Kulturen um die Welt reiste. Die Spieldauer dieser Platten war jedoch sehr gering, da sie mit einer Abspielgeschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute abgespielt wurden. So passte auf eine Schellackplatte mit 10 Zoll Durchmesser gerade einmal eine Aufnahme von drei Minuten pro Seite. Bei einer Schellackplatte mit 12 Zoll Durchmesser waren es immerhin vier Minuten, die der Hörer pro Seite Musik genießen konnte. Zu Zeiten der Schellackplatten war osteuropäische Musik jedoch noch eine Seltenheit im westeuropäischen Raum. Höchstens militärisch anmutende Musik aus osteuropäischen Nationen schaffte vereinzelt den Weg in die deutschen Schellackplatten-Sammlungen. Darunter fanden sich vor allem Marschlieder oder Soldatenlieder aus Russland, obwohl in den osteuropäischen Ländern beinahe ebenso zahlreich Musik auf Schellack produziert wurde, wie in den westlichen Ländern.

Von Schellack auf Vinyl

Erst in den 1930er-Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen die ersten Schallplatten aus Vinyl auf den Markt, die gegenüber der Schellackplatten essentielle Vorteile hatten. Jedoch schritt ihr Erfolg nur gemächlich voran, da es noch an entsprechenden elektrischen Plattenspielern zum Abspielen dieser neuen Platten mangelte. Darum konnten sich die Schellackplatten noch bis in die Fünfzigerjahre hinein im ost- sowie im westeuropäischen Raum halten. In der ehemaligen DDR wurde die Herstellung von Schellackplatten für die osteuropäische DDR-Musik und den zu der Zeit gerade aufkommenden sogenannten Ostrock sogar erst im Jahr 1961 eingestellt. Die fortschrittliche Schallplatte aus Vinyl machte vieles einfacher und ist wesentlich robuster als die Schellackplatte. Insbesondere ihre charismatischen klanglichen Eigenschaften machen sie sogar heute noch zu einem begehrten Tonträger und Sammlerobjekt für umfangreiche Schallplattensammlungen. Teilweise werden sogar noch aktuelle Werke von namhaften Künstlern auf Schallplatte herausgebracht. Darunter auch so mancher osteuropäischer Musiker.

Die Entwicklung des Vinyls sorgte für die weltweite Ausbreitung von osteuropäischer Musik

Mit der Entwicklung des elektrischen Plattenspielers und der Schallplatten, die umgangssprachlich seit den Achtzigerjahren auch als Vinyls bezeichnet werden, begann die umfassendere Verbreitung von osteuropäischer Musik auf dem westlichen Markt und in anderen Teilen der Welt. Nun konnten die Menschen sich eingehender mit musikalischen Kulturen befassen, die ihnen bis dahin größtenteils völlig fremd gewesen sein dürften. Die Musik der russischen Don Kosaken war beispielsweise nur Menschen bekannt, die ihre Konzerte besuchten. Ebenso wurde man mit der Musik der fahrenden Völker aus den Gebieten rund um Rumänien, Bulgarien und Ungarn nur bei direktem Zusammentreffen konfrontiert. Heutzutage ist es für Sie als Musikliebhaber alles andere als schwer, sich mit der Musik aus osteuropäischen Ländern zu befassen. Dabei werden Sie eventuell sogar feststellen, dass die deutsche Musik in vielerlei Hinsicht von der osteuropäischen beeinflusst wurde.

Russische Musik mit sehr langer Tradition übt großen Einfluss auf fremde Musikkulturen aus

Der deutsch-französische Film "Der Zarewitsch" von 1954 vermittelt einen Eindruck, wie einflussreich die osteuropäische Musik in anderen Teilen der Welt sein konnte. Dieser Film ist ein Musical und basiert auf einer 1927 uraufgeführten Operette der Österreicher Bela Jenbach und Heinz Reichert. Sowohl die Operette als auch das daraus resultierende Musical waren also rein westeuropäische Produktionen. Nichtsdestotrotz ist die Musik der Operette ebenso wie der Soundtrack des Films durchweg von extrem ausgeprägten osteuropäischen Einflüssen durchzogen. Der Musik der Operette und des Films wurden weltberühmt.

Der Soundtrack des Musicals ist noch heute eine begehrte Schallplatte. Insbesondere das "Wolgalied", welches aus der Operette "Zarewitsch" stammt, erlangte weltweite Popularität und wurde im zweiten Weltkrieg sowohl für die deutschen als auch für die russischen Soldaten ein tragisches Begleitlied als Synonym für Hoffnung an der sogenannten Ostfront. Trotz der deutschen Texte mutet die Musik vollkommen wie russische Volksmusik an. Dies macht deutlich, wie intensiv auch die osteuropäische Musik als Spiegel der russischen Seele die Völker näher zueinander bringen kann, und das selbst in Zeiten, in denen man sich eigentlich als Feinde auf Leben und Tod gegenüberstand. Ein ähnliches Phänomen war übrigens das Lied "Lili Marleen" von Lale Andersen, welches im zweiten Weltkrieg ebenfalls Freund und Feind gleichermaßen zu Tränen rührte.

