Wissenswertes über Vorkriegsaufnahmen mit Jazz und Tanzmusik auf Schellack

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Wissenswertes über Vorkriegsaufnahmen mit Jazz und Tanzmusik auf Schellack

Wer heute eine Schellackplatte in seinen Händen hält, vermutet vielleicht gar nicht, dass es sich dabei um ein Produkt tierischen Ursprungs handelt. Diese Aussage bezieht sich selbstverständlich lediglich auf das Material, aus dem die Platten einst hergestellt wurden – den Schellack. Dieser wird aus Gummilack hergestellt, der wiederum aus den Ausscheidungen der Kerria lacca, also der Lackschildlaus, entsteht. Haben die Läuse eifrig an bestimmten Pflanzen gesaugt, kann der Gummilack alsbald geerntet werden. Das Naturprodukt sorgte für allerlei Gestaltungsmöglichkeiten und war schon vor vielen Jahren eine wichtige Basis für Siegellacke, für Textilbänder von Fahrradlenkern, für Schleifsteine und beispielsweise auch für bestimmte farblose Polituren. Schellackplatten wurden seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts hergestellt und gelten als Vorläufer der Vinylschallplatten, die um 1944 in Mode kamen.

Schellackplatten sind echte Liebhaberstücke

Schellackplatten sind allerdings nicht nur wegen ihres einzigartigen Materials ganz besondere Stücke. Auch und vor allem die Musik, die auf den Platten vorzufinden ist, macht die tiefschwarzen Platten zu beliebten Sammlerstücken. Sie werden als Sammler ohne Zweifel zahlreiche Exemplare finden, die Sie begeistern werden, denn sie haben einen ganz besonderen Klang und geben der Musik – ganz im Gegensatz zu heutigen digitalen Tonträgern – immer eine ganz persönliche Note. Ganz besonders schön ist es, Jazz und Tanzmusik aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in dieser Form zu genießen.

Damit die große Auswahl keine unüberwindbare Herausforderung wird, sollten Sie sich vorab gut informieren und dann zielgerichtet entscheiden. Der nachfolgende Einkaufsratgeber kann Ihnen dabei eine wertvolle Unterstützung sein, denn er wartet mit zahlreichen Informationen zur Geschichte der Schellackplatte im Allgemeinen sowie mit Hinweisen auf wichtige musikalische Strömungen der Vorkriegszeit auf.

Die Geschichte der Schellackplatte entdecken und mehr über die Musik dieser Zeit erfahren

Schallplatten aus Schellack sind nicht ohne Grund heute noch in manchen Haushalten zu finden, denn wer eine Schellackplatte besitzt, kann damit ein wunderbares Stück Musikgeschichte wieder aufleben lassen. Die Erfindung der Schellackplatte ist eng mit dem Namen Emil Berliner verbunden. Dieser Erfinder ersetzte erstmals den Hartgummi, den man davor zur Herstellung von Musikplatten verwendet hatte, durch eine Masse, die zum großen Teil aus Schellack bestand. Hergestellt wurde dieses Material seinerzeit von einem Unternehmen mit Sitz in New Jersey, und zwar zur Optimierung von Isolatoren, also für den technischen Anwendungsbereich. Neben dem Schellack gab Emil Berliner auch weitere Substanzen wie Ruß, Baumwolle, Schiefermehl und Bariumsulfat hinzu. Das Ergebnis konnte sich sehen bzw. hören lassen, denn die Klangqualität nahm durch das innovative Material deutlich zu.

Die Glanzzeit der Schellackplatte reichte bis in die Mitte der 1940er-Jahre, denn zu dieser Zeit wurden die ersten Platten aus PVC und später auch solche aus Vinyl hergestellt. Gerade die Musikgeschichte der Vorkriegszeit ist also sehr eng mit der Schellackplatte verknüpft. Allerdings gab es durchaus noch Produktionsstätten, in denen die Herstellung von Schellackplatten fortgeführt wurde. In einigen Ländern dauerte hier die Produktion sogar noch bis in die 1960er-Jahre an.

