Wissenswertes über historische Wertpapiere aus Asien

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Wissenswertes über Historische Wertpapiere aus Asien

Über viele Jahrzehnte hinweg haftete alten Wertpapieren der Ruf zerstörten Kapitals an. Kriege, Wirtschaftskrisen und andere Ereignisse sorgten dafür, dass der Nennwert nicht das Papier wert war, auf dem er aufgedruckt wurde. So etablierte sich für die anscheinend wertlosen Papiere ein anderer Name: Nonvaleurs, was sich am ehesten mit "Wertlosen (Wertpapieren)" übersetzen lässt.
Niemand ahnte, dass historische Aktien jemals wieder im Preis steigen könnten, doch sie taten es. Inzwischen gibt es weltweit eine große Sammlergemeinde und dank des Internets eine große Transparenz bei der Werthaltigkeit der Papiere. Um selbst ein Gefühl vom tatsächlichen Preis alter Optionsscheine, Aktien, Notgelder und anderer Wertpapiere zu bekommen, ist es auch von Vorteil, die geschichtliche Entwicklung von Aktien zu kennen.
Ein besonders interessantes Segment stellen asiatische Wertpapiere dar.

Die Geschichte der historischen Wertpapiere

Die Geschichte der Aktien beginnt im 15. Jahrhundert. Die Neue Welt war längst entdeckt, der Handel war rege, ebenso mit der asiatischen Welt. Die holländischen Kaufleute standen in harter Konkurrenz zu Spaniern und Portugiesen. Bis zu 50 Prozent der Schiffe, die sie in Flotten Richtung Fernost schickten, kamen nie zurück. Chinesische oder malaysische Piraten, Schlachten mit Portugiesen oder Spaniern und Unwetter bedeuteten viele verlorene Schiffe.
So erkannten die Holländer, dass sie sich organisieren mussten, wollten sie bestehen. Das bedeutete aber auch, dass sehr viel Kapital benötigt wurde. So kam es zur Gründung der "Vereinigten Ostindischen Compagnie", kurz VOC. Die VOC begann neben Münzen auch Aktien herauszugeben und so Flotten zu finanzieren.
Beschäftigt wurden Tausende Seeleute, nicht weniger Soldaten und natürlich Organisationspersonal. Zu den Aktien gab es sogenannte Kupons. Diese berechtigten dazu, zu bekannt gegebenen Zeiten die Ausschüttung von Renditen entgegenzunehmen. Natürlich konnten die Aktien auch gehandelt werden. Doch wie auch zahlreiche andere Unternehmen ging auch die VOC rund 200 Jahre nach ihrer Gründung aufgrund von Liquiditätsproblemen unter.

Wie sich der Wert historischer Nonvaleurs definiert

Zwar leistete der holländische Staat Ausgleichszahlungen, doch viele Wertpapiere wurden auch vernichtet - bis heute - durch Umzüge, Brände und Wegwerfen, weil sie ja vermeintlich nichts mehr wert waren. Dann entwickelte sich spätestens ab den 1970ern eine Sammlergemeinde rund um historische Wertpapiere. Doch die Gemeinschaft von Sammlern blieb unter sich und war nicht der breiten Masse von Menschen zugänglich.

Historische Wertpapiere, bei denen die Besitzer glaubten, es gäbe nur wenige, erwiesen sich plötzlich als wahres Massenprodukt. Bei anderen Papieren mit scheinbar geringem Sammlerwert stellte sich heraus, dass es nur wenige Exemplare gibt. Mit dem Internet wuchs dann nicht nur die Zahl derjenigen, die historische Wertpapiere sammeln, der gesamte Markt wurde dank der digitalen Vernetzung überschaubarer und transparenter.
Dabei zeichnen sich auch geografische Tendenzen ab: Der asiatische Kontinent, der einst ausschlaggebend dafür war, dass mit der VOC die erste Aktiengesellschaft überhaupt gegründet wurde, erlebt bei den historischen Wertpapieren einen regelrechten Boom.

Sammeln ist eine individuelle Leidenschaft

Die Gründe für das Interesse an den Nonvaleurs sind vielfältig. Bei einigen Papieren ist es die Geschichte des dahinter stehenden Unternehmens, andere Aktien oder Optionsscheine wiederum bestechen durch einen kunstvollen Druck oder die Papiere lassen sich wie Notgeld mit einer Inflation oder einem anderen Ereignis, zum Beispiel einen Krieg, verbinden. Nicht zu vergessen solche Wertpapiere, die äußerst selten sind oder die Unterschriften namhafter Persönlichkeiten ihrer Zeit tragen. Einige der Nonvaleurs waren wegen solcher Beweggründe sogar schon lange vor der Entwicklung eines Sammlermarktes begehrt.

So gibt es für einige Wertpapiere auch zeitgenössische Nachdrucke; selbst die können einen ausgesprochen hohen Preis erzielen, wenn es keine neuzeitlichen Fälschungen sind. Außerdem gibt es auch so etwas wie Modeerscheinungen oder Trends: Derzeit geraten asiatische Nonvaleurs immer mehr in den Fokus von Sammlern. So hat beispielsweise eine Aktie der Deutsch-Asiatischen Bank einen Spitzenpreis von über 1.500 Euro erzielt.