Russische Volksmusik der Don Kosaken ist schon seit Jahrzehnten sehr begehrt auf Vinyl

Die originale Musikkultur der russischen Lieder wird Ihnen dagegen vollkommen mit den weltberühmten Don Kosaken begegnen. Die Kosaken waren Reiterverbände freier Soldaten und Söldner aus Russland, Polen, Ungarn und weiteren osteuropäischen Ländern, die bis zum Ende des zweiten Weltkriegs aktiv waren und eine Tradition über mehrere Jahrhunderte pflegten. Nach diesen Freiheitssoldaten und dem russischen Fluss Don benannten sich die Don Kosaken - russische Männerchöre, welche die russischen Volkslieder auf genau die Art und Weise vortragen, wie man sich die typischen russischen Männerchöre heutzutage aufgrund der Verbreitung traditioneller russischer Folklore durch Vinyl vorstellen kann. Der Don Kosaken Chor ist unter der Leitung von Serge Jaroff sogar heute noch aktiv und kann von Ihnen auf zahlreichen Tourneen live miterlebt werden. Für die Ewigkeit konserviert finden Sie die Don Kosaken mit den typischen russischen Volksliedern auf zahlreichen Schallplatten aus Vinyl.

Von Rumänien über Ungarn bis Bulgarien - osteuropäische Musik entfaltet ihren Charakter auf Vinyl

Jedes Land besitzt seine eigene Art von Volksmusik. Doch es gibt eine Form der Musik, die verbindet mehrere osteuropäische Länder miteinander. Grund dafür sind ihre ehemaligen fahrenden Völker, die im westlichen Raum seinerzeit als "Zigeuner" bezeichnet wurden. Dieser Begriff wird inzwischen jedoch gemieden, da er aufgrund des Verlaufs der Geschichte zu negativ behaftet ist. Für viele Menschen ist der Begriff allerdings eher im positiven Sinne gleichbedeutend mit der romantischen Kultur der Sinti und Roma, von denen auch die deutsche Musikerin Marianne Rosenberg abstammt. 

Mit dem Aufkommen der Schallplatten aus Vinyl reiste diese Musik der in Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn, aber auch in der Türkei und in Spanien beheimateten Völkergruppe um die Welt und fasziniert seither unzählige Musikbegeisterte mit ihren romantischen und atmosphärischen Klängen. Die Musik der Roma ist dergestalt vielseitig, dass man sie auf keine speziellen Instrumente oder Genres festlegen kann. Nichtsdestotrotz besitzt sie eine ganz besondere Stilistik, welche die Melodien und Gesänge unverkennbar macht. Ob nun Zigeunermusik, Musik der Roma oder länderspezifische Klänge wie die ungarische Musik, all die Schallplatten mit derartigen musikalischen Kostbarkeiten sind ein echter Gewinn für Ihre Vinyl-Sammlung

Griechische Musik feierte aufgrund der besonderen Charakteristik besonders in Deutschland große Erfolge auf Vinyl

Mit der griechischen Musik verhält es sich ähnlich wie mit der russischen. Spricht man von griechischer Musik, haben die meisten Menschen sicherlich sofort die typischen griechisch anmutenden Instrumente mit der dazugehörigen virtuosen Gesangsmelodie im Kopf. Jenes Instrument, das nicht nur oft in dieser Musik verwendet, sondern auch häufig besungen wird, ist die Bouzouki. Dabei handelt es sich um ein der Mandoline oder der russischen Balalaika ähnlichen Saiteninstrument, das den meisten griechischen Liedern seinen ganz eigenen und speziellen Charme verleiht. Hinzu kommen die bereits erwähnten, oftmals sehr virtuosen Gesänge, die an die Stilistiken der türkischen oder arabischen Musikkulturen angelehnt respektive mit diesen artverwandt sind. Große griechische Musiker der Neuzeit schafften es sogar, diese Musik im deutschsprachigen Raum zu etablieren. So hatten beispielsweise insbesondere zwei griechische Musiker zahlreiche Hits in den deutschen Charts, indem Sie die volkstümliche griechische Musikkultur mit deutschen Texten kombinierten. Diese Mischung fand vor allem in den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts großen Anklang.

Nana Mouskouri gelangen mit Liedern wie "Sieben schwarze Rosen" oder "Weiße Rosen aus Athen" große Erfolge. Der griechische Sänger Demis Roussos konnte mit seinen Langspielplatten sogar dreisprachig Erfolge verbuchen. Er sang sowohl in Griechisch als auch in Englisch und Deutsch. Für welche der osteuropäischen Musiker Sie sich auch interessieren, Sie werden unzählige Möglichkeiten finden, um Ihre Sammlung mit alten Schallplatten aus Vinyl mit erstklassiger osteuropäischer Musik aufzuwerten.

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