Verschiedene Musikrichtungen mit besonderem Klang auf Schellackplatten 

Die Entstehungszeit der Schellackplatten lässt bereits Rückschlüsse auf die musikalischen Stilrichtungen zu, die Sie mit den Tonträgern genießen können.

Jazz auf Schellack

Wenn Sie beispielsweise Jazz lieben oder wenn Sie einem Jazz-Fan ein ganz besonderes Geschenk überreichen möchten, dann liegen Sie mit einer Schellackplatte oft genau richtig. Jazzmusik auf Schellack-Platten gibt es quasi schon seit der Geburtsstunde der Schellackplatte, denn auch der Jazz nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Anfang. Zunächst war es der New Orleans-Jazz, der bestimmend war. Dieser entstand in Louisiana und eroberte innerhalb weniger Jahre auch die Regionen rund um Chicago, New York und Illinois. Louis Armstrong, aber auch viele weitere Künstler sorgten dafür, dass die neue Stilrichtung - Jazz - bekannt wurde und sich in den Herzen der Menschen verwurzeln konnte. Viele weitere Strömungen folgten in den Jahren darauf, beispielsweise der harmonische Dixieland Jazz oder der Chicago-Jazz, der mit vielen bedeutenden Soloelementen aufwarten konnte.

Swing auf Schellack

Auch Swing-Titel auf Schellack sind mitreißend und nicht selten eine hervorragende musikalische Begleitung, wenn es um die Gestaltung eines aufregenden Tanzabends geht. Der Swing ist eine musikalische Strömung, die ebenfalls zum Jazz gehört und die sich Mitte der 1920er-Jahre etablierte. Viele Musiker spielten jetzt in fulminanten Big Bands und setzten neue musikalische Akzente. Kombiniert wurden dabei vor allem Einflüsse aus dem Chicago-Jazz und dem Dixieland-Jazz, und zwar unter anderem mit dem Ziel, die Tanzbarkeit der Songs noch weiter zu steigern. Zudem legte man nun viel mehr Wert auf den Unterhaltungscharakter der Musik und so verbanden sich Entertainment und musikalischer Ausdruck zu einem wunderbaren Gesamtgefüge, das auch heute noch populär ist.

Tango, Fox & Co. auf Schellack

Einen ausgelassenen Tanzabend zu verbringen, war auch mit anderen Musikrichtungen möglich, die in der Vorkriegszeit populäre waren. Stars wie Marlene Dietrich, die Comedian Harmonists und Tino Rossi sind nur einige der vielen Künstler, die für unterschiedliche musikalische Strömungen stehen. Darunter sind beispielsweise Schellackplatten mit Tangomusik, Foxtrott und Chansons mit gefühlvollen Texten von melancholisch bis heiter wie beispielsweise die Comedian-Harmonists-Platten aus Schellack

Die faszinierende Welt der Schellackplatten anhand damaliger Interpreten kennenlernen

Einen schönen Einstieg in die Welt der Schellackplatten können Sie auch durch die Beschäftigung mit bedeutenden Musikern vergangener Zeiten finden.

Marek Weber

Wenn Sie dabei auf besonders alte und traditionsreiche Melodien setzen möchten, können Sie beispielsweise Titel von Marek Weber auf Schellackplatte für sich entdecken. Marek Weber lebte von 1888 bis 1964 und spielte auf bewundernswerte Art und Weise die Violine. Darüber hinaus wurde er als Orchesterleiter berühmt. Weber hatte in Berlin Musik studiert und begründete schon im Alter von zwanzig Jahren sein erstes eigenes Orchester. Im Jahr 1914 wurde ihm dann auch die Ehre zuteil, das Orchester im Hotel Adlon zu übernehmen. Für die Geschichte der Schellackplatten ist Marek Weber vor allem deshalb so wichtig, weil er über einen längeren Zeitraum für die beiden Schallplattenlabel Deutsche Grammophon und Electrola tätig war. Durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten war Weber jedoch gezwungen, Deutschland zu verlassen. Ab 1933 war er dann in den USA tätig, wo er seine erfolgreiche berufliche Entwicklung glücklicherweise fortsetzen konnte.

