Wissenswertes über Schiffspost-Briefmarken

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Post von hoher See: Was Sie über Schiffspost-Briefmarken wissen sollten

Die Übergangsjahre von der Frühen Neuzeit in die Moderne waren aus vielen Gründen ereignisreich und auch rückblickend, aus heutiger Perspektive betrachtet, eine spannende Epoche. Nicht zuletzt im Bereich der Kommunikationstechnik und dem Postwesen kam es zu vielen Neuerungen. Mit der One Penny Black vom 1. Mai 1840 wurde im Mutterland der Briefmarken England das erste Postwertzeichen ausgegeben. Hauptsächlich transportieren Briefe Informationen zwischen verschiedenen Personen, Ländern und Handelspartnern – selbstverständlich war dies auch vor dem Jahre 1840 eine Notwendigkeit. Die äußerst interessanten Studien der sogenannten Vorphilatelie, also der Zeit vor den eigentlichen Briefmarken, untersuchen dieses spannende Feld. Schließlich transportierten bereits die alten Römer schriftliche Botschaften quer über die Ozeane – allerdings ohne Postwertzeichen.

Schiffspost-Briefmarken - ein besonderes Sammelgebiet

In Zeiten, in denen es aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich war, dringliche Post mit dem Flugzeug zu verschicken, hat die Schiffspost eine enorm große Rolle für Empfänger und Sender wichtiger Nachrichten gespielt. Schon lang bevor die Reichspost auf die damals hochmodernen motorisierten Kraftfahrzeuge oder auf Fahrräder als technische Hilfsmittel zurückgriff, wurden Briefe und Karten mit Schiffen transportiert. Für Briefmarkenliebhaber ist das Forschungsgebiet der Schiffspostbriefmarken ein ganz besonders ertragreiches. Es gab und gibt immer noch zahlreiche Posteinrichtungen auf vielen Schiffen, ganz unabhängig von deren Größe – teilweise sogar mit eigenen Bediensteten. Die Vielzahl von verschiedenen, andersartigen, ja einzigartigen Poststempeln macht aus diesem Bereich der Philatelie eine lohnenswerte und vielseitige Freizeitbeschäftigung. Durch die Schiffsstempel auf den Umschlägen und Ansichtskarten wurden also aus den Sendungen von hoher See etwas besonderes. Wie es aus historischer Perspektive zu der Notwendigkeit von Postschiffen und Briefabfertigungen auf den Ozeanen kam, können Sie hier nachlesen. Erfahren Sie zudem, wie Sie Marken und Stempel finden, die Ihre ganz eigene maritim kolorierte Sammlung komplettieren.

Die Notwendigkeit von Schiffen und Schiffspost – ein kurzer historischer Abriss

Das Deutsche Reich hat in den Bestrebungen nach möglichst vielen und wirtschaftlich ertragreichen Kolonien einen "Platz an der Sonne" gesucht, wie es der Reichskaiser Wilhelm II. in Anlehnung an Bernhard von Bülow postulierte. Ein zweifelhafter Ausspruch, der in den meisten Geschichtsbüchern fett gedruckt steht, weil das Gesagte den vorherrschenden Zeitgeist deutlich macht: Die "Wirtschaftsbeziehungen", wie man euphemistisch formulieren könnte, waren vom regen Austausch abhängig, auch wenn dieser freilich kaum interkulturell stattfand. Aus historischer Perspektive sind diese kolonialistischen Bestrebungen schon allein deshalb interessant, weil die Infrastruktur gerade aus postalischer Sicht verbessert werden musste. Das exemplarisch gewählte Deutsche Reich steht hierbei stellvertretend für kolonial ebenso umtriebige Nationen wie die Niederlande oder England.

Auch das militärische Wettrüsten hat zu einem großen Anstieg an Schiffspost-Briefmarken geführt. Neben der Nachrichtenübermittlung war es für die Besatzung eines Kriegsschiffes wichtig, Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Schiffe stehen immer auch für die wirtschaftliche, technologische und politische Stellung eines Landes und sind somit ein Aushängeschild für die jeweilige Nation und ein Statussymbol. Dampfschiffe, große Kreuzer oder Kriegsschiffe sind deswegen beliebte Motive für jegliche Art von Briefmarken, ob Luft-, Land- oder Schiffspost. Folglich können Sie häufig Schiffspostmarken mit maritimem Druck finden. In Kombination mit einem sauberen, vollkommenen, runden Stempel kann solche eine Marke einen wichtigen Teil Ihrer persönlichen Briefmarken-Sammlung darstellen.