Bevor Sie mit dem Sammeln beginnen

Das Sammeln historischer Wertpapiere birgt natürlich wie jeder Markt zahlreiche Risiken. Jedoch lassen diese sich weitgehend ausschließen. Bevor Sie Nonvaleurs erstehen, sollten Sie sich einiger Fakten und Aspekte bewusst werden. Ein Händler verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf historischer Wertpapiere. Der Sammler hingegen besitzt Leidenschaft. Wie bereits erwähnt, sind die Motivationen zum Sammeln so unterschiedlich wie die Sammler selbst. Daneben gibt es natürlich auch im Segment der Nonvaleurs spekulative Käufe. Von der Charakteristik sind diese Investments mit dem Tun des Händlers zu vergleichen.

Ein Händler wird ein historisches Wertpapier immer in den besten Tönen beschreiben - selten, einmalig, von hohem Wert. Konnten Sie sich noch keine fundierte Kenntnisse zu Nonvaleurs aneignen, ziehen Sie einen Profi zu Rate oder erwerben Sie entsprechende Aktienkataloge.
So ist zum Beispiel der Handel mit Optionsscheinen seit 1998 eingestellt. Die auf dem Markt befindlichen Papiere können also sehr gut in solchen Katalogen zugeordnet werden. Lassen Sie sich keinesfalls drängen, eine Aktie oder ein anderes Wertpapier unüberlegt und schnell zu kaufen - besonders, wenn der Preis in den drei- bis vierstelligen Bereich oder noch höher steigt.

Welche Arten von historischen Wertpapieren gibt es?

Nonvaleurs gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausführungen und Rechtsformen. Teilweise stellen sie wie die Optionsscheine sogar ein eigenes Sammlergebiet dar. Wertpapiere, wie wir sie kennen, gibt es erst seit Anfang des 15. Jahrhunderts. Selbstverständlich gibt es ältere vergleichbare Dokumente, doch sind es dann keine historischen Wertpapiere im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich dann um antike Wertpapiere oder Effekten.

Aktien

Insbesondere zu historischen Aktien gehören Coupons, also die Scheine, die zur Zins- bzw. Rendite-Auszahlung berechtigen. Detailliertere Informationen dazu finden Sie ebenfalls in den Nonvaleurs-Katalogen. Außerdem gibt es noch Erneuerungsscheine. Die gehören zu den Coupons und werden an die Aktiengesellschaft gegeben, wenn der letzte Coupon eingelöst wurde. Als "Mantel" wird die Aktienurkunde mit dem Coupon-Schein bezeichnet. Die einzelnen Couponscheine sind abtrennbar.
Außerdem sind Aktien in ihrer Stückzahl limitiert und besitzen einen definierten Wert. Die Aktien werden unterteilt in Inhaberaktien, Namensaktien, Stammaktien und vinkulierte Namensaktien. Bei der Inhaberaktie sind Besitzer und Inhaber ein und dieselbe Person. Namensaktien lauten auf den Namen des aktuellen oder letzten aktuellen Besitzers. Die Stammaktie verleiht dem Aktionär einige Rechte: an der Gesellschafts-Hauptversammlung teilzunehmen, ein Stimmrecht auszuüben und natürlich zur Ausschüttung von Renditen - auch heute noch.
Vinkulierte Namensaktien werden meist von Versicherungsgesellschaften herausgegeben und ihre Übertragung bedarf der Zustimmung durch das herausgebende Unternehmen.

Anleihen

Anleihen sind auch als Obligationen bekannt. Wie diese Bezeichnung schon andeutet, handelt es sich um eine Verpflichtung: es ist eine langfristige Schuldverschreibung mit einem festen Zinswert. Obligationen werden nicht nur von Unternehmen genutzt, sondern auch von Staaten, Ländern (Provinzen) und Kommunen (Gemeinden).

Genussscheine

Ein Genussschein berechtigt auf einen Anteil vom Reingewinn des herausgebenden Unternehmens.

Interimsscheine

Sie sind auch bekannt als Anteils- oder Anrechtsschein. Sie werden vor der eigentlichen Aktie ausgegeben und durch ein Indossament zu übertragen. Sie dürfen erst ausgegeben werden, wenn die Aktiengesellschaft eingetragen ist. Auch eine zugrunde liegende Kapitalerhöhung muss erst eingetragen worden sein.

Kuxe

Minen und Bergwerksgesellschaften geben Kuxe heraus. Allerdings kann auch ein Interimsschein als Kux-Schein bezeichnet werden. Auf dem Dokument steht kein fester Geldbetrag, sondern eine anteilige Quote.

Die Besonderheiten asiatischer Nonvaleurs

Asiatische Papiere sind stark im Kommen. Das hat neben den bereits genannten Gründen, die für Wertpapiere im Allgemeinen gelten, noch weitere Gründe. Zum einen sind sich einige Sammler bewusst, dass gerade Asien eng mit der Entstehungsgeschichte des Wertpapierhandels verbunden ist, wie eingangs dargelegt wurde.
Daneben ist es oftmals eine besondere Papierqualität, die solche Scheine ausmacht. Aber auch Gestaltung und Design sind meist aufwändig und besitzen durch asiatische Symbolik das Flair des Exotischen.