Jack Hylton

Jack-Hylton-Schellackplatten stammen vor allem aus der Zeit nach 1921. In diesem Jahr entstanden die ersten Aufnahmen des „Queens Hall Roof Orchestra", das Hylton leitete. Das erste eigene Orchester folgte kurz darauf und die Erfolgsgeschichte des Big-Band-Leaders und Konzert- und Musicalproduzenten Jack Hylton setzte sich fort. Die wohl wichtigste Phase setzte allerdings um 1926 ein, als Hylton und seine Band sogar in der Royal Albert Hall auftreten durften. Jack Hylton dirigierte seinerzeit neben Paul Whiteman das Orchester.

Paul Godwin

Wenn Sie sich für Musik von Paul Godwin auf Schellackplatte entscheiden, setzen Sie auf die Werke eines sehr begabten polnisch-deutschen Geigers und Orchesterleiters, der von 1902 bis 1982 lebte. Gerade wenn Sie Jazzmusik und unterhaltsame Titel lieben, werden Sie sich sicherlich für Godwin begeistern können. Im Jahr 1925 schloss der Künstler seinen ersten Vertrag mit der Deutschen Grammophon und auch mit Polydor, der für das Ausland aktiven Marke der Deutschen Grammophon, ab. Wie auch Marek Weber und viele andere bedeutende Künstler musste Paul Godwin im Jahr 1933 Deutschland verlassen und ins Exil gehen. Er emigrierte nach Luxemburg und lebte später in den Niederlanden.

Zarah Leander 

Wenn Sie auf gefühlvolle Unterhaltungs- und Tanzmusik Wert legen, könnten auch Schellackplatten mit Musik von Zarah Leander interessant für Sie sein. Die Tochter eines Instrumentenbauers wurde 1907 in Karlsbad geboren und trat schon als Kind bei musikalischen Wettbewerben auf. Einen bedeutenden Karriereschritt vollführte Sie allerdings im Jahr 1929, als sie mit dem damals sehr berühmten Ernst Rolf, einem bedeutenden Revue-Musiker, auftrat. Nachdem sie in einigen Operetten und anderen Inszenierungen aufgetreten war, folgte noch in der Vorkriegszeit der Karrierestart als Sängerin und Filmschauspielerin.

Wie Sie Jazzmusik und Melodien zum Tanzen auf Schellack-Alben und Sammlungen genießen können

Sicherlich haben Sie durch die Beschäftigung mit der Hochphase der Schellackplatte bereits Lust auf einen nostalgischen Musikgenuss bekommen. Wenn Sie nicht nur mit einer einzelnen Platte einsteigen möchten, haben Sie jede Menge Gelegenheiten, direkt ein ganzes Set zu erwerben. Angeboten werden immer wieder diverse Schellack-Sammlungen oder auch ganze Alben mit Schellack-Platten, die zumeist über viele Jahre hinweg auf einem Dachboden oder in einem Kellerraum Ihr Dasein gefristet haben. Nun aber ist die Zeit gekommen, die schwarzen Platten wieder zu neuen Ehren zu bringen und damit Jazz und Tanzmusik zu genießen.

Wie Sie mit dem passenden Grammophon die alten Schellackplatten wieder erklingen lassen

Eine Schellackplatte können Sie mit verschiedenen Abspielgeräten erklingen lassen. Falls Sie noch kein geeignetes Gerät besitzen, ist es in der Regel ein Kinderspiel, ein passendes zu erwerben. Besonders authentisch wird es dann, wenn Sie nicht auf einen moderneren Schallplattenspieler aus der heutigen Zeit oder aus den 1970er- oder 1980er-Jahren setzen, sondern sich direkt für ein Grammophon entscheiden.

Grammophone gibt es in unterschiedlichen Bauformen, wobei Laien vor allem das sogenannte Trichter-Grammophon bekannt sein dürfte. Die charakteristische Form mit dem großen Trichter ziert unter anderem das Label von „His Masters Voice" und hat sich wohl auch deswegen sehr stark in das Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Allerdings sind auch die schicken und etwas kompakteren Koffergrammophone den einen oder anderen Blick wert. Entscheidend für Ihre Auswahl ist dabei vor allem Ihr persönlicher Geschmack.

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