Finden Sie Schiffspost-Marken, die Ihrem Interesse entsprechen

Schiffspost-Marken aus dem Ausland oder dem Inland sammeln?

Ganz grundsätzlich können Sie Schiffspost-Marken in zwei unterschiedliche Bereiche unterteilen, nämlich in „Schiffspost Ausland“ und „Schiffspost Deutschland“. Philatelisten, die immer auf der Suche nach alten und schönen Poststempeln sind, können sich über die voranschreitende Globalisierung durchaus freuen. Die weltweiten Handelsbeziehungen, die immer weiter ausgebaut werden, bringen eine Vielzahl von abgestempelten Seemarken mit sich. Doch nicht nur abgelegene Inseln, die Tausende von Kilometern entfernt versteckt im Pazifischen Ozean liegen, sind auf die Schiffspost angewiesen. Selbst im modernen Deutschland können manche Gebiete auf herkömmlichem Wege nicht von der Deutschen Post AG bedient werden. Dazu gehören etwa die Halligen. Bei circa 230 Einwohnern, verteilt auf mehrere Inseln, würde sich die Zustellung über die Flugpost kaum lohnen – also wird die Post über den Seeweg zugestellt. Suchen Sie also nach Post aus Langeneß, der größten Hallig, können Sie sich sicher sein, dass die Zustellung mit einem Postschiff vonstattenging.

Spezialisierung zum Beispiel auf Stempel

Natürlich können Sie sich bei der Zusammenstellung Ihrer Schiffspost-Marken noch weiter spezialisieren – zum Beispiel lassen sich die Marken nach verschiedenen Erhaltungszuständen katalogisieren: Bedarfsbrief, gestempelt, Sonderstempel, Ganzsache und postfrisch. Speziell letztere Kategorie kann aufgrund ihrer außergewöhnlichen Rarität kostbare Schmuckstücke bieten. Auch Sonderstempel sind für Philatelisten immer von besonderer Relevanz. Oftmals nur zu Jubiläen oder anderen seltenen Ereignissen ausgegeben, sind die außergewöhnlichen Stempelungen ein Gewinn für jede Briefmarken-Sammlung – nicht nur für Kollektionen maritimer Postsendungen. Bei den Motiven können Sie ebenso aus verschiedenen Gebieten wählen – vielleicht möchten Sie sich auf den Aspekt der Postgeschichte konzentrieren? Hier finden Sie beispielsweise verhältnismäßig viele alte Sendungen mit den dazugehörigen Marken.

Spezialgebiete sammeln

Ja nach gewähltem Spezialgebiet finden Sie viele bemerkenswerte Marken. Traditionell beliebt sind hierbei die Sendungen von der Marine. Auf den Weltmeeren, die von vielen Nationen durchquert werden, kommt es immer wieder auch zu militärischen Scharmützeln. Außerordentlich viele Marken finden Sie vom Segelschulschiff der deutschen Marine. Die Gorch Fock, die Sie vielleicht noch von der Rückseite des alten 10-DM-Scheines kennen, wurde 2008 zum 50-jährigen Jubiläum mit einer Sonderbriefmarke der Deutschen Post geehrt. Da das Lehrschiff schon viele Seemeilen in der langjährigen Geschichte als Ausbildungsschiff zurückgelegt hat, stellt es ein attraktives Briefmarkenmotiv für die unterschiedlichsten Ausgaben dar. So finden Sie beispielsweise problemlos einen Schiffsbeleg der Gorch Fock speziell aus dem Jahr 1978.

Oder gilt Ihre Faszination vor allen amerikanischen Schiffen und Stempeln? Dann könnten Sie bei Ihrer Suche nach United States Ships (USS) oder United States Naval Ships (USNS) fündig werden. Amerika-affine Philatelisten dürfen sich auf viele interessante Ergebnisse freuen, mit Briefmarken und Stempeln aus etlichen Jahrzehnten Schifffahrtsgeschichte. Wer schon ein bestimmtes Lieblingsschiff im Sinn hat, das unbedingt Teil der eigenen Sammlung sein sollte, kann gezielt den Schiffsnamen mit den Begriffen USS oder USNS kombinieren.