Beschädigungen und andere Merkmale von historischen Wertpapieren

Ebenso wie historische Geldscheine zirkulieren Aktien, oder sie werden mit anderen Unterlagen abgeheftet, in Boxen und Kartons gelagert. Außerdem erleben sie den einen oder anderen Umzug. Das alles setzt natürlich der Qualität der Urkunden zu. Dazu kommen Lochungen. Daher lassen sie sich wie Geldnoten und Inflationsgeld nach ihrem Zustand bewerten. Die nachfolgende Bewertung gilt für Papiergeld, kann aber auch für Wertpapiere angewandt werden:

Ziffer I, unzirkuliert (unz) oder kassenfrisch (kfr) bzw. uncirculated (unc): Keinerlei Fehler oder Beschädigungen - selbst kleinste Schäden wie feinste Knicke sind ausgeschlossen.

Ziffer II, vorzüglich (vzgl oder vz) bzw. extremely fine (ef oder xf): Nur kurze Zeit im Umlauf. Oft sind solche Scheine in der Mitte geknickt, eventuell befinden sich an den Ecken kleine Knicke (Eselsohren), aber sonst keinerlei Beschädigungen wie Abrieb oder Verschmutzungen.

Ziffer III, sehr schön (ss) oder very fine (vf): Eine gewöhnlich zirkulierte Note mit Knicken (auch stark), leichten Verschmutzungen, aber ohne gravierende Beschädigungen wie Risse.

Ziffer IV, schön (s) bzw. fine (f): Eine übermäßig lang zirkulierte Note, leichte Ausfransungen am Rand, ebenso leichte Einrisse, aber niemals bis zur Mitte der Note reichend.

Ziffer V, sehr gut erhalten (sgh) oder very good (vg): Stärkere Verschmutzungen und Beschädigungen sind möglich. Dort, wo permanente oder häufige Falten aufeinandertreffen, kann die Note ein Loch oder wenig Substanz aufweisen.

Ziffer VI, gut erhalten (ge) bzw. good (g): Die Note kann zahlreiche Beschädigungen aufweisen. Neben kleinen Löchern kann es auch fehlende Ecken geben. Übermäßig große Teile dürfen nicht fehlen.

Ziffer VII, gering erhalten bzw. very poor (vp): Größere Teile der Note können fehlen, ebenso können nur noch Fragmente vorhanden sein.

Hinweise auf Beschädigungen von Wertpapieren

Ordentliche Sammler oder Händler werden ausdrücklich auf Beschädigungen und Zustand der Urkunde hinweisen. Das gilt ebenso, wenn Nonvaleurs restauriert wurden. Je kleiner und fast nicht mehr im Kontext mit dem Beschreibungszustand die Ausführungen dazu sind, desto mehr Vorsicht ist geboten.
So werden dann teilweise ausschließlich die Abkürzungen nahezu "nebenbei" erwähnt. Natürlich kann es auch vorkommen, dass in der Hoffnung auf einen großen Profit möglichst keine Angaben dazu gemacht werden. Insbesondere bei hochpreisigen historischen Wertpapieren sollten Sie darauf achten.

Nachdrucke, Fälschungen oder Muster

Ebenso kann es vorkommen, dass Aktien gedruckt, aber nie ausgegeben wurden. Entweder sind es Muster, Proben, oder eine Forderung wurde niemals verbrieft. Gängige Bezeichnungen sind Muster, Specimen oder Blanketten. Der Wert ist oft von reiner Sammelleidenschaft geprägt. Dazu kommen Nachdrucke, die bereits während oder kurz nach dem Erscheinen des jeweiligen Wertpapiers gemacht wurden.
Diese Nachdrucke haben keinen verbrieften Wert, stellen aber eben zeitgenössische Drucke dar. Sie werden als Reprints (rp) oder Nachdrucke (nd) angeboten. Keinesfalls sind damit aktuelle Nachdrucke gemeint. Notfalls sollten Sie dies aber beim Verkäufer erfragen.

Nie unter Druck setzen lassen

Sind Sie nicht sicher, ob es sich bei einem historischen Wertpapier um ein Original oder eine Fälschung handelt, sollten Sie fachlichen Rat einholen. Es gibt Unternehmen außerhalb des Internets, die bei den Sammlern als renommiert und anerkannt gelten. Gerade bedeutende Nonvaleurs werden von solchen Institutionen auch erfasst. Teilweise können Sie so zu einer bestimmten Aktie noch wesentlich mehr Hintergrundinformationen erhalten.
Alte asiatische Wertpapiere können auch oft anhand des Papiers oder des Drucks als echt verifiziert werden. Lassen Sie sich nie unter Druck setzen, dass das Papier vermeintlich viele Interessenten haben wollen. Bleiben Sie unbeeindruckt von Beschreibungen wie "extrem rar" oder "selten" usw. Holen Sie in Ruhe alle notwendigen Informationen ein.

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