Historische Schiffspost-Briefmarken zwischen den USA und Deutschland – die Lloyd-Linie

Die Handelsstrecke zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland hat eine ganz besondere Geschichte. Der erste amerikanische Seepost-Service wurde 1890 beschlossen – quer über den Atlantik sollten Briefe und Karten nach Deutschland und zurückgelangen. Die Lloyd-Linie aus Norddeutschland nahm bei der Durchführung des Beschlusses eine tragende Rolle ein. Der Bremer Überseehafen war sogar bis nach dem Zweiten Weltkrieg von großer Relevanz für die USA – und letztendlich der Hauptgrund dafür, dass Bremen eine amerikanische Enklave im britischen Besatzungsgebiet wurde.

1891, etwa zwanzig Jahre nach den ersten regelmäßig durchgeführten transatlantischen Dampfschifffahrten, wurde die geplante Postlinie zwischen Europa und Nordamerika letztlich eingerichtet. Wenn Sie als Sammler ein Faible für Briefmarken aus Deutschland dieser Zeit haben oder aus regionalen Gründen gern norddeutsche Marken sammeln, suchen Sie gezielt nach der Lloyd-Linie. Der amerikanische "Seapost Service" wurde indes im Zweiten Weltkrieg eingestellt. Etwa zwei Jahre nach Kriegsbeginn, also 1941, waren die Gewässer für die schwerfälligen Schiffe zu gefährlich. Die S.S. Havel der „North German Lloyd Line“, wie der Amerikaner sagt, bleibt aber aufgrund Ihrer Pionier-Stellung in der Postbeförderung zwischen der Alten und der Neuen Welt legendär.

Ein kleiner Exkurs: So können Sie Briefmarken gefahrlos vom Brief oder Postkarte lösen

Wenn Sie ein interessantes Angebot gefunden haben und Ihnen eine bestimmte Briefmarke besonders gut gefällt, ist es in der Regel so, dass diese sich auf einer Karte oder einem Brief befindet. Das ist für Sammler grundsätzlich positiv zu bewerten – gerade für Freunde von Schiffspost, da hier der Stempel im ganzen Umfang sichtbar ist. Dennoch kann es sein, dass sich auf dem Träger unschöne Fettflecken oder andere optische Beeinträchtigungen befinden und der Brief oder die Karte somit den eigentlichen Wert trübt. Falls Sie die Postwertzeichen lösen möchten, sollten Sie das nicht ohne das passende Werkzeug machen.

Zubehör

Ein Pinzetten-Set mit verschiedenartigen Metall-Greifern lässt sich praktischerweise gleich für mehrere Hobbys benutzen – auch der Numismatiker in Ihnen kann sich also freuen. Sobald Sie sich für eine passende Pinzette entschieden haben, weichen Sie die Marken mit dem Motiv nach unten zeigend maximal 20 Minuten in lauwarmem Wasserbad auf. Je nach Gummierung ist es allerdings möglich, dass sich die Marke schon nach wenigen Minuten löst. Jetzt kommt Ihre neu erworbene Pinzette zum Einsatz. Greifen Sie Ihre Marke damit und platzieren Sie Ihre Schiffspost-Marke vorsichtig kopfüber auf Löschpapier, um diese zu trocknen. Generell sollten Sie die Karte allerdings im Originalzustand belassen; falls Sie aber aus unvorhergesehenen Umständen die Marke entfernen müssen, sollte Sie dabei sehr vorsichtig verfahren. Achten Sie beim Erwerb von Schiffspost-Briefmarken also darauf, dass Marke und Sendung sich gleichermaßen in einem guten Zustand befinden. Dabei sollten Sie die Produktbeschreibung und, falls vorhanden, auch das Artikelbild mit kritischen Augen inspizieren.

Die Möglichkeiten, eine passende Schiffspost-Briefmarke zu erwerben, sind vielfältig. Der Auswahlprozess kann deswegen durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen. Ob Postschiffe, die zwischen Kolonien und Mutterland verkehren, Sendungen von Marine-Schiffen oder seltene Kuriosita – Sie selbst können entscheiden, wonach Sie suchen möchten. 

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